4.0614 Prädikation – Akzent: Verbindung der beiden Bedeutungen

Aus Alternativ-Grammatik
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Inhaltsverzeichnis

Aus dem Inhalt

1. selbstständige Bedeutung + 2. selbstständige Bedeutung + Verbindung zwischen beiden. Diese drei Komponenten bilden den Kern jedes Satzes. Das war bislang die aufgestellte Behauptung. Im Fall von »Hans läuft« findet man die zwei Bedeutungen schnell: <<HANS>> + <<LAUFEN>>. Wie aber spürt man die dritte Komponente, die Verbindung, auf?

Traditionell sagt man, das Verb sei konjugiert, also in 'Person', 'Zahl' - in manchen Sprachen auch bez. des 'Genus' auf die erste Bedeutung ausgerichtet. - Darin zeigt sich ja doch eine sprachliche Anstrengung, eine Verbindung anzuzeigen.

Das bloße "Dass" besagt aber noch nicht viel. Indem beide Bedeutungen miteinander 'reagieren', stellt sich nun die Frage: "Welchen semantischen Wert steuert die so erkannte 'Verbindung' bei?"


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0. Zur Theorie

0.1 "Prozess" <=> "Handlung"

Die Unterscheidung, die bei der Prädikation semantisch verwendet wird, ist vielfach im allgemeinen Sprachgebrauch verankert und darin meist auch sehr sinnvoll. Wie will man biologische Prozesse anders denn als Prozesse beschreiben? Auch für Juristen ist die Unterscheidung zentral (ob sie nun genau die selben Wörter dafür verwenden oder andere, ist nicht so wichtig; Hauptsache, das gedankliche Konzept ist das selbe).

Beispiel: Eine Brandkatastrophe ist geschehen.
"ist geschehen" - das ist schon mal ein Ablauf, der
keine Handlung darstellt. Da es mehrere Tote und Ver-
letzte gab, suchen Techniker nach der Ursache.
Lag ein technischer Defekt vor, so war das Ganze
ein prozesshafter Ablauf, den man leider so hin-
nehmen muss. Juristen haben in diesem Fall nichts zu tun.
- Ist jedoch eine Handlung der Auslöser gewesen, so
ist die Verantwortung eines Menschen im Spiel. In diesem
Fall wird jener Mensch zur Rechenschaft gezogen. Ein
Gerichtsverfahren steht an. (Dass man ein solches nun
ebenfalls Prozess nennt, ist weniger glücklich,
und semantisch betrachtet schlicht falsch: ein juristi-
scher Prozess kommt nur zustande durch akribische Vor-
arbeit von mehreren Seiten her - was auf einen Komplex
von Handlungen verweist. Und auch die praktische
Durchführung ist Arbeit, kein lediglich naturhaft und
von alleine ablaufendes Geschehen.

0.11 "Prozess" - Beispiel: Brecht

In einer seiner 'Geschichten vom Herrn Keuner' - hier frei wiedergegeben - sagte ein alter Bekannter beim Wiedersehen zu Herrn K.: "Sie haben sich überhaupt nicht verändert!"

Darin also die Aussage der Statik, des Zustandes.
In literarischer Form also das, was bei der Prädikatbe-
stimmung bei uns als "Zustand" bezeichnet würde.

Reaktion: "Herr K. erbleichte."

<<ERBLEICHEN>> ist schon semantisch weder ein Zustand,
noch eine Handlung, sondern das Musterbeispiel eines
Prozesses.
Spätestens hier hatte der alte Bekannte die Widerlegung
seiner (klischeehaften) Aussage vor Augen. 

Herr K. war offenbar erschrocken über die Möglichkeit, sich lange Zeit nicht verändert zu haben.

0.12 "Prozess" - immer mit "Ziel" ?

Das wird bisweilen diskutiert. Muss also bei der Bedeutung <<WERDEN>> immer mitgedacht werden, wohin diese Veränderung letztlich führt?

- das Kind wird größer  - ist damit gesagt,
  dass
  (a) eine Veränderung stattfindet,
  (b) 'mit dem Ziel' des Groß-Seins?
   -  Was ist der Unterschied zu:
- das Kind  wird groß  ? - Der Komparativ im
  ersten Fall hebt stärker die Dauer und Prozesshaftig- 
  keit hervor.
  Straffer, aber nicht prinzipiell anders das zweite
  Beispiel.

Im Grund die gleiche Frage kann sich anstelle des Ziels auf den Ausgangspunkt beziehen:

- die Frau  wurde schwanger 
  - d.h. bis jetzt, war sie es nicht,
  nun trat ein Ereignis ein, ab dem gilt: von nun an ist
  sie es.

Ob das <<WERDEN>> in unserem Verständnis sich über mehrere Jahre erstreckt, oder ganz kurzzeitig sich vollzieht, ist unwichtig. Entscheidend: Es ist eine Veränderung ohne bewussten und steuernden menschlichen Eingriff. Durch weitere Hinweise im Satz können Ausgangspunkt oder Zielpunkt der Bewegung genannt sein (frei adaptierte Anregungen von R. Steinitz ZS 1999).

0.13 "Prozess"? <=> "Handlung"?

Es ist Standard, dass auf die Ausdrucks-Seite kein Verlass ist. Folglich ist manches, was dort geboten ist, semantisch mehrdeutig, letztlich nur zu klären von der Pragmatik her. - SPIEGEL 11/2014 (Hohlspiegel):

Lippische Landes-Zeitung:
      Ein-Euro-Jobber verschönern das Stadtbild
Ein-Euro-Jobber
      - tun die im Schweiße ihres Angesichts etwas?
      - oder ändert sich das Stadtbild durch ihre bloße
        Anwesenheit?

Folgender Witz - aus SWP 31.10.2014 - würde nicht funktionieren, gäbe es nicht das allgemeine Wissen, dass Handlung und Prozess zwei Möglichkeiten sind, eine Aussage zu einem Subjekt zu machen:

Herr Freundlich fragt Herrn Winzig: "Na, wer ist denn bei
euch der Herr im Haus?" - "Nun, meine Frau kommandiert
die Angestellten, meine Kinder kommandieren den Hund,
und ..." - "Und du?" - "Ich hab die Blumen übernommen."

<<WACHSEN>> ist nun mal ein Prozess, fientisch - da lässt sich mit "kommandieren" nichts ausrichten. Der Witz zeigt, dass intuitiv dieses Wissen allgemein verbreitet ist. Das heißt auch: die Grammatiker hinken dem Allgemeinwissen hinterher, wenn sie bevorzugt von "Handlung" nur reden.


Grammatiker sollten bewusster mit ihrer Sprache umgehen - aktuell interessiert uns der Gegensatz von Handlung vs. Prozess, Geschehen.

Sprache "ist in der Lage, zwischen zwei oder
mehreren Handlungen zu unterscheiden, die ent-
weder hintereinander oder gleichzeitig geschahen,
geschehen oder geschehen werden."
aus: H. Genzmer, Unsere Sprache. wbg 2014. S.78.

So "Handlung" und "geschehen" zu verbinden kommt zwar in der Alltagssprache häufig vor. Aber grammatisch ist der Sprachgebrauch verwirrend, unreflektiert. Dumpf werden "Handlung" und "Prädikat" gleichgesetzt. Diese Kurzsichtigkeit hat in der Grammatik Tradition.


0.14 "Agent" <=> "Patient"

"Handlung" ist eine körperliche Aktivität, die Nachdenken erfordert, ist also mehr als nur irgendwelche Reflexe. Absichtlichkeit gehört zur "Handlung", damit auch Nachdenken und Wille. Sofern auch andere von meinem Tun betroffen sind, geraten wir in die Bereiche von Ethik und Moral.

Dagegen unterliege ich als "Patient" den Handlungen anderer, oder naturhaften Prozessen, die ich nicht beeinflussen kann. Man sagt, dass man dann als Subjekt "erleidet", was so vor sich geht.

Als "Subjekt" (wir haben soeben von "1. Aktant" gesprochen, vgl. [1]) bin ich bisweilen "Agent", bisweilen jedoch "Patient". Und aus beiden Komponenten bildet sich meine "Identität". (nach HETTEMA).

0.15 "Handlung" <=> Verb!

Dass statische Aussagen verblos, als Nominalsätze, ausgedrückt werden können, kommt in allen Sprachen vor - in semitischen besonders häufig. "Franz - ein Schuft!" Es braucht kein "ist" o.ä. Vielmehr zeigt der Unterschied in der Determination, dass "Franz" als "Schuft" klassifiziert wird.

Um zu dieser Schlussfolgerung anzuregen, ist somit der Gedankenstrich "-" durchaus wichtig. Es gibt aber noch weitere Formen, eine Aussage zu machen ohne ein Verb zu bemühen. - Aus einem Zeitungsartikel:

  • "Am Anfang sind wir hier in Gummistiefeln durchs Haus". - Ein Beckmesser, der anmerkt, es sei "gegangen" zu ergänzen. Nichts wird ergänzt, vielmehr beachtet, dass ein Richtungsvollzug natürlich schon in der Präposition steckt.
  • "(Was die Gegenwartskunst angeht), bin ich damals nach Stuttgart". - Die gleiche Erklärung, nur mit anderer Präposition.
  • "(...) das könne jetzt auch ohne sie weiter, sagt sie.

