4.0612 Existenzsätze – Streit ums Thema / Subjekt

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Aus dem Inhalt

Kommunikativ ist also der Begriff der Erwartung mit der Existenzfrage verbunden. Wer sprachlich ein Subjekt akzeptiert, der ist auch bereit, sich weitere Informationen dazu sagen zu lassen, sich darauf einzustellen. Wer – wie beim »Universums-Stulp« – schon bei diesem Subjekt abblockt, der will auch nichts Weiteres wissen. Wer die Existenz von »Engeln« behauptet, kann diese zwar real nicht beweisen, für ihn persönlich heißt seine Aussage aber: Ich verbinde weiterhin (positive) Erwartungen mit diesen Flügelwesen.


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0. Nachträge zur Theorie

0.1 Philosophisch / kabarettistisch

Aus: D. Nuhr, Der ultimative Ratgeber für alles. 2011. S.67

"Mangels genauer Kenntnis begründet der Mensch sein
Dasein gerne auf religiösem Wege. In Wirklichkeit hat
der Mensch natürlich keine Ahnung, warum so etwas wie
eine Existenz überhaupt existiert, also wieso das Sein
'ist'. Die philosophische Grundfrage: 'Warum ist etwas,
und warum ist nicht vielmehr nichts?' Kinder beant-
worten die Frage 'Warum?' gerne mit 'Darum!' Dem ist
von philosophischer Seite nichts hinzuzufügen, außer
vielleicht die Fragen: Wo ist 'da'? Und um was he'rum'?
Also 'Hä?'
     Das ist im Grunde einfach zu beantworten: Wenn
nichts wäre, gäbe es auch niemanden, der dumme Fragen
stellen könnte. Also würde es gar nicht auffallen,
außer, wenn man sein Portmonee sucht und nicht weiß,
wo man anfangen soll, weil nichts existiert.
     Wahrscheinlich gibt es erheblich mehr Universen,
die nicht existieren, als existierende. Das lässt sich
aber schwer zählen, weil die nicht existierenden Univer-
sen aufgrund ihrer Nichtexistenz schwer auszumachen sind.
     Oder um es deutlich zu sagen: Was nicht ist, wird
nicht mitgezählt! Das soll keine Diskriminierung des
Nichtexistenten sein! Aber es gilt: Nichts = 0, weshalb
unser Universum wieder als das einzig Zählbare übrig
bleibt."

N.B. So kann man mit dem Paradox spielen, wonach man sprachlich etwas schaffen = benennen muss = so tun, als habe man ein Objekt vor sich (in Form eines Nomens), von dem man zugleich auszusagen hat, dass es nicht existiert. Wer den theoretischen Unterschied: Sprache - Faktenwelt nicht beachtet, wird ins Schleudern kommen. Uns bleibt nichts anderes übrig, als uns den Notwendigkeiten der Sprache zu unterwerfen.

0.2 Existenz des "Zauberers"

Aus A.M. Schenkel, Tannöd. 7. Aufl. Hamburg 2007. S. 12f:

"Vor ein paar Tagen hat sie mir erzählt, dass der Zauberer
wieder da ist. Sie hat ihn im Wald gesehen und der bringt
sie bestimmt zu ihrem Papa. Ja, der Zauberer, hat sie
gesagt. Diese Geschichte hat sie im Herbst schon einmal
erzählt, gleich nach Schulanfang und ich habe ihr nicht
geglaubt, den Zauberer gibt es nicht und Zauberer, die
einem einen Papa herzaubern, der in Amerika sein soll,
die gibt es erst recht nicht. Da habe ich mich wieder mit
ihr gestritten und sie hat geweint und gesagt, den
Zauberer gibt es und er hat lauter bunte Flaschen in
seinem Rucksack und andere bunte Dinge und manchmal sitzt
er einfach da und summt vor sich hin. Das muss doch ein
Zauberer sein, so wie der aus unserem Lesebuch. 
Da habe ich gerufen: 'Lügnerin, Lügnerin' und sie ist
weinend heimgelaufen."

0.3 Existenz ist relativ

Interview mit dem Philosophie-Prof. Markus Gabriel, SPIEGEL 27/2013 (Auszug)

Gabriel: Existenz ist immer relativ, sie ist nicht
identisch mit Wahrheit. Auch Einbildungen existieren,
und vieles existiert nur in Einbildungen. Hexen gibt es
nicht, und es gibt sie doch, etwa in Goethes 'Faust',
im Horrorfilm 'Blair Witch Project', im Kölner Karneval.
SPIEGEL: Oder in den Köpfen mittelalterlicher Hexen-
verfolger. Wir können doch die Unterscheidung zwischen
Außenwelt und Innenwelt, zwischen realer und eingebil-
deter Existenz nicht aufheben.
Gabriel: Entscheidend ist, in welchem Sinnfeld wir
uns befinden. Trolle gibt es in der nordischen Mythologie,
aber damit gibt es noch lange keine Trolle in Norwegen.
Das Problem liegt darin, dass die Frage nach dem Sinn
übergangen wird. Das Universum stellt keine Sinnfrage,
es ist eine 'kalte Heimat', wie der Bonner Philosoph
Wolfram Hogrebe dieses lebensweltfreie Dasein genannt
hat. Das ändert sich, wenn wir nach unserem Platz darin
fragen. Das Menschsein ist ohne Sinnfrage nicht denkbar.
Die Menschen sind nicht einfach nur Schweine im Weltall,
wie ein Programm in der Muppet Show heißt, also nur
fressende und ihren Nutzen berechnende Wesen, die sich
in den Welten einer sinnlosen Galaxie verlieren. Die
Menschen wissen, dass sie existieren und in der Welt
vorkommen. Das ist der entscheidende Unterschied.

