4.0241 Genus – grammatisches »Geschlecht«

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

»Väter« werden im Hebräischen als »feminin« behandelt, schaut man nur auf die grammatische Endung (»Frauen« sind dort übrigens »männlich«). Das alles ergibt doch etwas merkwürdige Auskünfte, vor allem wenn man hinzunimmt, dass es afrikanische Sprachen gibt, die 8 Unterscheidungen der Nomina verwenden, wobei Anleihen aus dem Bereich des biologischen »Geschlechts« zum Teil ganz fehlen. Mit der Unterscheidung »maskulin« vs »feminin« sitzt man dann ganz auf dem Trockenen.


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0. Nachträge zur Theorie

These vorneweg, als Weichenstellung für alles, was folgt, geltend:

Grammatiker schon in alten Zeiten haben
natürlich bemerkt, dass es bei den Nomina
Unterscheidungen gibt, wohl in allen Spra- 
chen. Um das Latein zu nehmen z.B.:
     mensa             -a
     ager              -er
     dominus           -us  
     oppidum           -um
Als Einblick, nicht als erschöpfende Dar-
stellung, möge dies genügen: die Endungen
sind nicht nur verschieden, sondern von
ihnen hängt auch ab, nach welchen Mustern das
Nomen sonst noch behandelt werden kann
(Deklination, Fälle). Man kann  nicht
mit jedem Wortstamm alles machen, ihn kneten,
wie man will. Vielmehr: die Endung bestimmt,
welche weitere Varianten am Schluss erlaubt
sind. Auch deren Zahl ist eng begrenzt. 
Nur mit dieser doppelten Beschränkung ist
gesichert
   - dass die Zahl der Wortvariationen über-
     schaubar bleibt,
   - dass die meisten im Volk dieses Muster
     erlernen können und nicht häufig mit
     neuartigen, nie gehörten Wortbildungen
     konfrontiert werden; solche mögen hie
     und da ja witzig und anregend sein.
     Aber im Alltag hat man genügend zu tun,
     um zunächst mal das Leben zu meistern.
     D.h. Kommunikation sollte beschleunigt
     möglich sein. 
   - Eine derart gegliederte Sprache - wie-
     derholt sich bei Verben - bleibt im
     Prinzip überschau- und beherrschbar.
Die Mittel, um solche Unterscheidungen
deutlich zu machen, sind verschieden. Im
Deutschen wären die 3 Artikel -
der, die das - einschlägig. Diese ändern
sich, bisweilen kombiniert mit einer spe-
ziellen Endung am Nomen.

These: Solche Unterscheidungen bei Nomina in ihrer Sprache haben auch schon in alter Zeit Grammatiker erkannt. Sie standen damit im Zwang, den Mechanismus zu beschreiben, einen Begriff dafür zu finden und anzubieten. Um dies zu tun, hatten sie viele Möglichkeiten. Bei einer Dreiergliederung hätten sie sagen können:

  Typ A            links                kalt               
  Typ B            rechts               warm  
  Typ C            mittig               lau   

... was natürlich - im Fall von "Typ" - allzu trocken und formal geklungen hätte. Allerdings hätte eine solche oder ähnliche Klassifizierung viele Konfusionen, die wir hier noch behandeln, unterbunden und viele hitzige Fernsehdebatten zum Thema "Geschlecht" auch ... - Aber die Alten machten eine Anleihe bei den Unterscheidungen, die sie leibhaftig und tagtäglich erlebten, beim biologischen Geschlecht. Wer auf die Idee kam, wissen wir nicht. Nichts in der Sprache zwingt mit Sicherheit dazu, auf die Biologie zurückzugreifen.

Solche fachlichen Sprünge gibt es häufig,
auch heute noch. Um im einen Themengebiet
etwas zu benennen, bedient man sich einer
Sprechweise, die im anderen Themengebiet
beheimatet ist = "Übertragener Sprachgebrauch" [1].
Ein Fussballer erleidet durch einen Schlag
eine schmerzhafte Prellung, aber der Reporter
spricht von "Pferdekuss". Der Begriff ist so
etabliert, dass er geradezu ein Fachausdruck
wurde. Aber weder von "Pferd" noch von "Kuss"
war weit und breit etwas zu sehen... 

Eine solche Anleihe an einem fremden Themenzusammenhang liegt auch bei den Nomina vor, wer es griechisch haben möchte: eine 'katabasis eis allo genos' = ein Übergang zu einem anderen Themengebiet. Derb gesagt: "Geschlecht" als Begriff bot sich aus dem Alltagsleben heraus an, um Unterscheidungen zu benennen. Die 'Unterschiedenheit der Geschlechter' ist ein zentrales Thema in jedem Leben. Aber "Geschlecht" hat - genau besehen - überhaupt nichts mit jenen sprachlichen Unterschieden zu tun. Es genügt nicht, wenn der Begriff manchmal zu passen scheint. Im Russischen ist der "Mann" "weiblich"! Entweder der Begriff passt durchgängig - dann kann man ihn verwenden. Oder er passt manchmal, dann ist er zwar für solche Fälle eingeführt, aber als breitflächiger Ordnungsbegriff untauglich.

Folglich ist jedes Herumdoktern an Sprache, um "geschlechtsneutral" zu werden usw. Unfug. - Das setzt aber voraus, dass die Sprachbenutzer genügend bewusst mit Sprache umgehen: eine spezielle Endung an Nomina sagt überhaupt nichts zur Stellung eines biologischen Geschlechts in der Gesellschaft aus. An diesem Sprachbewusstsein - bei uns: Trennung von Ausdrucks-SYNTAX und SEMANTIK - ist konstant zu arbeiten. Und wie sich Wörter äußerlich verändern können, das sollte man semantikfrei klassifizieren!


0.1 Verhältnis zur Ausdrucksseite

In Ziff. 0.1 in 4.011 Ausdrucksseite: Wortbildung finden sich ergänzende Überlegungen zum Thema "Genus".

0.11 Sinnvolle Platzierung der Fragestellung

Wer über männlich - weiblich sprechen will, sollte dies nicht beiläufig als abgehandelt betrachten, indem ausgerechnet kleine Wortbildungvarianten (Endungen, Begleiter) gesetzt oder eben nicht gesetzt werden. Variationen dieser Art werden dem Thema nicht gerecht: Biologie und Wortveränderungen haben von Hause aus keinen inneren Zusammenhang. Solange eine Äußerung keine größere sprachliche Anstrengung erkennen lässt, darf unterstellt werden: der 'männlich - weiblich'-Unterschied ist im Text belanglos. - Das geht also in Richtung generischem Verständnis: Es wird zwar ein Typ von Wortmodifikation (Begleiter, oder Endung, oder ...) verwendet. Gemeint aber sind biologisch alle dieser Gesamtbedeutung zuzurechnenden Einzelexemplare - mögen sie physisch 'männlich, weiblich, divers/indifferent' sein.

Wenn aber doch der 'männlich-weiblich'-Unterschied wichtig ist, darf man verlangen, dass dies auch sprachlich-beschreibend ausreichend deutlich gemacht wird. Dann ist einschlägig: Vgl. [2]. Dann ist aber auch wichtig, die entsprechenden männlichen oder weiblichen Attribute auszuformulieren. - Formulierer von Stellenanzeigen wissen das schon länger - verfallen aber auf dieser Ebene bisweilen noch gängigen Klischees, z.B. Dominanz männlichen Verhaltens - was dann Frauen abschreckt: Vgl. [3]

0.12 Bedürfnisse klarer Logik, Gedankenstruktur

Unsere Grammatikkonzeption widerspiegelt es in aller Breite - längst nicht nur beim Begriff "Genus": Auch Sprachanalyse hat in zwei fundamental verschiedenen Schritten zu geschehen:

  1. Um welche Erscheinungen, die physisch, sinnenhaft zugänglich sind, soll es gehen, was gibt es hierbei an Varianten, die offenbar beachtet sein wollen? Vgl. [4]?
  2. Wozu dient diese oftmals ja differenziert ausgestaltete Ausdrucksseite: Vgl. [5]/[6]? Sie bliebe 'Lautgeklingel', wenn nicht auf einer zweiten Ebene, der der Bedeutungen, damit etwas erreicht werden sollte.

