4.02422 Numerus (/ Determination )

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Zahlangaben können sein: Sg (Singular, Einzahl) oder Pl (Plural, Mehrzahl). Eine Sonderform von »Mehrzahl« ist es, wenn die »Zweizahl« eigens betont wird. Die Mittel dafür sind unterschiedlich. Manche Sprachen können direkt am Nomen durch eine Endung auf die Zweizahl (»Dual«) verweisen (das müsste man dann wiedergeben als »Füße-zweie«).


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1. Einzelsprache: Deutsch

1.1 Erläuterung

Schulgrammatik

Der Numerus (Plural: Numeri) ist in der Grammatik eine Zählform zur Bestimmung von Mengenwertigkeiten, also zur Festlegung beziehungsweise Unterscheidung der Anzahl. Je nach Sprache gibt es verschiedene Formen: Singular, Dual, Plural, Distributiv....[1]

Der Singular (Sg) bezeichnet in der Grammatik einen Numerus und repräsentiert die Einzahl[2]

Fragen: Ist "das Haar" singular?

Antwort: Ja, es handelt es sich hier um einen Singular, obwohl mit dem Ausdruck, "das Haar", die Gesamtheit der Haare eines Menschen gemeint werden kann. Ein ähnliches Beispiel: "Der Deutsche gilt als fleißig"

Der Dual (auch: Zweizahl) ist eine grammatikalische Unterkategorie des Numerus. Im Gegensatz zum Singular und zum unpräzisen Plural bezeichnet der Dual eine Zweizahl der beschriebenen Elemente mit eigenen verbalen bzw. nominalen Formen. In den meisten Sprachen, die einen Dual kennen, wird er vor allem für natürlicherweise Paariges verwendet; etwa für doppelt vorhandene Körperteile wie Arme und Beine und entsprechende Kleidungsstücke wie etwa Schuhe, oder Ehepaare [3]

Fragen: Welche Form haben wir, wenn die Zahl von Gegenständen oder Personen nur zufällig zwei ist?

Der Plural (lat. plures = „mehrere“, Pl) bezeichnet in der Grammatik einen Numerus und repräsentiert die Mehrzahl. Darunter fallen alle Mengen, die in einer Sprache nicht durch einen niederwertigeren Numerus abgedeckt werden. Im Deutschen gibt es den Plural bei verschiedenen Wortarten, zum Beispiel beim Verb, beim Substantiv, beim Artikel und beim Pronomen [4]

Der Distributiv (auch Plurativ genannt) bezeichnet einen Numerus, der die Verteilung der besprochenen Gegenstände ausdrückt, entsprechend dem Gebrauche des deutschen Worts je(weils)[5]

Alternativ-Grammatik

Die Alternativ-Grammatik kann dabei helfen, den Numerus näher und ohne Konfusion zu beschreiben, indem andere Realisierungsformen benutzt werden:

Beispiele

Pl bezieht sich auf alle Elemente ("kollektiv")

"alle Bäume"---->         <<BAUM+Pl-koll>> 
"jedes Stück Kuchen"----> <<STÜCK+Pl-dis>>, hier sind alle
                          Stücke gemeint - aber nur
                          ein Exemplar wird genannt 
"wenige Bäume"--->        <<BAUM+Pl-pc>>, "pc" (pauci)= wenige 
"viele Bäume"---->        <<BAUM+Pl-mul>>, "mul" (multi)= viele 

Zusatzcharakterisierung

Markierung (A, B, C...) = altes Genus, vgl. [6]

Rolle (Sprecher (Sp), Partner (Pt), Thema (Th) ) = anstelle der bisherigen Person, vgl. [7]

Numerus (Sg, Pl..)

Bestimmtheit (definit, indefinit)

Beispiele:

"alle Schulen"---> <<SCHULE+B+Th+Pl-koll+def>> 
"gehst"----> <<GEHEN+?+Pt+Sg+def>>

Übungen

Folgende "Bedeutungen" charakterisieren:

"gehen wir!" <<GEHEN+...>> 
"alle Schüler" <<SCHÜLER+...>>
"Sie kommen" <<KOMMEN+...>> 
"viele Kühe" <<KÜHE+...>>


1.2 Ausblick in die Pragmatik

Wenn mit "SP" im Singular sich der Sprechende selbst ins Spiel bringt, dann wird damit auch die Verantwortung für die Handlungen, von denen die Rede sein soll, daran gekoppelt - das kann erwünscht sein, oder - weil unangenehm - es soll vermieden werden. Letzteres wenigstens durch Ausweichen in den Plural ("wir") oder noch besser durch Verweis auf ein unbestimmtes KT = Drittes, Kommunikationsthema: "man, irgendwelche". - Zu Fußballer oder Politiker (aus: R. Griesbeck, Der Turm zu Schwafel, S.181f):

Zum Beispiel vermeiden sie das "ich". Politiker sagen
"wir", weil sie dann von vornherein jede persönliche
Verantwortung von sich weisen. "Wir sind der Meinung...
wir haben ein Papier erarbeitet... wir stehen klipp und
klar zu unseren Beschlüssen!"
Das sagen Fußballer auch, und weil es ja immer "die
Mannschaftsleistung" war, wenn etwas danebenging, trägt
man höchstens noch ein Zwölftel der Schuld. Ein Zwölftel?
Ja, der Trainer gehört schließlich auch dazu. Ist ein
Spieler aber eindeutig schuld an einem miesen Ergebnis,
macht er es auch so wie ein Politiker. Er sagt "man".
"Man hat in der zweiten Halbzeit abgebaut... man kann
sich vorstellen, dass es besser läuft... man muss
natürlich auch die Umstände berücksichtigen." Hat man
aber zweifelsfrei ein Spitzenspiel hingelegt, ändert
sich der Ton noch einmal. Jetzt kommt endlich das "ich"
ins Spiel: "Ich bin froh, dass ich der Mannschaft einen
so wichtigen Punkt holen konnte..." 
--Hs 16:02, 2. Jan. 2011 (UTC)

