4.06 Äußerungseinheiten - Satz

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Bislang war von drei Bedeutungseinheiten die Rede: vom kleinsten Typ ((un-)selbstständige Einzel-Bedeutung), dann besprachen wir Bedeutungsgruppen (Stichwort Näherbeschreibung). Am anderen Ende der Skala steht als größte Bedeutungseinheit der Text. Die Frage, was zwischen Bedeutungsgruppe und Text liegt, wird standardmäßig falsch beantwortet, indem nämlich gesagt wird: Ein Text bestehe aus "Sätzen".


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0. Nachträge zur Theorie

0.1 Zusammenstellung von J. Germann

Differenziert in Definitionen und gut illustriert anhand praktischer Beispiele hier die "Satzgrammatik" - "klein", wie er sie nennt - von Jürgen Germann [1]. Das Papier hilft, die Denkweise der traditionellen Satzlehre besser zu verstehen. Es hat nicht den Anspruch, der Sichtweise der Alternativ-Grammatik zu entsprechen (wenn dort von "Syntax" die Rede ist, hat dies nichts mit unserer SYNTAX zu tun - und so noch viele weitere Differenzpunkte). - Fortführung in [2]

0.2 ...

0.3 Musik

... hat einen 'direkten Draht' zum seelisch-emotionalen Empfinden. Entsprechend reagiert man als Hörer spontan - begeistert, abgeschreckt, gelangweilt, gespannt, schwärmend usw.

Wer sich reproduzierend mit Musik beschäftigt, kann es bei derartigen emotionalen Reaktionen nicht belassen. Er/sie muss den Notentext analysieren, "lesen", verstehen, und dann korrekt/angemessen umsetzen - als Instrumentalist oder als Sänger. Für solch professionellen Umgang mit dem Notentext ist es selbstverständlich, dass das Gesamtwerk in Takte untergliedert ist, die durchgezählt sind.

Im Ständchen von Franz Schubert wiederholt eben
wie ein Echo der vierstimmige Chor, was Solist oder
Solistin zuvor gesungen hatte: "pochen wir an des Liebchens
Kammertür". Gemeint ist präzis Takt 14. Der Dirigent
kann beim Proben präzis auf die Stelle verweisen, sie
wiederholen lassen und Erläuterungen dazu geben.

Takte kann man durchaus mit Äußerungseinheiten vergleichen. In beiden gelten 'Regeln' (z.B. darin gesetzte Vorzeichen gelten nur für diesen Takt. Die vordefinierte Länge/Struktur - z.B. 3/4, oder 4 Viertel - ist einzuhalten; zwischendurch sind aber auch Umdefinitionen möglich).

Die musikalischen Einfälle sind eine Ebene, sie in eine überzeugende musikalisch-grammatische Struktur umzusetzen, eine andere. Wer sich seriös mit Musik beschäftigen will, muss den Blick und die Kompetenz auch für letztere besitzen.

0.4 Standardgrammatik

J. Germann hilft, die Brücke zur Standardgrammatik zu schlagen und die dort etablierten Begriffe und Denkweisen im Blick zu behalten. Vgl. schon [3] Vgl. [4] und [5] Als Anmerkungen sind notwendig:

  • Wenn die Standardgrammatik Texte in "Sätze" unterteilt, trifft das weitgehend auch unsere Sicht. Aber eben nicht ganz. z.B. wird mit der Figur des "stark verkürzten Satzes" operiert, dem gar das "Prädikat fehlen" kann. Nun gut - aus unserer Optik lässt sich das einfacher formulieren: es liegt ein Nicht-Satz vor, eine "aphrastische Äußerungseinheit". Es ist eine Aushöhlung des Begriffes "Satz", bei dem man immer auch an "Prädikation" denkt, wenn er grundsätzlich zum Einsatz kommt - auch wenn keine Prädikation vorliegen kann.
  • "GS - Gliedsätze" sind auch als "konjunktionale Nebensätze" geläufig. Die traditionellen Etiketten - "Kausal-Satz" u.ä. - engen ein. Was die Modalregister - vgl. [6] - zulassen, ist vielschichtiger, und ob ein Satz ein solches Register aktiviert, hängt nicht nur an der Konjunktion.
  • Die Übersichten zeigen auch, dass nicht nur Konjunktionalsätze mit Verweis auf Modalregister gemeint sind, sondern auch das weitere semantische Repertoire ins Spiel kommt, z.B. Orts-, Zeit-Sätze, Näherbeschreibungen u.a.