Êine solche, häufig über einen langen Zeitraum entstandene Ausdrucksseite einer natürlichen Sprache war über die Jahrhunderte hinweg vielen Zufälligkeiten ausgesetzt - was alles mit 'Logik und gedanklicher Klarheit' nichts zu tun hat.

Wer sich somit beim Analysieren von Sprache verständlich machen will, benötigt eine durchdachte Beschreibungssprache = konstruierte Grammatik. Andernfalls bleibt er in den Tücken und Zufälligkeiten der Alltagssprache hängen - und muss sich mit unnötigen Problemen herumschlagen. "Genus" ist nur ein Fall unter vielen.


0.2 Poetische Falle

Wer theoretisch immer noch keinen Änderungsbedarf beim "grammatischen Geschlecht" sieht, kann sich von H.M. Enzensberger - geistig natürlich - 'verprügeln' lassen ..., vgl. [7].

0.3 Generisches Maskulinum/Femininum ?

Wo man ein Problem sieht, sollte man es lösen. Es fragt sich: Wie? - Es stimmt: Wenn eine Mehr-/Vielzahl von Menschen unterschiedlichen Geschlechts gemeint ist, hat es eine breite Tradition im Deutschen, die - wieder traditionell ausgesagt - männliche Sprachverwendung für beide biologische Geschlechter zu verwenden. Die "Professoren der Uni xyz" schließt eben auch die "Professorinnen" ein.

Zweifellos gab es dazu in den vergangenen Jahren einen Sprachwandel. Kaum ein Politiker spricht nur noch von den "Bürgern", sondern immer auch von den "Bürgerinnen" - und sei es lediglich dahergenuschelt. Aber die Uni Leipzig dachte, die Geschlechtergerechtigkeit werde noch nicht konsequent genug beachtet. Folglich solle man die bisherige Praxis umdrehen: die "weibliche" Form ist die normale. Sie kann man dann auch im Singular verwenden: "Herr Professorin". Vgl. [8].

Nun ja. Dazu braucht es hier keine politische Stellungnahme, sondern eine grammatische:

  • Ausgangspunkt derartiger Verwicklungen ist eine alte, aber dennoch unsinnige Grammatikpraxis, unterschiedliche Typen von Substantiven mit Geschlechtsterminologie zu belegen. Das muss beileibe nicht sein: die meisten Substantive sind indifferent gegenüber dieser Terminologie ("die Primel", "der Hafer"); und viele Sprachen kommen ohne die Kategorie "Geschlecht" klar. Es besteht also keine Naturnotwendigkeit dafür.
  • Die Uni Leipzig bestätigt also - nur aus entgegengesetzter Perspektive -, was abgeschafft gehört: Anleihen am biologischen Geschlecht zur Unterscheidung von Substantiven. Insofern ist die neue dortige Praxis kein Fortschritt.
  • Es gibt andere sprachliche Mittel als die armseligen Endungen/Nicht-Endungen, um die unterschiedlichen biologischen Geschlechter bewusst und klar sprachlich in den Blick zu nehmen, nicht wahr, "verehrte Damen und Herren Professoren"?!

0.31 Generisches Maskulinum/Femininum ?

Arzneimittelwerbung muss den absichernden Satz enthalten:

"Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie
Ihren Arzt oder Apotheker!"

Und warum nicht nach alter Grammatikterminologie korrekt?

"Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre
Ärztin oder Ihren Arzt
oder Ihre Apothekerin oder Ihren Apotheker!"

Weil Werbezeit teuer ist - die zweite Variante ist nahezu doppelt so lang; ist das nun das grammatisch geltende Argument? - genügt also doch die sog. männliche Form für alle VertreterInnen der betreffenden Berufe? - Ja, aber nicht wegen der Werbekosten, sondern weil man allmählich

  • die Geschlechtsterminologie aus der Substantivbestimmung abziehen sollte;
  • und weil die Differenzierung nach biologischem Geschlecht mit anderen Mitteln (als bloße Endungen) dort praktiziert werden sollte, wo sie kontextuell angebracht ist und inhaltlich gebraucht wird;
  • keinem Mann fällt ein Zacken aus der Krone, wenn bei sog. 'männlichen' Formen die Frauen inzwischen mitgemeint sind;
  • und angesichts fortgeschrittener Emanzipation der Frauen in der Gesellschaft muss nicht bei jeder mickrigen Endung für die Gleichstellung gekämpft werden; wo es noch Nachholbedarf gibt, da sollte mit effizienteren Mitteln und ausführlicher darauf hingewiesen werden - auch natürlich im sprachlichen Bereich;
  • folglich: man sollte sich auf Aussagen / Zusammenhänge konzentrieren, wo explizit beide Geschlechter differenziert genannt werden sollten. Dabei dürfte einem jedoch etwas mehr an sprachlicher Gestaltung einfallen, so dass die Aussageabsicht klar wird.
  • Mit dem Mittel des Zungenbrechers fördert man nicht das berechtigte Anliegen der Gleichberechtigung. Man kann sich jedoch damit lächerlich machen.

0.4 Unfug mit nicht durchschauter 'Geschlechtsterminologie'

Vgl. den Essay von Monika Maron (SPIEGEL, Ende August 2013). Sie führt zur genannten Leipziger Praxis u.a. aus:

"Aber als ich einige Tage später in der
Zeitung las, dass an der Leipziger und
Potsdamer Universität Männer jetzt auch
Professorin, Direktorin oder Präsidentin
heißen, als würde damit der Anteil der
Frauen in diesen Ämtern erhöht, verging
mir sogar das Lachen. ... Männer unter
eine weibliche Bezeichnung zu zwingen
ändert auch nichts daran, dass es immer
nur die von der männlichen Bezeichnung
abgeleitete ist, immer nur das angehängte
'in', was uns dieses literatur-untaugliche
Binnen-I beschert hat und die genuschelten
'Liebe Bürgernnnnn und Bürger'-Ansprachen
aller Politiker."

Allerdings sollte M. sehen, dass "männlich/weiblich" nichts zu suchen hat bei der grammatischen Beschreibung von Nomina. Dann würde die Kritik an der Wurzel ansetzen.

