0.12 Bereitstellung langer Texte

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Meist werden wir die Illustration von Sprachaspekten an überschaubaren, kleineren Texten durchführen. Aber der Anspruch besteht, dass dieses Grammatikkonzept auch geeignet ist, große Texte, z.B. Romane, zu beschreiben.

Theoretisch ist dies auch kein Problem. Jedoch praktisch - nicht nur im Blick auf Schulunterricht. Hierfür müssen und können sicher noch Erfahrungen gesammelt, weiter getestet und - letztlich - hier mitgeteilt werden.


Praxis

1. Franz Kafka, Der Prozess

  • Der Text wurde heruntergeladen von "Projekt Gutenberg.de". Dort ist er in Portionen unterteilt, die als "Kapitel" bezeichnet werden. Dies ist jedoch irreführend, weil diese Gliederung mit den tatsächlichen Kapiteln des Romans nicht übereinstimmt. Das ist schon eine erste Klärung, die man bei der Bereitstellung des Textes durchführen muss.
  • Der zweite, die Arbeitsfassung vorbereitende Aktion besteht darin, all die links und Werbeeinblendungen zu eliminieren.
  • Die dritte: die Portionen, die tatsächlich ein literarisches Kapitel bilden, hintereinander hängen.
  • Da mit dem Text gearbeitet werden soll, was immer auch heißt: die eigenen Argumentationen, Ergebnisse mit denen anderer zu vergleichen, sollte ein Zähl-/Verweissystem integriert werden: Mit dem kann man sich schnell darüber verständigen, auf welche Textpassage genau man sich bezieht. "Kapitel" allein genügen nicht. Man sollte innerhalb der Kapitel einen schnellen Zugriff auf Absätze und darin einzelne Sätze haben.

1.1 Erstellung einer 'Arbeitsfassung'

Auf der genannten Vorarbeit basierend wird der Roman hier zur Verfügung gestellt.

Kapitel 1: [1]
Kapitel 2: [2]
Kapitel 3: [3]
Kapitel 4: [4]
Kapitel 5: [5]
Kapitel 6: [6]
Kapitel 7: [7]
Kapitel 8: [8]
Kapitel 9: [9]
Kapitel 10: [10]

Die Textdarbietung enthält folgende Merkmale:

  1. Die äußere Gestaltung will nicht konkurrieren mit einer schönen gedruckten Fassung. Es sind auch noch einige Steuerzeichen enthalten, die absichtlich belassen worden waren. Anstelle ansprechender Optik bestand das Interesse in gutem Zugriff auf den Text.
  2. Wichtiges Verständigungsmittel ist die enthaltene Zählung, die sich durch das ganze Werk zieht. Die Zahl vor dem Punkt bezieht sich auf die Absätze, die der Autor voneinander unterschieden hat. Seine Gliederung des Textes wird nun also nicht mehr durch neue Zeile (die kommt nun häufig vor) und Einrückung fassbar, sondern durch die Zahl vor dem Punkt.
  3. Die Zahl nach dem Punkt unterscheidet Einheiten innerhalb der Absätze. Es geht um Einheiten, die durch ein 'starkes' Satzzeichen abgeschlossen werden (.:;!?). - Mit dem Kriterium der Anführungszeichen werden auch direkte Reden hervorgehoben.
  4. Damit ist es relativ leicht zu beobachten, wo auffallend lange bzw. auffallend kurze Abschnitte bzw. Einheiten vorkommen, und zusätzlich: in welcher Abfolge/Dichte.
  5. Nicht sollte diese Gliederung verwechselt werden mit den Äusserungseinheiten, vgl. 4.06 Äußerungseinheiten - Satz / 4.0601 Äußerungseinheiten (ÄEen)/ 4.0602 Interpunktion. Meist wird es so sein, dass eine durch Interpunktion (u.z. 'starke' Satzzeichen, bloßes Komma reicht nicht) hier bezifferte Einheit, wie sie hier geboten wird, mehrere Äusserungseinheiten umfasst.
  6. Die eigene Berücksichtigung, Herausstellung der Einheiten, die mit Anführungszeichen markiert sind, lenkt schon hin auf spätere Gesichtspunkte der PRAGMATIK: Unterscheidung von Rede- und Handlungsebene, Dialogbeschreibung.
Die Kapitelabfolge, v.a. wenn man noch einbezieht, dass es weitere, unvollendete Kapitel gibt,
ist in der Forschung diskutiert. Eine Übersicht dazu bietet Joffrey Fitz:
Vgl. [11]

1.2 Aufschlüsselung durch Statistik

Den Gesamttext kann man - aufbauend auf der soeben gebotenen Textversion - noch ein wenig strukturieren:

  1. Man schaut, wo die längsten, wo kurze Abschnitte vorkommen. Unterschied in der Abschnittszählung: oben wurden sie fortlaufend durch den ganzen Roman hindurch gezählt, jetzt je neu innerhalb eines Kapitels.
  2. Auch die Länge der Kapitel kann man vergleichen

Vgl. dazu einige Ergebnisse in: [12] Dort sind auch erste Hinweise enthalten, wie solche Beobachtungen an der Ausdrucksseite für die Interpretation herangezogen werden können. Es ist zweierlei Nutzen:

  • So wie Reim/Rhythmus/Alliterationen/Assonanzen bei einem Gedicht, so erzeugt ein Autor durch seine "Portionierung" der Inhalte des Romans eine eigene Struktur, die autonom wirkt, bereits unabhängig von spezifischen Inhalten. Im PDF-Text durch das Stichwort "Wellenbewegung" angedeutet. Schon das trägt viel zum "Ton" des Textes und zu der Art, wie der Leser hineingenommen wird, bei.
  • Dann aber kann man die quantitativen Ergebnisse aber auch mit den Bedeutungen koppeln. Als Beispiel: Wenn Kapitel 7 in dreifacher Hinsicht durch Länge auffiel (Abschnitte, Kapitel als Ganzes, lange Sätze innerhalb von Abschnitten) - welche Inhalte werden dadurch betont? - Oder: Warum ist ausgerechnet das letzte Kapitel das kürzeste?

2. Cervantes, Don Quichote: Spanisch, Deutsch, Englisch / ÜBUNG

Kapitel 1 über den verhinderten Ritter Don Quichote kann zu einem Übersetzungsvergleich benutzt werden. Die drei Texte sind parallel geboten, also kann man vergleichen. In der deutschen Version sind die Äusserungseinheiten per Zählung integriert (das Thema wird folglich in Ziff. 4.0601 nochmals aufgegriffen). [13]