(Wen es interessiert, der kann nachschauen in [1]. Was Gabriel vertritt, ist die Position des Nominalismus - der schon antike Streit mit den Platonikern - unterschiedlicher Couleur -, also den Realisten, wirkt bis heute nach. Aber nur auf dem Weg des Nominalismus ist moderne Rationalität, Subjektphilosophie und Erkenntnislehre möglich.)

0.4 Mensch <=> Tier

Die Beifügung im Titel "Streit ums Thema / Subjekt" ist wichtig, um einen wichtigen Unterschied hervorzuheben: Als elementares Gefühl verbindet den Menschen die Existenzangst mit der restlichen Tierwelt. An Primaten kann man ablesen, dass diese Verbundenheit auch bei weiteren elementaren, existenziellen Befindlichkeiten besteht - Freude, Zärtlichkeit, Fluchtreflexe, Kampfbereitschaft usw. Diese evolutionäre Ebene ist wichtig noch unabhängig vom Thema "Sprache". Man sollte um sie wissen, aber sie ist kein Thema der Grammatik. Diese elementaren Instinkte werden auch zum Ausdruck gebracht als Gefühle in der jeweiligen Gegenwart: Drohgebärden, entsprechende Laute, usw.

Sprache dagegen erlaubt zwar auch, aktuelle Gefühle zu artikulieren. Das ist aber nur ein kleines Segment. Viel weiter ist die Möglichkeit, zusammenhängende Bedeutungswelten zu entwerfen, die mit der aktuellen Befindlichkeit gar nichts zu tun haben müssen.Der Mensch verfügt in diesem Sinn über eine große Vorstellungskraft, Imagination, und Sprache erlaubt es ihm, diese gedanklich-emotionalen geistigen Konstrukte (Satz, Text, Drama, Oper, Roman usw.) so auszudrücken, dass andere sie verstehen, sich darauf einlassen können. Die Sprache, bzw. die sie ermöglichende geistige Kapazität, ist der eiserne Vorhang zwischen Mensch und Tier.

Die Frage der "Existenz" interessiert uns somit in ihrer sprachlichen Realisierung.

0.5 Juristisch schwierig: Opfer gibts nicht

... das haben "Opfer" bei Mordanschlägen leider so an sich. Vgl. jedoch [2]


1. Einzelsprache: Deutsch

1.1 Fragestellung näher eingegrenzt?

In welchen Formen kann man von Existenz (bzw. von Nicht-Existenz) sprechen?

Es gibt zwei Existenzebenen: Die beweisbare Existenz und die Phantasie, also die Ebene der eigenen Vorstellungen, die konträr zur Vorstellung von anderen Personen sein kann. Was gesprochen bzw. geschrieben wird, muss also nicht eine beweisbare Existenz haben, Sprache und Lebenswirklichkeit sind zwei verschiedene Ebenen.

Es kann durchaus zu Überschneidungen der beiden Ebenen kommen. Eine Person, die am Computer Ego-Shooter spielt, mag irgendwann vielleicht in der realen Welt mit Gewalt versuchen, Probleme zu lösen.

An Existenzen werden stets Erwartungen geknüpft (jedenfalls wurde unsererseits kein Gegenbeispiel gefunden). Wenn ein Mensch an einen Engel glaubt, dann hat er bestimmte Erwartungen daran. Ist die Existenz einer Industrie-Branche bedroht, entstehen Erwartungen zur Überbrückung der Krise, bzw. es kommt die Frage auf, was danach passiert. Wer sich sprachlich auf etwas Existierendes einlässt, ist auch bereit für neue Informationen zu diesem Thema.

Beispiele für beweisbare Existenz:
  1. Michael Ballack ist ein Mann.
  2. Das Volk der Maya ist ausgestorben.
  3. Das Wetter gestern war schlecht.

[Kritische Anmerkung (HS): alle 3 Beispiele sind keine Existenzsätze, weil immer zwei selbstständige Bedeutungen gegeben sind: <<BALLACK>> + <<MANN>>; <<VOLK>> + <<AUSGESTORBEN>>; <<WETTER>> + <<SCHLECHT>>. D.h. es handelt sich bereits um Aussagesätze. Die jeweilige Existenz des Subjekts wird unterstellt, ist dem Satz aber kein Problem, über das er reden will.]


