4.1131 Übertragener Sprachgebrauch - operationalisiert

Aus Alternativ-Grammatik
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Von "Übertragenem Sprachgebrauch" reden viele. Die Frage ist, wie man praktisch vorgehen kann, so dass bei anderen nicht der Eindruck einer willkürlichen Deutung entsteht. Methodisch muss förmlich der Zwang sichtbar gemacht werden, warum man sich überhaupt auf die weitere Suche nach einer weiteren Bedeutungsebene begibt / begeben soll. Gibt es diesen Zwang nicht,

  • kann man sich viel Arbeit ersparen,
  • bleibt jeder Vorschlag zur Bestimmung der gemeinten Bedeutung vom Vorwurf der Willkür bedroht.

Falls es doch plausibel, ja notwendig ist, über die Wortbedeutung hinauszugehen, muss die sich abzeichnende gemeinte Bedeutung über vernünftig darlegbare Einzelaspekte erkannt werden. - Für beides bewährt sich als didaktisches Hilfsmittel eine 5-spaltige Tabelle.

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Inhaltsverzeichnis

Praxis - Bitte Ihren Eintrag!

0. Nachträge zur Theorie

0.0 Leere Tabelle

[Kann nach Bedarf kopiert und verwendet werden]

(1)
Text = Wortsinn
(2)
Störungen (Widersprüche,
Fehlende Infos, Abstraktionen,
Stilfiguren usw.)
(3)
Ist die gesamte Szenerie,
das gesamte Bild um eine weitere
Deutung zu ergänzen?
(4)
Ergänzende Deutung:
Gemeint ist etwa ... -
Einzelaspekte nennen!
(5)
Situation des Sprechers: Warum wohl
äussert er sich derart
zweischichtig?
(...) (...) (...) (...) (...)
(...) (...) (...) (...) (...)


0.1 Wie ist es überhaupt möglich, dass wir verstehen, was gemeint ist?

Nach Paul Grice besteht die Bedeutung von Sprache in einer intentionsbasierten Theorie. Er erklärt sprachliche Bedeutung - entgegen einer unter Linguisten weit verbreiteten Ansicht - ohne Rekurs auf einen Code oder Konventionen.

  • Implikaturtheorie: Unterscheidung zwischen Implikatur und wörtlicher Bedeutung --> Basis für eine Trennung von Semantik und Pragmatik.
  • Konversationsmaximen: Vier von Paul Grice aufgestellte Grundsätze innerhalb des Kooperationsprinzips, von denen der Hörer in einem rationalen Gespräch annimmt, dass sie befolgt werden (ohne dass das der Fall sein muss).
  • Kooperationsprinzip: Gestalte deinen Gesprächsbeitrag so, dass er dem anerkannten Zweck dient, den du gerade mit deinem Kommunikationspartner verfolgst.
  1. Maxime der Quantität (Mache deinen Gesprächsbeitrag so informativ, wie es für den anerkannten Zweck des Gesprächs nötig ist. Mache deinen Beitrag nicht informativer, als es für den anerkannten Zweck des Gesprächs nötig ist.)
  2. Maxime der Qualität (Versuche einen Gesprächsbeitrag zu liefern, der wahr ist. Sage nichts, wovon du glaubst, dass es falsch ist. Sage nichts, wofür du keine hinreichenden Anhaltspunkte hast.)
  3. Maxime der Relevanz (Sage nur Relevantes.)
  4. Maxime der Modalität (Vermeide Unklarheit, Mehrdeutigkeit, unnötige Weitschweifigkeit oder Ungeordnetheit.)

Bei einem bewussten Verstoß gegen eine oder mehrere dieser "Regeln/Maximen", geht der Sprecher davon aus, dass sein Gegenüber weiß, dass gerade gegen eine oder mehrere Maximen verstoßen wird. Des Weiteren nimmt der Sprecher an, der Hörer kann aufgrund eines identischen Weltwissens Rückschlüsse auf das Gemeinte ziehen und somit verstehen, was der Sprecher sagen will ("meint"). Allerdings gibt es (trotz des Kooperationsprinzips) keine Garantie auf das Gelingen einer Interpretation beim Brechen der Maximen.

