4.02421 (Numerus /) Determination

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Bis jetzt wurden: Sprecher (Sp), Partner (Pt), Thema (Th) genannt. Damit ist mit Inhalt gefüllt, was man in herkömmlichen Grammatiken lernt als: 1., 2., 3. Person, wobei die Zählerei ebenso nichtssagend ist, wie der Begriff »Person« in die falsche Richtung weisen kann. Der Parc Astérix ist jedenfalls keine »Person«. Aber die drei unterschiedlichen Blickrichtungen – auf Sprecher oder Partner oder Thema – gelten weiter.


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Praxis

0. Nachträge zur Theorie

0.0 Verbindung von Numerus und Determination

Es soll ein Angebot für eine terminologische Zusammenfassung beider Aspekte gemacht werden: Determination und (im nächsten Modul) Numerus

SP = Sprecher ("Ich", "Wir") ist immer definit

KP = Kommunikationspartner ("Du", "Ihr") ist immer definit

In beiden genannten Fällen kann der Plural noch weiter
ausgeführt sein.
Beispiele für SP:
   - Zahl kann präzisieren "wir fünf"
   - generische Betonung der Gesamtheit:
           = kollektiv ("alle fünf")
           = distributiv ("jeder von uns fünfen")

KT = Kommunikationsthema, d.h. alle "Objekte" außerhalb der Kommunikationspartner.

Erst hier kann man als Wahl auch indefinit in Betracht
ziehen:
   - definit  ("der Schuft")
     Nun folgt die Numerusunterscheidung wie oben:
            - Zahl kann präzisieren "die fünf Schufte"
            - generische Betonung der Gesamtheit:
                   = kollektiv ("alle Schufte")
                   = distributiv ("jeder der Schufte")

   - indefinit ("ein Schuft")
     Nun folgt eine etwas veränderte Numerusunterscheidung:
            - Zahl kann präzisieren ("irgendwelche fünf
              Schufte")
            - Bereich:
                   = >50% ("die meisten Schufte")
                   = <50% ("einige Schufte")
                   = prozentuale Angabe ("65 % der Wähler" 
                     - welche genau die neue Koalition
                       gewählt/ermöglicht haben, 
                       weiß man nicht: Wahlgeheimnis!)

Wer genau sein will, kann zu einem Nomen immer auch einen Pfad hinzunotieren, der Determination/Numerus angibt.

0.1 Eigennamen

"Eigennamen" - so zurecht angenommen - verweisen die Hörer/Leser aus sich heraus auf eine allen bekannte Figur. Folglich brauchen sie keinen eigenen Anzeiger für dieses allgemeine Wissen (= Artikel).

  • Eine solche Argumentation zeigt, dass bei der Frage der Determination im Grund schon die PRAGMATIK hereinspielt. Man kann/soll in der SEMANTIK sich zunächst zwar mit den einzelnen Wörtern und ihren Bedeutungen beschäftigen. Das verlangt aber nicht, blind zu sein dafür, dass natürlich die Gesprächssituation - ob literarisch oder mündlich - auf der nächsten Stufe einbezogen werden muss.
  • Die pragmatische Frage ist also: Was kann ich als Sprecher bei meinen Partnern an Wissen voraussetzen? => 4.4 Vorausgesetztes Weltwissen (Präsuppositionen)

[Im angezeigten Modul - [1] - wird auch auf die Fälle eingegangen, bei denen anscheinend unnötig eben doch ein Artikel beim Eigennamen steht.]

Aber: Namen / Eigennamen sind auch "Schall und Rauch". In den heutigen Kommunikationen - online, via Telefon - kann jeder behaupten, er sei "xyz". Der Empfänger hat keine Kontrollmöglichkeit. Für ihn ist diese Figur unbekannt. Aber sie möchte z.B. Zugriff auf das Konto. Wie kann die Empfängerin bei der Bank sich absichern? Nur die Nennung des Eigennamens geht von der idyllischen Situation aus, dass sich die Partner direkt gegenüberstehen, sich auch physisch wahrnehmen können, wo sich auch weitere Kommunikationen anschließen können - all das macht einen zunächst Fremden allmählich vertrauter und glaubwürdiger. Die Determination via Eigennamen ist dann abgesichert.

Wie funktioniert die Absicherung via elektronischen Medien? - Durch allerlei Kontrollfragen: Passwort, Kundennummer, 'Wo sind Sie geboren?' 'Wann?' u.ä. Stimmen die Auskünfte auch hierzu, dann handelt es sich tatsächlich um die Figur, die jemand zu sein vorgibt ...

0.11 Eigennamen - Glosse

... von Jürgen Jonas in ST 13.1.2014:

Der Mann mit dem längsten Namen, ein Indianerhäuptling,
lebte in Wisconsin. Er hieß
Lepodotemachosepotrimmatosiphioparaomelitokatakeclumme-
noleipkossuphophatoperisteralektruonop.
Er starb 1866, ein Steinmetz weigerte sich, den Namen
auf dem Grabmal zu verewigen. Ich bin aus der Sicht
eines Lokalreporters sehr froh, dass niemand dieses
Namens eine bedeutende Rolle im öffentlichen Leben
des Steinlachtals spielt. Im Gemeinderat etwa, als
Gerätewart bei der Feuerwehr und/oder beim Gesang-
verein. Der Vorstand riefe beim Tagesordnungspunkt
Ehrungen in den Saal: "Ich bitte nun unser liebes
Ehrenmitglied (siehe oben) auf die Bühne!" Läse,
unglaublich lange, den Namen vom Blatt, während der
Pressevertreter verzweifelt mitzuschreiben versucht.
Wenn der Langnamige dann noch fünf Söhne hätte, die,
wie in Brentanos Märchen vom Schulmeister Klopfstock,
zum Vornamen Gripsgraps, Pitschpatsch, Piffpaff,
Pinkepank und Trilltrall hießen und gleichfalls
allesamt in der Gemeinde wirkten! Da wäre die Not
groß! (...)

