4.0623 3. Aktant / »Dativobjekt« / Adressat vs Defizient

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Das tägliche Handeln kann noch eine Stufe intensiver sich vollziehen. Mehr an Unterscheidungen bei den Aktanten werden wir anschließend nicht benötigen. Es geht nun um die Fälle, bei denen nicht nur ein Handelnder tätig ist (1. Aktant), der ein Etwas (= 2. Aktant) bearbeitet, sondern der zusätzlich mit einer weiteren Person zu tun hat (3. Aktant).

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0. Nachträge zur Theorie

0.1 Vorsicht beim "Dativ"!

Man ist leicht geneigt, unseren "3.Aktanten" mit dem "Dativ" der traditionellen Grammatik zu verbinden. Das passt aber in mehrfacher Hinsicht nicht. Vgl. die Definition des "Dativs" in H.Genzmer, Unsere Sprache. wbg 2014. S.140:

"Der Dativ oder Wem-Fall bezeichnet das indirekte
Objekt eines Satzes,

Das ist traditionell - und via Negation - in- - kann man nichts positiv erläutern.

und das bezeichnet, auf wen sich die Handlung
des Verbs bezieht

Sehr missverständlich, weil zu große Nähe zu "Objekt" bzw. 2.Aktant. Da sind "Adressat" bzw. "Defizient" bei uns inhaltlich gefüllter.

oder für wen sie unternommen wurde.

Das klingt sehr nach unserem [1] und hat mit der Aktanten-Struktur im Kern der Prädikation nichts zu tun.

Das indirekte Objekt ist fast immer eine Person.

Kann man so sehen, denn andernfalls stellt die Prädikation einen bloßen Transportvorgang dar.

Wegen des Einflusses der Dialekte ist für viele
Sprecher die Unterscheidung Dativ / Akkusativ
sehr schwer."

Das ist methodisch kurios: wird nun Ausdrucks-SYNTAX betrieben? Natürlich kann man auch Genuschel feststellen/analysieren. Nur lagen eben die bisherigen Ausführungen auf der Bedeutungskonstruktion - man sollte klarlegen, auf welcher gedanklichen Ebene man Aussagen machen will.

1. Einzelsprache: Deutsch

1.1 Erläuterung

Zunächst eine Definition zum Dativobjekt aus Wikipedia: Das Dativobjekt antwortet auf die Frage "wem?". Bestimmte Verben erfordern das Dativobjekt. Das Dativobjekt bezeichnet im Unterschied zum Akkusativobjekt das sogenannte indirekte Objekt der Handlung. Häufig steht es in einem erklärenden Bezug zur Handlung, macht also deutlich, warum das Subjekt die Handlung (am Akkusativobjekt) vollzieht. Auch wenn es ohne Akkusativobjekt steht, wird ausgedrückt, dass es nicht unmittelbar unter der Einwirkung des Subjektes steht.

1.2 Beispiele

  1. Wem schreibe ich einen Brief? Ich schreibe [dir] einen Brief.
  2. Wem glaube ich? Ich glaube [dir].

[2]

Kritische Anmerkungen zur obigen Definition:

  1. Keine semantisch befriedigende Erklärung, was man unter Dativobjekt versteht. Unterschiedliche "Objekt"-Begriffe werden hin- und hergewendet, aber das zu Erklärende nicht von Außen betrachtet.
  2. Wir wiederholen uns gern: "bestimmte" - lässt grammatisch eine betont undeutliche Ausdrucksweise erwarten.
  3. "erklärender Bezug" - was ist das? Etwa eine "Explikation"? - Damit wären wir auf der falschen Schiene. Es geht nicht um eine "Erklärung", sondern um einen semantisch zwingenden Faktor: ohne den 3.Aktanten funktioniert die Prädikatbedeutung nicht!
  4. Lediglich die Handlung, das Warum wird erklärt, jedoch keine zufriedenstellende Definition gegeben. Das Stichwort "warum" lässt an "kausal" denken - das hat aber mit "indirektem Objekt" nichts zu tun, sondern gehört zu den Modalitäten. Im Moment sollte definiert werden, wie die Prädikation strukturiert ist!
  5. "nicht unmittelbar unter der Einwirkung des Subjektes" - doch! Das Subjekt bezieht zwingend den 3.Aktanten mit ein - weil sonst die Tätigkeit nicht zustande kommt.
  6. Das Beispiel mit <<GLAUBEN>> ist zweifelhaft: Ein "Dativ" = dir liegt vor. Handelt es sich deswegen zugleich auch um ein "indirektes Objekt"? Die Frage ist schwer zu beantworten, da zuvor keine semantisch brauchbare Definition gegeben worden war. Nur mit "Wem?" zu operieren, ist zu dürftig. Die Beispiele sind so angelegt, dass kein 2.Aktant (was wird geglaubt?) vonnöten ist. Der Dativ darf also nicht darüber hinwegtäuschen, dass nur die Beziehung zwischen zwei Größen im Spiel ist ("Ich" und "Du"). Analog: "Ich helfe dir" - im Sinn von: "ich unterstütze dich." - Im Sinn der Alternativ-Grammatik darf man von "3. Aktant" nur reden, wenn ein "2. Aktant" vorausgesetzt werden muss. Die Beispielsätze unter (2) verbinden die Wortform /glauben/ mit der Bedeutung <<VERTRAUEN>>, nicht mit dem Verständnis: <<ETWAS VON JMDM ÜBERNEHMEN>>. Ersteres spielt sich nur zwischen zwei Figuren (= Aktanten) ab, Letzteres benötigt drei. Folglich enthält der Beispielsatz zweifellos einen Dativ. Dieser markiert aber die zweite semantisch relevante Figur (= 2. Aktant) der Bedeutung <<VERTRAUEN>>. Ein 3. Aktant wird nicht benötigt.


Wir führen hier den 3. Aktanten ein. Eine weitere Figur wird eingeführt, die nicht unbedingt eine reale menschliche Person sein muss, aber eine Figur, die man sich personhaft vorstellt. Beim 3. Aktanten geht es um den Begriff "Adressat" und "Defizient". Wem wird was geschenkt, übergeben ...(Adressat) oder wem wird was gestohlen, weggenommen...(Defizient).

1.3 Beispiele zum 3. Aktanten

  1. Ihm (kein Aktant, sondern Malefiziat) fällt der Stein auf den Kopf. - Der Vorgang des <<FALLENS>> benötigt das ihm nicht, um verstanden zu werden. Weiteres Indiz: zuvor auch kein 2.Aktant im Spiel. Aber als Zusatzangabe (Umfeld des 1.Aktanten) kann der Geschädigte genannt werden.
  2. Ich (1.Aktant) schenke dir (3.Aktant:Adressat) dieses Buch (2.Aktant). Zusätzlich kann in weiterem Satz nachgetragen werden: "das ich von meinem Bruder (3. Aktant: Defizient) geliehen hatte".
  3. Der Bauer (1.Aktant) verkauft die Eier (2.Aktant), von der Henne (3. Aktant: Defizient) frisch gelegt, an die Kunden (3.Aktant:Adressat).


2. Einzelsprache: Türkisch

2.1 Beispiele

  1. Ali (1.Aktant) Kemaldan (3. Aktant: Defizient) topu (2.Aktant)caldi. Sonra topu Ayseye (3.Aktant:Adressat) verdi.(Ali hat den Ball von Kemal gestohlen. Danach hat er ihn Ayse gegeben.)
  2. Yusuf (1.Aktant)(3. Aktant: Defizient)parasini(2.Aktant) yolda kaybetti. Hamza parayi bulup bankaya (3.Aktant:Adressat) yatirdi.(Yusuf hat sein Geld verloren. Hamza hat es gefunden und auf die Bank gebracht.)

Kritische Anmerkungen:

  1. Das erste Beispiel ist einschlägig für den 3. Aktanten.
  2. Das zweite Beispiel ist unpersönlich, beschreibt reine Transportvorgänge. Man braucht also Ortsbestimmungen, aber keinen 3. Aktanten.


3. Einzelsprache: Latein

3.1 Standard

Fink/Maier in ihrer "Systemgrammatik Latein" (1997) schreiben (S.102) von "zwei Objekten im Satz", meinen aber Übermittlungshandlungen: das Subjekt (1.Aktant) übermittelt etwas (2.Aktant) einem personal verstandenen Adressaten (3.Aktant). Die Beispiele nennen als 3.Aktanten zumindest Figuren, die nicht bloße Ortsangaben sind (dann könnte man von reinen Transportvorgängen sprechen).