0.41 Unfug - Fortsetzung

Auch in SPIEGEL 13/2014 wird das "Geschlechtergerechte Blähdeutsch" aufgespießt. Mit Recht. Zu solch verquirlter Sprache kommt es, wenn man - grammatisch - unbedacht daran festhält, gewisse Veränderungen an Nomina würden auf männlich / weiblich deuten. Gewiss, so lehrte man lange Zeit die Grammatik. Deswegen ist "die Geisel" keineswegs sicher eine Frau, sondern kann auch ein Mann sein (und so noch weitere Gegenbeispiele). Es muss also bewusst werden:

  • was man an Veränderungen mit Nomina veranstalten kann, hat mit Biologie noch gar nichts zu tun
  • es gab/gibt sprachliche Gepflogenheiten, mit der einen Sorte Nomina vorwiegend auf Männer zu verweisen, mit der anderen auf Frauen. Aber eindeutig ist diese Verteilung überhaupt nicht.
  • Pragmatisch ist in vielen Fällen problemlos, eine Form - meist ist es die kürzere (oft damit die bislang als 'männlich' bezeichnete) - für beide Geschlechter zu verwenden; das ist dann die sogenannte "generische" Verwendung.
  • Ebenfalls pragmatisch muss verlangt werden: Wenn tatsächlich die Unterschiedenheit der Geschlechter angesprochen werden soll/muss, dann sollte einem das einen erhöhten sprachlichen Aufwand wert sein. Das gilt somit nicht nur - wie bislang meist -, wenn Frauen ins Bewusstsein gehoben werden sollen. Das kann durchaus auch für Männer signifikant sein.
  • Erst recht ist die Lösung der Grammatik von der Biologie auf der einen, höherer sprachlicher Aufwand auf der anderen Seite geboten, wenn - was allmählich stärker ins Bewusstsein tritt - biologisch bewusster wird, dass die Zweiheit der Geschlechter eigentlich eine überholte Vereinfachung ist: wer biologisch z.B. 'männliche' Geschlechtsmerkmale aufweist, kann sich von seinem Fühlen her eher 'weiblich' verstehen. - Bleibt man beim ursprünglichen simplen Schematismus, führt man die Diskriminierung weiterer Gruppen fort.

Auszüge aus dem Artikel:

... hat das Bundesjustizministerium strenge
Richtlinien erarbeitet.
Das 'Handbuch der Rechtsförmlichkeit' empfiehlt,
staatliche Dokumente
* "geschlechtsneutral" zu verfassen
* "Paarformen" zu nutzen ("Unterschrift des
  Inhabers oder der Inhaberin");
* verstärkt das Passiv einzusetzen, weil der
  Handelnde so verschwindet;
* das Pronomen "sein" zu meiden: "Wer sein
  Haus nicht abschließt" solle ersetzt werden
  durch "Wer das eigene Haus nicht abschließt".
"Schwachsinn" nennt das der langjährige Chef
der Hamburger Journalistenschule Wolf Schneider.
...
So wollen in Kiel manche Schillers Vers "Alle
Menschen werden Brüder" umkrempeln zu "Alle
Menschen werden Geschwister". In Mecklenburg
-Vorpommern hat die Regierung den Begriff
"man" für tabu erklärt. Ein Flyer aus Hildes-
heim zeigt einen gutgenährten Mann mit
Schnurrbart. Unterzeile:
"Die Kreisbrandmeisterin".
   Selbst die Dingwelt sowie juristische
Körperschaften geraten in den Strudel der
Genderei. Viele Amtsstuben sind dazu überge-
gangen, Firmen als "Arbeitgeberinnen" anzu-
sprechen, auch müsse es heißen: "die Univer-
sität als Antragstellerin".
   In der Konsequenz wäre die Klinke eine
Türöffnerin und die Tasche eine Behälterin.
Ein Internetsprachführer rät bereits zur
Schreibung:
"Die Polizei, deine Freundin und Helferin".
   Ist das noch tolerant oder schon töricht?

Und das alles, weil niemand durchschaut, welchen Quatsch die eingebürgerte Grammatikterminologie bewirkt, die meint, Endungen wie "-e, -in" u.ä. seien "weiblich", solche auf "-er" "männlich". - Eigentlich unterscheiden sich die biologischen Geschlechter in anderen Merkmalen ...

0.411 Unfug - gar computerlinguistisch

Interview in SWR2 mit einer Computerlinguistin, die u.a. die Verteilung von Personennamen in der gegenwärtigen Gesellschaft untersucht. Darin u.a. die Erkenntnis, es falle auf, dass Vornamen mit "weiblichen" Endungen, also "-a" wie in "Luca", zunähmen. Das lasse den Rückschluss zu, dass die Geschlechtergrenzen sprachlich immer mehr abgebaut würden.

Statistische Daten sind eines, ihre Interpretation etwas anderes. Im konkreten Fall:

  • die traditionelle und unbrauchbare "Geschlechtsterminologie" wird von der Linguistin nicht durchschaut, sondern fraglos übernommen;
  • nicht bedacht wird bei der Argumentation das Thema Migration, also die Mischung von Sprachen; verschiedene Sprachen gehen mit der Klassifizierung ihrer Worttypen unterschiedlich um; man kann nicht die Gepflogenheiten von Sprache x als Maßstab nehmen, um Wortformen aus Sprache y zu beurteilen;
  • der Fußballer Luca Toni - als Beispiel - wurde bislang immer noch als "männlich" eingestuft.

m.a.W. auf den Abbau von Ungleichheiten im Verhältnis der Geschlechter zu verweisen, ist ehrenwert und erfreulich - nur haben sie nichts mit dem aktuellen grammatischen Gesichtspunkt zu tun. Die geschilderte Fragestellung/Versuchsanordnung war bereits verquer und unbrauchbar.

0.412 Unfug - abgestellt durch Juristen

Wenn Grammatiker dumpf von "Person", "Geschlecht" reden, läuft dies auf unkontrollierbare Willkür hinaus - Juristen können damit nicht weiterarbeiten. Daher praktizieren letztere vollkommen korrekt, dass das, was bei ihnen als Person gelten soll und kann, erst definiert werden muss: amtlich beurkundet wird festgehalten, durch welche Merkmale genau diese Person mit entsprechendem Geschlecht charakterisiert ist. - Welche Endungen deren Name aufweist - bzw. weitere ausdruckssyntaktische Varianten - , ist dabei völlig belanglos: der Blick muss weitere konstante, benenn- =kontrollierbare Lebensumstände einbeziehen. Erst dann ist jene Person eine für Juristen handhabbare Größe. Es ist unerheblich, ob die so definierte Person zur Gattung Mensch gehört. - In Neuseeland wurde nun sogar ein Fluss in den Rang einer juristischen Person erhoben, er hat nun also Rechtsansprüche an die Gesellschaft.

Andere Form der Klarstellung/Bewusstmachung
durch Juristen:
Im Nov. 2017 hat das Bundesverfassungsgericht
in Karlsruhe die bislang übliche Zweiteilung
der Geschlechter - "männlich / weiblich" (z.B.
bei Bestimmung auf Formularen - ab Geburts-
urkunde) erweitert und berücksichtigt, dass es
"intersexuelle" Menschen gibt, die eben nicht
so eindeutig zugeordnet werden können. Das
trägt biologischen Befunden Rechnung. Uns
geht es hier um sprachliche Unterscheidungen.
Da passt die Richterentscheidung zu den anderen
Beispielen, wo bislang schon klar war, dass die
Sprache sich nicht nach den biologischen
Gegebenheiten richtet / zu richten braucht. 

0.42 Fazit: Problem liegt bei Grammatikern

- seien sie als Personen "männlich" oder "weiblich"... Und auf politischer, journalistischer Ebene liegt der Fehler darin, die grammatische Unterscheidung nicht als Hilfsbegriffe zu verstehen - zudem, wie wir hier vertreten, als vollkommen untaugliche, sondern als gottgegeben im Wortsinn hinzunehmen - vgl. Gen 2: "als Mann und Frau erschuf er sie". Und von dieser Plattform her, die nicht kritisch befragt wurde, geht der Blick in die Gesellschaft hinein und es wird kontrolliert, ob die Grammatikbegriffe korrekt auf weibliche bzw. männliche Wesen angewendet werden. - Als Kabarettbeitrag: Wie soll es je mit der deutsch-französischen Verständigung etwas werden, wenn die Franzosen weiterhin darauf beharren, le soleil, la lune zu sagen, die Deutschen jedoch gerade umgekehrt: die Sonne, der Mond?