0.2 Rede: SP-orientiert, PT-orientiert, KT-orientiert

Gleichgültig in welcher Einzelsprache: man ahnt, dass Redebeiträge eines Sprechers unterschiedlich zu gewichten sind, je nachdem, ob SP | KP | KT dominieren. Meist sind dann noch weitere Aspekte zu berücksichtigen. Aber erste Impulse kommen von der Determinationsebene. - Erste Hinweise (die sicher noch verfeinert werden können/müssen):

SP im Singular = "Ich" dominiert: Möglicherweise
bringt der Sprecher seine persönliche Sicht der Dinge
vor, wohl auch den Sprechakt KUNDGABE, 
vgl.  4.09 Sprechhandlungen / Sprechakte. 
Aber dazu sollten dann Beschreibungen eigener,
gegenwärtiger Gefühle enthalten sein. Sind auch
Modalitäten mit "ICH" enthalten, vgl. 4.08 Modalitäten – sprachliche Filter
("ich sehe das so und so", "ich bin überzeugt"),
dann bringt der SP seine Sicht der Dinge
vor, er unterjocht niemanden, greift niemanden an,
beansprucht keine Objektivität. Das ist - wenn
nicht verkapptes Dominanzstreben vorliegt - eine
Redebeteiligung, die von anderen zu respektieren
ist. Jede/r hat das Recht, die eigene Sicht der Dinge 
darzulegen.
 
SP im Plural = "Wir" dominiert: Der Einzelne (=KP)
wird ständig in ein Gruppendenken eingebunden,
verliert seine Eigenständigkeit. Diese Vereinnahmung
ist typisch für (schlechten) Predigtstil bzw.
staatstragende Reden ("Wir wollen alle in Zukunft ...")
  
KP im Singular = "Du" dominiert: Ein Sprecher
wendet sich direkt und häufig an den KP = Gesprächs-
partner, sagt wenig bis nichts über sich selbst aus,
liefert aber viele Beschreibungen/Interpretationen des
Partners. Typische Konstellation für aggressiv auf-
geladene, weiteren Konflikt erwarten lassende
Positionierung im Dialog. Es ist eher eine Zuspitzung
als eine Problemlösung zu erwarten. Affinität zum
Sprechakt "Auslösung", vgl. [[4.09 Sprechhandlungen
/ Sprechakte]].
Unten, unter Ziff. 5.1 ("Vater unser") steht ein Text
mit vielen Verweisen auf "KP". Der Text ist aber
nicht-aggressiv, weil "KP" nicht beschrieben/inter-
pretiert wird, sondern es werden viele Bitten/Wünsche
an "KP" herangetragen. In ihrer Vielzahl wirken sie
emphatisch, aber sie nageln KP nicht fest. 
 
KP im Plural = "Ihr" dominiert: Verschärfung
der singularischen Ausprägung.  Konfrontative Kon-
stellation: "Einer gegen alle".
  
KT im Singular = "Er/Sie/Es" dominiert: 
Affinität zum Sprechakt "Darstellung",
vgl. 4.09 Sprechhandlungen / Sprechakte. Damit mögen
Sachverhalte gut beschreibbar sein. Man sollte dabei
nicht vergessen, dass SP/KP in der Rede
nicht oder kaum vorkommen. D.h. es droht die Gefahr,
dass die Gesprächsbeziehung abreisst, weil man sich
nicht angesprochen fühlt vor lauter Sachlichkeit.
  
KT im Plural = "Sie" dominiert: wie in der
Singular-Version

0.3 Determination doppelt ?

Die beiden Peter ...

So kann ein Satz beginnen. Aber es fällt auf, dass
sowohl ein Artikel steht, der "Bestimmtheit" anzeigt,
als auch ein Eigenname verwendet wird, der selbst
schon das Merkmal "Bestimmtheit" einschließt. 

... mögen mal herauskommen.

Man kann so reden. Aber es stellt sich die Frage,
was der Grund für den Zusatzaufwand bei der
"Determination" ist. 

Es begegnet einem häufig, dass man im Rahmen der SEMANTIK, also bei der ersten Beschäftigung mit der Bedeutungsseite, Merkwürdigkeiten feststellt. - Sie sollte man notieren und sie wieder aufgreifen, wenn man zur PRAGMATIK kommt. Dort müsste sich eine Lösung des Problems ergeben. Im aktuellen Fall bitte nachschlagen in 4.4 Vorausgesetztes Weltwissen (Präsuppositionen), darin Ziff. 4.1.

0.4 Grammatiker und ihr gefürchtetes "bestimmt"

Sorry, wenn ein leicht polemischer Zungenschlag hereinkommt. Aber in grammatischer Literatur gibt es einige Lieblingswörter, die sinnlos häufig verwendet werden. Eines davon ist "bestimmt". Wo es begegnet, darf man meist unterstellen, dass eine besonders unbestimmte Definition folgt.

Einige Beispiele aus den Rechtschreibregeln des DUDEN [2]

Regel 1: "Nach bestimmten Abkürzungen steht ein Punkt". -
Einige werden genannt. Aber offenbar nur exemplarisch. Es
mag noch andere geben. Also ist die Aussage unbestimmt.
Das "bestimmt" führt in die Irre.
Regel 70: "...bestimmte (mit 'sein' oder 'werden'
verbundene) Adjektive" - die Beispiele, die genannt werden,
sind wohl gemeint als Stellvertreter einer nicht näher
umrissenen, also unbestimmten Menge.
Regel 85: "Pronomen in bestimmten älteren Anredeformen
und Titeln schreibt man groß". Korrekt wäre also: in einigen.

0.5 Martin Buber

... brachte 1923 das Büchlein "Ich und Du" heraus. Entgegen der stupiden grammatischen Zählerei - "1., 2., 3. Person" - dachte er über den Eigencharakter und die Beziehung dieser 3 'Personen' untereinander nach. Einige Zitate der Reclam-Ausgabe von 1995 mögen das belegen. Jedenfalls hat Buber damit nicht nur diese 3 Rollen profiliert, sondern zugleich den Weg zu einer Betrachtung von Dialogen[3] geöffnet. Was diese beiden Aspekte betrifft, positioniert sich die Alternativ-Grammatik in dieser Tradition.