So verstanden sprechen auch wir von dreiwertigen Verbbedeutungen. Deren Realisierung kann wiederum recht unterschiedlich ausfallen - die semantische Hintergrundstruktur bleibt aber immer die gleiche:

Akkusativ + Akkusativ           Hoc te admoneo 
                                  = Daran erinnere ich
                                    dich.
Akkusativ + Dativ               Quis tibi hanc poenam imposuit? 
                                  = Wer hat dir diese
                                    Strafe auferlegt?
Akkusativ + Ablativ             Quis te hac poena affecit? 
                                  = Wer hat dich mit dieser
                                    Strafe belegt?
Akkusativ + Genitiv             Te huius rei admoneo 
                                  = Ich erinnere dich an
                                    diese Sache.
Akkusativ + Präpositionalobjekt Te de hac re admoneo
                                  = Ich erinnere dich an
                                    diese Sache.

Die "Systemgrammatik" zeigt durch diese Beispiele, dass zwischen "3.Aktant" und "Dativ" keine Eins-zu-eins-Beziehung besteht. Dennoch wird - das ist übliche Praxis - doch versucht, eine solche herzustellen:

Kasus - laut S.62ff - sind äussere Veränderungen
(Deklinationen) von Wörtern - erkennbar an typischen
Zeichen nach dem Wortstamm, die sich mit Kennlaut/Binde-
vokal zu Ausgängen verbinden. Mit solcher Sicht kann
sich die Alternativ-Grammatik verbinden, vgl.4.011 Ausdrucksseite: Wortbildung

Aber Kasus haben immer auch eine semantische Funktion. - Dem kann man prinzipiell zustimmen. Wäre dem nicht so, könnte und würde sich die Einzelsprache den Aufwand bei der Wortbildung ersparen. Die Frage ist, ob der einen Ausdruckskategorie ("Dativ") - eine, oder zumindest eine sehr überschaubare Zahl an semantischen Funktionen entspricht.

Die soeben genannten Beispiele für 3.Aktant widersprachen schon der engen und exklusiven Korrelation. Aber auch weitere Beispiele (S.115ff) überzeugen nicht:

Der Dativ drücke Zuwendung aus. Aber hierzu sagt die "Systemgrammatik" selbst, dass damit eigentlich das Objekt, also unser 2.Aktant, gemeint sei:

favere amico = "den Freund begünstigen/fördern"
adesse amicis 

Der Dativ drücke den Besitzer aus. Das ist richtig, führt auf die statische Prädikation der Zuordnung , hat mit 3.Aktant nichts zu tun.

Cui magna pecunia est? 
           - Das "Geld" (=1.Aktant) wird-zugeordnet-auf
             "Wem" = 2.Aktant.
             Es ist logisch, dass Relationen, als statische
             Prädikation, 2 Pole benötigen, um korrekt
             ausgesagt zu werden; vgl.
             4.0614 Prädikation – Akzent: Verbindung der beiden Bedeutungen

Der Dativ betone den Zweck. Das folgende Beispiel ist mehrfach prekär. Es steht im Passiv - Aktantenbestimmungen sollten aber immer in der aktiven Form vollzogen werden, damit sie vergleichbar sind. Zweitens liegt eine erstarrte Metapher vor. Die Satzgliedbestimmung muss sich auf die unmittelbare wörtliche Bedeutungskonstruktion beziehen, nicht auf die elegante, aber freie Übersetzung. Bleibt man bei der Wörtlichkeit, verflüchtigt sich der Zweck.

Cura iuvenum Socrati  
           - Die "Sorge" ist näher beschrieben durch zwei
             Nomina, die bei der Aktantenbestimmung keine
             Rolle spielen (sondern bei den Näherbeschrei-
             bungen, vgl.4.032 Näherbeschreibung – Deskription / Explikation)
   laudi datur       
           - ins Aktiv umgesetzt: "Ein X gibt die Sorge
             [] dem Lob" - der Dativ - so könnte man
             pragmatisch analysieren - ist eine 
             Personifizierung zugleich eine Abstraktion.
             Sodass als pragmatische Deutung herauskommt:
             'Jemand wird die Sorge des Sokrates um die Jugend in
             Lobpreisung würdigen'. Aber auch da sucht
             man den Zweck vergeblich.

Der Dativ als Dativus auctoris bezeichne die (intensive) Beteilung der handelnden Person.

