4.1122 "story" - Handlung des Textes nah am Wortsinn

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Man kann unter story eine - ziemlich lieblose - Raffung und Zusammenfassung der Wortbedeutung des Textes verstehen, also das "WAS", den groben Handlungsablauf, das, 'worum es in dem Text geht'. Den inhaltlichen Ablauf des Textes erkennt man aus dieser Zusammenfassung, aber alle (künstlerischen) Gestaltungsmerkmale sind zerstört.


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0. Nachträge zur Theorie

0.1 story statt selber Lesen

Nicht nur in Schulklassen kommt es vor: jemand konnte/wollte einem Leseauftrag nicht nachkommen. Aber den Eindruck erwecken, man sei informiert, möchte man durchaus. Ausweg: Zum betreffenden Werk wird eine Zusammenfassung beschafft (wikipedia o.ä.) - und schon kann man mitreden.

Zu wissen, worum es in jenem Werk geht, schadet nichts. Aber hoffentlich findet die Lehrperson Wege deutlich zu machen, dass die Kenntnis einer Inhaltsangabe nichts mit dem Lesen des poetischen Werks zu tun hat. Über jedweden Inhalt einen Kurztext schreiben - sorry -, das kann jeder Depp. Mit anderen Worten: der künstlerisch-kreative Beitrag des Poeten ist mit der Kenntnis der Inhaltsangabe noch nicht erfasst. Damit blieb auch das eigene Erleben während des Lesens noch abgekoppelt, unberührt. Auch die Weiterentwicklung des eigenen Sprachvermögens - denn die poetische Ausdrucksweise war ja gemieden worden. Kontrastkonzept: [1] - mit Unterpunkten!

Nur die story eines poetischen Werkes zu kennen, ist weitgehend nutzlos, ist Wissensballast, der allenfalls hilft, in abgehobenen literarischen Debatten mitreden zu können. Existenzielle Berührung ist damit ausgeschlossen.

0.2 interpretierende Inhaltsangabe als Alternative

Es ist aus der Schulpraxis sicher auch diese Blickrichtung und Methode bekannt. Aber es gibt auch die umgekehrte Blickrichtung und Vorgehensweise. Es geht um die von mir so genannte „interpretierende Inhaltsangabe“. Sie beruht gerade darauf, dass auf der Grundlage des gelesenen Textes (meist (kurze oder längere) Erzählung, Novelle, Roman oder Drama) dargestellt wird, wie die Handlung im interpretierten Zusammenhang der diversen Umstände der konkreten Situation und Verhältnisse, der mitwirkenden Ereignisse und der individuellen Handlung, Beweggründe, Intentionen und Entscheidungen von beteiligten Personen begründend dargestellt wird. Dabei wird die sog. „Handlung“ ganz angemessen auf die Elemente reduziert, die für den Zusammenhang und das Zusammenwirken, Wechselwirkungen und Rückwirkungen wichtig werden, Fortschritt und Hemmung, Scheitern und Erfolge ausmachen. Anhand solcher interpretierenden Inhaltsangaben kann sowohl ermittelt werden, ob und inwiefern die (Sinn-) Zusammenhänge von den Lesern erkannt und sprachlich zutreffend dargestellt werden, es lassen sich darin auch Grundlagen für eine kritische Erörterung der Interpretation(en) finden. Zugleich bieten sie Klarheit über den Text als Ganzes. Wobei hier genau zu unterscheiden ist zwischen den „Ebenen“, um die es geht.

Begrifflich sollte genau zwischen dem gleichsam nur verkürzenden Teil einer (literarischen) Text-„Wiedergabe“:

THEMA (des Textes) und Plot als Erzähl-/Handlungskern und „Story“ als kurze Zusammenfassung des Geschehens und des Personals

plus dem interpretierenden Teil unterschieden werden:

INTERPRETIERENDE INHALTSANGABE – als Auswahl aus dem „Gang der Handlung“ (aber nicht isoliert darzustellen!) – verbunden mit den äußeren Bedingungen, sonstigen Umständen, den Motiven, Intentionen und Entscheidungen der Handelnden – die in ihrem Zusammenhang erläuternd, begründend und erklärend darzustellen sind.

Der Umfang solch einer Darstellung kann ein bis vier, zuweilen aber auch bis zu 6 und mehr Seiten betragen. Und es bedarf häufiger, wiederholter Übung, diese Darstellungsform für Autoren und Leser/Hörer fruchtbar werden zu lassen.

--J.Germann (Diskussion) 21:17, 30. Mär. 2015 (MET)