Die Blickrichtung müsste umgedreht und gefragt werden: Könnt Ihr Grammatiker für die - im Deutschen drei - Klassen von Nomina nicht neutralere Hilfsbegriffe/Unterscheidungsetiketten wählen? z.B. A | B | C - Wir werden davon reden, dass die Nomina eine zusätzliche Markierung tragen - wie auch immer diese auf Ausdrucksseite angezeigt wird: durch Endung, durch Artikel, durch Akzent usw. usf. die äußere Realisierung bleibt semantisch zweitrangig.

 Typ A    der Turm | Regen | Mann | Apparat
          | Vorhang | Schnittlauch | Spiegel
          | Garten | Scheibenwischer | Scanner
          | Abend ...
 Typ B    die Wolke | Decke | Chefin | Lampe
          | Gurke | Treppe | Heizung | Kerze
          | Lokomotive | Führungskraft | Soße ...
 Typ C    das Kind | Klavier | Besteck
          | Loch | Gemüse | Buch | Bett | Auto
          | Einschreiben | Fiasko | Spiel
          | Unwetter  ...

Sobald aus der Blickumdrehung durch die Grammatiker Konsequenzen gezogen sind,

  • verflüchtigt sich die Gender-Debatte - denn die genannten Typen haben nichts mit Geschlecht zu tun.
  • Die nur schwach angedeuteten drei Beispielreihen - wer will, kann kräftig ergänzen! - zeigen, dass die übliche Gender-Debatte inkonsequent angelegt ist. Es geht nicht nur um "Männer" und "Frauen". Es müsste schon auch - das wäre konsequent - vernünftig begründet werden, warum "Schnittlauch" "männlich" ist, "Heizung" "weiblich" usw. - Anders gesagt: Mit Mitteln einer veralteten Grammatikterminologie für Gleichberechtigung zu kämpfen, ist ein sinnloses und absurdes Unterfangen.
  • Wo es inhaltlich notwendig ist, die tatsächliche biologische/seelische Verschiedenheit der Geschlechter zu berücksichtigen - um reale Diskriminierung zu unterbinden - , sollte einem das ein etwas größerer sprachlicher Aufwand wert sein. Dann muss z.B. nicht über mickrige Endungen erschlossen werden, wie es jemand mit der "Gleichberechtigung" hält. - Nur mit soziologischen Analysen ist einzufangen, was grammatisch völlig belanglos ist, nämlich die Erfahrung, die um die Wende zum 20. Jhd. die Britin G. Bell machte, die im Nahen Osten wesentlich zur politischen Neuordnung der Region beigetragen hatte (ab 2015 Film dazu von W. Herzog): sie wurde von Arabern zum "Mann ehrenhalber" ernannt ...
  • Die bisherige 'grammatische männlich-weiblich-Unterscheidung' sitzt tief in den Hirnen und ist nicht schnell auszurotten. Aber sie würde mit der vorgeschlagenen Weichenstellung zunehmend zu einer historisch-veralteten, die man zwar noch kennen sollte, die aber zügig ersetzt wird.
  • Ein Beibehalten der grammatischen männlich-weiblich-Unterscheidung wäre dadurch gestoppt; jedes Herumbasteln, wie trotz dieser Unterscheidung dennoch Nicht-Diskriminierung propagiert werden kann, würde überflüssig. Sowohl grammatisch wie auch soziologisch würden die Einlassungen seriöser werden.
  • Welche Einzelsprache mit wievielen derartiger "Typen" arbeitet, ist von vornherein offen - man muss es lernen. Das Englische hat es besonders leicht in dieser Hinsicht. Und warum in der Einzelsprache die eine Bedeutung dem einen "Typ" zugeordnet wird, die andere dem nächsten - kann man nicht vernünftig begründen. Also sollte man auf solche Begründungen verzichten, das Heil nicht von dorther erwarten. Es handelt sich um sprachliche Konventionen. Punktum! Durch Blick auf / Debatte im Bereich Geschlechter-Bedeutungen kommt man nie auf einen grünen Zweig bei der Untersuchung der armseligen Signalwörter "der - die - das".

0.43 Allzu "betroffen"?

Wer "Geschlecht" hört, ist zwangsläufig von der daran haftenden Bedeutung stark betroffen - weil jede Person dem einen, oder dem anderen, oder einem dritten "Geschlecht" zugehört, von dieser Orientierung bis in alle Fasern hinein geprägt ist. Diese biologische Grundlage prägt Leben und Verhalten. Kein Wunder, dass das Wort samt dieser Bedeutung existenziell viel anrührt und ins Spiel bringt.

Erst recht, wenn ein Kind - wie häufig bislang medizinische Praxis
- kurz nach der Geburt bei biologischer Uneindeutigkeit auf ein
biologisches Geschlecht 'zurechtgeschnitten' wurde (z.B. Hoden oder
Eierstöcke entfernen). Die gesellschaftlich/geistige Dumpfheit - Me-
diziner als Exponenten davon - bewirkte, dass das Kind später Mühe,
hatte, des Lebens froh zu werden. 
Im Fall von Logik ist das binäre Denken Denken wesentlich:
A ist nicht B. - Das reale Leben ist vielfältiger: Logik,
die nachträglich dazu Aussagen machen will, darf sich nicht aufs Ab-
bilden-Wollen beschränken, sondern muss sich etwas mehr anstrengen.   

Bezogen auf Grammatik ist es geradezu ein Kunststück und eine sehr große, allzugroße (?) Anforderung, all diese Begleitassoziationen auszublenden, zu neutralisieren, sich zu sagen: Im Bereich "Grammatik" hat das Wort 'Geschlecht' aber eine andere Bedeutung! Jedenfalls gibt es genügend fruchtlose Debatten, die eine Brücke zu schlagen suchen zwischen Sprache und Biologie.

Folgerung: "Geschlecht" als Begriff ist von seiner Herkunft her zwar stark von der Biologie besetzt, mag es auch bleiben. Aber als Fachbegriff leistet das Wort auch nichts anderes, als andere Fachbegriffe, nämlich darauf hinzuweisen, dass es von einem sprachlichen Phänomen - aktuell interessiert das Nomen (samt Ableitungen) - verschiedene Ausprägungen gibt.

Andere vergleichbare Oberbegriffe wären:
Klasse, Typ, Specimen, 'geistige Schublade', Ebene ...
Sie sind formaler, von Haus aus leerer.
Sie hätten den Vorteil, nicht von vornherein
eng mit der Biologie verknüpft zu sein und so sehr
schnell  Verwirrung zu stiften.
Wir bevorzugen, von Markierung zu reden. Vgl.
dazu weiter oben unseren Vorschlag: [9]

Wer weiterhin vom "grammatischen Geschlecht" sprechen will, sollte geistig die Wende zu solchen Sammelbegriffen vollziehen und zugleich den Seitenblick auf die Biologie blockieren. Dann stört es nicht mehr, wenn - wie an anderer Stelle gesagt - im Russischen <<MANN>> "weiblich" ist. - Da erfahrungsgemäß eine solche Distanzierung oft doch nicht durchgehalten wird, dürfte es klüger sein, "Geschlecht" als grammatischen Oberbegriff zu ersetzen.

0.44 "Gott" - Welches "Geschlecht"?

Nicht durchschaute Herkunft des grammatischen Hilfsbegriffs - ISOTOPIE /GESCHLECHT/, vgl. [10]. Aber wenigstens - wegen satirischen Schlenkern - gut zu lesen. Vgl. [11] - Die Schweden haben das Missverständnis verbaut.

