4.0625 Satztypen – Zusammenfassung

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Endlich einmal mit einem neuen Grammatikmodul kein neuer Stoff, sondern rückblickend eine Zusammenfassung auf die Ziff. 4.06, also die Beschäftigung mit dem Thema »Satz«. Es soll knapp in Erinnerung gerufen werden, welche Typen von »Satz« vorkommen können. (Anmerkung: Die Fassung, die der PDF-Text lange hatte, wurde 5/2013 deutlich revidiert=präzisiert.)


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Die folgenden Beispiele beziehen sich - vgl. den Link soeben - auf den VOLLSTÄNDIGEN Text. Dort werden die 8 Satztypen erläutert. Besser gesagt: Es handelt sich um Typen von Prädikation, Formen von Bedeutungstypen. Wer sie lernt und sich einprägt, kann - gleichgültig in welcher Einzelsprache - mit sehr vielen (allen?) Sätzen umgehen, sie analysieren. Jede/r kann neue Beispiele, gern auch in weiteren Sprachen hinzufügen.

0. Nachträge zur Theorie

0.1 Didaktik

Von Ferne mag die Zusammenfassung an Formeln erinnern. Im Schwierigkeitsgrad sind sie jedoch weit von höherer Mathematik entfernt. Gewiss wollen die Satztypen regelrecht trainiert sein. Wer sich in diesem Terrain bewegen kann, hat aber sprachlogisch schon viel verstanden - (a) - zur PRÄDIKATION, als Satzkern (3 Elemente!), und wird - (b) - sich einprägen, dass die weiteren Gesichtspunkte (Konjugation, Ort/Zeit, Modalitäten, Sprechakt) in andere, eigene 'Schubladen' gehören. Die oft anzutreffende gedankliche Mixtur, das ungeordnete Verknüpfen von allem mit allem hat aufgehört. Ebenso die verdummenden Gleichsetzungen: Prädikat = konjugiertes Verb usw. Und - (c) - man gewöhnt sich an, eben nicht stupide auf das Verb zu schauen, sondern - nicht nur bei Nominalsätzen, gilt auch bei "ist"-Sätzen - auch auf die Determinationen der beteiligten Substantive.

Bei all dem gewinnt man semantisch-inhaltlich schon mal eine breite Palette von Interpretationsmöglichkeiten, die wesentlich differenzierter sind, als die platte Rede von "Prädikat".

1. Übersicht zu den Satztypen

Satztyp 1: Setzung eines 1.Aktanten, Existenzsätze

Beispiele:

Deutsch: "Gott existiert!"

Englisch: "God exists!"

Französisch: "Il y a un dieu!"

Türkisch: "Allah birdir!"

Wolof: "Yalla amna"

Schwäbisch: "Den Karle gibts fei!" (NB. Die Emphase in dem Beispiel - durch fei eigens ausgedrückt - passt zum Satztyp Existenzaussage: Sie deutet immer/meist auf einen emphatisch aufgeladenen Kampf um das Thema. Ohne Streit bräuchte man keinen derartigen Satztyp.)

Lateinisch: "[Cogito] ergo sum" - Dagegen heißt es auf einer Spruchkarte: "Ich denke, also bin ich hier falsch". Die zwei selbstständigen Bedeutungen <<ICH>> und <<FALSCH>> bilden in der 2. Äusserungseinheit eine normale Prädikation - Satztyp 2 -, zusätzlich mit einer Ortsangabe <<HIER>> ausgestattet. Die Persiflage ist also keine Existenzaussage mehr.


Satztyp 2: 1.Aktant + Prädikatbedeutung

Satztyp 2.1: statisch - vom 1.Aktanten wird eine Eigenschaft ausgesagt

Beispiele:

Deutsch: "Der Himmel ist blau." = Verbalsatz mit 'Hilfsverb' <<SEIN>>

Unter [1] wird - mit Text und Ton - ein Gedicht interpretiert, in dem die Zeile vorkommt: "Menschen uns geneigt und hold" - diese seien - laut vorhergehender Zeile - nämlich "seltner dann als Gold". Es liegt ein Nominalsatz vor, den "Menschen" wird ein Attribut ("geneigt"), das auch noch erweitert wird, zugeschrieben. - Für die aktuelle semantische Frage - "Welcher Typ von Prädikation liegt vor?" - ist es völlig unerheblich, ob ein Verbal- oder ein Nominalsatz gegeben ist.