Hominibus facinora sunt vitanda 
           - Die Prädikation läuft zwischen
             facinora sunt vitanda: 
             Was als 1.Aktant genannt ist, sind "zu
             Vermeidende". Damit ist die statische Prä-
             dikation ausreichend mit Aktanten "gesät-
             tigt". Werden die eigentlich überflüssigen
             Hominibus eigens genannt, werden sie
             auf diese Weise hervorgehoben. Was die
             Prädikation für sich aussagt, gilt spe-
             ziell/zugunsten von:              
             4.034 Näherbeschreibung – Benefiziat / Malefiziat. 

Im Prinzip gleich ist der Dativus ethicus zu behandeln, der eine gefühlsmäßige Beteiligung an einem Geschehen aussage.

Quid mihi iste agit? 
           - Jener (Kerl) macht irgendwas (2.Aktant).
             Mehr an Informationen
             braucht es nicht zum Verständnis der Prädi-
             kation. Das zusätzliche mir benennt einen
             Nutznießer oder Geschädigten der an sich
             autarken Aktion.

Fazit: Am Beispiel des Dativs überzeugte es in keiner Weise, dass dieser Kasus (Ausdrucksseite) auf semantischer Seite eine einigermaßen einheitliche Funktion haben solle. Folglich sollte man sich diese Suche ersparen und offen sein für die vielfältigen Einzelfälle und fragen, was jeweils ein Dativ semantisch aussagt. Die semantische Funktionsbestimmung ergibt sich nicht dadurch, dass man eng nur auf diese eine Wortform schaut, sondern daraus, dass man alle weiteren Glieder des Satzes versteht und hinzunimmt: dann wird plausibel, welche weitere Funktion im Rahmen der Gesamtaussage noch erwartet werden kann. Eine Kasusendung kann allenfalls ausgrenzen: Im Fall des ablesbaren Dativ wird z.B. die Funktion des 1. Aktanten damit nicht verbunden sein. Aber schon beim 2.Aktanten - wie gesehen - liegen die Fälle schon nicht mehr so klar.

4. Einzelsprache: Englisch

4.1 'to inform'

Bezogen auf "Englische Grammatik" von Kirschning S.108:

Vance informed me           about his plans 
               dir.Objekt     präpos.Objekt

Als Grundbedeutung ist offenbar an einen Mitteilungsakt gedacht: der 1.AKTANT Vance teilt dem 3.AKTANTEN/Adressaten me den 2.AKTANTEN about ... mit. Auf Ausdrucksseite wird damit ein Schema durchbrochen, wonach sehr häufig mit "Akkusativ" (me) eben nicht der 3., sondern der 2.Aktant realisiert wird. Und dass für den 2.AKTANT eine aufwändige Präpositionsverbindung verwendet wird, klingt umständlich. Normalerweise geht es einfacher: entweder ganz unmarkiert, oder durch Akkusativ (sofern überhaupt morphologisch realisierbar).

Warum diese Umständlichkeit? - Man kann vermuten, dass eine erstarrte Metapher die Ursache darstellt:

to inform = 'In-Form-bringen' bildet die Grundlage.
Mitteilungsakte so ausgedrückt, sind durchaus akzeptabel
umschrieben. Es wirkt die Vorstellung, einer (Sprecher)
versuche das mentale Konzept des anderen (Empfänger) zu
verändern, in eine neue Form zu bringen. Die Vorstellung
geht also von einem direkten Zugriff des einen auf
den andern aus. Das macht plausibel, dass der, der
eigentlich nur Adressat ist, ursprünglich mit Akku-
sativ, mithin als direktes Objekt eingebracht wird.
Will man in diese Ausgangsstruktur noch nachträglich
einen geistigen Gehalt unterbringen (das, was dabei
übermittelt wurde), so bleibt fast nur noch die Möglich-
keit, ihn per Präpositionsverbindung an das ursprüngliche 
Bild anzukleben. - Die erste Nuance wird dadurch nicht
vollkommen ausgelöscht.