Offenkundig handelt es sich um eine sprachliche Eigenart der neuen Kunsthallenchefin. Aber sprachliche Eigenarten hat jede/jeder. Wichtig ist, dass man sich verständlich machen kann - was in den genannten Beispielen kein Problem ist. (STB 9.8.2017)

0.2 Handlung <=> Modalitäten: in BWL

In der Betriebswirtschaftslehre ist der Unterschied ganz wesentlich, dass man die eigentliche Produktion einer Ware (die man dann verkaufen kann) unterscheidet von den u.U. sehr umfangreichen Dispositionen, die nötig sind, damit die Produktion überhaupt stattfinden kann. Alle Modal-Register kann man durchspielen und Äquivalente dafür in Betrieben finden: Rohstoffe müssen beschafft, die Idee für ein Produkt mit dem nötigen Wissen durchkonstruiert werden, Produktionsstätten und -strategien sind einzurichten, die Produktion in Teilabläufe gegliedert werden. Rechtliche Rahmenbedingungen sind zu klären, Werbemaßnahmen in die Öffentlichkeit zu lancieren usw. All diese Dispositionen kosten Geld, bringen keines ein, sind aber notwendig, damit die Produktion zum Ziel führt, Gewinn zu erwirtschaften.

Diese betriebswirtschaftlichen Strukturen sind die gleichen wie im Fall der Semantik: Es kann ein großer sprachlicher Aufwand getrieben werden, gruppiert um die eine Aussage, die eine Handlung, eine Außenweltveränderung, mitteilt. Das ist dann sozusagen das "echte" Prädikat. Daneben gibt es viele Schein-Prädikate, die man registrieren, bei denen man aber nicht stehenbleiben sollte.

0.21 "Tatsache"

Ganz wörtlich: die Sache, die Ergebnis einer Tat ist. Umgesetzt in Grammatikdenken: Eine Prädikatbedeutung liegt vor, die nicht indirekt (=pragmatisch) doch wieder auf Modalitäten verweist. Sondern sie beschreibt ein Handeln, Tun, eine Veränderung der Außenwelt, als deren Ergebnis man eine "Sache" sehen kann (die es vorher so nicht gegeben hatte). Traditionell gesprochen: es liegt ein Vollverb vor. <<BACKEN>> wäre so eine volle Prädikatbedeutung. Und wenn der Bäcker die Tätigkeit ausführt, liegt hinterher auch etwas vor, das man genießen kann: <<BROT>> (möglichst aus Dinkel ;-) ). Sprachlich-grammatisch schafft diese Tätigkeit eine Tatsache.

Man sollte sich nicht verwirren lassen, wenn Juristen,
z.B. im Bereich des Sports, sich der "Tatsache" bemäch-
tigen. "Bei der Tatsachenentscheidung handelt es sich
um einen Regelbestandteil vieler Sportarten. Um das
Regelwerk von Sportarten praktisch anwenden zu können,
ist es notwendig, dass Entscheidungen von Schiedsrich-
tern sofort wirksam werden, ohne dass ein Wettkampf-
teilnehmer dagegen Einspruch erheben kann oder eine
Entscheidung nachträglich in irgendeiner Form widerru-
fen wird. Dabei ist es unerheblich, ob der Schiedsrich-
ter das Regelwerk korrekt angewendet hat. Der Begriff
deutet damit nicht auf eine von niemandem bestrittene,
unumstößliche Tatsache, sondern darauf, dass ein dazu
Berechtigter etwas als eine Tatsache ansieht, die aber
nicht unbedingt so geschehen sein muss." (wikipedia)
  1. Es kann also sein, dass der Stürmer den Ball klar neben das Tor setzt, der Ball wegen eines defekten Netzes dann doch den Weg ins Torinnere findet. Durch viele Videobeweise und Zeugen nachgewiesen: das Tor war keine Tatsache. Das Problem: Videobeweise werden aktuell - Stand 2013 - nicht anerkannt. Aus einem Kommentar dazu: "Es wird Zeit für den Videobeweis. Der Fußball, das Millionengeschäft, das internationale Premiumprodukt des Sports, überwacht von Dutzenden Kameras, die jeden Winkel der Partie ausleuchten, leistet sich die technische Unterstützung eines Kreisligavereins in den siebziger Jahren."
  2. Der Begriff Tatsache bei den Juristen bezieht sich nicht auf die 'Tatsache' - die man ja feststellen könnte -, sondern auf das Wirken des Schiedsrichters: Wenn aus seiner Optik das Tor gegeben werden musste - vielleicht war seine Sicht behindert -, so schafft er via Augenschein durch seine Entscheidung eine Tatsache, auch dann, wenn der Ball unbezweifelbar - vgl. vorigen Punkt - irregulär ins Tor kullerte. Möglicherweise ist das dann eine 'richtig falsche Entscheidung' = Tatsache.

Dieses Verständnis des Begriffs "Tatsache" passt nicht zu dem, was wir unter PRÄDIKATION verhandeln. Vielmehr wird im Gebrauch der Juristen bei den MODALITÄTEN beteuert: Was vom Schiedsrichter gesehen wurde, gilt - auch wenn er es nicht so recht gesehen hat...

0.3 Aufpassen: Nicht-satzhafte Äußerungseinheit <=> Nominalsatz <=> Einwortsatz!

In wissenschaftlicher Literatur kann man der Meinung begegnen, "Feuer!" und ähnliche Äußerungen seien Nominalsätze. Das sehen wir nicht so und warnen vor dieser undifferenzierten Sicht. Gründe:

  1. Solche Fälle müssen zunächst behandelt werden bei: 4.06 Äußerungseinheiten - Satz. Hier die Feststellung: es handelt sich um eine nicht-satzhafte Äußerung. Sie kommt einem Ausruf, einer Interjektion gleich ("Hoppla!")
  2. Richtig ist, passt aber in unsere Sicht, dass man ein solches einzelnes Wort nicht erst noch 'ergänzen müsse', damit es überhaupt verstehbar wird. Nein, ohne erst noch daran herumzubasteln, ist schon in der SEMANTIK diese Äußerung akzeptabel - nur ist es kein Satz, auch kein Nominalsatz.
  3. Für SATZ bleibt bestehen, was die obige Überschrift anzeigt: es sind zwei Bedeutungen im Spiel, die verbunden werden. Also - semantisch - drei Elemente insgesamt. Davon ist das Beispiel "Feuer!" weit entfernt.
  4. "Ein Mann - ein Wort!" - Das wäre ein akzeptables Beispiel für einen Nominalsatz im Deutschen, wobei der Gedankenstrich die grafische Hilfe darstellt, dass der Leser zwischen den beiden Bedeutungen eine Beziehung herstellt.
  5. Auch die Rede vom "Einwortsatz" ist Unfug. Es muss nicht jede Äußerung auf den Begriff "Satz" zurückgeführt werden! Dadurch wird letzterer ausgehöhlt und besagt nichts Sinnvolles mehr. "Aufgepasst, Biertrinker!" - Weder ein noch zwei Sätze. Vielmehr liegen zwei Ein-Wort-Äußerungen vor. Die zweite erkennt man problemlos als Vokativ. Die erste ist genauso als Ausruf erkennbar - ein solcher wäre sogar geschwächt in seiner Wirkung, wenn wohlformuliert ein Satz geboten würde. Aphrastisch = aufrüttelnd.

0.4 Unvollständige Sätze = Nicht-Satzhafte ÄEen

In der Semantik können wir nur mit kompletten Sätzen arbeiten - wenn es um Prädikation gehen soll. Es gibt Äußerungen, die den durchaus berechtigten 'Verdacht' nähren, eine komplette Aussage sei gemeint. Aber sie ist im Wortsinn eben noch nicht ausgeführt. Das bedeutet methodisch: in der Semantik strecken wir die Waffen, in der Pragmatik - bei den Implikationen 4.5 Wachgerufene Zusatzgedanken (Implikationen) - kommen wir darauf zurück.

Im Wortsinn können lediglich Andeutungen von Prädikationen geboten sein, aber keine ausgeführten, sicher analysierbaren. In solchen Fällen stoppt die semantische Analyse; man kann diese Belege in der Pragmatik, bei den Implikationen (vgl. 4.5) wieder aufgreifen. Bsp.

aus: Wolf Haas, Der Brenner und der liebe Gott. Hamburg 2009.

(83) Weil in Wahrheit der Brenner nie Vollgas, sondern
sogar meistens ein bisschen Rückwärtsgang, oder Hand-
bremse, kaputter Starter, Verteiler hin, Zündkerzen
abgesoffen, diese Dinge.

0.5 Prädikation in Gebärdensprache

Das gibt es natürlich. Schließlich kann auch auf diese Weise vieles "ausgesagt" werden. Die Mittel (= Ausdrucks-SYNTAX) sind vollkommen andere. Aber gerade das kann ein Anstoß zum Nachdenken sein und zugleich zeigen, dass SEMANTIK eine eigenständige Ebene ist, die nicht zwingend an die Ausdrucksseite, -SYNTAX, gekoppelt ist.

"Ich habe gut geschlafen". - Wie kann die Aussage in der Gebärdensprache getätigt werden?

