4.1124 "Gesetz" und "Satzung"

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Die Grundlegung der Bedeutungsbeschreibung in der SEMANTIK gilt weiter. Nun aber werden die textlichen Objekte, die beschrieben werden sollen, umfangreicher. Es ist gut, in Wörtern wie "Gesetz" und "Satzung" mitzuhören, dass sie ja auch mit "Satz" etwas zu tun haben. Das lässt sich weiter entfalten. Die Denkweise, die in der SEMANTIK eingebracht worden war, kann fortgeführt werden.

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0. Nachträge zur Theorie

0.1 "Setzen"

Wer einen Schößling setzt, kann sich in einigen Jahren über einen prächtigen Baum freuen. Wer einen Grenzpfosten setzt, markiert - hoffentlich in Übereinstimmung mit dem Nachbarn - sein Terrain: diese Grenze gilt. muss respektiert werden. Wehe, wenn einer bei Nacht und Nebel die Grenzziehung versetzt, der beschwört einen großen Konflikt herauf. Es geht eben nicht nur um die Positionierung irgendwelcher Pfosten. Sondern zugleich sind damit Abgrenzungen und Eigentumsrechte verschiedener Bürger betroffen.

Folglich verändern derartige "Setzungen" nicht nur die Außenwelt, sondern sie stellen Rechtsansprüche dar. Gesetzt wird somit etwas, das zwischen Menschen zu gelten hat. Kann man dies durch Pfosten und Zäune sichtbar machen, hat man es recht leicht. Bei "Gesetzen" im politischen Bereich oder bei "Satzungen" im Vereinsrecht u.ä. fehlen solche Verdeutlichungen, Symbolisierungen. Man will dort aber genauso sicherstellen, dass das Gesetzte, d.h. die Meinung der Mehrheit im Parlament, gilt. Man muss dann eben andere "Pfosten und Zäune" bemühen. u.U. namentliche Abstimmungen, feierliche Unterzeichnungen (durch Bundespräsident), Verkündigungen im "Gesetzesblatt", Strafbewehrungen (Polizei, Justiz) u.ä. sollen unterstreichen, wie ernsthaft und unveränderlich die geäußerten Inhalte stehen, gelten, zu beachten sind - damit es auch jede/r draußen im Land merkt. Es handelt sich um eine "Setzung" auf geistig-sozialer-kommunikativer Ebene.

Als Vorgriff: bei "Gesetz", "Satzung" handelt es sich um Abstrakta [1] - und auf dieser pragmatischen Ebene ist natürlich eine Wertung eingeschlossen: "gut", "wichtig" und "richtig", also erneut angewendet: [2]

0.2 "Gesetzesübertretung"

Die bildhaften Vorstellungen, die in 0.1 genannt worden waren, sind nun natürlich vorausgesetzt, vgl. auch [3] Darauf basiert nun die Komponente des "Übertretens": es liegt übertragener Sprachgebrauch vor, vgl. [4] Gemeint, eingeschlossen ist ebenfalls eine Wertung, nur eben die gegenteilige: "schlecht", "schuldhaft", vgl. [5] Es gibt noch weitere Raumbilder mit gleicher Bedeutung: "Abweichen vom rechten Weg" u.ä. Immer ist ein gesetzter = verpflichtender Standard die Voraussetzung, an dem sich jemand jedoch nicht orientiert hatte.

0.3 Immanuel Kant

(aus: M. Kühn, Kant. Eine Biographie. München 2004. 3. Aufl. S. 330)

"Allerdings müssen die Gesetze, die wir uns geben,
derart sein, daß sie für jedes vernünftige Wesen
gelten können. Das tut der radikalen Position
Kants, daß niemand - kein Priester, kein König,
kein Gott - uns moralische Gesetze geben oder uns
Sittlichkeit diktieren kann, keinen Abbruch. Wir
sollen nicht nur für uns selbst verantwortlich sein,
wir sollen auch Herren unserer selbst sein.
Die Sittlichkeit setzt also Freiheit voraus."

Vgl. [6]