Englisch: "The sky is blue."

Französisch: "Le ciel est bleu."

Türkisch: "Gökyüzü marvidir."

Wolof: "Assamanbi dafa ñul."

Farsi: "Asseman abi hast."

Schwäbisch: "Dr Himmel ischt blau."

Satztyp 2.2: statisch - vom 1.Aktanten wird eine allgemeine Beziehung zu ... ausgesagt

Deutsch: "Der Pudding ist wie Gummi."

Satztyp 2.3: statisch-Beziehung - vom 1.Aktanten wird ausgesagt, dass er Teil von etwas Größerem ist (Spezifikation)

Beispiele:

Deutsch: "Der Stecker ist vom Toaster."

Satztyp 2.4: statisch-Beziehung - vom 1.Aktanten wird eine Identität ausgesagt

Beispiele:

Deutsch: "Willem Zwo ist der Kaiser"

Satztyp 2.5: statisch-Beziehung - vom 1.Aktanten wird eine Klassifikation ausgesagt

Beispiele:

Deutsch: aus H. Fallada, Jeder stirbt für sich allein. Berlin 2012. 5. Auflage. S. 292

Nein, in keiner Hinsicht
ein großes Kirchenlicht,    Prädikatbedeutung
dieser Enno, ...            nachgeschobener 1.Aktant

Schöner Nominalsatz. Die Beziehung zwischen 1.Aktant und P-Bedeutung, also das eigentliche Prädikat = Klassifikation, wird nur durch die Ungleichheit in der Determination ausgedrückt: 1.Aktant=definit; P-Bedeutung=indefinit. Der Enno ist ein Element aus der unbestimmt großen Zahl von Kirchenlichtern.

Satztyp 2.6: statisch-Beziehung - vom 1.Aktanten wird eine Zugehörigkeit/Zuordnung ausgesagt

Beispiele:

Deutsch: "Das Auto gehört mir."

Satztyp 2.7: statisch-Beziehung - vom 1.Aktanten wird ein Ort ausgesagt

Beispiele:

Deutsch: "Das Frühlingsfest ist auf dem Cannstatter Wasen."

Satztyp 2.8: statisch-Beziehung - vom 1.Aktanten wird eine Zeit ausgesagt

Beispiele:

Deutsch: Die Fußball-WM war im vergangenen Jahr."

Satztyp 3.1: dynamisch-Prozess vom 1.Aktanten wird ein Geschehen ausgesagt

Beispiele:

Deutsch: "Die Pflanze gedeiht." "Der Wasserhahn rinnt". -

Satztyp 3.2: dynamisch-Handlung vom 1.Aktanten wird eine willensbestimmte Veränderung ausgesagt

Beispiele:

Deutsch: "Er geht (ins Stadion)."

Satztyp 4.1: dynamisch-Prozess: gesplitteter 1.Aktant

Beispiele:

Deutsch: "Der Junge wird zum Mann."

Englisch: "The boy becomes a man."

Französisch: "Le garcon est devenu homme."

Türkisch: "Cocuk adam oldu."

Wolof: "Xalebu goor magana."

Schwäbisch: "Dr Jung wuud zom Ma."

Satztyp 4.2: dynamisch-Handlung: gesplitteter 1.Aktant

Beispiele:

Deutsch: "Er macht sich zum Klassenkasper."

Satztyp 5: dynamisch-Handlung - mit 2.Aktanten

Beispiele:

Deutsch: "Paul liest ein Buch."

Englisch: "Paul is reading a book."

Französisch: "Paul lit un livre."

Türkisch: "Paul kitap okuyor."

Wolof: "Paul mungi Dianga."

Farsi: "Paul yek Ketab michane."

Schwäbisch: "Dr Paul liest a Heftle."

Satztyp 6: dynamisch-Handlung - gesplitteter 2.Aktant = "machen zu" - "OBJEKT" => "EFFEKT"

Beispiele:

Deutsch: "Der General befördert den Oberst zum Leutnant."

Englisch: "The general promotes the ensine to a lieutanant."