"Ich"       ganz plausibel zeigt der Sprecher mit dem
            Zeigefinger auf seinen eigenen Brustkorb.
"gut"       die Wertung wird ausgedrückt - ebenfalls
            den Hörenden vertraut - dadurch, dass mit
            Daumen und Zeigefinger einer Hand
            ein Kreis gebildet wird - die restlichen
            3 Finger werden abgespreizt.
            Diese Wertung hat mit "Prädikation" noch
            nichts zu tun, fällt bei uns in die später
            behandelten Modalitäten, vgl. 4.085 Modalitäten – »Register« AXIOLOGIE
"schlafen"  die mit den Innenflächen zusammengelegten
            Hände werden an eine Wange gehalten, so das
            Liegen auf einem Kissen simulierend.

Verzichtbar ist demnach eine Realisierung des "habe" und der "Partizipialform". Mit dem "habe" entfällt auch - traditionell gesprochen - das Thema der "Konjugation", der "Kongruenz" (Person, Numerus) zwischen Subjekt und Verbform, somit auch eine eigene Anzeige des "Tempus". Offenkundig ersetzt die PRAGMATIK diese Lücken:

- aus der Sprechsituation heraus (z.B. am Morgen, beim
  Frühstück) wissen die Beteiligten, dass nur das jüngst
  vergangene Schlafen gemeint sein kann.
- pragmatisch zu werten ist auch die Realisierung der
  3 Gebärden in engem zeitlichen Zusammenhang, d.h.
  der Sprecher zeigt somit, dass er mit ihnen einen
  komplexen Zusammenhang formulieren will.
  Anders gesagt: auf Gebärdenebene wird eine
  Äußerungseinheit angezeigt, sie entspricht dem,
  was wir in [2] 
  besprochen hatten.

Für "Kongruenz" muss nicht eigens gesorgt werden, wenn eindeutig geklärt ist, um welches Subjekt es sich handelt. Die Buchstaben-basierten Sprachen zeigen selbst, wie relativ dieser Mechanismus ist: das Deutsche entwickelt wesentlich mehr morphologische Formen als z.B. das Englische. Anders gesagt: es geht auch mit (nahezu) keinen Veränderungen in dieser Hinsicht - eine Linie, die auch die Gebärdensprache verfolgt. Nun ja, die wort- und morphologiekarge "Weisheit alter Ostfriesen" [3] versteht man ja auch . . .


Anderes Beispiel: Die Lokalbedeutung "in/im". Ein "X wird-lokalisiert-in Y". Wer eine solche Aussage macht - "Das Kind ist im Wagen" -, bemüht bei der Gebärdensprache auch Weltwissen - vgl. [4] - d.h. es wird unterstellt, dass das "X" kleiner ist, denn sonst würde es in "Y" nicht reinpassen. Also werden via Gebärden auch die Größenverhältnisse angedeutet - zum Bezug, der zwischen "X+Y" zu gelten habe. Dann ist die Lokalisierung "in/im" eindeutig.


0.6 Prädikation in Standardgrammatik

Zwei Übersichten von J. Germann zeigen,

  • wie in der Standardgrammatik die Bestandteile einer Prädikation gesehen werden, vgl. [5]
  • und wie daraus sich die Satzglieder bilden: [6]


1. Einzelsprache: Deutsch

Das Prädikat ist das bedeutungsgebende Verbindungsstück der Einzelbedeutungen eines Satzes. Vergleiche auch [7]. Wie diese Verbindung aussieht, kann nicht lediglich durch Wahrnehmen von Konjugationen erkannt werden. Es gilt, auf Bedeutungsebene die angebotenen Impulse aufzugreifen und zu verknüpfen. Vielleicht muss man mehrfach ansetzen, bis eben alle Bedeutungselemente dieses Satzes ihre Funktion gefunden haben. Nichts darf 'übrigbleiben'. Spätestens dann ist klar - bezogen auf den Kern des Satzes -, welcher Prädikationstyp vorliegt. - Logisch strukturiert, ergeben sich 10 Typen einer Prädikation.


1.1 10 Typen der Prädikation

Typ 1: Zustand - 1 Substantiv - quantitativ

Das Prädikat beschreibt einen Zustand. Es besteht keine Veränderung. Dieser Zustand bezieht sich auf 1 Substantiv und ihre Verbindung dazu (Relation) ist Quantitativ.

Beispiel: Das Publikum ist zahlreich.

Typ 2: Zustand - 1 Substantiv - qualitativ

Die Beschaffenheit eines Substantivs ist von Interesse. Die Quantität wird diesmal außer Acht gelassen.

Beispiel: Die Suppe ist kalt.

aus: Wolf Haas, Der Brenner und der liebe Gott. Hamburg 2009.

(54) die Natalie war damals sehr verletzt, 
(54) ... Leben sowieso nicht berühmt, ...
(59) Die Helena sowieso ganz verliebt in den Scheiben
     wischer,
(61) ..., sondern der ganze Glatzkopf rot angelaufen, nur
     die Lippen weiß, ...
(79) ..., Nachdenken übr Blödsinn oft sehr nützlich.
(98) Und die Küche auch gottverlassen.

Typ 3: Zustand - 2 Substantive - Teilangabe

Es stehen 2 Substantive im Satz in Verbindung. Dabei ist die Relation eine Teilangabe. Das Eine ist Teil des Anderen.

Beispiel: Der Löwe ist/stammt aus dem Tierpark.

Typ 4: Zustand - 2 Substantive - Identität

Eine Bedeutung (hier Substantiv) wird mit einer anderen Bedeutung identifiziert.

Beispiel: Mein Bruder ist der Kaiser von China.

aus: Wolf Haas, Der Brenner und der liebe Gott. Hamburg 2009.

(109) Bestes Beispiel dafür der Mann der Tagesmutter, 


Typ 5: Zustand - 2 Substantive - Klassifikation

Ein Substantiv wird bestimmt (Artikel Der/Die/Das). Das Andere wird unbestimmt genannt. So klassifiziert man das Bestimmte mit dem Unbestimmten.

Beispiel: Der König von Stormwind ist (auch nur) ein Kind.

aus: Wolf Haas, Der Brenner und der liebe Gott. Hamburg 2009.

(59) ..., Krise immer Chance!
(94) Sonst der Brenner nicht so ein ungeduldi-
     ger Mensch, ...
(112) ..., und Lehrbuch immer ein schlechtes Zeichen.

Eine Ausstellung in Freiburg (bis März 2015) hat den Titel:

"Ich Mann. Du Frau. Feste Rollen seit Urzeiten?"

Die ersten beiden Äußerungseinheiten sind Nominalsätze. Das erste Wort ist ein Pronomen, von Hause aus also definit, auf ein bekanntes Wesen verweisend. Das jeweils zweite Wort, ein Nomen = Substantiv, wird indefinit verwendet. Das könnte, muss aber nicht, durch "ein/e" ausdrücklich gesagt sein. Die Nebeneinanderstellung beider nominaler Bedeutungen genügt: die jeweilige Prädikation realisiert eine Klassifikation. Die dritte Äußerungseinheit ist ein Nominalsatz vom Typ 8 (s.u.).

Typ 6: Zustand - 2 Substantive - Zuordnung

Typische Zugehörigkeits-, oder Besitzaussagen, wie sie am häufigsten im Sprachgebrauch vorkommen.

Beispiel: Die Waffe gehört dem Jäger.

aus: Wolf Haas, Der Brenner und der liebe Gott. Hamburg 2009.

(54) ... Schwangerschaftsunterbrechung nie ohne psycho-
     logische Beratung.
(176) Mit den gefesselten Händen natürlich keine Chance ...
(215) ... und darum der Brenner in diesem Moment keine
      Gefühle.


Typ 7: Zustand - 1 Substantiv - Ort (=> 2 Substantive oder Substantiv + Adverb)

Eine Ortsangabe als 2. volle Bedeutung.

Beispiel: Der Pferdemarkt ist in Leonberg.

aus: Wolf Haas, Der Brenner und der liebe Gott. Hamburg 2009.

(39) In der Hütte kein Handy
(81) Also Australien war ich noch nie, ...
(97) ... in den Schrebergärten mehr Leichen als auf den
     Friedhöfen, ...

In nachfolgenden Beispielen ist eingeklammert, was zum Thema "Prädikation" nicht unmittelbar zählt. "NS" = Nominalsatz:

Vor mir (gähnender) Abgrund. (NS)

Im Zillertal unten das Städtchen (Mayrhofen). (NS)

(Leichter) Wind von vorn. (NS)

Abfahrt (des Zuges heute) auf Gleis (3)

Typ 8: Zustand - 1 Substantiv - Zeit (=> 2 Substantive oder Substantiv + Adverb)

Vereinbarungen wie im Punkt zuvor.

Eine Zeitangabe.

Beispiel: Der Pferdemarkt ist am Wochenende.

aus: Wolf Haas, Der Brenner und der liebe Gott. Hamburg 2009.

(54) Jetzt gute Nachricht.  (NS)

Loriot: Früher war (mehr) Lametta

Im Wortsinn (unter Ausklammerung von übertragener Bedeutung - gemeint ist ja wohl ein Vorwurf/Kundgabe aktueller Missbilligung - und dialektalen Einflüssen - wirklich hochdeutsch müsste es heißen: "gab es" oder "wurde benutzt") liegt eine ungenaue zeitliche Einordnung von "Lametta" durch Opa Hoppenstedt vor.


Sonnenaufgang morgen früh (um 7 Uhr) (NS)


Typ 9: Veränderung - 1 Substantiv - Prozess oder: 1. Bedeutung + Hilfsverb + 2. Bedeutung

Jetzt wird ein Prädikat dynamisch als Veränderung betrachtet. Hierbei geht es speziell um einen nicht beeinflussbaren Prozess.