4.2 'präpositionales Objekt'

Die "Englische Grammatik" von Kirschning S.108f bietet unter dem genannten Stichwort eine Reihe von Verben, die als solche einheitlich ist: Alle Verben sind von einer Präpositionsverbindung gefolgt. Das ist somit ein Gesichtspunkt, der in der Alternativ-Grammatik nicht zur Semantik gehört, sondern zur Ausdrucks-SYNTAX. Aber zugleich soll es um das Objekt gehen, was dann doch wieder ein Thema der Semantik ist. - Kleiner Beitrag, um die strukturelle Konfusion von Standardgrammatiken zu illustrieren.

Die ausdruckssyntaktisch einheitliche Liste, ist semantisch betrachtet uneinheitlich. Nur von "Objekt" zu reden, nicht aber näher zu klären, um was es sich dabei jeweils handelt, macht aus dem semantisch wichtigen Terminus eine belanglose Papierkorbkategorie (und diese Schludrigkeit soll beim Spracherwerb helfen?). - Wir versuchen nachträglich, die semantische Zuordnung zu verbessern:

Das sog. "präpositionale Objekt" steht 
im Fall von             für 2.AKTANTEN                       
                                      für 3.AKTANTEN
to agree on (to)            x                             sich einigen, zustimmen   
to explain to                             x               erklären
to listen to                x                             zuhören - to kann 
                                                          irgendwelche Hör-Inhalte 
                                                          bezeichnen, aber auch 
                                                          andere Kommunikations-
                                                          partner (= anhören)
to look at, / 
to have a look at           x                             sich ansehen
to look for                 x                             suchen nach
to rely on                  x                             sich verlassen auf
to say to sb                              x               jmd. sagen
to send for sb              x                             jmd. holen lassen
to speak about (of)         x                             sprechen über (von)
to talk about               x                             sich unterhalten über
to think of                 x                             denken an
to ask                    for sth         sb              jmdn. um etwas bitten
to inform                 about (of) sth  sb              jmdn. von etwas unterrichten
to congratulate           on sth          sb              jmdn. zu etw. gratulieren
                                                          /beglückwünschen
to convince               of sth          sb              jmdn von etw. überzeugen 
                                                          (ähnliche Argumentation wie 
                                                          bei to inform, s.o.
                                                          Ziff. 4.1)
to remind                 of sth          sb              jmdn. an etw. erinnern
to prefer                 sth (sb)        to              etw.(jmdn.) vorziehen, 
                                                          bevorzugen
to consult                on sth          sb              jmdn. nach etw. fragen 
                                                          (befragen)
to take                2.Aktant(A) + 2.Aktant(E)          jmd. halten für / 
                                                          gesplitteter 2.Aktant


5. Einzelsprache: Russisch

5.1 Standarderklärung

Laut Power-Sprachkurs RUSSISCH (Pons) S.146 drückt der Dativ "den Adressaten einer Handlung aus". Übergehen wir die Probleme der Ausdrucksseite (s.d.). Eine, aber nicht die einzige semantische Funktion durch die deklinierte Wortform ist das, was im Zitat ausgesagt wird. Dann könnte man in der Erläuterung doch schon etwas genauer werden. Immerhin reden wir vom "Dativ", und das kommt von "dare = geben". Also ist nicht blass von "Handlung" zu sprechen, sondern spezifischer von "Übermittlungshandlungen": Etwas wird von einer zur anderen Person weitergegeben. Und die Zielfigur = Adressat wird morphologisch in besonderer Form kenntlich gemacht. Я даю другу книгу = "Ich gebe dem Freund das Buch". Das ist der ADRESSAT in Reinkultur. Es fehlt allerdings noch die Gegenfigur: Dass einer Person etwas weggenommen, geklaut wird. Der DEFIZIENT wird in Grammatiken standardmäßig übergangen (vielleicht weil Geben seliger ist als Nehmen...). [kann hier nachgetragen werden]
[Man sollte auch beachten, dass das Kasus-Muster Dativ noch ganz andere semantische Funktionen wiedergibt, z.B. den BENEFIZIATEN, vgl.4.0611 Subjekt / 1.Aktant; oder die zweite Bedeutung bei der ZUORDNUNG, vgl.4.0613 Prädikat, oder mit Präposition eine Richtungsangabe, vgl. 4.0712 Statisch lokalisiert / dynamisch sich entwickelnd. Wie angedeutet: diese anderen semantischen Funktionen haben bei uns jeweils eigene 'Schubladen' im Rahmen der Semantik. Es sollte nicht alles unter dem dann nichtssagenden Oberbegriff "Dativ" vermischt und nivelliert werden.