Beispiele für Phantasie:
  1. Tombraider gewinnt.
  2. Ich habe einen Yeti gesehen.
  3. Das Christkind kommt, wenn die Kerzen brennen.

[Gleiche Kritik wie soeben. Dennoch kann man die Sätze belassen, als Demonstration für ein sprachfernes Verständnis von 'Existenz':

  • "Phantasie" soll wohl heißen: Geflunker, 'gibts in Wirklichkeit nicht'. Nebenbei wird damit "Phantasie" abgewertet. Das ist nicht unsere Position:
    • Semantisch wird das Subjekt eines Satzes genommen - unabhängig von der Frage, ob es dieses in der Realität draußen gibt. Folglich sind sprachlich "Tombraider" und "Christkind" akzeptierte Subjekte.
    • Der Yeti verhindert einen Existenzsatz nicht etwa, weil ihn noch nie jemand nachgewiesen hat - das wäre wieder die sprachferne Einstellung -, sondern weil er im Beispielsatz als "Objekt"/2.Aktant auftritt. Existenzsätze kommen schon mal gar nicht so weit: ihr Problem ist das Subjekt. An das Objekt ist gar nicht erst zu denken. Wer einen Satz mit "Objekt" bildet, setzt die Existenz des "Subjekts" voraus - also kann kein Existenzsatz vorliegen.
  • Folglich: Semantisch, im Wortsinn, ohne weitere kritische Betrachtung, betrachten wir angebotene "Subjekte" und beachten Sätze, die deren "Existenz" thematisieren - ob diese Subjekte in der realen Lebenswelt vorkommen oder nicht, wird noch nicht untersucht und auch nicht zum Kriterium erhoben. Existenzsätze, abgeleitet aus den obigen Beispielen, könnten lauten:
    • Tombraider gibts nicht.
    • Der Yeti existiert.
    • Das Christkind gibt es.]


Formallogische Sonderstellung von Existenzaussagen

Es ist von einem "Existenzsatz" die Rede, wenn eine Sondersatzform vorliegt. Dies ist der Fall, wenn eine einzige selbstständige Bedeutung vorliegt, und nicht wie bei einem "normalen" Satz mindestens zwei selbständige Bedeutungen. Man benutzt Existenzsätze oft als Widerspruch zu einer Meinung: X spricht einen normalen Aussagesatz (also mit 2 Bedeutungen im Kern - "Gott hat [die Welt] geschaffen"); Y hebelt die Aussage aus, indem das Subjekt jenes Satzes 'herausgeschossen' wird ("Gott gibts nicht" - damit fällt der Aussagesatz in sich zusammen).

Beispiele:
  1. "Gott ist"
  2. "There is an angel"
  3. "Gibt es nicht"


1.2 Existenz und Negation

Aus: Wolf Haas, Der Brenner und der liebe Gott. Hamburg 2009.

(93) Du musst wissen, für alles gibt es einen richtigen
Zeitpunkt.
(185f) Da gibt es ja tausend Möglichkeiten, vom Kinder-
porno bis zum zum. Es gibt ja nichts, was es nicht gibt
auf der Welt. Ich sage sogar, das ist der größte Fehler
an unserer Welt, dass es nicht wenigstens ein paar Dinge
gibt, die es nicht gibt. Weil Nichtdinge und Nichtmen-
schen meistens weitaus sympathischer als die, die sich
mit spitzen Ellenbogen in die Welt gedrängt haben. Oder
wenn du dir anschaust: Nichtideen! Dann Nichtmeinungen,
Nichtgefühle, Nichtliebe, Nichtgespräche, Nichtgedanken!
Da sage ich sofort zu allen, hereinspaziert, meine Tür
ist weit offen für euch! Schwierig wird es immer mit den
Existenzen. Da fangen die Probleme an. 
(207) ..., aber Handwerk und Können null.


1.3 Fukushima

März 2011: In Zeiten der Reaktorkatastrophe von Fukushima genügt es, irgendeine Zeitung aufzuschlagen, um auf doppelte Weise mit dem Thema "Existenz" konfrontiert zu werden. Allerdings bedarf es dazu nicht erst eines solch monströsen Vorfalls.

  1. Zahlenmäßig erdrückend wird die reale Sorge um die Existenz tausender Menschen vorgeführt. In solchen Situationen kommt zum Vorschein, was Menschen zuinnerst bewegt. Viele sonstige Alltagsthemen und Streitpunkte verblassen demgegenüber. Zentrale Frage: Ist physisches Überleben möglich? - Existenz(möglichkeit) in diesem Sinn ist ein Thema von Physik und Medizin.
  2. Sprachlich - dies ein Nebeneffekt - kann man aus den Berichten ableiten, in welch unterschiedlicher Form von bedrohter, ausgelöschter, nach Verletzung wieder gewonnener, mit Hoffnungen verbundener usw. Existenz gesprochen werden kann, wie Politiker - selbst wenn die Lage verzweifelt ist - möglichst nicht den Eindruck von Rat- und Hilflosigkeit erwecken, weil sonst durch Panik die Existenz vieler noch bedrohter wäre. - Existenz(möglichkeit) auf dieser Ebene ist ein umfassendes Sprach- und Kommunikationsproblem, es reicht vom einzelnen Individuum über die Presse bis zur hohen Politik.