Beispiel:

Der Fluss fließt. Die Sterne blinken.

Gleiches Prädikat - Prozess -, aber ohne Verb. Beispiele von R. Jirgl:

..., aus feuchtem Gemäuer Kälte, ... ..., und wie mit Spinnenbeinen wieder Frösteln über meine Haut.

Es sind die Präpositionen, die eine (Orts-)Veränderung anzeigen. Das Fehlen eines Verbs unterstützt besonders gut die Deutung: Prozess.

Mit 2 nominalen Bedeutungen - nun ist das Hilfsverb <<WERDEN>> nötig:

Herr xyz  wird Bundeskanzler

Typ 10: Veränderung - 1 Substantiv - Handlung

Ein Prädikat, das eine Handlung beschreibt.

Beispiel: Der Hund bellt. Der Mann putzt. (So der semantische Befund. Pragmatisch muss dann noch kritisch geprüft werden, wie es um den Willen des Hundes bzw. des Mannes steht. Mögliches Ergebnis: Das Bellen ist nur eine Reaktion, also ein Prozess.)

Aus dem Treppenhaus herab eilends 1 junge Frau, (R. Jirgl) - Ein Beleg dafür, dass ohne Verb eine Handlung ausgedrückt werden kann (= Nominalsatz). Man könnte höchstens fragen, ob sicher von Handlung gesprochen werden kann. Man könnte auch an Prozess denken - was aber eher wieder ausscheidet, denn eilends deutet auf Handlung. Würde es fehlen, könnte die junge Frau auch herabgefallen sein (=Prozess).

Mit diesen 10 Verbindungstypen lassen sich alle Prädikate beschreiben - reine Existenzaussagen gehen separat.

1.2 Unterschied: quantitativ vs. qualitativ bzw. Ort vs. Zeit

Beispiele für Ungenauigkeit im Alltagssprachgebrauch: Eine Einwohnerin von Rottenburg/Neckar verneinte die Aussage, ihre Heimatstadt sei die zweitgrößte in Baden-Württemberg. Es könne nicht sein - so ihr Einwand -, dass R. direkt nach Stuttgart rangiere. Mein Einwand. S. sei gar nicht die größte, sondern Mannheim. Noch stärkere Verwirrung und Ablehnung: Mannheim habe sicher nicht mehr Einwohner als Stuttgart. Darauf ich: Von einem Mehr, also einer Quantität, war nicht die Rede gewesen, sondern von Größe, also einer Qualität. Es ging nach all den Eingemeindungen der 1970er Jahre um die flächenmäßige Ausdehnung des Stadtgebietes. So betrachtet - gestand die Einheimische zu - könne die obige Aussage wohl doch zutreffen.

Das wurde nicht erwähnt, weil man von jetzt an am Alltagssprachgebrauch herumnörgeln sollte. Man kann im Alltag aber schon ein semantisches Bewusstsein einüben, so dass man hellwach bei einer Aussage verschiedene Verstehensmöglichkeiten erkennt. Das Einüben kann schon im zarten Kindesalter mit kleinen Witzchen beginnen: "Der Mehlsack (= 50 m hoher mittelalterlicher Wehrturm) ist länger im Boden als draußen." Erste Reaktion: Verblüffung - das Fundament sei mehr als 50m tief (lokativ)?! Zweite Deutung: länger wird temporal verstanden. Natürlich ist das Fundament - wie tief es auch sei - der zeitlich früheste Bauteil. Man hat den Bau ja nicht bei der Zinne begonnen! - Schon wieder wurde eine semantische Unterscheidung bewusst.


1.3 Deutsch: Weitere Beispiele

Typ 1: Zustand - 1 Substantiv - quantitativ

"" -

Typ 2: Zustand - 1 Substantiv - qualitativ

""

Typ 3: Zustand - 2 Substantive - Teilangabe

""

Typ 4: Zustand - 2 Substantive - Identität

""

Typ 5: Zustand - 2 Substantive - Klassifikation

""

Typ 6: Zustand - 2 Substantive - Zuordnung

""

Typ 7: Zustand - 1 Substantiv - Ort (=> 2 Substantive)

""

Typ 8: Zustand - 1 Substantiv - Zeit (=> 2 Substantive)

""

Typ 9: Veränderung - 1 Substantiv - Prozess oder: 1. Bedeutung + Hilfsverb + 2. Bedeutung

""

Typ 10: Veränderung - 1 Substantiv - Handlung

""

1.4 Deutsch: "Weisheit alter Ostfriesen"

Auf Wanderungen in Norddeutschland kann man am Wegesrand einem Stein begegnen, der an einer kurzen Kette aufgehängt über dem Boden baumelt. Vgl. [8] Es soll sich um einen "Wetterstein" handeln, eine Art Wetteranzeiger. Anzeiger des - da beginnt der Witz - des gegenwärtigen Wetters, nicht etwa des bevorstehenden. Eine beigegebene Tafel hilft beim Dechiffrieren. Uns interessiert allerdings mehr die sprachliche Struktur der Prädikationen, weniger das Wetter... Links die Aufschriften, rechts der alternativ-grammatische Kommentar:

Stein trocken

                schöner und problemloser Nominalsatz. Zwei
                Bedeutungen. Die Verbindung zwischen beiden
                lediglich durch Kontaktstellung angezeigt.
                Da die zweite Bedeutung ein Adjektiv ist,
                wird vom 1.Aktanten ("Stein") eine
                qualitative Aussage gemacht. Abge-
                lesen werden kann an dem Stein, dass
                Sonne scheint.

Stein schaukelt

                nun Verbalsatz, konjugiertes Verb.
                <<SCHAUKELN>> hat zwei Nuancen: man
                kann es willentlich tun - somit ist
                es eine Handlung. Oder nicht-willentlich:
                ein <<STEIN>> ist ein totes Objekt. Also
                ist die Bewegung ein Prozess. Abge-
                lesen werden kann, dass Wind
                herrscht.

Stein schaukelt stark

                Gleiche Analyse wie soeben. Zusätzlich
                wird eine Intensitätsangabe aus dem
                Register ASPEKTE, vgl.4.086  Modalitäten – »Register« ASPEKTE, 
                beigefügt, 'Adverb'. Sie ändert nichts
                an der Bestimmung der Prädikation. -
                Steht für Sturm

Stein heruntergefallen

                Grammatisch Nominalsatz wie Beispiel 1,
                auch wenn die zweite Bedeutung jetzt als
                Partizip geboten ist. - Steht für Erdbeben.

Stein schlecht zu sehen

                Interessanter Fall: Nominalsatz. Die
                zweite Bedeutung als Infinitiv mit "zu"
                realisiert. Zusätzlich via 'Adverb' eine
                Wertung (im Wortsinn) eingebaut:
                4.085  Modalitäten – »Register« AXIOLOGIE. 
                Pragmatisch wird man sagen, dass die
                Wertung in Richtung Negation zielt.
                Der Befund steht für Nebel.

Stein gar nicht zu sehen

                Analyse der Prädikation wie soeben. Zu-
                sätzlich nun eindeutig eingebaut:
                Negation. Die kann pragmatisch
                aufgegriffen werden: 
                4.125 Erwartungen, Negationen "gar"
                liefert noch Emphase, vgl. 
                4.086  Modalitäten – »Register« ASPEKTE.
                Hat man diese Nicht-Wahrnehmung und gram-
                matische Analyse durchgeführt, weiß man,
                dass Nacht ist. (besonders perfide
                Aussage...)

Stein von oben nass

                Nominalsatz mit Eigenschafts- = Qualitäts-
                aussage. Zusätzlich "von oben": damit
                wird der 1.AKTANT <<STEIN>> spezifi-
                zierend näher beschrieben:
                es ist eben nicht der ganze Stein betrof-
                fen, sondern ein  Teil von ihm. Vgl.
                4.032 Näherbeschreibung – Deskription / Explikation.
                Deutung: Regen. 

Stein von unten nass

                Grammatische Deutung wie soeben, nur
                dass die Sinngebung lautet: Hochwasser

Stein von oben weiß

                Grammatische Deutung wie soeben, nur
                dass die Sinngebung lautet: Schnee

Stein weg

                Nominalsatz. Zweite Bedeutung via Adverb
                liefert semantisch zunächst eine
                Lokalaussage.
                Pragmatisch wirkt das aber wie eine
                Negation = "nicht da", vgl. 4.125 Erwartungen, Negationen.
                Die letztendliche Auskunft: Negierter Existenzsatz: 
                vgl. 4.0612 Existenzsätze – Streit ums Thema / Subjekt. 
                Tiefschürfende Gesamterkenntnis: der Stein ist
                geklaut [9]


2. Einzelsprache: Englisch

Obige 10 Typen getestet anhand englischer Beispielsätze.

2.1 Beispielsätze

1.: It's raining. --> Offensichtlich ein Prozess, obwohl mal geneigt ist, einen Zustand zu nennen, wegen des Hilfsverbs. Aber diese Sicht würde die Verlaufsform außer Acht lassen. Also: Typ 9.

2.: Barack Obama is the president of the USA. --> Eine Identifikation mit 2 Substantiven <<BARACK OBAMA>> und <<PRESIDENT OF THE USA>>, also Typ 4.