0.5 Einfluss inhaltlicher Felder ?

Vgl. [12] - Es leuchtet ein, dass Markierungen bzw. gleiche Arten von Artikeln/Typen - gleichgültig wie man sie benennt - auf Ausdrucksebene ein Mittel sind, um verschiedene Einzelbedeutungen gleich auszuzeichnen, in inhaltlich homogenen Feldern, eben "Isotopien" zusammenzufassen. Eine schlüssige Gesamterklärung zum Artikelgebrauch entsteht dadurch nicht.

1. Einzelsprache: Deutsch

1.1 Erläuterung

In der deutschen Sprache (sowie in vielen anderen auch) bestehen Bilder, Vorstellungen wie sich Männer oder Frauen üblicherweise verhalten. So gilt "Fussball spielen" oder "Rally fahren" als typisch männlich im Gegensatz zu "sich fürsorglich verhalten" oder "kochen", die als typisch weiblich gelten. Im Bereich der Substantive stimmt das üblicherweise so verwendete grammatische Genus häufig - aber nicht immer - mit dem natürlichen Geschlecht überein.

Beispiel: "Mann" ist männlich, also: "der Mann";
"Frau" ist weiblich, also: "die Frau".

In diesem Sinne sollte "Wache" männlich sein, in der Tat sagt man aber "die Wache".

Die Unterscheidung "maskulin" vs "feminin" bringt in der Frage des Genus nicht immer die gewünschte Klarheit. Die Alternativ-Grammatik kann dabei helfen, das Genus näher und ohne Konfusion zu beschreiben, indem die Querverbindung zum biologischen Geschlecht vermieden wird.

1.2 Alternativ-Grammatik

Hier wird gesprochen von Markierungen: A|B|C. - Der Begriff Geschlecht / Genus wird außer Kraft gesetzt.

  1. "A" ersetzt maskulin ("der, sein, dieser"...usw).
  2. "B" ersetzt feminin ("die, ihr, diese"...usw).
  3. "C" ersetzt neutral ("es, seines, dieses"...usw).
Beispiele
  1. <<Baum + A>>
  2. <<Frau + B>>
  3. <<Kind + C>>


1.3 Falle des falschen Begriffs

Wer den Grammatikbegriff "Geschlecht" wie eine vom Himmel gefallene göttliche Weisheit behandelt, folglich nicht infrage stellt, tappt - auch wenn er sonst sprachkritisch genug ist - in die Falle, die das Problem des Artikelgebrauchs unbedarft mit dem des Verhältnisses von Mann und Frau verzwirbelt. Auf diese Weise wird natürlich der harmlose "Artikel" zu einer unendlichen, vielfach tragischen, oft auch kabarettreifen Geschichte, die erst am Jüngsten Tag ihre letztendliche Klärung finden wird.

Könnten nicht etwas mehr Mitstreiter helfen, den im grammatischen Sinn nutzlosen und irreführenden Begriff "Geschlecht" aus dem Verkehr zu ziehen?

Aus R. Griesbeck, Der Turm von Schwafel S. 135: Leider gehört der Autor noch nicht zu den ersehnten Mitstreitern, kann dennoch aber, also auf der 'alten Schiene fahrend', ein amüsantes Kapitel "Feminismus" liefern. Nur führt es eben grammatisch nicht weiter, da die Nutzlosigkeit des grammatischen Begriffs "Geschlecht" nicht erkannt wird:

Ich glaube, Vertreterinnen dieser Art des
Radikalfeminismus gibt es auch heute noch.
Aber es gab auch solche, mit denen man nächte-
lang darüber diskutieren konnte, dass es doch
seltsam sei, dass typisch männliche Phallus-
symbole - die Karotte, die Zigarre, die Nu-
del, die Tanne, die Turmspitze - ein weibli-
ches Geschlecht haben, während weibliche
Vulvasymbole - der Tunnel, der Höhleneingang,
der Torbogen, der Hefekringel - männlich
sind. Verwirrend und ein gutes Gesprächs-
thema. Von dort kam man relativ schnell auf
Freud, von dort auf Verdrängung und Sublimie-
rung (und wie schädlich sie waren) und dann
ins Bett.

Lustig, nur leider grammatiktheoretisch völlig "neben der Kapp" - wie man in Mainz sagen würde. Positiv allenfalls insofern, als zu den bislang schon bekannten Beispielen, dass grammatisches und biologisches Geschlecht nicht zusammenpassen, noch weitere geliefert werden. Aber wie lange soll ein solcher Nachweis noch geführt werden? Das ödet in gewisser Weise auch an. Man sollte endlich den Begriff "Geschlecht" - s.o.

Ralf Neukirch in SPIEGEL 17/2013 48f listet u.a. verzweifelte Schreibkonventionen auf, die dem Geschlechterdilemma entgehen wollen.

Der Deutsche Germanistenverband stand vor
einiger Zeit vor einem Problem: Wie redet
man in einem Rundschreiben die Damen und
Herren Mitglieder korrekt an? "Mitglieder"
wäre eine Lösung gewesen. Das Mitglied ist
grammatisch ein Neutrum, kein Geschlecht
müsste sich benachteiligt fühlen. Aber so
einfach ist es nicht. ...
   (30 Jahre früher) Das Wort Mitglied miss-
fiel ihnen wegen zu starker Anklänge ans
männliche Sexualorgan. Es sollte durch eine
weibliche Variante ergänzt werden. Vorschläge
waren unter anderem Ohneglied, Mitklitoris
oder, kürzer, Mitklit. Letzteres ähnelt hin-
genuschelt immerhin der Ursprungsversion.
   Dem Germanistenverband war das zu genital-
fixiert. Er entschied sich für eine intuitive
Lösung: 
"Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder" stand
nun auf dem Schreiben, das vor zwei Jahren
verschickt wurde. Mitgliederinnen? Eine er-
staunliche Formulierung für einen Verband,
in dem Hochschulgermanisten und Deutschleh-
rer (und Deutschlehrerinnen) organisiert
sind.

Eben. Aktuell ist nicht über eine kabarettistische Nummer zu berichten, sondern über Lösungsvorschläge von FachleutInnen - oder so ähnlich. Sie sind Sklaven eines grammatischen "Genus"-Verständnisses, über das sie noch nicht nachgedacht haben, außerdem Sklaven/Sklavinnen(?) einer Fixierung auf nichts als die Wortbedeutung - dabei schwingt häufig auch in der Alltagssprache - wem von den Fachleuten muss man das sagen? - übertragene Bedeutung mit: "Mitglied" = "Element von ..." Schreibkonventionen wie "VerbraucherInnen", "Student_innen", "jede*r", mögen hie und da nützlich sein. Aber päpstlicher als der Papst muss man auch nicht sein: Bei zusammenfassenden Beschreibungen ("Ärzte") haben wir die Unterscheidung nicht mehr nötig; wenn eine Einzelperson angesprochen werden soll, kann man es klarer und direkter ausdrücken: "Frau Minister". - Die Männer mucken nicht auf, wenn bei Negativbegriffen - "Antisemiten", "Gewalttäter", "Rechtsradikale" - grammatisch meist die weibliche Form umgangen wird - obwohl Frauen zu solchen Untugenden auch in der Lage sind. - Also nochmals: in der Grammatik den Begriff "Geschlecht" außer Verkehr setzen! Mit den überlieferten Unterscheidungen arbeiten. Und wenn klar und sicher ein Mann, eine Frau adressiert werden soll, dann dies in unzweideutiger Umschreibung tun - damit man nicht lediglich auf die armen Artikel oder sonstige Hilfskonstruktionen angewiesen ist.