(3) "Die Welt ist dem Menschen zwiefältig, nach seiner
zwiefältigen Haltung. Die Haltung des Menschen ist
zwiefältig nach der Zwiefalt der Grundworte, die er
sprechen kann. Die Grundworte sind nicht Einzelworte,
sondern Wortpaare. Das eine Grundwort ist das Wortpaar
Ich-Du. Das andere Grundwort ist das Wortpaar Ich-Es;
wobei ohne Änderung des Grundwortes, für Es auch eines
der Worte Er und Sie treten kann. Somit ist auch das
Ich des Menschen zwiefältig. Denn das Ich des Grund-
worts Ich-Du ist ein andres als das des Grundworts
Ich-Es."  
(4f) "Wer Du spricht, hat kein Etwas zum Gegenstand.
Denn wo Etwas ist, ist anderes Etwas, jedes Es grenzt
an anderes Es, Es ist nur dadurch, dass es an andere
grenzt. Wo aber Du gesprochen wird, ist kein Etwas.
Du grenzt nicht. Wer Du spricht, hat kein Etwas, hat
nichts. Aber er steht in der Beziehung."
(33) "Die Eswelt hat Zusammenhang im Raum und in der
Zeit. Die Duwelt hat in Raum und Zeit keinen Zusam-
menhang. Das einzelne Du muß, nach Ablauf des
Beziehungsvorgangs, zu einem Es werden.
Das einzelne Es kann, durch Eintritt in den
Beziehungsvorgang, zu einem Du werden."
(60) "Das Ich des Grundworts Ich-Du ist ein andres
als das des Grundworts Ich-Es.
Das Ich des Grundworts Ich-Es erscheint als Eigenwesen
und wird sich bewußt als Subjekt (des Erfahrens und
Gebrauchens).
Das Ich des Grundworts Ich-Du erscheint als Person
und wird sich bewußt als Subjektivität (ohne
abhängigen Genetiv)."

0.6 "Person" und "Geschlecht"

Es hat benennbare Gründe, warum bei diesen Begriffen Juristen und Grammatiker in zweierlei Welten leben. Dieses Nebeneinanderher sollte nicht sein: Das verlangt aber, dass die Grammatiker geistig nachrüsten - statt lediglich nachzuplappern, was die Tradition vorgibt. Vgl. [4]

1. Einzelsprache: Deutsch

1.1 Bestimmtheit/Numerus

Erläuterung

Einzelbedeutungen werden mit einer zweiten Markierung, einer sogenannten „Information zur Bestimmtheit“, ausgestattet. Sie informiert darüber, wie genau oder ungenau (Frage der Bestimmtheit/Definitheit) und in welcher Zahl (Frage des Numerus) zu denken ist.

Bestimmtheit: vom lat. definit - Abkürzung: def

Unbestimmtheit: vom lat. indefinit - Abkürzung: idef

Anmerkung: Da mir die Herangehensweise an das Thema
"Determination" aus der traditionellen Grammatik auf
diese Art und Weise nicht bekannt ist, beziehen sich
die hier stehenden Erläuterungen auf die
"Alternativ-Grammatik".  
Sprecher und Partner

Der Verweis auf Sprecher oder Partner ist von vornherein bestimmt.

"Ich aber sage euch"

Sprecher = Ich: bekannte Figur

Partner = Euch: Der Sprecher hat ein einigermaßen klares Bild vom Partner.

Doch wem sind diese Personen bekannt? Für den
Textleser können die Textfiguren (noch) ziemlich
unbekannt sein; untereinander aber verhalten sich die
Textfiguren so, als wüssten sie, wer der Andere ist.
Ein Verweis auf einen Sprecher/Partner ist immer
bestimmt, zumindest im Textzusammenhang. In der
Realität können diese Personen (für den Textleser)
trotzdem Unbekannte sein. 
Thema

Ein Thema ist an sich vorerst einmal unbestimmt.

Zwei Personen unterhalten sich über ein Thema: "Ich finde, dass es in Paris einen schönen Erlebnispark gibt."

einen => unbestimmte Information

Verwandlung von Unbestimmtheit in Bestimmtheit:

"Ich finde, dass es in Paris einen schönen Erlebnispark gibt, nämlich den Parc Asterix"

den: => bestimmte Information


Konvention der "Alternativ-Grammatik":

Sprecher = Sp (in der traditionellen Grammatik: 1. Person)

Partner = Pt (in der traditionellen Grammatik: 2. Person)

Thema = Th (in der traditionellen Grammatik: 3. Person - obwohl dies auch eine "Sache" sein kann)

Beispiele

  1. Verben: Wortform: /kommt/ 3. Person Singular <<KOMMEN+Th-Sg+?>> 2. Person Plural <<KOMMEN+Pt-Pl+def>> Also bekommt beim Konjugieren auch die Verbbedeutung die Markierung der Bestimmtheit.
  2. Substantiv: Die Bestimmtheit ist am Begleiter ablesbar (ein, der). Zusammenhang von Bestimmtheit mit Menge und Zahl: alle Sterne kein Begleiter, aber eine Mengenangabe. "Sechs aus der Fußballmannschaft brachten nicht die gewohnte Leistung." Es liegt zwar eine Zahlangabe vor, da zu einer Mannschaft aber elf Spieler gehören, weiß man nicht welche sechs gemeint sind: unbestimmt. "ein Otto Waalkes lässt sich das nicht bieten." Namen (= definit) können verfremdet werden. Das Motiv dafür wäre etwa ein stilistischer Effekt (=> in der PRAGMATIK aufzugreifen).
  3. Pronomina: Pronomina machen Aussagen über Beziehungen, aber nicht über Besitz. Wenn Besitz gemeint ist, müssen klarere Hinweise gegeben werden. "Unser Spiel", "mein Frust", "mein Mann",...
  4. Nicht brauchbar sind: Fragepronomina (Wann?, Wer?...) oder Unbestimmtheitspronomina (irgendwelche,...). Sie bringen gerade das Nicht-Wissen und die Unbestimmtheit ins Spiel.

Übung

Bilden Sie wie oben für die folgenden Wörter Determinationen:

  1. irgendein Haus
  2. der Fernseher
  3. ein Schreibtisch

1.2 Hilfe bei Rechtschreibung

[5] Laut Regel 72 "zeigen vorangehende Wörter wie 'alles', 'nichts', 'viel', 'wenig' den substantivischen Gebrauch an" - im Fall von Wörtern, die kein Nomen sind. Dadurch ist klar, dass Großschreibung nötig ist. Beispiele: "alles Gewollte", "etwas [besonders] Gutes", "nichts Wichtiges", "viel Unnötiges", "wenig Durchdachtes". Etwas zupackender im Sinn der Alternativ-Grammatik formuliert: Anzeiger für definit ("alles", "nichts") oder indefinit ("etwas", "viel", "wenig") [N.B. die immer auch noch eine Numerus-Komponente enthalten], lassen semantisch erwarten, dass anschließend die dazugehörige Vollinformation genannt wird.