Zu Theoriefragen vor dem Hintergrund der Standardgrammatik vgl. [7]

0.5 Wissenschaftlicher Hintergrund unserer Position

Vgl. [8], darin Ziff. 7.2. - Die Frage, ob "Satz" oder "Äußerungseinheit", stellt sich in allen Sprachen. Die kurzatmige Antwort: "Satz" allerdings i.d.R. auch.

0.6 'Ewige Anbetung': Satz, Verb

Sorry, etwas Sarkasmus sei erlaubt - ausgelöst durch das Buch mit dem 'ranschmeißerischen' Titel:

H. Genzmer, Unsere Grammatik. Die Schönheit unserer
Sprache: nachschlagen und informieren. Wiesbaden 2014,
d.h. von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft
publiziert.

Es startet S.14 unter der Kapitelüberschrift "Der Satz" mit folgenden statements:

"Ein Satz ist die kleinste sprachliche Einheit, mittels 
der man Gedanken selbständig ausdrücken kann."
(Zitat von Bußmann) 

Nicht-satzhafte, aber sehr wohl verstehbare Äußerungen gibt es also nicht? Unfug! - War letzteres nun ein Satz oder ? - "Selbständig" - ist der "man", also die sprechende Person, selbständig? Oder ist der "Gedanke" "Selbständig"? Und was versteht man unter "Gedanke"? - Wir werden von "Prädikation" sprechen.

"Ist der Satz ein Skelett, ist das Verb die Wirbel-
säule".

Anders gesagt: ohne Verb geht schon mal gar nichts. Die Anbetung des Verbs aus früheren Grammatikzeiten wird also ergriffen weitergeführt! - "Alles Unfug!" - war das nun ein verstehbarer Gedanke? Wo, bitte, ist das Verb? (Komme niemand mit der drögen Empfehlung: "ist" ergänzen! - Der dumpf-billige Trick, sich eben doch noch einen Verbalsatz zu beschaffen.) In allen Sprachen gibt es nicht-satzhafte Äußerungen (Ausrufe, stockende Sprache, Themanennungen usw.) und vor allem Nominalsätze.

Gefühlig sich bei den potenziellen Käufern anbiedern, aber das eigene methodische Denken vergessen, stattdessen nur die alten Zöpfe verlängern - so stellen wir uns eine Grammatikrevision nicht vor.


1. Einzelsprache: Deutsch

1.1 Erläuterungen in gängigen Grammatiken

Wenn man nach einer Definition für Satz sucht, begegnet man vielen Varianten. Doch die Frage ist: "Werden diese Definitionen dem Satz gerecht?"

Schulduden:

Eine Schulduden-Definition des Satzes ist: „Der Satz ist eine geschlossene sprachliche Einheit, die sich aus kleineren Einheiten (Wörtern und Wortgruppen) zusammensetzt.“

Diese Definition scheitert schon an Sätzen, die nur aus einem Imperativ bestehen. "Halt!", wäre beispielsweise Satz, obwohl dieser nur mit einem Wort gebildet wird. Dies widerspricht offensichtlich der obigen Definition. Auch der Begriff der "sprachlichen Einheit" ist hierbei unklar.

Duden-Grammatik:

Variante I: „Ein Satz ist eine abgeschlossene Einheit, die nach den Regeln der Syntax gebildet worden ist.“

Wenn bedacht wird, dass Syntax, im Bezug auf die natürliche Sprache, die Satzbaulehre darstellt - beachten: bei uns wird der Begriff vollkommen anders verstanden, vgl. [9] -, so folgt aus obiger Definition ein Ringschluß. Ein Satz ist ein aus der Lehre des Satzbaus entstandener Satz. Was ist nun also ein Satz? Es kommt quasi dem gleich zu sagen, dass ein Auto erst ein Auto ist, wenn es nach allen Regeln der Mechanik zusammengebaut ist. Allerdings kann man so eine Definition auch auf eine Kaffeemaschine anwenden. Was ist mit Sätzen, die syntaktisch offensichtlich falsch sind, wie z.B.: "Essen gut ist."? Lyrik bringt mit obiger Definition auch keine Sätze hervor. "Du bist der Himmel!", ist somit auch kein Satz.

Variante II: „Ein Satz ist die größte Einheit, die man mit den Regeln der Syntax erzeugen kann.“

Auch hier haben wir durch die "größte syntaktische Einheit" keinen Bezug zur Bedeutung. Wieder eingebauter Zirkelschluss - sonderlich klüger wird man also nicht.