1.4 poetische Kritik

In seinem Roman "Die Blechtrommel", im Kap. 42 ("Im Zwiebelkeller") beschreibt G. Grass, wer alles in das Nachtlokal kommt:

"... kurz alle, die sich heutzutage Intel-
lektuelle nennen, saßen mit Gattinnen,
Freundinnen, Sekretärinnen, Kunstgewerb-
lerinnen, auch mit männlichen Freundinnen
auf rupfenbespannten Kissen ..."
(Hervorhebung von mir).

Man kann dies als doppelte Kritik lesen: (a) die traditionellen morphologischen Bezeichnungen ("männlich - weiblich") passen bisweilen nicht; (b) der Umgang mit Homosexualität war damals noch verklemmt und verlangte verschämtes Verstecken.--Hs 09:54, 13. Feb. 2011 (UTC)

1.5 Hochdeutsch - Schwäbisch

Mehrfaches wird deutlich:

  1. Der begriffliche Unsinn, die unterschiedlichen Typen von Substantiv-Behandlung mit dem Begriff "Geschlecht" zu belegen.
  2. Bei ein und dem selben Wort kann sich die Zuordnung im Lauf der Geschichte ändern.
  3. Differenzen in der Gegenwart können auf unterschiedliche Stränge in der Sprachgeschichte zurückgehen. Folglich wäre es Unsinn, mit dem Urteil "richtig - falsch" zu operieren.
"Der Schwabe steckt den Zehen in den Socken,
zieht den Zeck aus dem Waden, legt
den Schurz ab, bevor er in den Karren
steigt. Während der Ratz den Heuschreck
frisst. ... Blickt man etwa ins Althochdeutsche
zurück, wird man feststellen, dass die meisten
der genannten Wörter bereits damals sowohl in
der männlichen wie der weiblichen Form vorkamen.
   Einige, die heute in der Schriftsprache
weiblich sind, gab es sogar nur in der männ-
lichen Form, etwa den Heuschreck (hewiskrekko),
den Backen (bakko) und den Socken (soc).
Hingegen war die Zehe (zeha) schon damals
weiblich. ... 
   Andere Wörter haben im Mittelhochdeutschen
ihr Geschlecht modifiziert. So wurde
die Schnecke, die es im Althochdeutschen
noch als männlichen sneggo und weibliche
snegga gab, im Mittelhochdeutschen zum
snegge gemacht. Der war trotz jenes weiblich
anmutenden -e männlich: der snegge!
Damals entstand auch der ratz, den die
Schwaben noch heute so nennen. Männlich
blieben zunächst der backe und der wade.
   Mittlerweile hat das Schriftdeutsche den
mittelhochdeutschen schurz und den soc
entmannt, aber nicht durch Abschneiden, son-
dern indem es etwas hinzufügte: ein -e.
Das verwandelte den Schurz in die Schürze
und den Sock in die Socke.
   Generell scheint -e am Ende eines Wortes
als derart weiblich empfunden worden zu sein,
dass der männliche Artikel der deplatziert
schien. Das hatte unterschiedliche Reaktionen
zur Folge: Im Schriftdeutschen wurden jene
auf -e endenden Wörter weiblich:
die Schnecke, die Heuschrecke usw.
   Die Schwaben hingegen hielten am Maskuli-
num fest. Sie bereinigten die Situation auf
andere, und zwar auf zweierlei Art: Im einen
Fall strichen sie das -e, wodurch
der snegge zum Schneck wurde und der
höuschrecke zum Heuschreck. Die Alter-
native war, an das -e ein -n anzuhängen.
So wurde der wade zum Waden, der
socke zum Socken, der backe zum
Backen.
   Was aber ist mit dem Zehen, dessen
sprachliche Vergangenheit rein weiblich ist?
Wahrscheinlich haben die Schwaben auch hier
ganz einfach für Ordnung gesorgt. Denn ihre
Gliedmaßen sind durchweg männlich, zumal ihr
Gehapparat ohne das Bein auskommt: der Arm,
der Finger, der Fuß. Also muss es konse-
quenterweise auch der Zehen heißen!"
(H. Petershagen, SWP 15.8.2015)

Der Beitrag zeigt schön, wie es nur um Veränderungen auf Ausdrucksebene geht, auf dieser dann auch gelegentliche ordnende Veränderungen. Diese müssen auch grammatisch benannt werden - am besten so, dass die Befunde direkt benannt werden, oder indem Muster erkannt werden (z.B. häufiges Anhängen eines -n). Nirgendwo sind hierbei inhaltliche Bezüge im Spiel, die auf Begriffe wie männlich / weiblich verweisen würden. - Das gilt es grammatisch zu respektieren - folglich sind die alten Geschlechterbezeichnungen bei solchen Befunden/Prozessen auf Ausdrucksebene aus dem Verkehr zu ziehen.


2. Einzelsprache: Wolof

Wolof ist eine Sprache aus dem nördlichen Zweig der westatlantischen Sprachfamilie, einer Untergruppe der Niger-Kongo-Sprachen, zu denen beispielsweise auch Swahili, Zulu oder Lingala gezählt werden.Wolof wird überwiegend in Senegal gesprochen. Etwa 80% der Senegalesen beherrschen die Sprache. Daneben wird Wolof auch noch in Gambia und Mauretanien gesprochen.Heute wird Wolof mit den Buchstaben des lateinischen Alphabets geschrieben. Andere Schreibweisen: "Ouolof" oder "Wollof".[13]

2.1 Beispielsätze

Beispielsätze:

Nan nga def ? / Naka nga def ?

Antwort: Maa ngi fi rekk.

Übersetzung:

Wie geht es Dir/Ihnen?

Antwort: (Danke) Mir geht es gut

Erläuterung

Genus ist eine morphologische Kategorie des Substantivs. Sprachen, die den Zusammenhang von Wörtern dadurch anzeigen, dass diese Wörter formal in Zusammenhang gebracht werden, können Substantive in Klassen einteilen, die als Genera bezeichnet werden (Maskulinum, Femininum, Neutrum) [14].

Das Genus in Wolof

Grammatikalisch unterscheidet Wolof nicht zwischen maskulin (männlich), feminin (weiblich) und neutrum (sächlich).

Beispiel: "bi" kann je nach Übersetzung „der“, „die“ oder „das“ bedeuten. "Mu ngi dem" kann je nach Übersetzung „er geht“, „sie geht“ oder „es geht“ bedeuten.[15]

Beispiele

"Xale bi" = Das Kind.

"Bunta bi" = Die Tür.

"Jaaykat bi" = Der Verkäufer/die Verkäuferin.

"Xar bi" = Das Schaf.

"Safara bi" = Das Feuer.

"Dianta bi" = Die Sonne.

"Diabar bi" = Die Frau.

"Rakka bi" = Der Bruder/die Schwester.

"sama Rakka" = Mein Bruder/meine Schwester.

"Mu ngi wax" = Er redet/sie redet.

"Mu ngi ree" = Er lacht/Sie lacht.

"Mu ngi fecc" = Er tanzt/ sie tanzt.


3. Einzelsprache: Türkisch

3.1 Erläuterung

Im Türkischen unterscheidet man nicht zwischen Femininum, Maskulinum und Neutrum. Man bezeichnet Dinge durch den Numerus oder Näherbestimmung. Eventuell wird erst durch den Kontext ersichtlich, um wen oder was es geht.

