4.0624 transitiv – intransitiv / ungenügende trad. Begriffe

Aus Alternativ-Grammatik
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Was ist nun aber mit Bedeutungen wie <<SCHENKEN>>, also solchen, die auch einen 3. Aktanten benötigen? Dafür gab es keinen eigenen Begriff. In den letzten Jahren hat man das Defizit zu beheben versucht: solche Verbbedeutungen seien bi-transitiv. »bi-« steht für »doppelt«. Also sind solche Bedeutungen doppelt »(hin-)über-gehend«. Vom 1. Aktant zum 2. Aktant, von dort zum 3. Aktant. So könnten wir den neuen Begriff interpretieren.

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1. Einzelsprache: Deutsch

1.1 Definition

Transitiv-Verben:

Transitive Verben sind Verben, bei denen ein Akkusativobjekt stehen kann oder muss:

Ich esse einen Apfel. Der Chef beurlaubte seinen Mitarbeiter. Der Kleine liebt den Großvater sehr. Er schenkte dem Kind ein Bonbon. Sie verteidigten die Burg gegen die Angreifer.

„Echte“ transitive Verben können ins Vorgangspassiv (werden-Passiv) gesetzt werden, wobei das Akkusativobjekt zum Subjekt wird.

Beispiel: Ich esse einen Apfel --> Ein Apfel wird von mir gegessen. [1]

Intransitiv-Verben:

Intransitive Verben sind Verben, bei denen kein Akkusativobjekt stehen kann. Es kommt nicht darauf an, ob sie ohne Ergänzung ... oder ob sie mit einem anderen Objekt stehen. Zum Beispiel:

  1. Sie schlafen. (absolutes Verb)
  2. Sie half dem Kind. (mit Dativobjekt)
  3. Ich bedarf deiner Hilfe. (mit Genitivobjekt)
  4. Wir warten auf den Bus. (mit Präpositionalobjekt)
  5. Die Sitzung dauert lange. (mit adverbialer Ergänzung) [2]

Kritische Anmerkungen (HS):

  1. Jede/r kann prüfen, welchen Erkenntnisgewinn er/sie durch den jeweils angehängten Terminus "-objekt" hat. Er scheint hier ziemlich nichtssagend zu sein.
  2. 'absolutes Verb' - ? Hieße der Satz: "Sie schlafen bei Nacht" - dann läge ein Verb mit Präpositionalobjekt vor? Geht es terminologisch nicht weniger aufgedonnert, stattdessen besser definiert?
  3. "Sie half dem Kind" - Zwischen "Sie" und "Kind" läuft die Aktion - offenbar so, dass das "Kind" unmittelbar einbezogen ist. Also ist es 2.Aktant. Analog bei "Ich bedarf deiner Hilfe". = semantisch einfache Struktur. Dass auf Ausdrucksseite ein Dativ oder ein Genitiv im Spiel ist - geschenkt!
Was ist mit der Bedeutung <<Schenken>> ?:

Die Bedeutung <<Schenken>> wäre weder zu den transitiven noch zu den intransitiven Verben zu zählen. Um dieses Defizit zu umgehen führt die Alternativ-Grammatik den Begriff 3.Aktanten ein. <<Schenken>> verlangt einen 3. Aktanten und somit zwangsläufig zuvor einen 2. Aktanten.

Beispiel:

"Ich schenke meinem Bruder ein Hemd"

1. Aktant: Ich
3. Aktant: meinem Bruder
2. Aktant: ein Hemd
Übung:

Wieviele Aktanten haben wir in den folgenden Sätzen? Wer (oder was) sind die Aktanten

  1. Ich danke dir
  2. Die Polizei überführt ihn des Mordes.


2. Einzelsprache: Englisch

2.1 Standard-Definitionen

Die "Englische Grammatik" von Kirschning S.107: direktes Objekt = "Wen"-Fall, indirektes Objekt = "Wem"-Fall. Das ist allenfalls Grundschulniveau, ein Minimalismus semantischer Art, der an Denkblockade grenzt. Die dumpfe Orientierung führt dann auch gleich zu einer falschen Analyse:

We had a snack there  - der Snack sei direktes Objekt. 
Fragt man nicht zurecht: "Wen/Was?" - Das <<HABEN>> wird
hier verwendet wie die Bedeutung <<BESITZEN>>. So betrachtet ist
to have - anders als sonst häufig - kein Hilfsverb.
Das - mindestens - sollte vonseiten der Grammatik
herausgestellt werden.
Dann erst ist man legitimiert, die Frage nach einem
"2.Aktanten" in Erwägung zu ziehen Vgl. 4.0614 Prädikation – Akzent: Verbindung der beiden Bedeutungen
Das ist ein Beleg,
dass die dumpfe Anwendung der "Wen/Was-Frage" in die Irre 
führen kann, wenn man semantische Reflexionen ausblendet.
Theoretisch wie didaktisch sollte man transparent machen:
nur der Blick auf to have, also auf die Ausdrucksseite,
ist unter Niveau. Es hat jetzt die neue Ebene, die der
SEMANTIK, zu interessieren: von welcher Bedeutung
gehen wir aktuell aus? - Dann erst lässt sich die Frage
nach den AKTANTEN beantworten.