(vgl. Grice, H. Paul: Logik und Konversation. In: Meggle (Hg.) (1993): Handlung, Kommunikation, Bedeutung. Frankfurt a. M., S. 243–265).


Verschiedene Möglichkeiten zur Realisierung eines übertragenen Sprachgebrauchs:

  • Metapher: "Computermaus", "schlauer Fuchs"
  • Metonymie (gr. μετωνυμία "Namensvertauschung", "Umbenennung"; Teil-Ganzes-Relation): fr. langue "Zunge" --> "Sprache"; sp. víspera "Abend" --> "Abendgebet vor einem Festtag"
  • Personifizierung
  • Bedeutungserweiterung: lt. passer "Spatz" --> sp. pájaro "kleiner Vogel"
  • Bedeutungsverengung: dt. saufen "trinken" --> "Alkohol trinken"
  • Ironie, Sarkasmus

0.2 Ortsveränderung => innere Erregung

Schon vor 500 Jahren war diese Verschiebung "ein alter Hut". Was Erasmus als Sprachgebrauch beschrieb, gilt heute genauso:

Erasmus von Rotterdam, Das Lob der Torheit. Übersetzt von Anton J. Gail.
Reclam Nr. 1907.  Stuttgart 2010. [Die Torheit spricht:]
(110) Wenn die Seele von dem Körper scheiden will und
ihre Werkzeuge nicht recht gebraucht, wird man ohne
Zweifel von Raserei sprechen können. Was soll es denn
sonst heißen, was man allgemein sagt: "Er ist nicht
bei sich" und "Komm zu dir!" und "Er hat sich gefaßt"?
Je vollkommener die Liebe ist, um so heftiger und
seliger ist die Raserei.

0.3 Entwickeltes Sprachbewusstsein notwendig

Alles, was ab jetzt in der Pragmatik als Sprachbeschreibung behandelt wird, setzt Kritikfähigkeit voraus. Sprache selbst wird genauer betrachtet, und nicht die mit Sprache (anscheinend) gemeinte Wirklichkeit - dieses Missverständnis lässt noch die Semantik zu (= Wortbedeutung), sofern man sich nur auf diese Ebene beschränkt und nicht über deren Tellerrand hinausschaut.

Das Überwechseln zur Pragmatik muss gelernt werden. Nicht jede/r ist dazu in der Lage. Manche geistigen Behinderungen lassen nicht zu, gemeinte Bedeutungen zu erkennen. Aus welchen Gründen auch immer: Manche Menschen sind humorlos, nicht fähig, Ironie zu erkennen, mit Poesie umzugehen usw.

Bei Kindern ist es normal, dass sie erst allmählich sich die Fähigkeit erwerben, Sprache ein zweites Mal, und dann kritischer, zu betrachten. So wie im folgenden Fall:

Ein Grundschüler verkündet zuhause erfreut: "Morgen
fällt der Unterricht aus. Wir haben frei!" Die
Mutter fragt erstaunt nach dem Grund. Antwort:
"Der Lehrer macht eine Reise." - Die Mutter weiter
erstaunt: "Das kann aber nicht sein. Das war nicht
angekündigt." - Der Grundschüler: "Doch, der
Lehrer hat gesagt: 'Morgen fahre ich fort!'"

Es ist also das Thema der alltäglichen, der erstarrten Metaphern. Sie umgeben unsere Sprache so dicht, dass sie auch dann unterlaufen, wenn wir sie zu vermeiden suchen. - Vgl. das "Unterlaufen" soeben! Kinder kennen diese zweite Interpretation noch nicht - und nehmen wörtlich = semantisch, was ihnen so alles gesagt wird. - Reaktionen wie die der Mutter signalisieren ihnen: 'Hoppla, ich muss etwas missverstanden haben! Also gibt es noch eine andere Bedeutung!'