1.4 "Bahn fehlt Stellwerkspersonal in ganz Deutschland"

= Überschrift bei SPIEGEL-online im August 2013. Den Satz - immerhin ist ein konjugiertes Verb enthalten - betrachten wir etwas genauer.

Für die Frage nach "Aktanten" und "Prädikat" kann in ganz Deutschland gleich mal ausgeschaltet werden. Offenkundig ist es eine Ortsangabe für den gesamten Satz. - Uns interessiert mehr der Kernbereich des Satzes.

"X fehlt Y" - diese Struktur - zwei Nomina umgeben ein konjugiertes Verb - deutet sehr häufig hin auf - traditionell gesprochen: Subjekt - Verb=Prädikat - Objekt. Aber genau dieses Muster passt nicht. Denn die Bedeutung <<FEHLEN>> verlangt keinen 2.Aktanten (=Objekt). <<FEHLEN>> ist keine Handlung, zu der die Frage gehört: "wen/was?". Ein anderer Lösungsweg ist nötig:

Mindestens ein 1.Aktant muss vorliegen. Der kann nur im 2. Nomen = "Stellwerkspersonal" gegeben sein: das ist es, "was fehlt". Dass die Bedeutung <<FEHLEN>> verstanden wird - sind dazu weitere Aktanten nötig? - Antwort: nein! Der Kern des Satzes wird somit gebildet durch "Stellwerkspersonal" + <<FEHLEN>>. Letzteres sagt aus: Nicht-Existenz. Also haben wir einen negierten Existenzssatz.

"Bahn" - was könnte dies sein? Keine Kasusendung oder Partikel kommt zuhilfe. Das Nomen muss eine Funktion außerhalb der zentralen Aktanten wahrnehmen. - Zwei Lösungswege kann man diskutieren:

Unter 4.0611 Subjekt / 1.Aktant wird vornehmlich
"Subjekt/1.Aktant" behandelt.
Aber es wird auch gesagt, dass Zusatzangaben möglich
seien, und zwar:
Opponent / Komitativ / Instrumental.
Keine der drei Möglichkeit passt zufriedenstellend, weder
ist "Bahn" 'Gegner', noch 'Begleiter', noch 'Hilfsmittel'
des Fehlens.
Eine zweite Möglichkeit wird unter
4.034 Näherbeschreibung – Benefiziat / Malefiziat in einem
eigenen Punkt besprochen: Was durch die Prädikation
ausgesagt ist - aktuell: die Nicht-Existenz - ist
zugunsten oder zuungunsten von ?  der Fall.
"Benefiziat/Malefiziat" sind die Termini. Das passt gut:
Leidtragender des Fehlens ist "die Bahn". 

Wir haben somit eine negierte Existenzaussage: "Stellwerkspersonal gibts nicht", primärer Leidtragender des Sachverhalts ist die "Bahn" (sprachlich aber nicht mehr unmittelbarer Bestandteil der Prädikation), und das Ganze betrifft das Gebiet "in ganz Deutschland". - Damit hat die bisherige Semantik-Terminologie geholfen, auch einen kniffligeren Satz zu beschreiben.

2. Einzelsprache: Wolof

2.1 Allgemein

Wolof ist eine Sprache aus dem nördlichen Zweig der westatlantischen Sprachfamilie, einer Untergruppe der Niger-Kongo-Sprachen, zu denen beispielsweise auch Swahili, Zulu oder Lingala gezählt werden. Wolof wird überwiegend in Senegal gesprochen. Etwa 80% der Senegalesen beherrschen die Sprache. Daneben wird Wolof auch noch in Gambia und Mauretanien gesprochen. Heute wird Wolof mit den Buchstaben des lateinischen Alphabets geschrieben. Andere Schreibweisen: "Ouolof" oder "Wollof".[3]

In der Wolof-Sprache ist die "Existenzfrage" keine einfache, denn die zwei oben zitierten Existenzebenen sind kaum zu trennen, da bei den Wolofs alles, was man nennen kann, auch existiert. Das Gegenteil gilt aber nicht. Es muss nicht bewiesen werden, dass das Subjekt, über das geredet wird, auch existiert. Die Tatsache, dass man darüber redet, ist dessen Existenzbeweis. Allerdings: Lügen kann man auch in Wolof - und man tut es auch (laut Auskunft eines native speaker...).

3. Einzelsprache: Englisch

3.1 Versuch der Annäherung

Beispiele für beweisbare Existenz:
  1. Chelsea has won.
  2. My grandmother died two years ago.
  3. The sun is a very hot planet.