3.: She's hot! --> Eine offensichtlich qualitative Aussage über ein Substantiv, welche von Typ 2 beschrieben wird.

4.: [In God we trust], all others cash --> Schild an einem Andenkenladen. Die zweite der beiden Äusserungseinheiten interessiert. Äusserlich ist kein Element zu sehen, das eine Verbindung herstellen würde. "Andere" und "Bargeld" sind lediglich nebeneinander gestellt. "Andere" wird nur noch näher beschrieben durch "Alle". Die Kontaktstellung selbst muss ausgewertet werden im Sinn von - semantisch umschrieben: <<ANDERE>> - [sind zugeordnet auf] - <<BARGELD>>. Soweit die Wortbedeutung. Somit: Typ 6. - Später, in der Pragmatik, wird man das deuten als Verpflichtung: Die <<Andern>> müssen/sind verpflichte <<Bargeld>> zu liefern. Da kommt also ins Spiel: 4.083 Modalitäten – »Register« INITIATIVE- aber wie gesagt: erst bei der indirekten, gemeinten Bedeutung. Der genaue Ort, eine solche Verschiebung zu beschreiben: 4.1115 Prädikat – kritisch nachgefragt

(noch vervollständigen!)


2.2 Übungen

1.: Finden Sie weitere Beispielsätze für die 10 Typen (auf deutsch und englisch oder auch anderen Sprachen) und diskutieren Sie über deren Richtigkeit.

2.: Betrachten Sie auch [[10]] und folgende Ziffern mit dem Schlagwort Näherbeschreibung und behandeln sie deren Zusammenhang mit Prädikationstypen.


3. Einzelsprache: Hebräisch

3.1 Typen der Prädikation

Typ 1: Zustand - 1 Substantiv - quantitativ

רבה "es (ist) zahlreich" - Das konjugierte Verb leistet Dreifaches - wie es semantisch für Prädikation notwendig ist: 1. Es bietet eine selbstständige Bedeutung <<ZAHLREICH-SEIN>>, eine statische, 2. durch Konjugation bringt es die zweite selbstständige Bedeutung ins Spiel: <<ES/ER>>, 3. die Verbindung beider ergibt eine quantitative Aussage.

Typ 2: Zustand - 1 Substantiv - qualitativ

נצבה "sie stehenblieb" <<STEHENBLEIBEN>> als 2. Bedeutung wird als statisch-qualitativ gewertet. Es ist ein qualitativ charakterisierter Zustand. Dabei kann man nicht zählen.

Typ 3: Zustand - 2 Substantive - Teilangabe

הפרי מן העץ "die Frucht (stammt) vom Baum" Die Verknüpfung im Sinn von as part of wird im Hebräischen durch die Präposition min geleistet.

Typ 4: Zustand - 2 Substantive - Identität

זה פתרנו "das (ist) seine Bedeutung" Wichtig hierbei: beide Bedeutungen sind definit determiniert - das Demonstrativpronomen von Hause aus, <<BEDEUTUNG>> durch beziehungsanzeigendes Pronomen. Erst dadurch wird die Beziehung der Identität möglich.

Typ 5: Zustand - 2 Substantive - Klassifikation

יום שמחה הוא "ein Tag [von Freude] (ist) dieser" von Freude ist Näherbeschreibung und ist nur zur weiteren Illustration zur Ebene der Prädikation genommen. Wichtig bei der Klassifikation ist die Asymmetrie bei der Determination: eine bestimmte 1. Bedeutung wird in Relation zu einer unbestimmten zweiten gesetzt.

Typ 6: Zustand - 2 Substantive - Zuordnung

לכם הוא "für euch (ist) dieses" Im Hebräischen wird die Präposition "ל" oft auch als Ersatz für nicht mehr gebräuchlichen "Dativ" genommen. Die Präposition ist der klassische Anzeiger für Zugehörigkeit. Im Deutschen kann der Dativ verwendet werden (bevorzugt: Mainzer Gegend). Aber auch Verben wie <<GEHÖREN>> leisten den gleichen Prädikationstyp.

Typ 7: Zustand - 1 Substantiv - Ort (=> 2 Substantive)

מה בבית "Was (ist) in dem Haus?" Als Realisierungsformen kommen - neben der Nennung des 1.Aktanten - bevorzugt: Präpositionsverbindung oder Adverb in Frage.

Typ 8: Zustand - 1 Substantiv - Zeit (=> 2 Substantive)

... ויהי בשנת "und es war im Jahr ..." Als Realisierungsformen kommen - neben der Nennung des 1.Aktanten - bevorzugt: Präpositionsverbindung oder Adverb in Frage.

Typ 9: Veränderung - 1 Substantiv - Prozess oder: 1. Bedeutung + Hilfsverb + 2. Bedeutung

יישן "er schlief" Zu solch einer Konjugationsart pflegt man in den Grammatiken (hebräisch oder deutsch) zu sagen, es liege ein Handlungsverb vor. Gemeint ist dann aber nur die Art der Konjugation. Über die Bedeutung ist damit noch nichts gesagt. Semantik fragt aber nach den Bedeutungen und ihrem Zueinander. <<SCHLAFEN>> ist gerade keine Dynamik, die bewusst und willentlich absolviert wird. Daher ist es ein Prozess. - Wieder werden alle drei Komponenten der Prädikation in einer Verbform realisiert.

Typ 10: Veränderung - 1 Substantiv - Handlung

לך "Geh!" Der Imperativ als solcher wird erst bei Modalitäten/Sprechakten gewürdigt. Bei der Prädikation interessiert, welches die Grundinformationen sind, mit denen sprachlich gehandelt wird (lokutionärer Akt): Impliziert ist als 1. Bedeutung ein "Du", die zweite Bedeutung ist <<GEHEN>>, und letzteres kann man sich nur als Handlung vorstellen. Hie und da gibt es zwar sinnlose Imperative, oder Metaphern ("die Uhr geht"). In diesem Fall kann aber gelten: <<GEHEN>> ist nur denkbar als willentlich vollzogene Ortsveränderung. Natürlich ist es mit dem Willen allein nicht getan. Es muss auch die Fähigkeit usw. hinzukommen. Aber das Unterscheidungsmerkmal zwischen Prozess und Handlung ist die Frage, wie verantwortlich, selbstbestimmt das Sujekt=1.Aktant beteiligt ist.


4. Einzelsprache: Französisch

4.1 Beispiele

[wenn nichts anderes vermerkt aus: J. Benameur, Samira des Quatre Routes. 1992]

Typ 1: Zustand - 1 Substantiv - quantitativ

Typ 2: Zustand - 1 Substantiv - qualitativ

je sais que... - "ich" und "wissen" werden kombiniert. Man muss nicht spekulieren, dass "wissen" ein Vorgang und dynamisch usw. sei. Der aktuelle Satz behandelt die Bedeutung als statisches Attribut, als geltende Fähigkeit.

c'est toujours difficile - "dies" + "schwierig"

quand je serai grande - "ich" + "groß"

ils se sont assis sur ... - "sie" + "sitzend". Dass man zu diesem Zustand durch eine Tätigkeit kam, indem man sich "setzte", ist sachverhaltlich richtig. Aber aktuell ist sprachlich davon nicht die Rede. Der Zustand genügt.

Typ 3: Zustand - 2 Substantive - Teilangabe

Typ 4: Zustand - 2 Substantive - Identität

si c'est ça le fils des ... -durch Pronomina wird auf eine eingeführte und bekannte Größe verwiesen. Diese ist identisch mit dem definit erwähnten Sohn, der zudem durch Näherbeschreibung noch weiter präzisiert wird.

Typ 5: Zustand - 2 Substantive - Klassifikation

c'est une plage immense - Wegen der indefiniten Verwendung von "Strand" kann man annehmen, dass es noch weitere riesige Strände auf der Welt gibt.

Typ 6: Zustand - 2 Substantive - Zuordnung

Un gros rire pour toute la réponse. - Das "Lachen" wird mit der ganz anderen Bedeutung "Antwort" in Verbindung gebracht.

j'ai la gorge serrée - Im Wortsinn eine Haben-Verbindung zwischen "Ich" und "Kehle", als hätten beide von Hause aus nichts miteinander zu tun. Erst bei kritischer Beleuchtung (Pragmatik) wird klargestellt, dass das ja eine Teil-Ganzes-Beziehung ist.

j'aurai des enfants - wieder eine statische Haben-Beziehung, obwohl man geneigt ist anzunehmen, dass eher "bekommen" gemeint ist. Aber das ist im Wortsinn nicht ausgesagt.

Typ 7: Zustand - 1 Substantiv - Ort (=> 2 Substantive)

Tout le malheur de la Cité en poudre blanche sur le noir du tableau (aus einer Erzählung für Schüler). Wenn man von den verschiedenen Näherbeschreibungen absieht, schält sich heraus, dass malheur durch sur angezeigt lokalisiert wird auf le noir. Und das Ganze als Nominalsatz. Es braucht also kein konjugiertes Verb.

ils sont tous contre ces violences - Die "sie" befinden sich im Gegensatz zu ...

A côté de moi il y a la place vide - 1.Aktant ist "Platz"; dieser wird lokalisiert "an meiner Seite". Hinzukommt im Französischen das phraseologische "il y a". Genau genommen ist also die Ortsangabe verdoppelt, durch eine Pendenskonstruktion verstärkt.