3.2 Beispiele

  1. Bir ev aldi, ama iki tane evi var. (Er/Sie/Es hat sich ein Haus gekauft, aber er/sie/es hat schon zwei Häuser.)
  2. O cok ders calisiyor. (Er/Sie/Es lernt viel.)
  3. Onun eli agriyor. (Seine/Ihre Hand schmerzt.)
  4. Köpek havliyor. (Der Hund bellt.)


4. Einzelsprache: Latein

4.1 Standardauskunft

Aus dem Bereich "Lehre vom Wort" in Fink/Maier "Systemgrammatik Latein" (1997) S.62 sei der Abschnitt "Genus" komplett zitiert:

Genus 
Im Lateinischen werden drei Geschlechter (Genera)
unterschieden:
 das männliche Geschlecht:     Maskulinum   (m)
 das weibliche Geschlecht:     Femininum    (f)
 das sächliche Geschlecht:     Neutrum      (n)

Man kann zusammenzählen, wieviele Anspielungen auf das Feld "biologisches Geschlecht" darin enthalten sind. Es sind etwa 15! Kombiniert damit, dass der Begriff "Geschlecht" in keiner Weise problematisiert wird, braucht man sich nicht zu wundern, dass die eingefahrene und unreflektierte grammatische Praxis heftige Konfusionen bis ins Gesellschaftliche hinein auslöst(e). Vorschlag: Ob etwas männlich oder weiblich ist, wird ab jetzt nicht mehr dadurch geklärt, dass auf Wortbildungen geachtet wird (was sowieso häufig in die Irre führt), sondern durch direkten Blick auf die in Frage stehende Figur! - Und die grammatischen Wortunterscheidungen bekommen einen anderen, unverfänglichen Terminus. Vorschlag der Alternativ-Grammatik: MARKIERUNG A|B|C usw..

Fink/Maier "Systemgrammatik Latein" (1997) S. 67-69 unterscheiden zwischen grammatischem (Feminina, Maskulina, Neutra) und natürlichem Geschlecht. Dass der Begriff Geschlecht in diesem Zusammenhang irreführend und unglücklich ist, problematisieren sie nicht. Die Differenz zwischen g. G. und n. G. machen sie sichtbar, aber auch nicht sehr glücklich:

Weil biologisch "männlich" gelten als grammatische Maskulina:

Namen von Männern             
  Marcus, Aeneas, Scipio, Seneca  
       /  z.B. letzterer sieht
          grammatisch feminin
          aus, wird aber maskulin
          behandelt
Bezeichnungen für Männer      
  pater, nauta, senex        
       /  "Seemann" wie bei
          "Seneca"
Namen von Völkern             
  Persae                  
       /  feminine sprachliche
          Erscheinung, gilt 
          aber als maskulin
          - unter Absehung
          von Perserinnen
Namen von Flüssen             
  Mosella        
       /  was hier das
          natürliche Geschlecht
          sein soll, bleibt
          dunkel; möglicherweise
          steht die Vorstellung 
          von einem Flussgott
          im Hintergrund
Namen von Winden              
  aquilo           
       /  Vorstellung von
          einem Windgott
          im Hintergrund

Weil biologisch "weiblich" gelten als grammatische Feminina:

Namen von Frauen              
  Cornelia, Dido            
       /  Letztere grammatisch
          nicht sicher als 
          "feminin" zu erkennen
Bezeichnungen für Frauen      
  mater, soror, anus (alte Frau) 
       /  alle drei sehen nicht
          nach grammatisch feminin
          aus, werden aber so geführt
Namen von Bäumen      
  laurus           
       /  f. entgegen dem äusseren Anschein
            
Namen von Städten und Inseln  
   Delu
       /  wahrscheinlich steht wieder
          eine Göttin im Hintergrund

comes (BegleiterIn) ändert sich grammatisch abhängig davon, worauf es sich im Sinn des natürlichen Geschlechts bezieht.

Für Gruppenbezeichnungen gelten die grammatischen Kategorien, die üblicherweise dem äusseren sprachlichen Anschein nach in Kraft sind: copiae = Truppen ist feminin, obwohl diesen Gruppen keine Frauen angehörten. Analog bei legio. - Als Gruppe ("Schar") ist manus feminin, obwohl es nach dem üblichen maskulinen grammatischen Geschlecht aussieht. auxilia ("Hilfstruppen") läuft unter Neutrum (Plural), wenn man verstanden hat, dass kein grammatisches feminin Singular vorliegt.

All diese "Ausnahmen" und z.T. gewundenen Erklärungen gäbe es nicht, wenn man die unterschiedliche Art, wie in der Sprache Nomina benutzt und konstruiert werden, nicht mit dem Begriff Geschlecht belegen würde.

5. Einzelsprache: Englisch

5.1 Standard und Kritik

Die "Englische Grammatik" von Kirschning misst die Beschreibung der englischen Sprache sehr am Deutschen. So müsste man im Untertitel (S.88) nicht "the article" mit "das Geschlechtswort" wiedergeben, wenn kurz danach darauf verwiesen wird, dass es sowieso keine 'Geschlechter'differenzierung gibt. Man setzt Benutzer des Buchs damit gleich mal auf die falsche Fährte. - Eine Reflexion auf den ohnehin ungeeigneten Terminus Geschlecht kann man in der strikt auf Spracherwerb - unter Aussparung von Reflexion - ausgerichteten Grammatik nicht erwarten.

6. Einzelsprache: Russisch

6.1 Standard

In dieser Ziff. werden zunächst nur Fragen/Verwunderungen/Vermutungen formuliert - ausgelöst durch PONS, Power-Sprachkurs RUSSISCH. In Folgeziffern (6.2, 6.3 ...) können Kompetentere darauf eingehen und die Thematik vertiefen/abrunden. Die Frage ist also, ob das Erklärungsmuster der gen. Quelle repräsentativ für die Denkweise in der Slawistik ist (was allerdings zu vermuten ist):

Es gibt im Russischen die drei Genera (Geschlechter): Maskulinum, Femininum, Neutrum. Die Irritation beginnt mit der Frage, woran man bei einem Substantiv das Genus erkennt. Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Wege:

(a) Äussere Beobachtung der Endungen:

Im Sinn der Alternativ-Grammatik - vgl. 4.011 Ausdrucksseite: Wortbildung 
- würde gesagt, die drei Klassen von Wörtern
  könnten durch Beobachtung der  Endungen
  unterschieden werden:   
-а/-я (=Femininum); diese Endungen ver-
  tragen sich nur mit einem  weichen
  vorausgehenden Wortende 
-о,-е(ё),-мя (=Neutrum). 
Per Ausschlussverfahren kann man folgern:
wo diese Endungen nicht vorliegen, ist das
Substantiv Maskulin.
Ergänzend: Endet das vorausgehende Wort mit
einem harten Konsonanten bzw. einem  й ,
ist Schluss mit der Wortbildung; man kann
dann nicht mit vokalischer Endung fortfahren.

(b) Wissen, dass die genannte Figur i.S. des natürlichen

Geschlechts 'männlich' oder 'weiblich'  ist.
Mit diesem Wissen kann man den
äusseren Eindruck - vgl. (a) -, ein Sub-
stantiv sei feminin, korrigieren. Schon
die  Bezeichnung für "Mann" selbst - Мужчина -
sieht nach feminin-Bildung aus. Auch manche
Koseform wird auf diese Weise korrigiert:
Ваня - der nette "Iwan" ist "männlich",
obwohl das Wort selbst einen "weiblichen"
Eindruck macht. 

