4.0223 Zwischenreflexion 2 / Semantik vs. Pragmatik

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Es gibt eine wörtliche Bedeutung und daneben eine übertragene. Das wusste man schon in der Antike. Wenn das also richtig ist, heißt das: Bedeutungsuntersuchung muss doppelt vollzogen werden, einmal bezogen auf die Wortbedeutung, einmal bezogen auf die gemeinte Bedeutung. Die erste Stufe nennen wir Semantik, die zweite Pragmatik.


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0. Zur Theorie

0.1 Begriffe

Vorschlag zur Begriffserweiterung in "Diskussion" --J.Germann (Diskussion) 18:51, 13. Okt. 2014 (MET)


Einzelsprache: 1.1 Deutsch

Erläuterung

Semantik = Analyse der Bedeutung der sprachlichen Zeichen. Die Semantik untersucht die wörtliche Bedeutung von Ausdrücken, die Aspekte des Inhalts, die sich aus den Relationen zwischen der Bedeutung von Wörtern, Sätzen usw. untereinander im System der Sprache ergibt.

Die Semantik beschreibt die Aspekte des Inhalts, die sich aus den Relationen zwischen dem Zeichen und der Welt ergeben, wobei der Sinn eines Zeichens seine Interpretation in bezug auf Gegenständen, Ereignissen, Sachverhalten, usw. in der Welt definiert.

Die Semantik befasst sich mit dem kontextinvarianten Kern von Wörtern und Sätzen.

Pragmatik = untersucht den Gebrauch von sprachlichen Ausdrücken (Wörtern, Sätzen) und ihre gemeinte Bedeutung in Abhängigkeit von dem Kontext, in dem sie gebraucht werden.

Für die Impulse vgl. [1] bzw. [2]

Beispiele

  1. Die Nadel im Heuhaufen suchen: Im Wortsinn versteht man die tätsächliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Im deutschen Sprachgebrauch wird das jedoch für die Suche nach einer schwer auffindbaren, unauffällig unter sehr vielen ähnlichen Dingen versteckten Sache gebraucht.
  2. Rabeneltern: Im Wortsinn stecken die Eltern dieser Vogelart, also der Raben drin. Man muß hier keinen Kontext suchen, doch im deutschen Sprachgebrauch wird der Begriff "Rabeneltern" für Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen, benutzt, obwohl dieses Gemeinte mit dem tatsächlichen Verhalten der Rabeneltern nichts zu tun hat.
  3. Tim: Hast was an der Waffel? Struppi: Ich habe keine Waffel. - Hier sieht man ein künstlich erzeugtes Missverständnis, welches sich für die humorvolle Sprache gut eignet. Es erfolgt ein Zusammenstoß von wörtlicher und gemeinter Bedeutung, der für einen im deutschen Sprachgebrauch Fremden irritierend sein kann.
  4. Guter Rutsch: ist ein im deutschsprachigen Raum verbreiteter Silvestergruß und bedeutet, dass der Begrüßte gut in das Neue Jahr kommen möge. Der Silvestergruß leitet sich vom hebräischen Rosch ha-Schana tov ab und hat die semantische Bedeutung für einen guten Anfang. [3]


Übungen

  1. Immer gilt für uns: nicht vorschnell die übertragene Bedeutung erkennen und sich damit zufrieden geben. Stattdessen die Bedeutungsanalyse immer mit der Wortbedeutung starten.
  2. Überlegen Sie sich Beispielsätze, in der potentielle Doppeldeutungen vorkommen, und überlegen Sie sich, wie sie im Sprachgebrauch vermieden oder bewusst eingesetzt werden können.

Motiv

Warum also der Umweg der Redewendung?

Beispiele

Mit Kind und Kegel: bedeutet: mit der gesamten Verwandtschaft oder mit Kindern, Haustieren und Gepäck. In der wörtlichen Bedeutung stammt Kegel vom althochdeutschen kegil, Knüppel, Pflock ab, und hatte im Mittelalter die zusätzliche Bedeutung uneheliches, lediges Kind oder Bastard. [4]

Leviten lesen: Die Redensart jemandem die Leviten lesen bezieht sich auf die Vorschriften des Buches Levitikus. Lektionen aus diesem Buch dürften bei Disziplinarfällen im Klosterleben der Brauch gewesen sein. [5]

  1. Motiv der Abkürzung: Durch weniger Worte wird ein längerer Sachverhalt beschrieben.
  2. Motiv des Sinnes: Der Text gibt uns einen Ausblick aufs Mittelalter, d.h. die Art des Textes kann durch heute verlorengegangene Worte bestimmt werden.
  3. Motiv der Übertreibung: "Der Peter ist ein Mann, wie ein Schrank."
  4. Motiv des Metaphorischen: "Wenn du das nicht isst, kannst du mit den Gemaltem essen!" Es wird metaphorisch gesagt, dass derjenige entweder essen soll oder es lassen, also nichts essen soll. Er bekommt dann genauso wenig wie die Figuren auf einem Gemälde.
  5. Motiv der Verschönerung: Mit Kind und Kegel.-> durch Alliterationen
  6. Motiv des Humors: "Jede Schrankwand tanzt besser."

Übung

Finden Sie für die folgenden Redewendungen Motive, warum sie eingesetzt werden. Überlegen Sie sich, woher die Wortbedeutung stammt und was sie ausdrücken soll.

  1. Bäuerchen machen
  2. Altweibersommer
  3. Beleidigte Leberwurst
  4. Heilix Blechle