4.0232 Eigenschaften, »Adjektive«

Aus Alternativ-Grammatik
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Wer einen »grünen Baum« sieht, was sieht der? Zwei Worte waren soeben gebraucht worden. Das erste benannte eine Farbe, das zweite ein Objekt, eine Pflanze mit Umriss und Struktur. Die Sprache benutzt zwei Wortformen, und daran hängen zwei unterscheidbare Bedeutungen, selbstständige: 〈〈GRÜN〉〉 und 〈〈BAUM〉〉. Aber – unter uns gesprochen – es gilt ja wohl, dass nur ein Objekt gesehen wird, nämlich der Baum, der zugleich eben grün ist. Die Eigenschaft gibt es nicht unabhängig vom Objekt. In der Sprache allerdings schon. Da kann ich von »grün« reden, ohne zugleich auf ein grünes Objekt zu verweisen.


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1. Einzelsprache: DEUTSCH

1.1 Erläuterung

Einschlägige Begriffe aus dem Bereich der Standardgrammatik:

Gegenstand:

In der Alltagssprache wird "Gegenstand" als Sammelbegriff verwendet, um das zu kennzeichnen, worauf sich das Interesse oder die Beobachtung richtet und worüber berichtet und diskutiert werden kann. Es gibt den 'mit den Sinnen zugänglichen, individuellen' Gegenstand, und den "abstrahierten Gegenstand des Denkens", ein durch Reflexion erzeugtes mentales Objekt. Wobei mit "Gegenstand" hier immer der sprachliche Gegenstand gemeint ist, ganz egal, ob man einen sinnlich-anschaulichen oder einen blassen Gegenstand des Denkens meint. Wir bewegen uns also in der Spanne: "Konkretum - Abstraktum", vgl. [1].

Wikipediadefinition zum Gegenstandsbegriff:[2]

Eigenschaft:

"Allgemein ein realisiertes Merkmal, eine Funktion, ein Attribut oder eine Qualität, die einer Klasse von Objekten, Prozessen, Relationen, Ereignissen, einer Handlung, einer Person oder Personengruppe gemeinsam ist und sie von anderen unterscheidet."

Wikipediaauszug zur Eingrenzung des Eigenschaftsbegriffs: [3]

Ein weiterer Aspekt der 'Eigenschaft' ist folgender: Wenn man weitere Eigenschaften hinzufügt, hat dies zunehmend die Tendenz einer definiten Determination, vgl. [4], d.h. man beschreibt etwas allmählich so genau, dass ein anderer unwillkürlich an genau den selben Gegenstand denkt. Würde man beispielsweise nur eine Eigenschaft nennen, so würde man zwar in die "richtige" Richtung gehen, aber nicht gleich sicher exakt den einzig und allein angepeilten 'Gegenstand' damit verbinden.

Eigenschaften begegnen in der Sprache als Adjektiv, Partizip, Genitiv, Apposition oder als Relativsatz.

  1. Adjektiv: Das rote Kleid sieht gut aus.
  2. Partizip: Ein sprechender Vogel ist seltsam.


2. Determination

Durch Eigenschaften können wir auch - wie soeben erwähnt - die sog. Determination durchführen, also die Näherbestimmung eines Objektes bzw. eines Begriffs (z.B. durch ein Adjektiv-Attribut).

"Das kleine Kind schreibt eine Klassenarbeit." [5]


3. Kongruenz zwischen Adjektiv und Nomen

Zwischen Adjektiv und Nomen besteht eine Kongruenz, also eine Übereinstimmung von Kasus und Numerus bei dem Adjektiv. Das Adjektiv folgt dem Substantiv (Nomen) in Kasus und Numerus nach.

  1. Das alte Haus will niemand.
  2. Dem alten Mann gehört das Haus.
  3. Den alten Männern gehört das Haus.


Übungen

  1. Stellen Sie sich einen Gegenstand vor und definieren Sie 2 Eigenschaften dafür. Diese nennen Sie einem Übungsteilnehmer, dieser wiederum muss den Gegenstand erraten bzw. eine weitere Eigenschaft hinzufügen, die auf den Gegenstand zutrifft. Die Frage der Übung besteht dann darin, ob man wirklich durch definite Determination auf den selben Gegenstand kommt.