1.21 Ausblick in die Pragmatik: Einzelwahrnehmung oder Masse

Vgl. P. Handke, Versuch über den Pilznarren. Eine Geschichte für sich. Berlin 2013. S.93

"Wieder seltsam, oder auch nicht: Selbst wenn ihm Pilz-
sorten, von denen er die Erfahrung gemacht hatte, daß sie
wohlschmeckend waren, tatsächlich in Massen begegneten,
begriff er sie nicht als 'Masse', so wie er sich auch
keinmal als 'Pilzfreund' sah; das Wort nahm er nie in den
Mund und hörte es mit der Zeit von seinen Mit-Mykologen
mit wachsender Geringschätzung. 'Mykologen'? Nein, die
von ihren Funden in 'Kilos' sprachen, die sie 'in einer
Minute' gesammelt hatten und 'eimerweise aus dem Wald
trugen, das waren keine Pilzkenner oder gar -wissen-
schaftler, so wie er, obwohl er im Verlauf der Begeben-
heiten zwischendurch mikroskopierte und, ebenfalls nur
episodisch, präparierte, kein Mykologe wurde, sondern,
wie selbst er es sich von Zeit zu Zeit eingestand, eben
ein Pilznarr." 

1.3 2x ohne Artikel

Es gilt ohnehin: Der Artikel kann zwar Anzeiger für DETERMINATION oder auch NUMERUS sein. Aber solche semantischen Funktionen können auch auf anderen Wegen realisiert werden. Und selbst wenn der Artikel steht: er ist zunächst erst ein (ausdrucks-)syntaktisches Signal. Wie er genau zu verstehen ist, muss erst noch herausgearbeitet werden. - Zwei Beipiele ohne Artikel:

"Ich habe Kartoffeln gegessen"

Das angehängte -n lässt sich problemlos als Plural
interpretieren. Ein Anzeiger, den man für Determination
verbuchen könnte, ist nicht erkennbar. Dieses Fehlen eines
äusseren Signals hat aber semantischen Wert. Ausgesagt
ist: "Ich habe irgendwelche K. gegessen."

"Ich habe Maria getroffen."

Der Singular macht den 2.Aktanten/Objekt schon mal
übersichtlicher. Ein Artikel ist auch nicht im Spiel - er
ist auch unnötig, weil der Eigenname selbst zur Genüge
auf eine bekannte = bestimmte Figur verweist.


2. Latein

2.1 Standarderklärung

Die "Systemgrammatik Latein" von Fink/Maier (1997) ist S.21 kurz angebunden:

Numerus
Im Lateinischen unterscheidet man die beiden Numeri Singular (Einzahl) und
Plural (Mehrzahl).
Numeri
Singular       dominus    (der/ein) Herr
Plural         domini     (die)     Herren

Betrachtet man die Beispiele, stellt man fest, dass man sie woanders schon einmal gesehen hatte. dominus kann auch als Nominativ bestimmt werden, ebenso domini, wobei das auch Genitiv sein könnte. Nun also die Zusatzauskunft, es werde auch der Numerus in einer von beiden Varianten verwirklicht.

Sehen kann man den Numerus also nicht. Kein Morphem zeigt speziell den Numerus an. Stattdessen muss man semantisch wissen, dass mit diesen Wortformen auch Aussagen zur Anzahl der Nomina verbunden sind. Folglich ist in der Alternativ-Grammatik das Thema "Numerus" in der Semantik angesiedelt, es gehört nicht in die Kategorie der Wortbildung (auf Ausdrucksseite).

Dass der semantische Begriff Numerus mit dem ebenfalls semantischen Begriff Determination verbunden ist, deutet - ohne es zu behandeln - die obigen Übersetzung an ("der/ein"). Wir behandeln den Zusammenhang, auch beim Latein, im vorigen Modul: 4.02421 (Numerus /) Determination

Plural - man kann natürlich kollektiv und damit determiniert alle einer Gesamtgruppe nennen (omnes gentes). Man kann alle meinen, indem man aber jeden einzelnen ("distributiver Plural") anspricht: unusquisque = jeder einzelne, optimus quisque = gerade die Besten, alle Guten. - Wieso die "Systemgrammatik Latein" S.87 hier von Indefinit-Pronomen spricht, bleibt unklar. Vermutlich - das gibt es öfters - wurde ein traditioneller Begriff übernommen, ohne wirklich über den Zusammenhang zwischen Numerus und Determination nachzudenken.

3. Englisch

3.1 Plural

Die Grammatik von Kirschning behandelt S.97ff "The plural of the nouns" - das wäre ja noch offen für eine semantische Erläuterung. Diese wird jedoch weggewischt durch die beigegebene Übersetzung: "Die Pluralbildung der Substantive". "-bildung" zeigt an, dass es nicht um "Plural" geht, sondern um morphologische Veränderungen.

Keine Frage, dass diese wichtig sind - sie gehören zur Ausdrucks-SYNTAX, vgl. 4.011 Ausdrucksseite: Wortbildung. Aber aktuell ist SEMANTIK das Thema. Dazu bietet das Kapitel nichts.