[Gleiche Kritik wie soeben unter Ziff. 1.1. Es handelt sich um Aussagesätze.]

Beispiele für Phantasie:
  1. Send me an angel.
  2. Jesus is God's son
  3. My dream is better then yours.

[Gleiche Kritik wie soeben unter Ziff. 1.1. Es handelt sich um Aussage- bzw. Aufforderungssätze.]

4. Einzelsprache: Französisch

4.1 "il y a"

il y a - es handelt sich um eine leergelaufene Lokalisierung - dient nun zur Aussage der Existenz von etwas. Daneben gibt es aber auch das Verb exister. In beiden Fällen wird eine nominale Größe beleuchtet, ins Zentrum gerückt. Von ihr wird aber nichts Spezifisches ausgesagt (keine 2. Bedeutung). Die Beteuerung der "Existenz" ist nichts Spezifisches, sondern so allgemein, dass sie von jedem Gegenstand ausgesagt werden kann.

Man kann für die Existenzaussage zuvor das Blickfeld einengen:

Sur la table, il y a une vase

Man soll nicht im ganzen Zimmer rumgucken, sondern nur auf den Tisch. Und da gilt: es gibt eine Vase. Die Blickfeldeinengung ist vorangestellt und durch Komma abgetrennt. Dadurch unterscheidet sich die Aussage von einer lokalisierenden Aussage:

La vase se trouve sur la table

Das wäre keine Existenzaussage, sondern eine einfache Lokalisierung: X befindet sich auf Y.


5. Einzelsprache: Latein

5.1 Standardausdrucksweisen

Sunt, qui ...           = Es gibt welche, die ...
Multi sunt qui ...      = Es gibt viele, die ... 
Non desunt, qui ...     = Man kann die Existenz auch umständlich
                          durch doppelte Negation ausdrücken
Nemo invenitur, quis..  = Niemand wird gefunden, der ... /
                          Nicht-Existenz indirekt, d.h. pragmatisch
                          ausgedrückt

Hervorhebung der tatsächlichen Existenz von jemandem oder von etwas - wahrscheinlich, weil der Gesprächspartner genau dies bezweifelt hatte. Esse als Vollverb, analog zu existere.


6. Einzelsprache: Russisch

6.1 Existenz und Verneinung

Его нет = "er ist nicht da". Verschiedene Anmerkungen:

  • Его ist für die 3. Person ein Allerweltspronomen (Personal- [Genitiv oder Akkusativ] und Possessiv- [alle drei Genera]).
  • Das Pronomen steht im Genitiv.
  • нет ist nur die Verneinung
  • Bei der Frage nach der Prädikation ist durch Pronomen nur eine selbstständige Bedeutung im Spiel. Und diese wird verneint.
  • Ein (Hilfs-)Verb ist überflüssig.

Eine schöne Illustration für unsere Definition von "Existenzsatz" (keine zwei selbstständigen Bedeutungen!). - Vgl. Beginn von Ziff.7.

7. Hebräisch

N.B. - Vgl. zur soeben genannten Ziff. 6.1: 
Im Hebräischen gibt es genau gleich strukturierte Aussagen:
איננו = Verneinung + Pronomen = "Nicht-Existenz+seine".
Analog könnte man im Russischen sehr wörtlich übersetzen:
"Von-ihm nicht".

7.1 Jahwe - Ex 3

Der den Juden geläufige Gottesname ist für sich genommen dunkel. Das haben Eigennamen oft an sich. Zunächst genügt es, dass - indem sie ausgesprochen werden - eindeutig auf eine konkrete Person verwiesen wird. Man erwartet nicht zusätzlich, auch noch eine Beschreibung jener Person zu erhalten. Das müsste separat geschehen.

Aber halb-magisches Denken glaubt eben doch, aus dem Eigennamen müsse das 'Wesen' jener Person ableitbar und erkennbar sein. Das ist prinzipiell, d.h. sprachtheoretisch, Unfug, aber diese Versuche gibt es nun mal - nebenbei: Existenzsatz...

In Exodus 3 wird dem Mose aus dem Dornbusch heraus anscheinend eine verstehbare Deutung des dunklen Gottesnamens gegeben, von diesem Jahwe selbst. Um die Deutung noch plausibler erscheinen zu lassen, klingt sie auch noch auf Ausdrucksseite ähnlich:

                      Jahwe  -  ähjäh

Dieses zweite Wort kann man verstehen im Hebräischen: "ich bin" - die Antwort ist also ein Existenzsatz. Aber der - wie wir sahen - beschreibt nichts, liefert keine Zusatzerkenntnis. Vielmehr wird von dem "Ich" eben gesagt, dass es dieses "Ich" gibt. - Man dreht sich gedanklich im Kreise. Das "Ich" wird emphatisch aufgeladen - mehr nicht.

Weil der Schreiber das Defizit wohl erkannte, setzt er noch eins drauf: er hängt einen Relativsatz an

                      aschär ähjäh

Man sieht, das erste Wort der Erläuterung wird wiederholt - kann also nichts Neues sagen. Dazwischen steht nur das Relativpronomen. "Jahwe = ich bin, der ich bin. Zunächst mal wird nichts als die Emphase erhöht.