0.4 "Todeswunsch als Hilfeschrei"

- so ist ein Interview überschrieben (SZ 15./16. Febr. 2014), in dem es um die Frage geht - angestoßen durch eine Entscheidung des belgischen Parlaments -, ob man dem Todeswunsch schwer/unheilbar kranker Kinder oder Jugendlicher nachkommen darf. Ein leitender deutscher Mediziner (!) lehnt dies ab und weist - überzeugend - darauf hin, dass es hierbei nicht um eine medizinische, sondern um eine sprachlich-emotionale Frage geht, eine - das würden wir sagen - der indirekten Bedeutung, der verschlüsselten Botschaft. Auszug:

Sollte ein Kind selbst entscheiden dürfen, ob es leben will?
Ein Kind entscheidet immer, ob es leben will. Der Zeit-
punkt des Todes erfolgt niemals zufällig. Ich habe
erlebt, dass ein Kind genau dann stirbt, wenn die
Mutter für einen Moment das Zimmer verlässt. Aber
auch, wenn die Eltern sagen: Du darfst gehen. Dennoch
hat niemand das Recht zu verlangen: Bring mich um!
Egal, ob Erwachsener oder Kind.
Womit haben die Kinder und Jugendlichen, die Sie betreuen, zu kämpfen?
Bei krebskranken Kindern spielt Schmerz eine große
Rolle. Wir haben aber solche Kinder selten, und dann
ist der Schmerz in der Regel sehr gut behandelbar.
Unsere Patienten werden oft von Schlaflosigkeit und
Unruhe geplagt, leiden an Krampfanfällen, Essstörungen
und Durchfall.
Hat Sie schon einmal ein Kind darum gebeten, sterben zu dürfen?
Einmal, ja. Ein Jugendlicher, der wegen eines Tumors
schlimmste Schmerzen hatte. Er wollte sterben, wenn der
Schmerz nicht aufhört. Zugleich lehnte er eine erhöhte
Schmerzmittel-Dosis ab, damit er weiter mit seiner
Freundin sprechen konnte. Menschen sind im Sterben ir-
rational, anders als es die belgischen Politiker darstel-
len. Eigentlich wollte der Junge nur ausdrücken: Dieser
Schmerz ist nicht auszuhalten.
Wie sind Sie damit umgegangen?
Der Junge bekam eine Schmerzpumpe, die ihn auf Knopf-
druck für ein bis zwei Stunden sedierte. So konnte er
weiterleben.
Nahmen Sie seinen Todeswunsch ernst?
Kinder ernst zu nehmen, bedeutet nicht, das zu machen,
was sie sagen. Das gilt auch für gesunde Kinder: Wenn
ein Mädchen Model werden möchte, muss ich ihm diesen
Wunsch nicht erfüllen. Ich sollte aber herausfinden,
was dahinter steht.
Was kann dazu führen, dass Kinder sterben wollen?
Das kommt auf das Alter und die Persönlichkeit an.
Ich kannte einen Fünfjährigen, der sagte: Ich weiß
nicht, wie es wird, aber ich glaube, es wird schön.
Eine Pubertierende setzt so eine Aussage womöglich ein,
um die Eltern unter Druck zu setzen. Andere Kinder
fühlen sich verantwortlich für das Leiden ihrer
Eltern.
Was brauchen sterbende Kinder?
Kein Mensch sollte alleine sterben, Kinder schon gar
nicht. Zudem benötigen sie eine Versorgung durch
Spezialisten. Deshalb ist es so gemein, dass wir über
die Belgier reden, aber es nicht schaffen, eine
ausreichende Palliativmedizin zu finanzieren.

0.5 Standardgrammatik

"Grau teurer Freund ..." - J. Germann analysiert den Goethe-Satz im Kontext der Standardgrammatik - vgl. [1]. Er überschreitet damit die Grenzen üblichen grammatischen Denkens, das sich mit "übertragenem Sprachgebrauch" nicht zu beschäftigen pflegte.