Version III (Verbalsatz): „Ein Satz ist eine Einheit, die aus einem finiten Verb und allen vom Verb verlangten Satzgliedern besteht.“

Die Wörter wir und die Wortgruppe zogen nach dem Süden sind im Normalfall für sich genommen noch kein Satz. Die Wortfolge Wir zogen nach dem Süden hingegen schon. Möglich ist aber auch elliptische Verwendungsweise (Beispiel: "zogen nach dem Süden. Um das Glück zu finden. Und fanden es doch nicht.")

Satz als Subjekt und Prädikat - Einheit

Der Satz wird auch definiert als sprachliche Einheit, die aus Subjekt und Prädikat besteht. Dies soll auf Aristoteles zurückgehen.

Der Satz besteht in diesem Sinne zumindest aus Satzaussage (Prädikat) und Satzgegenstand (Subjekt), wobei eine Satzergänzung in Form eines Objekts hinzugefügt werden kann, aber nicht muss.

Damit wird jedoch nicht der grammatische Satz im Allgemeinen, sondern nur der Aussagesatz in der Perspektive der traditionellen oder modernen Logik beschrieben. Satz im engeren Sinn ist für die Logik eine "sprachliche Form", deren Eigentümlichkeit es ist, wahr oder falsch zu sein. Werden in der modernen Philosophie und Logik auch Satz und Aussagesatz häufig in gleichem Sinne (synonym) verwendet, so werden durch eine solche definitorische Engführung Fragesätze, Befehlssätze und Wunschsätze etc. nicht erfasst.

Satz als kommunikative Einheit

Der Satz erscheint so nur pragmatisch kommunikativ definierbar. So definierte schon Bühler Sätze als "die einfachen selbständigen, in sich abgeschlossenen Leistungseinheiten oder kurz die Sinneinheiten der Rede.". Ähnlich kann Satz auch definiert werden als „jede selbständige, abgeschlossene sprachliche Äußerung, die in einem kommunikativen Handlungszusammenhang geäußert wird (und prinzipiell verstanden werden kann)" oder als kleinste kommunikative Verständigungseinheit, durch die ein Sprechakt vollzogen wird.

Obige Definitionen sind alle Auszüge aus Wikipedia[10]

Ein weiterer Ansatz ist KoMA

KoMA sind laut Gisela Zifonun Kommunikative Minimaläußerungen [11]

Dieser Ansatz ähnelt dem Ansatz, einen Text in Äußerungseinheiten aufzuteilen - wie wir es favorisieren. Diese Einheiten bestehen aus "Sätzen" und "Nicht-Sätzen". Der Hintergrund der Sätze wird durch Regeln zur Bildung der ÄE, welche im nächsten Abschnitt erläutert werden, und dem "Prädikat-Subjekt-Ansatz" gebildet. Alles Restliche ist auf der Ebene der ÄE ein Nicht-Satz. Ein Text kann also beides enthalten und ist durch einen Nicht-Satz in seiner Existenz in keiner Weise bedroht. Dieser Ansatz erlaubt eine differenziertere Betrachtungsweise von Texten als es in der Standard-/Schulgrammatik möglich/gewollt/vorgesehen war.


1.2 Gegen die Fixierung auf "Sätze"

"Was wird nicht alles an Sprechern und Schreibern moniert: ... Dass
keine ganzen Sätze mehr blablabla ... Blättern wir doch mal in
Goethes Tagebüchern. Er wusste, dass die Nachwelt sie lesen würde.
Und lieferte trotzdem enigmatische Privatschnipsel (eine 
beliebige Passage): ...    
Expeditionen wegen des Handischen Gesuchs.  
Lieber. Im Garten. Herr von Struve und Neveu. Bei den Prinzessinnen
gespeist. Kam ein Taschenspieler. Um 4 Uhr zuhause. Ermer wegen
Titelblatt zum Divan ... 
Sind das ganze Sätze?..."
(P. Ertle im Schwäbischen Tagblatt, 9.Juni 2010)

1.3 Der Autor wird seine Gründe haben ...

... wenn er seinen Text für LeserInnen zunächst unerwartet unterteilt. Diese Gründe zu erkennen, ist Aufgabe der Textbeschreibung. Hier aus: A. Holl, Falls ich Papst werden sollte. 2000. S. 151:

"Auf den ersten Blick ist das ein Liebeslied. In dunkler Nacht
verließ ich ungesehen.
Auf der geheimen Leiter. Das stille Haus.
   Kein Wort von Gott.
   Richtig. Lorca hat daran erinnert, daß ..."