Das ist der semantische Befund. Es hängt nun von pragmatischen Kontext-Einschätzungen ab, was diese Namenserläuterung bewirkt. Am wahrscheinlichsten:

Heftige Zurückweisung jeglicher Art von Näherbeschreibung. 

Damit würden die zurückgewiesen, die über Namensdeutung mehr über "Jahwe" glaubten erfahren zu können. Ihnen wird eine emphatische Nicht-Erklärung an den Kopf geworfen - passt ja auch zum Bilderverbot. (Schon kleine Kinder beherrschen dieses kommunikative Verhalten, wenn sie aus Trotz zu keinen weiteren Erklärungen bereit sind).

7.2 Jahwe - alternativ

Was in Ziff. 7.1 dargelegt wurde, ist nah an der "Standardsicht", allerdings schon etwas erweitert (z.B. Hinweis auf Emphase). Aber: diese Standardsicht ist noch inkonsequent, passt außerdem nicht zu dem, was wir später - alternativ - unter Sprechakten verstehen, vgl. [4]

Zwei Hinweise dazu:
(a) Eine Übersetzung wie "ich bin" klingt - noch unabhängig
    von der Frage der Existenzaussage - als informierend,
    sicher, stabil.
(b) Am Ende der PRAGMATIK, in Ziff. 4.8, wird auf unsere
    Behandlung der "Josefsgeschichte" verwiesen. Zwar gibt
    es dazu auch alle mögliche Versionen in modernen
    Sprachen. Aber die Basisuntersuchung lief natürlich am
    hebräischen Text.
    In der Vollversion. vgl. [5],
    interessiert die Ziff. 2.4725: Darin wird unser neues
    Sprechakt-Verständnis entwickelt.
Begleitinformation: Die beiden Verbformen aus Ex 3, im
Hebräischen, dürfen in unserem Verständnis nicht als
informierend übersetzt werden. Genau dafür gäbe es eine
andere Konjugationsform (für Hebräisch-Kundige:
es steht Präfixkonjugation, aber keine
Suffixkonjugation.)

Fazit: Die Standarddeutung des JAHWE-Namens klingt vom Grammatischen her zu sicher, zu stabil. Stattdessen müsste primär der Sprechakt ERWÄGEN realisiert werden - was wiederum die 6 Modalfelder ins Spiel bringt, vgl. [6] und Unterpunkte. D.h. die Deutung des JAHWE-Namens drückt primär eine Ahnung, Möglichkeit, Unsicherheit usw. aus, aber keinen eindeutigen Verweis. Wir versuchen nachfolgend - die Modalfelder entlang - durchzuspielen, was dies heißen könnte. Aber einen Schritt haben wir schon vollzogen: Wenn oben gesagt wurde, die Namenserläuterung sei emphatisch aufgeladen, so ist damit das Modalfeld ASPEKTE aktiviert. Damit sind wir schon weg von unaufgeregter, klarer INFORMATION, stattdessen bei der BETEUERUNG, beim Meinungsstreit, beim Verweis auf eine mögliche Sichtweise, einem Ringen um die noch unbekannte, 'richtige' Sicht. - Die weiteren Facetten, die mitschwingen können, sind - gemessen daran - somit nichts prinzipiell Neues:

Der Sprechakt ERWÄGEN kann bei der Erläuterung des
Jahwe-Namens folgende Modalkomponenten einschließen.
Es folgen somit erwägende Andeutungen, gerade
keine Definition (wäre ein Widerspruch zu ERWÄGEN).
Wie bei Modalitäten möglich: mehrere können zugleich
im Spiel sein. Es gibt hier kein Entweder-Oder. Unsere
Umschreibungen schöpfen das jeweilige
Modalfeld nicht aus, sondern können ergänzt werden:
[7]:
WISSEN, WAHRNEHMUNG gehören zur göttlichen Figur. Aber
auch das ist ambivalent - kann beschützende Funktion
haben, aber auch Anlass zur Verurteilung sein. Häufig
wird einer solchen Figur gerade nicht zugeschrieben,
dass sie auch vergessen kann und will. Im Gegenteil:
sie hat ein peinlich gutes Wissen und Gedächtnis, was
für Menschen ein Ansporn sein soll, sich dement-
sprechend gottgefällig zu verhalten.
Man kann auch erwägen, ob die göttliche Figur zu
einem unscharfen = nachsichtigen Wahrnehmen in der Lage
und bereit ist.
[8]:
Der zu benennende Gott hat PLÄNE für die Zukunft, die
noch der Realisierung harren. Pläne für die Vergangenheit,
die unerfüllt geblieben waren, sind - so ist anzunehmen -
in Enttäuschung, negative Wertung, Vorwürfe umgeschlagen.
Ein dumpfes Verharren in der aktuellen Gegenwart ist damit
unterbunden.
[9]:
WILLE wird der Gottfigur zugeschrieben, auch negativer
Wille im Sinn von "Verbot". Die göttliche Instanz wird
somit als übergeordnete Macht verstanden, der man im
Sinn einer Befehlskette untergeordnet ist. Der
Einzelne ist damit herausgefordert, er hat sich einer
Instanz gegenüber zu verantworten, ist ausführendes Organ.
[10]:
Damit ist die POTENZ der zu benennenden Figur angesprochen.
Diese kann sich im Fördern, aber auch im
Blockieren, Verhindern zeigen. In Gebeten wird meist
das Fördern erhofft; aber auf der Basis von
unterstelltem richtendem Verhalten wird der göttlichen
Figur auch das Verhindern - befürchtend - zugetraut.
Auf Votivtafeln, an Wallfahrtsorten, kann man lesen:
"Gott hat geholfen". - Mit Bitterkeit oder Ergebung
werden dies die quittieren, die den gegenteiligen
Eindruck hatten. Jedenfalls macht dieses Modalfeld
sichtbar, dass der Mensch nicht sich selbst genug ist,
sondern auf Basis einer Beziehung sein Leben gestaltet.
[11]:
WERTUNG - die durch ERWÄGEN angesagte Uneindeutigkeit
führt bei diesem Modalfeld in den Gegensatz zwischen
polaren Werten:
Ist der zu benennende Gott ambivalent? Also nicht
nur der fraglos, ausschließlich und eindeutig gute,
sondern möglicherweise auch der schreckenerregende,
zur Vernichtung fähige? Die Leere von Satz + Relativsatz
lässt diese Deutung zu. (Eingeweihte wissen, dass
Rudolph Otto dies in den Begriff gefasst hat:
mysterium tremendum et fascinosum) -
gleichgültig, von welchem Gott die Rede ist: er hat
beide Züge.

[12]:
Emphase - nicht nur der Name, um den es gehen soll,
ist sehr wichtig; es ist auch die Sprechhandlung, die
auf ihn verweist. Diese sprachliche Heftigkeit könnte
zusätzlich - nun hat man große Auswahl - ausgestattet
sein durch "Stadiums"-Aussagen: des
Beginnens, Fortführens, Abschließens. Oder es
kommen - kontextabhängig - Beteuerungen des
Einmaligen bzw. der Iterativität ins Spiel.
Die zu bezeichnende Figur ist z.B. eine, die
immer neu fortführt (impliziert: was schon mal
begonnen worden war). Aber das ist nur eine
Ausprägung einer möglichen Modalaussage in diesem
Feld.

Mit solchen ERWÄGUNGEN ist ein wenig durchgespielt, wie vielfältig und uneindeutig der durch die Art des Satzes verlangte Rückgriff auf die Modalitäten ist. Anstelle des gewohnten "ich bin" möchte man anbieten: "ich bin wohl/dürfte/sollte/will/brauche/könnte/ usw." Wer enttäuscht zurückzuckt und meint, dies sei doch keine handfeste Auskunft zum Thema "Gottesname", hat einerseits recht, andererseits in gleichem Zug noch nicht verstanden, dass die Ex 3-Aussage einige spannende Erkenntnisse enthält, z.B.

  • Schweizer hatte 1981 auf der Basis nur der Erkenntnisse zum 'Modalfeld ASPEKTE' gefolgert, die Jahweantwort sei eine hochemphatische Verweigerung einer Antwort auf die Frage nach dem Namen. Das gilt weiterhin.
  • Mit Hinzunahme der weiteren Modalfelder: der Gottesname "Jahwe" wird mit vielfältigen Geistesfunktionen des Menschen in Verbindung gebracht.

Da die Textaussage zugleich auch sehr leer ist, leistet sie primär dies: "Jahwe" hat mit den wesentlichen, nicht allein ans Faktische geketteten Geistesfunktionen zu tun. Der Mensch soll sich nicht allein an das halten, "was gilt", "was der Fall ist", "objektiv gesichert", "wahr" - und was derlei Sprüche sonst noch sind, sondern sich auf all die Ambivalenzen und Uneindeutigkeiten einlassen, soll darin bestehen, sie gestalten, Zukunftsfähiges, Gutes entwickeln. Tut er dies nicht, droht vielfältig eben das Gegenteil, eine der Formen von Katastrophe. Entrinnen kann man diesem so verstandenen "Gott" nicht. Letzterer ist dann nicht mehr in einer weltfernen Eigenwelt vorgestellt, sondern direkt verknüpft mit dem Tun und Lassen der Menschen, sich darin erweisend.

