4.04 Thema / Subjekt – Vorbereitung der Bedeutungseinheit »Satz«

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Bevor wir zur wichtigen Bedeutungseinheit »Satz« kommen, sind einige vorbereitende Schritte notwendig. Es lohnt sich z.B. die 'Banalität' genauer zu betrachten, dass kein Thema vom Himmel fällt, sondern gewählt werden muss. Man benötigt auch grafische, stilistische Techniken, um das eine Thema vom anderen abzugrenzen. Damit kommt schon in den Blick, dass später, bei der Pragmatik - vgl. 4.42 Einheitliches Thema (Isotopien) - die Fragestellung eine Ausweitung bekommt.


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0. Themenwahl

Die Bestimmung des Themas für einen Satz, v.a. für einen Text, ist eine Entscheidung dafür; zugleich ist dies aber auch eine Entscheidung gegen andere mögliche Themen.

0.1 Themenliste als Ausdruck von Zensur

[1] berichtet in der Ausgabe 4/2003 - bezogen auf die Ukraine - von "Temniki":

"Es sind Themenlisten, die vom Presseamt der Präsidenten-
verwaltung an die Medienmacher großer Fernsehstationen gehen.
Darin wird diktiert, über welches Thema in welcher Weise
berichtet werden darf. Serhij Wasiliew, der als Leiter für
Informationspolitik der Präsidialverwaltung Urheber dieser
ominösen Listen ist, hat gleich ein paar englische Exemplare
mitgebracht und spielt ihre Bedeutung herunter. 'Diese Themen-
vorschläge gehören zur neuen Transparenzoffensive der Präsi-
dentenadministration', verkündet der Journalist in Staats-
diensten. Das will Olena Prytulla, Chefredakteurin der Inter-
netzeitung 'Ukrainska Prawda', nicht recht glauben. 'Solche
staatlichen Empfehlungen bewirken Selbstzensur', stellt sie
fest. Fakt sei, daß Fernsehsender es vermeiden, Informationen
über Oppositionelle wie ... zu zeigen."


1. Presse

1.1 Nachrichten

Man schaue/höre/lese Nachrichten zum aktuellen Geschehen an und notiere - nach Medium (Fernsehen/Radio/Zeitung/Online-Portale) unterschieden - wie die Schnitte zwischen den einzelnen Themen den Mediennutzern vermittelt werden. Letztere sollen ja nicht einen einheitlichen Nachrichtenbrei aufnehmen, sondern Einzelthemen unterscheiden können. Es aber nicht, jeweils das Thema zu wechseln. Sondern der Wechsel wird gestalterisch unterstützt. z.B. durch Überblendungen, Kamerawechsel, Pausen, nicht-satzhafte Themensetzungen ("Das Wetter"), Fettdruck in Überschriften usw.


2. Film

Jede Gesellschaft 'pflegt' ihre Tabus, ihre Nicht-Themen. Nicht dass man diese ausgeklammerten Felder nicht kennen würde. Aber eine nähere Beschäftigung damit würde den aktuellen Lebensstil empfindlich stören, würde auch (innen-)politisch gravierende Änderungen verlangen. Will nun ein Künstler solch ein Tabuthema ins Bewusstsein rücken, kann er dies mit einer komplett fiktionalen Geschichte tun. Aber die Details, auf die es ankommt, müssen stimmen. Und da die allgemeine Abwehr gegen das Thema groß ist, muss der Film künstlerisch überzeugend sein, dürfte oft auch heftige Gewaltszenen einschließen - als metaphorisches Ausrufezeichen. - Derartiges zu beschreiben ist zwar Aufgabe der PRAGMATIK. Aber der Mechanismus ist der selbe wie hier in der Semantik: ein Thema wird ausgewählt und gesetzt.

2.1 Q. Tarantino "Django Unchained"

Auszüge aus SPIEGEL 2/2013:

Es ist eine seltsame Welt, 1858, in den Südstaaten
Amerikas. Wenn ein junges Sklavenmädchen ein Ei zer-
bricht, wird es an einen Baum gebunden und ausge-
peitscht, wenn ein Sklave wegläuft, wird er einge-
fangen, verspottet und den Hunden zum Fraß vorge-
worfen. Und auf den Feldern blüht die Baumwolle in
unschuldigem Weiß ...
Der Filmemacher Quentin Tarantino hat wenig Sympathie
für die Sitten des guten alten Südens. Sein Film
"Django Unchained", gerade für fünf Oscars nominiert
ist ein Rachefeldzug, eine 165-minütige Abrechnung
mit den Peinigern, die weiße Baumwolle ernten, in
weißen Herrenhäusern wohnen und weiße Haut haben ...
... ist Gesellschaftskritik. Noch mehr aber ist es
eine Abrechnung mit der Ikonografie Hollywoods, die
so gern den Reichtum der Weißen feierte, aber das
Blut der Sklaven nicht zeigte, die diesen Reichtum
erst möglich machten. Django wird zu einem einsamen
Rächer, wie ihn das Publikum noch nicht gesehen hat. 
....
Tarantino hat mit "Django Unchained" der afroameri-
kanischen Kultur einen Superhelden mit comichaften
Zügen gegeben, den sie sich nicht bestellt, aber
möglicherweise gewünscht hat. Generationen von
schwarzen Kids, schreibt der Historiker Jelani Cobb
im 'New Yorker', hatten sich nicht für die Geschichte
der Sklaverei interessiert, weil die Schmach der
Wehrlosigkeit abschreckend gewirkt habe.