0.10 Alternativ-Grammatik - Boettcher-Grammatik

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Die neu erschienene Grammatik für Lehramtsstudierende der Germanistik von Boettcher kann hinsichtlich ihrer Struktur verglichen werden mit der Alternativ-Grammatik.


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Diskussionsbeiträge

0. Nachträge zur Theorie

Der Punkt ist so gemeint, dass nicht speziell nur zur Boettcher-Grammatik Beiträge geboten werden sollen, sondern allgemeiner auch zum Thema "Grammatik.

0.1 Keine zu große Selbstverständlichkeit beim Thema "Grammatik"!

Der Philosoph Ludwig Wittgenstein hielt ebenfalls "Grammatik" und "Regeln"

für wichtig. Aber:
"Bekanntlich meint Wittgenstein damit nicht die Regeln der
sog. Schulgrammatik ('Syntax'). Sein Begriff der 'Grammatik'
(eines Wortes, Ausdrucks oder Satzes) zielt vielmehr auf die
Handlungslogik der alltäglichen Sprachpraxis. In diesem
Sinne überschneiden sich z.B. manche Verwendungen der
Begriffe 'Freundschaft' und 'Liebe', andere jedoch schließen
einander aus. Und es sind die Unvereinbarkeiten in der
Verwendung, die letztlich den 'grammatischen'
Bedeutungsunterschied ausmachen. ...
Wittgensteins Ausweitung des Grammatikbegriffs führt so weit,
dass er selbst nonverbale Signale zur 'Grammatik' von
Empfindungsbegriffen rechnet. So gehört z.b. die Beachtung
des traurigen Gesichtsausdrucks zur grammatikalisch 'richtigen'
Verwendung des Begriffs 'Depression'."
(P. Orlik, Sprachspiele und Lebensformen. 2006. 171)

Für uns genügt der Hinweis, dass der Philosoph ein "Grammatik'-Verständnis praktiziert, das weit in alle Komponenten des Kommunikationsgeschehens hineinreicht, somit das enge schulgrammatische Verständnis hinter sich lässt.

0.2 Grammatik // Spiel

Was Sprachbeschreibung benötigt - Wörter / Grammatik -, das benötigen auch Spiele um zu funktionieren. Die Analogie sollte man sich bewusst machen:

"Spiele (games) sind Zeichensysteme, deren 'Wörter' durch
Spielfiguren, und deren 'Grammatik' durch die Spielregeln
bestimmt werden. Die 'Grammatik' der Spielfiguren und
Spielregeln konstituiert und begrenzt die Zugmöglichkeiten
(play) in einer gegebenen Spielposition. Jeder vom Spieler
'richtig' ausgeführte Spielzug ist nichts anderes als die
Realisierung einer in der Logik-('Grammatik') des Spiels
a priori bereitliegenden Handlungs-Möglichkeiten(!)".
(P. Orlik, Sprachspiele und Lebensformen. 2006. 116)

0.3 Katastrofal ...

... ungeschützt lassen wir uns zu dieser heftigen Negativwertung hinreissen angesichts von:

Herbert Genzmer, Unsere Grammatik. Die Schönheit
der Sprache: nachschlagen und informieren.
Berlin 2014. Lizenzausgabe für Wissenschaftliche
Buchgesellschaft.

Im Detail gäbe es sehr viel anzumerken. Daher mögen einige weichenstellende Aspekte genügen:

  • Aus dem Buchtitel wird nicht ersichtlich, dass es speziell um die deutsche Sprache geht.
  • Gemessen an den Methodenebenen der Alternativ-Grammatik bietet das Genzmer-Buch nichts;
  • über Grammatikbegriffe wird ebenfalls nicht kritisch nachgedacht, sondern sie werden aus der Tradition fraglos übernommen; Beispiel "Genus, Geschlecht". Die sich daraus ergebenden Komplikationen in der Kommunikation lassen sicht nicht vernünftig lösen, wenn die Klassifizierung von Nomina und die sexuelle Orientierung nicht klar unterschieden werden (ergo: der Grammatikbegriff ist ungeeignet);
  • das Thema "Sprechakt" spielt keine Rolle; "Modalitäten" werden nur - wie in der traditionellen Grammatik - im Verbund mit Konjunktionen, Interjektionen behandelt, nicht als geistig eigenes gedankliches Feld.
  • Etwas, das unserer "Pragmatik" entsprechen würde (z.B. Dialoganalyse), sucht man vergeblich.

Der ranschmeisserische Titel ist unterlegt durch viele oberlehrerhafte Wertungen: "richtig" - "falsch". Damit lassen sich die angedeuteten strukturellen Defizite nicht beheben. - Es ist unverständlich, dass die seriöse Wissenschaftliche Buchgesellschaft ein solches Werk übernahm.