  1. Wohlgemerkt: Anlass für diese Darlegungen war die ungewöhnliche Satzkonstruktion im Hebräischen. Wir haben auf sie das Instrumentarium der Alternativ-Grammatik angewendet - keine sprachfremde philosophische Position. Mose hätte in Ex 3 gern einen klar umrissenen, begründbaren Gottesnamen. Mit Heftigkeit, konkret: einer spezifischen Konjugationsform - und zwar doppelt -, wird ihm dieses Ansinnen aus der Hand geschlagen. Impliziert darin der Imperativ: Setzt gefälligst umfassend eure Geistesfunktionen, die ihr ja habt, zur Problembewältigung ein - dann ist "Jahwe" mit euch!
  2. Nebenbei: in dieser Deutung ist "Jahwe" zweifellos anspruchsvoll und sehr 'grundsätzlich' beschrieben. Dazu passen schlecht all die späteren anschaulichen Aussagen, wonach Jahwe das Volk durch die Wüste geführt, zuvor einen Bund mit ihm geschlossen, in der Wüste den Kult begründet habe und allerlei umfangreiche Opfer fordere. Darin zeigt sich ein anderes Gottesbild - was aber im Alten Testament nichts Auffälliges ist. Das Buch ist in keiner Weise homogen. Viele haben daran mitgewirkt, dabei vorliegende Äußerungen korrigiert. Folglich lassen sich in vielen Aspekten Widersprüche entdecken.
  3. Die Kluft zwischen biologischen menschlichen Bedürfnissen und der geistig-emotionalen Bewältigung der Lebenssituationen bleibt - für alle Menschen - groß. Die Gottesnamen-Deutung von Ex 3 vergrößert diese Kluft nicht auch noch durch Schaffung einer göttlichen Zweit- und Hinterwelt, sondern nähert die religiöse Sprache an diesen zweiten Pol ("geistig-emotionale Bewältigung") an. Wachheit und Sensibilität dafür sind auch heute noch keineswegs Standard oder womöglich garantiert.

Es war immer schon ein verbreitetes und grobes Missverständnis anzunehmen, die Namenserläuterung in Ex 3 sei eine "Offenbarung". Vielmehr weist die sprachliche Form eine Definition und klare Information zurück - das mag allerdings auch eine Art "Offenbarung" sein. Stattdessen wird auf die Vielschichtigkeit und Unfassbarkeit jener Figur mit Namen "Jahwe" verwiesen - eigentlich wird sie damit ja viel interessanter und potenter. Übrigens auch, was heutzutage das Gespräch mit anderen Disziplinen angeht - man denke an das "Unbewusste" der Psychoanalyse. Aber derartiges ist ein willkommener Nebeneffekt. An erster Stelle steht, was die sprachliche Form nahelegt bzw. nicht stützt.

Immerhin haben wir mit dem neuen Sprechakt-Verständnis
über 700 Sätze der Josefsgeschichte beschrieben - und es
hat überzeugt. Und nun, bei der Anwendung auf das alte
Namensproblem, verhilft diese Verhältnisbestimmung
zwischen SPRECHAKTEN und MODALITÄTEN ebenfalls zu einer
stimmigen Deutung.
N.B. die Negierung von Eindeutigkeit, Klarheit, provo-
ziert Aufmerksamkeit, entwickelt Sensibilität, zwingt zu
bewussterer Wahrnehmung -  diesen Mechanismus führt
derzeit ja der Maler Gerhard Richter vor -
und findet weithin positive Resonanz.

8. Ausblick auf PRAGMATIK

8.1 Apokalyptisches Denken

... ist durch ein eigenes Buch im Neuen Testament dokumentiert, findet sich aber auch - in kleineren Dimensionen - mehrfach in den anderen Schriften des NT, z.B. den Evangelien. Aber in jenen Jahrhunderten gibt es außerbiblisch noch eine Vielzahl von Büchern dieses Literaturtyps.

Bestimmend darin ist die Annahme von einem bevorstehenden
"Endkampf", der die bestehende Welt auslöschen wird. Es wird
ein göttliches Endgericht geben, das die "Guten" und die
"Bösen" separiert und entsprechend entweder in die himmlische
Sphäre oder in die Unterwelt schickt. Diese Areale sind
bevölkert von "Engeln" oder "Teufeln, Dämonen". Die gegenwärtig
erfahrbare Welt ist jedenfalls nicht-mehr-existent.
Binäres Denken - ja/nein, Leben/Tod, Existenz/Nicht-Existenz,
Lohn/Strafe, Himmel/Hölle usw. beherrscht derartige Texte, die
folglich stark aufwiegelnden, zur Entscheidung zwingenden
(welcher Glaubensrichtung soll/will ich angehören?) Charakter
haben.

Eine solche Denkform kann auch heute noch Massen ergreifen und - abseits verfasster Religionen - Menschen bewegen, vgl. [13]. Angst vor Existenzauslöschung wird literarisch benutzt, um die letzten Energiereserven zu mobilisieren.

8.1.1 Apokalyptik im Roman

... aus Martin Walser, Tod eines Kritikers. Frankfurt/M 2002. vgl. [14], darin S. 68f

8.2 Existenz und das Gieren nach Unsterblichkeit

... aus Martin Walser, Tod eines Kritikers. Frankfurt/M 2002. vgl. [15], darin S. 87. 107.