Die Unterteilung bereitet keine Probleme - die Punkte lassen keinen Raum für Unsicherheit. Das Ergebnis sind Satz, unvollständiger Satz, mehrere Nicht-Sätze. - Alles möglich und in Ordnung. Kein Grund, daran herumzumäkeln.

1.4 Günter Grass

... kuriert Dogmatiker, die in Texten immer noch nichts anderes als "Sätze" finden wollen. - Auszüge aus: G.G., Danziger Trilogie. [Darin: Die Blechtrommel]. Darmstadt 1980.

(356) "Da fand ich ein mageres gußeisernes Kreuz mit
mürben Schörkeln und verkrusteten Buchstaben wie. Mathilde
Kunkel - oder Runkel. Da fand ich - soll ich oder soll ich
nicht - im Sand zwischen Disteln und Strandhafer - soll
ich - drei oder vier - tellergroße, bröckelnd rostige
Metallkränze, die vormals - soll ich - vielleicht Eichen-
laub oder Lorbeer dargestellt hatten - soll ich etwa
nicht - wog die in der Hand -  soll ich etwa doch -
zielte - soll ich - das überragende Kreuzende - oder nicht -
hatte einen Durchmesser von - soll ich - vielleicht vier
Zentimetern - nicht - einen Abstand von zwei Metern befahl
ich - zu  schief stand das Eisenkreuz - soll ich - Mathilde
Kunkel oder hieß sie Runkel - soll ich Runkel, soll ich
Kunkel - das war der sechste Wurf und sieben gestand ich
mir zu und sollte sechsmal nicht und warf sieben - sollte -
hing ihn über - sollte - bekränzte Mathilde - sollte -
Lorbeer für Fräulein Kunkel - soll ich? fragte ich die
junge Frau Runkel - ja, sagte Mathilde; sie starb sehr
früh, im Alter von siebenundzwanzig Jahren und achtund-
sechzig geboren. Ich aber stand im einundzwanzigsten
Lebensjahr, als mir der Wurf beim siebenten glückte, als
ich jenes - "Soll ich, soll ich nicht?" - in ein bewie-
senes, bekränztes, gezieltes, gewonnenes "Ich soll!"
vereinfachte."
(388f) "Und ich verließ mit dem Schmuck die Wohnung, sah
in dem Schmuck die Vorstufe zum, machte mich auf den 
Weg zum, fuhr zum Hauptbahnhof. Weil, dachte ich mir,
wenn das klappt, dann, verhandelte lange über und war
mir im klaren daß ... aber der Einarmige und der Sachse,
den die anderen Assessor nannten, waren sich nur über
den Sachwert im klaren, ahnten nicht, wie überreif sie
mich fürs Glück machten".
(389) "Glück gibt es vielleicht nur ersatzweise, Glück
immer Ersatz fürs Glück, das lagert sich ab: Marmor-
glück, Sandsteinglück, Elbsandstein, Mainsandstein,
Deinsandstein, Unsersandstein, Glück Kirchheimer, Glück
Grenzheimer. Hartes Glück: Blaubank. Wolkig, brüchiges
Glück: Alabaster. Widiastahl dringt gücklich in Diabas.
Dolomit: grünes Glück. Sanftes Glück: Tuff. Buntes
Glück von der Lahn. Poriges Glück: Basalt. Erkaltetes
Glück aus der Eifel."
(505f) "Ich bete an. Was? Glas. Was Glas? Weckglas. Was
weckt das Glas ein? Weckglas weckt Finger ein. Was
Finger? Ringfinger. Wessen Finger? Blond. Wer blond?
Mittelgroß. Mißt Mittelgroß einen Meter sechzig? Mittel-
groß mißt einen Meter dreiundsechzig. Was besonderes?
Leberfleck. Wo Fleck? Oberarm Innenseite. Links rechts?
Rechts. Ringfinger wo? Links. Verlobt? Ja, doch ledig.
Bekenntnis? Reformiert. Unberührt? Unberührt. Geboren
wann? Weiß nicht. Wann? Bei Hannover. Wann? Im Dezember.
Schütze oder Steinbock? Schütze. Und der Charakter?
Ängstlich. Gutwillig? Fleißig, auch schwatzhaft.
Besonnen? Sparsam, nüchtern, auch heiter. Schüchtern?
Naschhaft, aufrichtig und bigott. Blaß, träumt meistens
von Reisen, Menstruation unregelmäßig, träge, leidet
gerne und spricht darüber, selbst einfallslos, passiv,
läßt es drauf ankommen, hört gut zu, nicht zustimmend,
verschränkt die Arme, senkt beim Sprechen die Lider,
schlägt, wenn angesprochen, die Augen groß auf, hell-
grau mit braun nahe der Pupille, Ring vom Vorgesetzten
geschenkt bekommen, der veheiratet, wollte zuerst
nicht annehmen, nahm an, schreckliches Erlebnis,
faserig, Satan, viel weiß, verreiste, zog um, kam
wieder, konnte nicht ablassen, auch Eifersucht aber
unbegründet, Krankheit aber nicht selbst, 'Tod aber
nicht selbst, doch, nein, begleitet schon vorher
... Amen? Amen."