1.3 Erzähler und "Wir"

Aus K. Lintz, Thomas Manns, Joseph und seine Brüder, Ffm 2013. S. 138:

"Der Erzähler spricht mit dem 'wir' aber nicht nur den
Leser an, sondern er beschreibt damit auch eine weitaus
größere Gruppe - die Menschheit: 'Es geht uns Menschen
bei solchem außerordentlichen Verhalten der Natur immer
gleicherweise.'"  

1.4 Betuliches "Wir"

Auch ohne die Karikatur von Marie Marcks zu sehen - der Wortwitz allein schon wirkt.

Ein kleiner Junge sitzt vor einem Schreibtisch, daneben
seine Mutter stehend. Hinter dem Schreibtisch offenbar
ein Erziehungsberater/Psychologe. 
Psychologe: So. Wir machen also noch in die Hose!"
Junge: "du auch?"

Das "Wir" war nicht wörtlich gemeint, sondern sollte als Türöffner, als Anbiederung dienen - das wäre dann die pragmatische Erkenntnis. Der Junge jedoch nimmt die Äußerung direkt = semantisch. - Damit ist zugleich korrekt eingefangen, dass Kinder sich vorwiegend im Bereich der Wortbedeutung tummeln, versuchen, sich zurechtzufinden. Ihnen gegenüber muss man entsprechend vorsichtig sein mit "gemeinter Bedeutung".

2. Einzelsprache: Französisch

2.1 Mengenbezeichnungen

Die "Grammaire de base' (alpha.b) behandelt tout in den verschiedenen Verwendungsformen und Bezeichner von Mengenangaben (als Adjektiv oder Indefinitpronomen). Die theoretischen Unterscheidungen für den Numerus sind zunächst brauchbar:

La quantité nulle             >aucun ...
La singularité                >quelque
La pluralité                  >plusieurs
La totalité                   >tout, chaque, chacun
La différence d'identité      >autre ...

Diese - so würden wir sagen - semantischen Funktionen werden anschließend danach aufgelistet, mit welchen Mitteln (Adjektiv oder Pronomen) sie im Französischen umgesetzt werden können.

Es wird allerdings unterlassen, die Frage des Numerus mit der der Determination zu verknüpfen. Letztere ist nur präsent, wenn es um den Artikel geht, den 'bestimmten' oder den 'unbestimmten'. Dabei ist in den verschiedenen Formen des Numerus die Determination immer enthalten. Die Meinung, nur der Artikel sei einschlägig, ist die übliche grammatische Blickverengung: quelque x meint offenbar irgendeinen = unbestimmten x, plusieurs das gleiche im Plural, chaque x ist ein distributiver Plural und insofern 'definit': "jedes Element der Gruppe x" ist gemeint usw.


3. Einzelsprache: Latein

3.1 Es geht auch ohne "Artikel"

Dass das Latein weder einen bestimmten noch einen unbestimmten Artikel hat, weiß man. Daraus scheint die "Systemgrammatik Latein" von Fink/Maier (1997) die Folgerung zu ziehen, dass für das Latein die semantischen Funktionen definit / indefinit bzw. Determination nicht existieren - sie finden sich zumindest nicht im Register. Auch wird nicht gesehen, dass Determination mit Zahl- / Mengenangaben, also der Frage des Numerus, etwas zu tun hat. Implizit ist das Wissen aber vorhanden - man bemerkt es nur nicht:

passus millesimus  wird übersetzt mit:
                   der tausendste Doppelschritt
                   die Ordnungszahl identifiziert das Nomen
                   ausreichend präzis, so dass niemand auf
                   die Idee käme zu übersetzen: ein tau-
                   sendster ...
                   Also: definite Determination.
quinque arbores - die Grundzahl dagegen liefert eine
                  unbestimmte Menge. = indefinit:
                  irgendwelche fünf Bäume sind erwähnt,
                  man bekommt aber keinen Hinweis, um welche
                  es sich genau handelt.

Abseits der Zahlen gibt es unbestimmte, d.h. nicht präzis zu fassende Mengenangaben (multi inimici), und es gibt All-Aussagen, die eo ipso bestimmt sind (cuncti discipuli). Es gibt - unbestimmte - graduelle Mengenangaben (plurima oppida bzw. pauci viri). - Außerdem steckt das Thema in den Pronomina: den Demonstrativ-P (hic liber), den Indefinit-P (quidam narrant, non nemo = "mancher") und den Pronominaladjektiven (ullus = "irgendeiner").

Eine semantisch zufriedenstellende = konsistent ausformulierte Grammatik könnte unter dem Stichwort Determination einiges zusammentragen, was jetzt noch unter ganz unterschiedlichen Kapiteln verteilt ist.


3.2 Pronomina

Die "Systemgrammatik Latein" bringt S.81 den interessanten Hinweis, dass Demonstrativpronomina nach - in unserer Diktion - SP, KP, KT unterschieden werden können:

hic, haec, hoc    - verweist auf die erste = sprechende
                          Person.
                          hic liber =  dieses = mein Buch.
                          Ist das zugehörige Nomen tatsächlich
                          eine Person nicht nur eine
                          grammatische Person, muss etwas
                          anders gedeutet werden: 
                          hic vir = dieser Mann (hier,
                          in meiner = des Sprechers Nähe). 
                          haec dixit = er sagte dieses
                          (jetzt unmittelbar, in meiner
                          Gegenwart, Folgende). 
                          In hac re publica = in diesem
                          (=unserem) Staat  
iste, ista, istud - verweist auf eine zweite =
                          angesprochene Person: 
                          ista provincia = jene (dir
                          übertragene, die nicht die meine ist) 
                          Provinz. 
                          iste vir = jener (vor euch
                          stehende) Mann. 
                          iste Catilina = dieser Catilina
                          (da, abwertend, auf Distanz gehend).
ille, illa, illud - verweist auf eine dritte = besprochene Person:
                          illa verba = jene = seine/ihre
                          Worte. 
                          ille senex = jener alte Mann
                          (dort drüben). 
                          illud Caesaris = jenes
                          (berühmte Wort) Cäsars.