Französisch: "Le general nomme le sonst-lieutnant lieutnant."

Türkisch: "General Obersti lLeutnanta terfi etti."

Wolof: "Genenalbi fallna sons-lieutnantbi lieutnant."

Schwäbisch: "Dr General macht den Oberscht zom Leutnant."


Satztyp 7: dynamisch-Handlung - alle 3 Aktanten. Dabei 3.Aktant = Adressat/Empfänger

Beispiele:

Deutsch: "Das Haustier schenkte dem Kind Beachtung."

Englisch: "The pet pets the kid."

Französisch: "L'animal domestique pûte attention á l'enfant."

Türkisch: "Hayvan cocugu fark etti."

Wolof: "Bayimabi mungi bayi xel xalebi."


Satztyp 8: dynamisch-Handlung - 3.Aktant = Defizient (=der, der etwas verliert)

Beispiele:

Deutsch: "Sie nimmt ihm seine Unschuld."

Englisch: "She takes his virginity."

Französisch: "Elle lui endosse sa faute."

Türkisch: "Kiz kizoglan oglani adam etti."

Wolof: "Dieulna Todj Todjon keule."

Schwäbisch: "Sie reißt ihm d'Larve ronter."

Satztyp 9: dynamisch-Handlung, alle 3 Aktanten, der 2.Aktant gesplittet

Beispiele:

Deutsch: "Ich stelle dich dem Präsidenten als meinen Privatsekretär vor."

Satztyp 10: ergänzend zur PRÄDIKATION (=Prädikat + Aktanten) die Angabe, zu wessen Un-/Gunsten etwas gesehen werden muss

Beispiele:

Deutsch: "Das Ergebnis ist sehr vorteilhaft für mich." "Er verzerrte den Sachverhalt zu seinen Ungunsten."

Beispiele:

Deutsch: "Ich koche den Hummer als Delikatesse für die Gäste."

Englisch: "I cook the languste as a delicatesse for the guests."

Französisch: "Je cuisine la langouste comme delicatesse pour les guestes."

Wolof: "Mangi Togge langouste bou nekh ngir client yi"

Schwäbisch: [Im Schwäbischen kocht man keine Hummer]

Bloßes <<KOCHEN>> würde als Herstellungshandlung zu Satzyp 5 gehören. Hier wird zusätzlich der Aspekt <<DIENSTLEISTUNG>> unterstellt: die Herstellung hat einen Adressaten.

2. Weitere Beispiele

2.1 Josefsgeschichte

Vgl. Ziff. 1 zur Stelle in [2] oder in noch strenger am Hebräischen orientierter Übersetzung: [3] - jeweils bis zu Kapitel 40 weiterblättern! Der Anfang von Gen 40 gibt ein gutes Übungsfeld ab, da recht unterschiedliche Satztypen nah beieinander stehen. Die Übersetzung hält sich eng an die hebräische Sprachstruktur - kann jedoch auch so verstehbar im Deutschen nachgebildet werden. - Beispiel:

40,9b   Und er sprach zu ihm                               HANDLUNG, Verbalsatz
40,9a   - und da! -                                        nicht-satzhaft, Interjektion
40,9c   "In meinem Traum,                                  nicht-satzhaft, Setzung eines
                                                           neuen Themas
40,9e   Ein Weinstock - vor mir!                           lokaler Nominalsatz: statisch
40,10a  Und an dem Weinstock - drei Weinranken!            lokaler Nominalsatz: statisch
40,10b  Und er war wie ein Blühender.                      Verbalsatz: statisch, Vergleich  
40,10c  Herauskam eine Blüte,                              "Blüte" nicht handlungsfähig,
                                                           daher: PROZESS,  Verbalsatz
40,10d  seine Trauben reiften zu Beeren.                   PROZESS, Verbalsatz
40,11a  Und der Becher des PHARAO - in meiner Hand!        lokalisierender Nominalsatz
40,11b  Und ich nahm die Beeren,                           HANDLUNG, Verbalsatz
40,11c  und ich presste sie in den Becher des PHARAO,      HANDLUNG, Verbalsatz
40,11d  und ich gab den Becher in die Hand des PHARAO.     HANDLUNG, Verbalsatz