Il est au lycée - "Er" + "Gymnasium", "+" = Lokalisierung, wobei zum Verständnis das eingeschlossene à die entscheidende Rolle spielt.

Typ 8: Zustand - 1 Substantiv - Zeit (=> 2 Substantive)

la fête est au printemps - 2 Substantive, verbunden mit Präposition. Daraus ergibt sich die spezifische Verbindung. Das "est" zeigt nur an, dass eine Verbindung besteht, spezifiziert aber nicht.

Typ 9: Veränderung - 1 Substantiv - Prozess oder: 1. Bedeutung + Hilfsverb + 2. Bedeutung

on voit toujours mieux - Damit kommt der Unterschied zwischen "Sehen" und "Betrachten" ins Spiel. voir von sich aus ist erst ein Prozess des Wahrnehmens, noch nicht deutlich eine Handlung.

ce qui c'est passé, hier, ici - Was hat sich zugetragen?

toute la classe rit avec lui - "Lachen" ist von Hause aus ein nicht gesteuerter Prozess.

toute la pièce est tombée dans le silence - Es handelt sich um eine erstarrte Metapher, die zunächst im Wortsinn interpretiert wird. "Fallen" ist klassischer Ausdruck für "Prozess" bzw. "fientisch".

Les écritures montent, descendent, s'étirent, se cassent, s'enflent, mais n'hésitent plus - Das "Auf- bzw. Absteigen" der Schriften (an der Tafel) kann man als erstarrte Metaphern (inkl. Personifikation) verstehen, somit als "Handlung" auf Wortbedeutungsebene. Die drei reflexiven Verben dagegen sind Prozesse: "ausdehnen, abbrechen, anschwellen". Undeutlich - das ist aber oft so bei Bedeutungen, die letztlich modalen Charakter haben (innere Prozesse anzeigend) - das "Zögern". Gehört eher auch zu "Prozess".

j'ai retrouvé le sourire - "Suchen" kann man aktiv, als Handlung. "Finden" dagegen ist ungesteuert, zufällig.

Um zwei separat genannte Bedeutungen prozesshaft zu verbinden, bietet sich devenir an. Le [petit] Corse est devenu l'Empéreur [de la France] - eingeklammert sind nur die Adjunktionen, die bei der Prädikation nicht mehr interessieren, vgl. 4.03 Bedeutungsgruppen /allgemein

Typ 10: Veränderung - 1 Substantiv - Handlung

[alle Tätigkeiten, die von einem Subjekt ausgesagt werden: <<GEHEN>>, <<ESSEN>>, <<SCHREIBEN>>, <<SPRECHEN>>, <<BAUEN>>, <<PFLÜCKEN>> usw.]


5. Einzelsprache: Russisch

5.1 10 Typen der Prädikation

Typ 1: Zustand - 1 Substantiv - quantitativ

"Das Publikum ist zahlreich." Многочисленная (представительная) публика.

Es könnte ein Satz (NS = Nominalsatz, Verb nicht nötig) im mündlichen Verkehr sein, z.B. in einem Gespräch (Dialog) als eine Antwort auf die Frage:"Wie ist (war) das Publikum?"

Публика была многочисленной (представительной). Es ist ein vollständiger Satz, der bei der Textsorte "Beschreibung" verwendet werden kann.


Typ 2: Zustand - 1 Substantiv - qualitativ

"Die Suppe ist kalt." Холодный суп. Es kann als ein NS betrachtet werden, z.B., im mündlichen Verkehr. Es kann die Antwort auf folgende Frage sein:"Wie war (ist) die Suppe?"

Суп был холодный. Es ist ein voller Satz, der für die Textsorte "Beschreibung" typisch ist.


Typ 3: Zustand - 2 Substantive - Teilangabe

"Der Löwe ist Teil des Rudels." Лев является частью прайда. Ein voller Satz, der mit dem deutschen Beispiel korrespondiert. Dabei wird aber ein volles Verb eingesetzt.

Лев - часть прайда. Es ist ein Satz, der in der Schriftsprache vorkommen kann, z.B., in einem Lehrbuch. Das Verb ist ausgelassen, weil die wichtigsten Informationen durch Substantive übermittelt werden.

Typ 4: Zustand - 2 Substantive - Identität

"Mein Bruder ist der Kaiser von China." Мой брат является императором Китая. Ein voller Aussagesatz, der dem deutschen Satz entspricht.

Мой брат - император Китая. Ein Aussagesatz, der mit dem deutschen Satz korrespondiert, aber das Verb ist ausgelassen, weil die Informationen durch Substantive vermittelt werden.

Typ 5: Zustand - 2 Substantive - Klassifikation

"Der König von Stormwind ist (auch nur) ein Kind." Королем бури является ребенок. Es ist ein voller Satz, der grammatisch gesehen dem deutschen Satz entspricht. Es ist eine wörtliche Übersetzung und in der russischen Sprache würde man den Satz inhaltlich gesehen anders formulieren, z.B. Die Kinder bringen viel Unruhe u.ä.

Король бури - ребенок. Der Satz entspricht dem deutschen Satz, aber das Verb ist ausgelassen, weil die wichtigsten Informationen durch Substantive vermittelt werden.

Ein unscheinbarer "Sprachtipp" im PONS "Powersprachkurs Russisch"
S.18, hat eine weitreichende Gültigkeit: "Im Russischen braucht
man im Präsens kein Verb sein, wenn man sagen will, wer, was
oder wie man ist." Dazu folgende Beispielsätze, die in der
Alternativ-Grammatik alle zu  "Klassifikation" gehören:
Я стоматолог     ich + Zahnarzt   
Ты дирижёр       du  + Dirigent
Он учителъ       er  + Lehrer
Она переводчик   sie + Übersetzerin
Вы таксисты      Sie + Taxifahrer
Они журналисты   sie (Pl.) + Journalisten
Вы инженер?      ihr + Ingenieur?  (Die Frageform ändert nichts am Prädikationskern)
Мы студенты      wir + Studenten
Anders gesagt: Das Hilfsverb <<SEIN>> ist im Normalfall einer
Aussage - gilt für die aktuelle Gegenwart - unnötig. Man kann es
einsparen und lediglich einen Nominalsatz verwenden. Erst
wenn andere Zeitlagen benötigt werden - Vergangenheit, Zukunft
-, wird das Hilfsverb aktiviert. Für den Satzkern selbst
(Verbindung der 2 Bedeutungen) spielt es keine Rolle. - Das
Russische bildet damit - ähnlich wie semitische Sprachen -
besonders gut die semantische Theorie der Alternativ-Grammatik
in der Praxis ab.

Typ 6: Zustand - 2 Substantive - Zuordnung

"Die Waffe gehört dem Jäger." Ружье принадлежит охотнику. Ein Aussagesatz, der dem deutschen Satz entspricht.

Ружье охотника. Es kann als ein Satz in einem Gespräch betrachtet werden, z.B. als Antwort auf die Frage. "Was ist das?" Oder:"Wessen Waffe ist das?" Oder: "Wem gehört die Waffe?"

Zum Ausdruck von <<HABEN>>, <<BESITZEN>> wird auch die Präposition "У" (= bei) mit Genitiv (nicht immer sicher als solcher erkennbar) verwendet, so dass eine Aussage des Typs entsteht: X ist-bei Y. Das zeigt, dass kognitiv hinter den Prädikationen für ZUORDNUNG/ORT/ZEIT im Grund eine einzige gedankliche Operation steht: Zwei selbstständig benennbare und als separat vorgestellte Objekte werden in Verbindung zueinander gebracht.

У него есть лерчатки = Bei ihm sind Handschuhe

                           = "Er hat Handschuhe."
Im Kontrast zum Deutschen ist zu beachten, dass "есть"
unveränderlich ist und sich nicht nach dem Pluralsubjekt
richtet. Das pluralische "sind" als Übersetzung ist
also eine Konzession ans Deutsche. - Analog, wenn man
sich für "Haben" entscheidet: Im Fall der Plural-Subjekte
"wir, ihr, sie" wird das deutsche Hilfsverb pluralisch
verwendet. Auch da bleibt russisches "есть" unverändert. 
Wörtlich wiedergegeben:
У меня есть плащ      = "bei mir ist Regenmantel" = "ich habe einen Regenmantel"
У тебя есть карандбаш = "bei dir ist Bleistift"   = "du hast einen Bleistift"
У неё  есть блузки    = "bei ihr ist Blusen"      = "sie hat Blusen"
У нас  есть куртка    = "bei uns ist Jacke"       = "wir haben eine Jacke"
У вас  есть рубашки   = "bei euch ist Hosen"      = "ihr habt Hosen"
У них  есть шапки     = "bei ihnen ist Mützen"    = "sie haben Mützen"
У Вас  есть очки      = "bei Ihnen ist Brille"    = "Sie haben eine Brille"

Das "Raumdenken" wird bei diesen "Besitz"-Aussagen somit gut sichtbar - was bereits zu Typ 7 überleitet. Dass "Besitz" und nicht allein "Ort" ausgesagt wird, liegt daran, dass der vermeintliche "Ort" durch ein Personalpronomen ausgefüllt wird. Wird der personale Verweis ersetzt durch einen lokalen - die Satzstruktur aber beibehalten -, so landen wir bei Typ 7:


Typ 7: Zustand - 1 Substantiv - Ort (=> 2 Substantive)

Vgl. zu Typ 6.