Als Indefinitpronomen werden geführt - aber da ist genauer hinzuschauen:

aliquis           - irgendeiner
quisquam          - jemand
quidam            - ein (gewisser)
quisque           - jeder - damit wird aus einer
                          Menge jedes einzelne Element als
                          relevant angesprochen, ohne Ausnahme.
                          Hörer werden demnach nicht
                          im Unklaren gelassen, wer gemeint
                          sein könnte. Also gilt: definit 
                          - entgegen der  traditionellen
                          Auffassung.
alius             - wird weiter unten besprochen    

Es gibt aber auch Pronominaladjektive. Man muss sie einzeln durchgehen, um ihren Beitrag zur Determination zu erkennen:

totus     - tota tabula: die Hinzufügung
                  stellt sicher, dass tatsächlich der komplette
                  Tisch gemeint ist. Eine Debatte zuvor
                  hätte sich darum drehen können, ob nur die
                  Platte zu holen ist. Demgegenüber jetzt
                  die Auskunft: nein, es geht um den ganzen
                  Tisch. 
                  totus enthält somit auch ein Emphase-
                  element und lässt einen Bestreitungskontext 
                  erwarten.
solus     - sola gratia betonte M. Luther, auch
                  dies aus einem Bestreitungskontext heraus,
                  d.h. entgegen der Auffassung der römischen
                  Kirche.
                  gratia wäre für sich klar genug, also
                  definit; das hinzugefügte sola unter-
                  streicht dies emphatisch. Hier wie im
                  vorigen Fall meldet sich also das Register
                  ASPEKTE - vgl. 4.086  Modalitäten – »Register« ASPEKTE
                  - und darin "forte" = Emphase.
alius     - für einen Beschuldigten die billigste Art sich
                  zu verteidigen: ein Anderer sei es gewesen.
                  Ausdruck von indefinit.
unus      - "ein einziger" - nun ja, aber welcher aus der
                  Gruppe der In-Frage-Kommenden? 
                  Damit kann also das indefinit betont
                  werden, wenn schon das Latein nicht über
                  entsprechende Artikel/Begleiter regelt.
ullus     - wie das vorige Beispiel
nullus    - Es wird ein Nomen negiert. Das Nomen wird
                  in eine Prädikation eingebettet sein.
                  Dieses Nomen fällt also für eine Aktanten-
                  position aus. Letztlich torpediert also
                  das negierte Nomen die gesamte Prädikation.
                  Wandeln wir einen Filmtitel ab:
                  "Kein Mensch flog über das Kuckucksnest",
                  dann ist zunächst "Mensch" negiert. Da
                  dieser die Subjektsposition einnimmt,
                  fällt letztlich die gesamte Prädikation
                  flach: es gab kein " Fliegen über ..."
uter      - signalisiert einschränkend, dass nur an eine
                  Zweiheit zu denken sei. Das ist schon mal 
                  übersichtlich. Aber zugleich wird mit-
                  geteilt, dass nicht klar sei, wer von
                  beiden die Schokolade geklaut hat. Also
                  Ausdruck von  indefinit.
uterque   - nach Recherchen ist klar, dass erstens Zweie
                  in Frage kommen, zweitens, dass jeder von
                  beiden die Missetat begangen hat: definit.
neuter    - ist analog zu nullus zu behandeln, nur
                  dass jetzt eine Zweiheit im Blick ist.
alter     - der eine/andere - die Charakterisierung
                  bewegt sich zwar im engen Raum
                  einer Zweiergruppe - mehr werden nicht in
                  den Blick genommen. David und Goliat mögen
                  im Spiel sein. Der eine hatte eine
                  Steinschleuder, der andere hielt den Kopf hin
                  - wer war nun der eine, wer der andere? -
                  Also auch dieses Mittel dient dem Ausdruck
                  von indefinit.

4. Einzelsprache: Englisch

4.1 Artikel vs. Determination

Kirschning bietet S.88ff einen Abschnitt "Der Artikel" an. Die Alternativ-Grammatik will klären, was bestimmte oder unbestimmte Determination ist - beides ist nicht dasselbe, wie an einigen Beispielen gezeigt werden kann. Determination wird immer auch mit anderen Mitteln vollzogen als mit dem Artikel. Aber zu Determination gibt es keinen eigenen Abschnitt. Es wird fälschlicherweise so getan, als falle beides zusammen:

What did you do on Sunday   -   der Artikel entfalle,
sofern man nicht eine bestimmte Zeitangabe zum Ausdruck bringen
will. Wie im Fall von:
What did you do the Sunday I was in Eastbourne 
Sorry, es sei die Rückfrage erlaubt: Ist im ersten Beispiel
irgendein Sonntag gemeint? 
- Das glaubt ja wohl niemand. Frager wie Gefragter wissen genau,
um welchen bestimmten Sonntag es geht. Wegen dieses
präsupponierten gemeinsamen Wissens wäre es Luxus, den 
Artikel zu verwenden.
Im zweiten Fall ists umgekehrt: es ist zunächst unklar, um
welchen Sonntag es gehen soll. 
Also muss erst ein Pflock reingehauen werden: es war ein
bestimmter (Artikel) Sonntag, welcher genau, wird durch
Relativsatz präzisiert. Durch sprachlichen Aufwand erst wird der 
Eindruck gesichert, dass es um ein präzises Datum geht. 

Es genügt somit nicht - wie Kirschning - allgemein von Zeitangaben wie Wochentage, Monate, Jahreszeiten und Festtage zu sprechen, bei denen der Artikel wegfalle. - Die Begründung läuft also deutlich anders: Es fällt nichts weg, was üblicherweise gegeben wäre, sondern der Standard indefinit muss klar und deutlich korrigiert werden zu definit.