Vorläufiges Fazit: Es besteht auch im Russischen das Bedürfnis, die große Gruppe der Nomina zu segmentieren. Der Hauptstimulus liegt auf phonetischer Ebene. Dass die dabei entstehenden 3 Gruppen mit Begriffen aus dem Bereich natürliches Geschlecht bezeichnet werden, führt zu ähnlichen semantischen Unsinnigkeiten wie im Fall anderer Sprachen.

Selbst die ausdruckssyntaktisch recht
stabile Gruppe des sogenannten "Neutrums"
versammelt längst nicht alle Bedeutungen,
von denen man semantisch sagen könnte:
ja, sie gehören alle in die sächliche
Gruppe.
Neutrisch sind im Russischen die Bedeu-
tungen:
<<MILCH>>, <<WÄSCHE>>, <<NAME>> - dieser Reihung könnte
man semantisch ja noch zustimmen.
Warum sind dann aber maskulin: <<FAHRKARTE>>,
<<TEE>>, <<SCHOKOLADE>>, <<ZUG>>, <<SPRACHE>>,
<<WASSER>> ?

Somit entsteht die Frage, ob ein übliches Erklärungsmuster nicht wieder einmal die semantische Schiene privilegiert, die Bedingungen der Ausdrucksseite nur nebenbei nennt. Genau diese falsche Gewichtung löst dann die unnötigen semantischen Debatten um den schillernden Begriff "Geschlecht" aus. Diese kann man sich sparen, wenn für die Kategorisierung der Nomina Begriffe gewählt werden, die unbelastet die unterschiedlichen phonetischen Muster erfassen.

Zugegeben: Obiges Kriterium (b) ist damit
noch nicht behandelt. Beweist es nicht, dass
eben doch semantisches Wissen um
"Geschlecht" eine Rolle spielt? - Danach
sieht es aus. Aber halten wir zunächst fest:
Von dieser semantisch motivierten Korrek-
tur sind wenige Nomina betroffen. Man kann
nicht das, was für die wenigen zutrifft, zum
Erklärungsmuster für alle machen (und
sich dann verzweifelt wundern). Auswirken
wird sich eine solche Korrektur noch seltener:
wenn ein Pronomen ("KT" - vgl. 4.02421 (Numerus /) Determination) sich
auf jenes Substantiv zurückbezieht, wodurch
man mit Hilfe unterschiedlicher Pronominal-
formen (он  oder она) tatsächlich sein Wissen
kundtun kann, ob man sich auf einen "Mann
(=er)" oder eine "Frau  (=sie)" bezieht.

Noch offen: Attributsverhältnis. Zur Kontrolle
eignet sich der deutsche Filmtitel "Der
bewegte Mann". Im Russischen wird daraus
"Der begehrteste Mann". Auch daran ist ables-
bar, dass das Attribut die Endung "-yj" für 
Maskulina verwendet. Die weibliche En-
dung wäre "-aja".
Also "siegt" hier das semantische Wissen über
die Phonetik (zwei Wörter mit auslautendem
"-a" wären ja auch ganz schön).

Abschließende Vermutung: Die große Masse des russischen Nominal-Wortschatzes wird aufgrund phonetischer Zwänge in 3 Gruppen gegliedert. Dieser Befund wird in dem kleinen Segment, wo semantisch eindeutig nach Geschlechtern unterschieden werden kann, korrigiert. Nicht die Wörter selbst werden korrigiert - "der Mann" behält seine Endung auf "-a" -, sondern in Kombination mit anderen Wörtern siegt der semantische Wunsch, die Geschlechterverschiedenheit zu berücksichtigen. Insofern besteht keine Notwendigkeit, die Semantik zurückzuprojizieren auf die einzelne Wortform und zu sagen, sie habe (irgendein) "Geschlecht/Genus". Auf der Ebene der Wortform (=Ausdruckssyntax) zählt allein, ob die Wortform eine Endung hat, und wenn ja: welche. Das allein reicht zur Klassenbildung. Diese Klassen mit einem "Geschlechtsmerkmal" auszustatten, beruht auf einer Ebenenverwechslung. --Hs 09:45, 31. Jan. 2011 (UTC)

(c) Blick auf Pronomina

Vergleicht man das Personalpronomen der
"3.Person" im Singular, sieht man - tradi-
tionell gesprochen -, dass schön nach
"Geschlecht" unterschieden wird - wie im
Deutschen: "er / sie / es". Aber im Russi-
schen ist dies nur im Nominativ/Singular so
klar. Bereits in den weiteren Kasus fallen
zumindest "maskulin" und "neutrisch" zusammen. 
Wechselt man in den Plural, hat sich durch
sämtliche Kasus das Genus verflüchtigt: "sie
(=die Frauen)" klingt dann gleich wie "sie
(=die Männer)" oder "sie (= die Namen/ist
neutrisch im Russischen)". Immer heißt es:
они. 
- Diese Gleichmacherei müsste nicht sein, da
manche Sprachen die Markierungen durchaus
auch im Plural durchhalten. So aber kann man
folgern: Auch diese Beobachtung empfiehlt,
Unterschiede, wo sie greifbar werden, zwar mit
einem neutralen Term zu beachten (Markierung),
sie aber keineswegs mit einem inhaltlich
gefüllten und ideologisch befrachteten Begriff
(Genus) zu belegen. Die Sprachpraxis stützt
ein solches, vom natürlichen "Geschlecht"
abgeleitetes (allerdings traditionelles)
Vorgehen nicht. 
--Hs 17:46, 27. Feb. 2011 (UTC)

7. Einzelsprache: Französisch

7.1 Regierungsamtlicher Eingriff

Aus SWP 22.11.2017:

"Nach Diskussionen über geschlechtergerechte Sprache
hat Frankreichs Premier Edouard Philippe ein
Machtwort gesprochen: Pünktchen-Wörter haben in
offiziellen Texten nichts zu suchen. Er wies die
Ministerien in einem Rundschreiben an, keine gender-
neutralen Konstruktionen zu verwenden. 
   Während die deutschen Grünen schon seit zwei
Jahren Ausdrücke wie Politiker*innen nutzen, ist
die Debatte in Frankreich relativ neu. Dort dringen
Feministinnen darauf, mit Pünktchen versehene
Begriffe wie 'député.e.s' (Parlamentarier*innen)
oder 'élécteur.ice.s' (Wähler*innen) zu verwenden. 
   Der Streit war nach der Veröffentlichung eines
ersten Schulbuchs mit geschlechtsneutralen Aus-
drücken im September entbrannt. Die Académie française
als oberste Hüterin des Französischen hat sich gegen
die 'inklusive Sprache' ausgesprochen. 
   Premier Philippe 'wollte die Debatte beenden', hieß
es in Paris. Es gehe ihm auch um 'Verständlichkeit und
Klarheit' der Sprache, insbesondere bei Texten fürs
Amtsblatt. Ungeachtet dessen sei die Regierung aber um
Gleichstellung bemüht."

Interessant, auch im Nachbarland das zunehmende Bewusstsein zu erkennen, dass biologisches Geschlecht und schreibtechnische Wiedergabe dessen, was einem wichtig ist, auf völlig verschiedenen Ebenen liegt. Es gibt keinen Zwang, keinerlei Naturnotwendigkeit, das wichtige Anliegen der Gleichstellung ständig, und auch noch mit kruden und kuriosen Neubildungen - Asterisk, Pünktchen - sichtbar zu machen. Stattdessen sollten einem intelligentere Mittel für das gesellschaftliche Thema einfallen.

"Geschlecht" ist keine brauchbare Grammatikkategorie im Rahmen der Ausdrucks-SYNTAX. - Schön, wenn sogar der Premier das verstanden hat und mit seinen Mitteln durchsetzt.