Там  есть  манкн  = "Dort gibt es / Dort sind Unterhemden"
Здесъ  есть шляпы = "Hier gibt es / Hier sind Hüte" - was zugleich die "Schlapphüte"
                          in ein neues Licht rückt ;-)


"Der Pferdemarkt ist in Leonberg." Конная ярмарка проходит в Леонберге. Eine Satzstruktur, die dem deutschen Satz entspricht. Das Verb ist aber durch ein volles Verb ersetzt. Vgl. stattfinden.

Mit Verbbedeutung <<SICH BEFINDEN>>: Где находится Вдыход - "Wo befindet-sich der-Ausgang?"

Ohne Verb (auch ohne "ist"), als Nominalsatz: Мы из Германи "Wir ( ) aus Deutschland"


Typ 8: Zustand - 1 Substantiv - Zeit (=> 2 Substantive)

"Der Pferdemarkt ist am Wochenende."

Конная ярмарка проводится в выходные (дни). Der Satz wiederholt den deutschen Satz, es wird aber ein volles Verb eingesetzt. Vgl. stattfinden.

Typ 9: Veränderung - 1 Substantiv - Prozess oder: 1. Bedeutung + Hilfsverb + 2. Bedeutung

"Der Fluss fließt."

Река течет. Die Satzstruktur entspricht dem deutschen Satzbau.

"Die Sterne blinken."

Звезды сверкают. Die Satzstruktur entspricht dem deutschen Satzbau.

Typ 10: Veränderung - 1 Substantiv - Handlung

"Der Hund bellt."

Собака лает. Der Satz widerspiegelt den Prozess.

"Der Mann putzt."

Человек (мужчина) убирается. Der Satz widerspiegelt die Handlung


6. Einzelsprache: Latein

Die 10 Typen werden auch hier bereit gestellt, müssen teilweise noch aufgefüllt werden mit Beispielen. Begonnen wird mit 3 Beispielen aus dem "Ave Maria". Weitere werden hinzugefügt.

6.1 10 Typen der Prädikation

Typ 1: Zustand - 1 Substantiv - quantitativ

Das Prädikat beschreibt einen Zustand. Es besteht keine Veränderung. Dieser Zustand bezieht sich auf 1 Substantiv und ihre Verbindung dazu (Relation) ist Quantitativ.

Beispiel:

Typ 2: Zustand - 1 Substantiv - qualitativ

Die Beschaffenheit eines Substantivs ist von Interesse. Die Quantität wird diesmal außer Acht gelassen.

Im Lateinischen können natürlich alle Adjektive und Partizipien in die Position der Prädikat-Bedeutung einrücken. Damit entsteht die Verbindung zwischen einer substantivischen Bedeutung (=1.Aktant) und einer nicht-substantivischen, aber selbstständigen: Benedicta tu (in mulieribus).

Hier soll der Spezialfall "Gerundiv" herausgegriffen werden:

Pax servanda est  Wörtlich wiedergegeben: Friede (ist) zu-bewahrender. 
                      Zweierlei Erkenntnisse ergeben sich: 
                      (1) Im Rahmen der Wortbedeutung liegt ein
                      normaler Satz vor, statisch, zum Subjekt
                      wird eine Eigenschaftsangab hinzugestellt. 
                      (2) Dass darin ein Muss, eine Verpflichtung
                      steckt, wird auf der Ebene der Wortbedeutung
                      noch nicht sichtbar.
                      Genau diese Zweigleisigkeit dürfte der
                      stilistische Trick dieser Aussageform sein:
                      Es wird sprachlich so getan, als müsse nicht
                      irgendjemand zu einem bestimmten Handeln
                      aufgefordert werden, sondern es werde nur
                      eine permanente Eigenschaft eines Gegenstandes
                      beschrieben. 
                      Angesprochene können sich also zunächst auf
                      Distanz halten, brauchen sich nicht aufgefordert
                      zu fühlen.
                      Erst mit etwas Nachdenken - Ebene Pragmatik
                      - wird dann klar, dass die Selbst-Distanzierung
                      nicht durchzuhalten ist. Natürlich ist nicht von
                      einer naturgegebenen Eigenschaft die Rede, sondern
                      von einem einzufordernden Verhalten von Menschen.
                      "Friede" ist kein Objekt mit Eigenschaften, sondern
                      entsteht nur kommunikativ zwischen Menschen. Das
                      scheinbar Objektive enthüllt somit seinen
                      Verpflichtungscharakter: Fortsetzung in der Pragmatik - 4.1115 Prädikat – kritisch nachgefragt

Beispiel:

Typ 3: Zustand - 2 Substantive - Teilangabe

Es stehen 2 Substantive im Satz in Verbindung. Dabei ist die Relation eine Teilangabe. Das Eine ist Teil des Anderen.

Beispiel:


Typ 4: Zustand - 2 Substantive - Identität

Eine Bedeutung (hier Substantiv) wird mit einer anderen Bedeutung identifiziert.

Beispiel:

Typ 5: Zustand - 2 Substantive - Klassifikation

Ein Substantiv wird bestimmt (Artikel Der/Die/Das). Das Andere wird unbestimmt genannt. So klassifiziert man das Bestimmte mit dem Unbestimmten.

Beispiel: Cicero orator fuit

Typ 6: Zustand - 2 Substantive - Zuordnung

Typische Zugehörigkeits-, oder Besitzaussagen, wie sie am häufigsten im Sprachgebrauch vorkommen.

Beispiel: Dominus tecum; Est mihi (cum fratre tuo) amicitia; Cui (magna) pecunia est? Divitiae nobis non sunt; Aristidi cognomen erat (iusto)

Typ 7: Zustand - 1 Substantiv - Ort (=> 2 Substantive)

Eine Ortsangabe als 2. volle Bedeutung.

Beispiel: In vino veritas Mit gleicher Prädikationsstruktur setzte Ernst Jünger dagegen: In vino error.

Nicht ganz ernst gemeinte Weiterführung: Was gilt denn nun bei
diesen gegensätzlichen Positionen?
Vgl.[11]
Im kleinsten Staat der Welt, dem Vatikan, dem Hort der
Unfehlbarkeit, also der Wahrheit, wird pro Kopf
am meisten gesoffen.

Typ 8: Zustand - 1 Substantiv - Zeit (=> 2 Substantive)

Eine Zeitangabe.

Beispiel:

Typ 9: Veränderung - 1 Substantiv - Prozess oder: 1. Bedeutung + Hilfsverb + 2. Bedeutung

Jetzt wird ein Prädikat dynamisch als Veränderung betrachtet. Hierbei geht es speziell um einen nicht beeinflussbaren Prozess.

Ein Prädikat, das eine Veränderung, einen Prozess beschreibt.

Beispiel: Tempores mutantur, et nos mutamur in illis.

Gleich zwei ÄEen als Beleg. NB: der übliche Blick auf die
Konjugationsform und die Entscheidung, ob echtes oder
scheinbares 'Passiv' vorliege, Deponentien u.ä., ist nur
insofern wichtig, als das gegebene Verb natürlich in
Konjugation und Bedeutung korrekt erkannt werden muss.
Zur Erinnerung: Uns interessiert die aktive Bedeutung -
falls ein passive Formulierung vorliegt. Und hier ist
das Mitverstehen einer willentlich agierenden Figur 
außer Reichweite - also entfällt "Handlung".
Auf dieser Basis wird erst die semantische Bestimmung
vollzogen. Man darf nicht vorschnell die Analyse
für beendet erklären!   

Typ 10: Veränderung - 1 Substantiv - Handlung

Beispiel:


Mit diesen 10 Verbindungstypen lassen sich alle Prädikate beschreiben - reine Existenzaussagen gehen separat.


7. Einzelsprache: Chinesisch

7.1 Prädikationstypen

Typ 1: Zustand - 1 Substantiv - quantitativ

蜜蜂是很多的 "Die Bienen (sind) zahlreich" -

Mit 2 Schriftzeichen wird das Substantiv für <<BIENEN>>
wiedergegeben.
Das dritte Zeichen ist das Hilfsverb <<SEIN>>, konjugiert
= "sind"
3 Schriftzeichen für die eine Bedeutung: <<ZAHLREICH>>
Ergänzend: wenn die Bedeutung <<ZAHLREICH>> vorangestellt
ist und außerdem das Hilfsverb fehlt, 
liegt ein Attributsverhältnis vor: 很多蜜蜂    
"zahlreiche Bienen" 

Typ 2: Zustand - 1 Substantiv - qualitativ

她是年轻的 "sie ist jung"

1. Zeichen für 1.Aktant ("sie")
2. Zeichen für Hilfsverb
Zeichen 3-5 für <<JUNG>>

她站着 "sie steht"

Typ 3: Zustand - 2 Substantive - Teilangabe

轮子是气车的一部份 "das Rad ist-ein-Teil des Autos"

轮子属于气车 "das Rad gehört-zu dem Auto" (Im Sinn einer Teil-Ganzes-Beziehung, nicht als Besitzverhältnis)

Typ 4: Zustand - 2 Substantive - Identität

这是男主管 "dieser (ist) der Chef" Wichtig hierbei: beide Bedeutungen sind definit determiniert. (Im Schriftbild ist erkennbar, dass es sich um einen Mann handelt. Der gleiche Satz akustisch realisiert lässt keine Geschlechterdifferenzierung erkennen.)