Bei weiteren Beispielen - für das Weglassen des Artikels - wie: Asia, Africa, Heathrow, Hyde Park, Oxford Street, Mount Everest, Lake Erie, wie später dann noch Personennamen, könnte man von einer Grammatik erwarten, dass sie die semantische Begründung nennt: es handelt sich durchweg um Unikate, um bestens bekannte Entitäten. Diese braucht man nicht durch Artikel aus der Menge gleichartiger weiterer Elemente herausheben - es gibt sie nämlich nicht. Folglich sollte man auch nicht vom Weglassen des Artikels reden - als sei der Artikel der Standardfall. Es wird nichts weggelassen, weil es sowieso noch nie vorhanden und gebraucht worden war. Bitte "Artikel" nicht mit "Determination" gleichsetzen!

Das gleiche Erklärungsmuster gilt für Abstrakta: Es wäre Luxus, bei health, victory auch noch den Artikel davor zu setzen - dann, wenn die Bedeutungen auch in dieser Allgemeinheit eingesetzt werden. Will man eingrenzen auf einen speziellen "Sieg" (The victory of the HSV...), wird der Artikel notwendig. - Ohnehin ist es interessant, dass dann, wenn of/from/Relativsatz/... folgt, man dies als Sprecherwunsch deuten kann, dass er einen definiten Verweis beabsichtigt. Dazu muss man eine eigene Anstrengung unternehmen - daher: Artikel.

Dass umgekehrt bei zählbaren, bestimmt/unbestimmt benutzbaren Bedeutungen der Artikel dann steht, wenn eben auf bestimmte Individuen verwiesen werden soll, ist eine Platitüde (The clerks of this firm are well-paid - wieder of als Bestimmtheitsindikator! Außerdem sind alle gemeint = definit). - Die Rückseite der Medaille wäre: der Sprecher verweist allgemein auf irgendwelche clerks/workers. Dazu braucht es keinen Artikel.

Manche Beispiele sind damit noch nicht erfasst. z.B. die Antwort auf die Frage, wo man wohne: In the United States. Oder dass London on the Thames liegt. Oder The Calders live in Sussex. Entweder es handelt sich um pure Konventionen, zu denen es keine Erklärung gibt. Oder ein Anglist kann hier noch etwas Plausibles nachtragen. Das Deutsche funktioniert in solchen Fällen genau gleich. Warum - semantisch gefragt?

Zum unbestimmten Artikel erfährt man semantisch nichts, sondern nur, dass er im Vergleich zum Deutschen häufiger verwendet wird (to have an appetite vs. "Appetit haben"). - Wenigstens könnte man klarstellen, dass der "unbestimmte Artikel" entgegen dem Eindruck, den der negative Terminus weckt, eine positive semantische Funktion erfüllt: Es wird eine Klasse genannt, mit vielen Elementen, und zu diesen Elementen wird nur nicht gesagt, welches genau im Moment gemeint ist: Thomas is an American.

Das funktioniert nur nicht bei körperlichen, geistigen,
seelischen Zuständen. Der "Appetit" war schon genannt worden.
to have a temperature oder to be at an end
oder It is a pity. 
Wogegen abstrakte Maßangaben - for a long time -
kein Problem darstellen: der Sprecher will sich offensichtlich
unbestimmt ausdrücken. Soll ers doch - mit dem unbestimmten
Artikel!  

Erwartbare Ausnahme: Wenn es um die Klasse mit einer Einermenge geht, kann nichts unbestimmt sein. "Könige" gibts zwar - noch - einige. Wenn ich aber von vornherein einschränke: es interessiert nur die Klasse king of the United Kingdom, dann wäre es albern zu sagen: Will Prince Charles become a king of the United Kingdom? - denn als Inhaber dieses Berufes kommt immer nur eine einzige Person in Frage. Es liegt eine "X <<WERDEN-ZU>> Y"-Prädikation vor: Der bekannte 1.Aktant in einem Anfangszustand verändert sich, ist deswegen aber weiterhin bekannt. Vgl. dazu: 4.0615 Subjekt / 1.Aktant gesplittet

Aussprechen kann man den genannten Satz. Aber jeder würde
merken, dass darin ein zusätzlicher stilistischer Effekt
eingebaut ist, etwa eine betonte Distanzierung von dem
Gedanken.

Allerdings - das hatten wir nun schon mehrfach - genügt es semantisch nicht, lediglich auf den Artikel zu schauen, sondern es müssen die weiteren sprachlichen Möglichkeiten, Bestimmtheit auszudrücken einbezogen werden. Außerdem ist die Rolle im Satz zu beachten. Obwohl es in den USA nur einen Präsidenten gibt, setzt man den Artikel: "The President of the USA declared...". Man kann den 1.Aktanten nicht einführen ohne Artikel, obwohl zweifelsfrei klar ist, um wen es sich handelt.

In solchen Fällen geht es - meist - nicht nur um pure Konventionen, die man eben büffeln muss. Sondern es geht um eine Praxis, die semantisch plausibel begründbar ist. Wird eine solche Begründung von der Grammatik auch geliefert, lernt es sich leichter. - Üblich sind semantische Begründungen allerdings nicht.


4.2 any | some

"Indefinit" zeigen beide an. Aber some ist insofern leichter zu verstehen, als es in Redeakten vorkommt, die fraglos Bezug nehmen auf reale Sachverhalte/Personen/Objekte. Auf diese können auch andere Sprecher sich beziehen. Mit some (und Zusammensetzungen) wird signalisiert, dass man zu einer zahlenmäßigen oder identifizierenden Konkretisierung entweder nicht fähig, oder nicht daran interessiert ist: indefinit. Beispiele aus "Englische Grammatik" von Kirschning S.134f:

I think somebody has knocked at the door.  -
Aber dass jemand  geklopft hat, ist unbestreitbar.
I'll spend some time in Boston. - "Zeit" ist
nicht zählbar; aber es wird  von der Zeit eines realen
Aufenthalts gesprochen. Genaue Dauer ungewiss.

Wird die gemeinsame Überzeugung, von einem realen Sachverhalt zu sprechen, abgelöst durch Frage/Bedingung/Verneinung - vgl.4.082 Modalitäten – »Register« IMAGINATION - so gilt die Konvention, dass indefinit durch any ausgedrückt wird.

If you have any trouble with Jack ... - man
weiß es nicht genau, aber es könnte ja sein dass,
irgendeine Komplikation ... 