Aus: G.G. Die Rättin. Darmstadt 1986:

(68) "Jadochja! Hungernde, brennende, dann schwimmende,
gleich darauf abgeknallte Menschen. Und Menschen, die
andere Menschen, hungern, verbrennen, absaufen ließen
und zusahen, wie die wenigen Menschen, die an Land
kamen, von Menschen glattweg abgeknallt wurden. Immer
nur Menschen und was Menschen mit Menschen taten."

2. Einzelsprache: Latein

2.1 Standardfixierung auf "Sätze"

Die "Systemgrammatik Latein" von Fink/Maier (1997) kommt nach der "Lehre vom Wort", wo vornehmlich Verb und Nomen behandelt werden, zur "Syntax des Satzes und seiner Glieder" (93ff). D.h. nicht-satzhafte, aber an ihrem Ort im Text sinnvolle und verstehbare Äußerungen scheint es nicht zu geben. Sinnigerweise werden eine Seite zuvor (S.92) "Interjektionen" behandelt. Auch der "Vokativ" zähle hierzu (S.109), erfülle aber "keine syntaktische Funktion".

Ja, ein "Satz" liegt in solchen Fällen nicht vor. Aber man könnte explizit vorsehen, dass bei Texten nicht immer nur nach "Sätzen" geschaut wird, sondern feststellen, dass immer auch Nicht-Sätze als legitime Einheiten vorkommen. Die übliche und immer etwas blinde Fixierung auf Sätze muss nicht sein.

Das gilt auch für die Standardargumentation, eine Nominalgruppe sei satzwertig, was heiße, sie werde im Deutschen durch einen Nebensatz wiedergegeben.

Graeci diu erravisse dicuntur  - 
            Man sagt, dass die Griechen lange umhergeirrt seien 
            (Nominativ mit Infinitiv -  NcI). Faktisch liegt
            ein Nominativ im Passiv-Satz vor. Rückübertragen ins 
            Aktive: 'XY sagt [= 2. Aktant = Objekt]'

Im Deutschen kann dabei ein dass-Satz stehen. Ist das aber gefragt? Ist das Deutsche der grammatische Maßstab? - Kaum. Nach dem Deutschen müsste man die Nominalgruppe als satzwertig, als eigene Äußerungseinheit, abtrennen. Nach dem Lateinischen nicht, denn die Nominalkonstruktion ist schlüssig in den einen Satz als 2.Aktant/Objekt (nach der aktiven Version) integriert. Der NcI/passiv ist ein AcI/aktiv. Nach dem Lateinischen ist zu respektieren, dass erravisse eben nicht als konjugiertes Verb, sondern als Infinitiv gebraucht wird. Kein Grund zu einer Abtrennung.

3. Einzelsprache: Hebräisch / Deutsch

3.1 Wutrede des Profeten Jeremia

Die Rede ist zwar inhaltlich aufgewühlt und insofern bemerkenswert. Hier geht es aber darum, dass ein fremdsprachiger Text - der noch diverse weitere Recherchen verlangen kann - möglichst exakt in die eigene Sprache übersetzt werden kann. Auch dann, wenn die Übersetzung hart, eckig und unelegant klingt. Zweck der Arbeitsübersetzung ist es, die fremdsprachige Vorlage genau wiederzugeben. Folglich kann in beiden Strängen die gleiche Unterteilung in Äusserungseinheiten praktiziert werden. Vgl. [12] und [13]