Typ 5: Zustand - 2 Substantive - Klassifikation

他是一个中国人 "Er ist ein Chinese." Wichtig bei der Klassifikation ist die Asymmetrie bei der Determination: eine bestimmte 1. Bedeutung wird in Relation zu einer unbestimmten zweiten gesetzt. Die Abfolge der Satzglieder ist im chinesischen Satz genau gleich wie im Deutschen.

Typ 6: Zustand - 2 Substantive - Zuordnung

一个中国人有一辆车 "Ein Chinese hat ein Auto"

Zeichen 1+2: "Ein"
3-5: "Chinese"
6: "hat"
7-8: "ein"
9: "Auto"

这辆车属于一个中国人 "Das Auto gehört einem Chinesen"

Typ 7: Zustand - 1 Substantiv - Ort (=> 2 Substantive)

这些学生是在学校里 "Die Schüler (sind) in der Schule"

这个房子是在山上 "Das Haus ist auf dem Berg"

Typ 8: Zustand - 1 Substantiv - Zeit (=> 2 Substantive)

在下周有一个考试 "In der nächsten Woche ist eine Prüfung" - Zeitangaben werden im Chinesischen meist vorangestellt. Wo das Deutsche in solchen Fällen <<SEIN>> verwendet, steht im Chinesischen <<HABEN>>.

Typ 9: Veränderung - 1 Substantiv - Prozess oder: 1. Bedeutung + Hilfsverb + 2. Bedeutung

他在睡觉 "Er schläft"

水在流淌 "Das Wasser fließt."

Typ 10: Veränderung - 1 Substantiv - Handlung

她在走路 "sie geht"

我们在吃饭 "wir essen"

他们在工作 "ihr arbeitet"


8. Gebärdensprache

8.1 Nur Unterschied auf Ausdrucksebene

Gebärdensprache unterscheidet sich von gesprochener oder geschriebener Sprache auf der Ausdrucksebene: statt einem Übertragungskanal (Akustik oder Schrift) werden mehrere gleichzeitig aktiviert: Gebärde mit der Hand + Körperbewegung + tonloses Bewegen der Lippen. Auf semantischer Ebene besteht kein Unterschied zu sonstigen Sprachen, d.h. die kognitiven Grundkategorien müssen/sollen auch in der Gebärdensprache 'zum Ausdruck kommen'.

Bei Prädikation geht es also auch darum, zwei selbstständige Bedeutungen miteinander zu verbinden. Das geschieht am einfachsten dadurch, dass man sie nebeneinander stellt: <<TURM>> + <<HOCH>>. Eine Kopula, die dem Hilfsverb <<Sein>> entsprechen würde, braucht es dafür nicht. So gesehen liegen hier also auch 'Nominalsätze' vor (sofern nicht Handlungen und Prozesse vorliegen).

Dadurch entsteht wie bei sonstigen Sprachen das Problem, dass u.U. der attributive ("der hohe Turm" - gehört zu "Näherbeschreibungen": 4.03 Bedeutungsgruppen /allgemein) und der prädikative ("Der Turm (ist) hoch") nicht leicht unterschieden werden kann. Zur weiteren Unterscheidung werden daher unterstützende Mittel eingesetzt, z.B. prosodische.

8.2 10 Prädikationstypen

[fehlt noch]


9. Einzelsprache: Albanisch

Zur Beschreibung der albanischen Sprache vgl: [12]

9.1 10 Prädikationstypen

Typ 1: Zustand - 1 Substantiv - quantitativ

Protestuesit janë të shumtë "die Demonstranten (sind) zahlreich" - janë bedeutet "sind". të shumtë bedeutet "zahlreich".

Typ 2: Zustand - 1 Substantiv - qualitativ

Ajo u ndal "sie blieb stehen" <<STEHENBLEIBEN>> als 2. Bedeutung wird als statisch-qualitativ gewertet. Es ist ein qualitativ charakterisierter Zustand. Dabei kann man nicht zählen.

Gjethi është i gjelbërt "das Blatt ist grün" ështe bedeutet "ist". Gjeth bedeutet "Blatt"; -i = definite Determination + "männlich. Isoliertes " i " = männlich. Das Adjektiv für sich allein ist "geschlechtslos".

Typ 3: Zustand - 2 Substantive - Teilangabe

Fryti nga pemës "die Frucht (stammt) vom Baum" - ein Teil ist organisch mit einem größeren Ganzen verbunden. Nominalsatz, ohne konjugiertes Verb. Fryti është pjesë e pemës "die Frucht ist ein Teil vom Baum" = Verbalsatz mit "ist"

Fëmija i takon/përket kësaj Familje "das Kind gehört zu dieser Familie" - "Kind" und "Familie" können zwar räumlich getrennt werden; aber biologisch/rechtlich ist die Beziehung im Normalfall inalienabel. takon/përket = "gehört zu"

Typ 4: Zustand - 2 Substantive - Identität

Ai është Presidenti "Er ist der Präsident" - beide Bedeutungen sind definit determiniert. Erst dadurch wird die Beziehung der Identität möglich. Ajo është Presidentja "Sie ist die Präsidentin". Was im Deutschen mit Artikel ausgedrückt wird, wird im Albanischen als Endung realisiert.

Sulmuesi është fitimprurësi "Der Mittelstürmer ist der Matchwinner" - Von beiden nominalen Bedeutungen kann es immer nur ein Exemplar geben.

Typ 5: Zustand - 2 Substantive - Klassifikation

Ai është mashtrues "Er ist ein Betrüger" -

More Dash "Du Hammel!" - Ausruf als Nominalsatz. Das "Du" wird der Klasse der "Hammel" zugewiesen, von denen es allerdings noch mehr Exemplare gibt als nur diesen einen... Allerdings: was im Deutschen eine Beschimpfung ist, ist im Albanischen ein Lob. Bitte nicht verwechseln!

Typ 6: Zustand - 2 Substantive - Zuordnung

Për ju ështe Kupa "für euch ist der Pokal" - Im Gegensatz zum "Typ 3" ist die Beziehung jetzt alienabel. Der Pokal hätte auch einer anderen Mannschaft zugesprochen werden können.

Dëftesa është e imja "das Zeugnis ist meines" -

Nderi të takon ty (Ty të takon nderi) "die Ehre hast du verdient" - <<VERDIENT-HABEN>> umschreibt/lexikalisiert, was dieser Prädikationstyp leistet: ein X ("Ehre") wird dem Y ("Du") zugeordnet. Unterschied nur in der Reihenfolge der Satzglieder.

Typ 7: Zustand - 1 Substantiv - Ort (=> 2 Substantive)

Çka është në shtëpi? "Was (ist) in dem Haus?" Realisierungsformen auch im Albanischen: Präpositionsverbindung.

Atje ishte takimi "Dort drüben war die Begegnung" -

Typ 8: Zustand - 1 Substantiv - Zeit (=> 2 Substantive)

Fatkeqësia ishte në vitin .... "das Unglück war im Jahr ..." Realisierungsformen auch im Albanischen: Präpositionsverbindung oder Adverb.

Nesër është llotaria "morgen findet die Verlosung statt" -

Typ 9: Veränderung - 1 Substantiv - Prozess oder: 1. Bedeutung + Hilfsverb + 2. Bedeutung

Ai flinte "er schlief" -

Pikon "es tröpfelt" -

Ajo do të qesh "sie wird lachen" -

Typ 10: Veränderung - 1 Substantiv - Handlung

Shko/Hik" "Geh!" -

Punëtorët ndërtonin "die Arbeiter bauten"

Arsimtari shpjegonte ... "der Fachlehrer erklärte ..." - <<ERKLÄREN>> erfordert eigenen Willen und eigene Anstrengung (neben der nötigen Kompetenz). Mit "..." ist der zusätzlich benötigte 2.Aktant (Objekt) angedeutet. Er wird erst nach Beschreibung des Kerns der Prädikation erfasst.

10. Einzelsprache: Arabisch

10.1 Typen der Prädikation

Typ 1: Zustand - 1 Substantiv - quantitativ

Typ 2: Zustand - 1 Substantiv - qualitativ

Typ 3: Zustand - 2 Substantive - Teilangabe

Typ 4: Zustand - 2 Substantive - Identität

Typ 5: Zustand - 2 Substantive - Klassifikation

Typ 6: Zustand - 2 Substantive - Zuordnung

(Mit dem Modul "Alphabet" (s.o.) zur Realisierung fremder Schriften müssen wir noch üben ...). Von rechts nach links gelesen und grob transkribiert:

hal-il        udmah-la
Gott-für      Lobpreis-der
ﻶﺣﻤﺪ           ﻝﻞﻪ

Dieses formelhafte Bekenntnis ist nichts anderes als ein Zuordnungs-Nominalsatz. Der <<LOBPREIS>> wird durch Präposition l= hingeordnet auf <<GOTT>>. Nähme man ein Verb, käme eine temporaler Akzent hinzu - und die Aussage wäre zeitlich eingegrenzt. Das ist beim Nominalsatz nicht der Fall: die Aussage gilt grundsätzlich und immer.


Typ 7: Zustand - 1 Substantiv - Ort (=> 2 Substantive)

Typ 8: Zustand - 1 Substantiv - Zeit (=> 2 Substantive)

Typ 9: Veränderung - 1 Substantiv - Prozess oder: 1. Bedeutung + Hilfsverb + 2. Bedeutung

Typ 10: Veränderung - 1 Substantiv - Handlung