Betont werden durch any verschiedene Aspekte:

  • dass man aus einer großen Menge ein Einzelexemplar herausgreift: Orientierung am Plural, Behandlung durch Vereinzelung (distributiv)
  • welches man herauspickt, ist vollkommen gleichgültig - deswegen: indefinit
You may come any day - Zu beachten:
Modalsatz (Register ERMÖGLICHUNG). any hat Affinität
zu solchen Satztypen.

Laut PONS-Wörterbuch (Schule und Studium-Englisch) besagt any aber auch das Gegenteil: definit = "jede/r/s; welche/r/s". Das will erst noch verstanden sein... Als Beispiele werden solche genannt, die auffällig häufig mit einer Form von Näherbeschreibung weitergeführt werden:

we're happy to welcome each and any who want to come to
the picnic
any of the dresses/cars
we've got one copy here but we don't have any to sell 
I haven't seen any of his films
is there any of that lemon cake left?

Solche Beispiele überzeugen nicht für das definite-Verständnis. Viel eher ist any auch hier ein betont lockerer, unpräziser Platzhalter für irgendwas, der aber zusätzlich durch Näherbeschreibung präzisiert werden kann - ein bisschen wenigstens.


4.3 each | every

Man sieht eine Gesamtmenge und will betonen, dass jeder einzelne gleichmäßig von dem betroffen ist, was gesagt wird. Fall für: every

Every question will be answered. = kollektive
Orientierung + distributiv

Das lässt sich durch each steigern: zusätzlich wird besonders herausgehoben, dass jeder einzelne gemeint ist: kollektiv+distributiv+emphase

Each of these questions will be answered  -  vor
allem durch folgendes  of zeigt der Sprecher an, dass
er den Bezugsrahmen der  Menge eigens angeben will. Dadurch
hebt sich das einzelne Element - each - besonders ab,
wird also noch stärker betont.


5. Orientierungen im Dialog

5.1 "Vater unser"

Unter vorgreifender Einbeziehung mancher pragmatischer Aspekte kann "Determination" als bestimmendes Merkmal beim Verständnis des Gebetes Jesu betrachtet werden - was in traditionellen Auslegungen allerdings übersehen wird. Der Text nach Mt 6,9-13 (Einheitsübersetzung; Variante in Lk 11,2-4):

 (1) Unser Vater im Himmel,
 (2) dein Name werde geheiligt,
 (3) dein Reich komme,
 (4) dein Wille geschehe,
 (5) wie im Himmel, so auf der Erde.
 (6) Gib uns heute das Brot,
 (7) das wir brauchen.
 (8) Und erlaß uns unsere Schulden,
 (9) wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben.
(10) Und führe uns nicht in Versuchung,
(11) sondern rette uns vor dem Bösen.

Standard in der Auslegung ist, dass man den nominalen Bedeutungen nachgeht: Wie ist "Vater" zu verstehen, wie "Himmel", was meint "Name (heiligen)", "Reich", Wille", "Brot", "Schuld(en)", "Versuchung", "Böses". Die Liste wirkt als solche schon heterogen - vgl. 4.42 Einheitliches Thema (Isotopien) -, der Eindruck bleibt, auch wenn man hinzunimmt, dass offensichtlich im Spiel ist: 4.113 Übertragener Sprachgebrauch - Übergang zur gemeinten Bedeutung, zu bearbeiten wie in 4.1131 Übertragener Sprachgebrauch - operationalisiert vorgeschlagen.

Der Eindruck inhaltlicher Diversifizierung ist sogar ein wichtiger Hinweis, es nicht bei der Wortbedeutung zu belassen, sondern nach einem Verständnis des Gesamttextes zu suchen, das ihn homogener und schlüssiger erscheinen lässt. Etwa mit Beiziehung der Module für Determination, Dialog und anderer:

So sinnvoll die Betrachtung der Nomina ist - wichtiger, naheliegender und in aller Regel übersehen ist die Beobachtung, dass im Text einheitlich und häufig ein impliziertes - 4.5 Wachgerufene Zusatzgedanken (Implikationen) - "ICH" = SPRECHER daran erinnert, dass er in eine BEZIEHUNG eingebunden ist, an ein "DU" = PARTNER gebunden ist. So zunächst in der gut fassbaren Wortbedeutung. - Das für sich genommen wäre schon ein wichtiges Signal, etwa für einen, der aus einer depressiven Lage heraus (er fühlt sich völlig allein in der Welt und unverstanden) den Text spricht oder dazu animiert wird.

 (1) Unser                                   = SP im Rahmen einer Gruppe; 
     Vater                                   = <<VATER>> = Beziehungsbegriff: ICH 
                                               anerkennt die Abhängigkeit, vgl. 4.13 Abstrakta
 (2) dein                                    = PT soll anerkannt werden
 (3) dein                                    = PT ist wichtig 
 (4) dein                                    = PT ist wichtig
 (5) wie im Himmel, so auf der Erde          = All-Aussage, emphatische Verstärkung
 (6) Gib uns ,                               = PT soll aktiv werden, SP ("wir") ist untergeordnet
 (7) wir brauchen.                           = SP ("wir") ist untergeordnet
 (8) erlaß uns unsere ,                      = PT soll zugunsten der SP aktiv werden
 (9) wie auch wir sie unseren Schuldnern 
     erlassen haben.                         = es wurden, abgeleitet, auch die SP aktiv
(10) führe uns nicht                         = PT soll zugunsten der SP aktiv werden
(11) rette uns                               = PT soll zugunsten der SP aktiv werden

Ein ICH = SP spricht und entmachtet sich permanent selbst: der SPRECHER anerkennt bzw. ruft sich dabei selbst ins Gedächtnis, dass er nur im Rahmen einer Gruppe agiert/agieren kann; und vor allem erwartet er in erdrückender Überzahl die lebensentscheidenden Aktivitäten von einer anderen Instanz. Man könnte den Text als anti-narzisstisches Manifest verstehen.

Soweit die zum aktuellen Grammatikgesichtspunkt - Determination - passende Deutung. Die pragmatische Folgefrage greift die literarische Fiktion auf, es liege ein Dialog vor, vgl. 4.12 Dialoge. Kritische Analysen (Übertragener Sprachgebrauch, Analyse von Abstrakta, schon erwähnt, s.o.) werden zum Eindruck führen, es liege eine sehr spezielle Art von Dialog vor.

Natürlich ist der Text unter weiteren Gesichtspunkten auch noch ergiebig (z.B. - neben den oben angedeuteten - <<SCHULD>> bei der Analyse von Abstrakta). Und es stellt sich die Frage, wie man jenen "PT = PARTNER" denn verstehen soll. Ein Vorschlag, in welche Richtung man - literarisch/psychologisch - denken sollte, findet sich unter: 4.1134 Gott, Götter, religiöse Sprache. --Hs 08:48, 17. Apr. 2011 (UTC)

5.2 "Turmbau zu Babel"

Im Text Gen 11,1-9 spielt eine Rolle, dass häufig die Sprecher zugleich die Adressaten/Partner des angenommenen Dialogs sind. Das wird eingeleitet durch 11,3a: "und-sie-sprachen jeder zu seinem-Nächsten". In direkter Rede äussert es sich wie folgt:

3b lasst-uns-herstellen Ziegel
3c und-lasst-uns-brennen zu Gebranntem
...
4c Lasst-uns-bauen, ja wir, eine Stadt und-einen Turm
...
4e und-wir-wollen-machen uns einen-Namen
4f damit-nicht wir-verstreut-werden auf-der-Oberfläche
   der-ganzen-Erde
[Gott Jahwe:]
7b Lasst-uns-herabsteigen
7c und-lasst-uns-durcheinanderbringen dort ihre-Sprache

Unter dem Aspekt: Wie werden die (Gesprächs-)Beteiligten im Text eingeführt? kann man anmerken:

  • das kollektive "uns" der Babylonier lässt kein echtes Gespräch entstehen. Aber in dieser Un-Unterschiedenheit ist es möglich, ein gigantisches Projekt zu planen. Dafür ist es notwendig, dass alle sich dem einen Ziel unterordnen. Das ist heute nicht anders. Technische Kommunikation ist hierarchisch, kann nicht freie, divergierende Meinungsäusserungen zulassen. Ein persönlich relevantes Reden dagegen muss offen sein, nicht auf ein vordefiniertes Ziel ausgerichtet.
  • individuelle Namen scheinen hier noch unwichtig zu sein. SPRECHER (= ADRESSATEN) sind eine undifferenzierte Masse. Eine Unterscheidung nach Individuen ist noch nicht möglich.
  • Wenn Gott JAHWE in V.7 von <<HERABSTEIGEN>> spricht, ist dies - lange schon erkannt - Spott: allzu hoch kann der Turm noch nicht gediehen sein.

Aber zusätzlich scheint JAHWE die Sprechweise der Babylonier nachzuäffen: auch er verwendet die kollektive SPRECHER=ADRESSATEN-Rolle. Das kann man natürlich als pluralis majestatis auslegen. Innerhalb des individuellen Textes und angesichts des auch auf andere Weise enthaltenen Spotts liegt eine spöttische Imitation der Sprechweise der Babylonier näher.

Die Kollektivierung ist keine Sprache, die dem biblischen Kontext angemessen ist. Daher wird ab Gen 12 umgeschaltet: nun sind individuelle Gesprächspartner im Spiel, mit Namen, zwischen denen Gespräche im Normalsinn möglich sind - Abr(ah)am und Familie. Literarisch sind auch Gespräche zwischen ihnen und Gott möglich. Die Gesprächsrollen sind unterscheidbar.

6. Einzelsprache: Schwäbisch

6.1 "Die Sach mit dem Mensch"

... so ist ein Beitrag von H. Petershagen (SWP 22.8.2015) überschrieben, in dem er auf seine Weise und bezogen auf die Einzelsprache "Schwäbisch" zeigt, dass die Benennung der Typen von Substantiven mit Anleihen beim Geschlecht in die Irre führt - was der sprach- und grammatikbewusste Journalist süffisant auskostet:

"Bevor die Schwaben die Liebe entdeckten, stand das Sach
im Mittelpunkt der Erwägungen, welche über die 
Gründung einer Ehe entschieden. Sach ist eine von
zwei wichtigen schwäbischen Vokabeln, die zwei
Geschlechter haben. Die andere lautet Mensch:
Es existieren der Mensch und das Mensch sowie
die Sach und das Sach.
   'Die Sach ist ein Femininum, der Mensch ein
Maskulinum, das Mensch und das Sach sind Neutra...
...bemerkenswert, als ausgerechnet das grammatisch
ungeschlechtliche Mensch ausschließlich auf die holde
Weiblichkeit gemünzt ist. In der Form Saumensch wird
es bevorzugt von eifersüchtigen Geschlechtsgenossinnen
verwendet, um Konkurrentinnen niederzumachen. Oft geht
es dabei um mehr als nur einen Mann, nämlich um dessen
Sach. 
   In beiden Fällen, beim Sach wie beim Mensch
erzielt der Schwabe durch die grammatische Geschlechtsum-
wandlung oder, genauer gesagt, die Neutralisierung einen
tiefgreifenden Bedeutungswandel. Der Mensch wird
durch den Wechsel von der zum das vom wertneu-
tralen Wesen beiderlei Geschlechts zu einem minderwer-
tigen weiblichen Wesen. Die Sache wiederum, die,
egal ob Ding, Aufgabe oder Angelegenheit, meist sehr
konkreter Natur ist, wird im Schwäbischen als das Sach
zum abstrakten Sammelbegriff der Besitztümer, die jemand
angesammelt hat - und die durchaus Begehrlichkeiten
wecken können. Etwa bei einem Saumensch.
   Neben dem Sach kennt der Schwabe freilich auch
die Sach. Sie ist im Wesentlichen mit der schrift-
deutschen Sache identisch, auch wenn der Schwabe auf
das abschließende -e verzichtet. Die Sach wird
gerne mit dem besitzanzeigenden Fürwort und einem Aus-
rufezeichen verknüpft: Des isch mei Sach! ...
   Doch wie wurde der Mensch zu das Mensch?
Dieses Neutrum stand im Mittelalter - und keineswegs
nur unter Schwaben - ganz einfach für ein menschliches
Wesen. Vom 15. Jahrhundert an wurde es zur Bezeichnung
für die Frau - zunächst in allen Ehren: Selbst die
Jungfrau Maria wurde das Mensch genannt. Von da an
ging's bergab, zunächst zum weiblichen Dienstpersonal,
und schließlich zu den Menschern, denen das Sach
wichtiger ist als der Mensch.