0.6 Auch: zusammengesetzte Wörter

Die Art der Zusammensetzung ist für die aktuelle Fragestellung sekundär, beträfe zunächst nur die (Ausdrucks-)SYNTAX. Wichtig ist allein, dass zwei Bedeutungen miteinander in Reaktion geraten - ob sich dies in einem zusammengesetzten Wort zeigt, in einer Genitivverbindung, in einer nicht-satzhaften Zeile, einem kompletten Satz - das ist nicht entscheidend. Allein die Kombination (mindestens) zweier Bedeutungen interessiert - und dann die Frage, was daraus als neue, im pragmatischen Sinn hintergründig zweite Bedeutung entsteht. Oder ob - gemessen am allgemeinen Sprachgebrauch/gewohnter Lebenspraxis - nichts sonderlich auffällt.

Beispiel: die Bamberger "Sandkerwa" - aus der Sicht eines kurzfristig Durchreisenden.
- es handelt sich gar um drei separate Bedeutungen. Ins
  Hochdeutsche übersetzt:
    = "Sand" meint ein Stadtgebiet
    = "ker" steht für "Kirche"
    = "wa" verweist auf "weih"
  Also hat man es mit dem "Kirchweih"-Fest im Gebiet "Sand"
  zu tun. - Diese semantische Grundbedeutung verlangt
  Respekt vor den religiösen Gefühlen der Bewohner dieses
  Stadtteils.
- Pragmatisch nachgesetzt, unterstützt durch vorüber-
  gehende live-Eindrücke, wandelt sich die Ehrfurcht vor
  der Freude über das Gotteshaus: eine Woche lang fließen
  unfassbare Mengen von Bier, tausende von Besuchern werden
  an ungezählten Grillständen mit Essen versorgt (man könnte
  allenfalls fragen, ob derart ins Profane gewendet früher
  übliche Tier-brand-opfer Praxis wurden). 

Von der ursprünglichen religiösen Motivation ist jedenfalls nichts mehr zu erkennen; die alte Benennung der gegenwärtigen Praxis - sie sei den Bambergern gegönnt - sieht eher nach einem - pragmatisch gedacht - Vorwand aus: mit religiösem Mantel hat man sich eine Rechtfertigung für tagelanges Gelage besorgt. Die Einbeziehung religiöser Aspekte wehrt von vornherein etwaige Einwände gegen die folgende Praxis ab, legitimiert letztere. - Auch das ein Beispiel für das Wechselspiel: "Wortbedeutung <=> übertragene Bedeutung".

Strenger grammatisch gesprochen: Auf pragmatischer
Ebene wird der Code ERMÖGLICHUNG. vgl. [2]
realisiert: Welche Einwände gegen das Gelage sollte es bei
solch religiöser Zielsetzung noch geben? 
- wird augenzwinkernd und implizit gefragt.

0.7 Bewertungen der eigenen Firma

[3] - oft kurz und knapp, mit eingeschlossenem Sprachbild, mit eingeschlossener Ironie, wenn nicht Sarkasmus.


1. Einzelsprache Deutsch

1.1 Beispiele

(1)
Text = Wortsinn
(2)
Störungen (Widersprüche,
Fehlende Infos, Abstraktionen,
Stilfiguren usw.)
(3)
Ist die gesamte Szenerie,
das gesamte Bild um eine weitere
Deutung zu ergänzen?
(4)
Ergänzende Deutung:
Gemeint ist etwa ... -
Einzelaspekte nennen!
(5)
Situation des Sprechers: Warum wohl
äussert er sich derart
zweischichtig?
Der Junge ist noch grün hinter den Ohren Der Junge hat nicht wirklich grüne Farbe hinter den Ohren grün hinter den Ohren Der Junge ist noch unerfahren/unreif. (grün wie eine unreife Frucht) Sprecher beurteilt Erfahrung einer anderen Person und zeigt seine Ablehnung bezüglich einer Zusammenarbeit.
Er verkauft sich unter Wert Er verkauft sich nicht im wirklichen Sinne Er verkauft sich Er bemüht sich nicht, sein volles Potential abzurufen. Sprecher bringt seine Entäuschung über die wider Erwarten schwache Leistung eines Anderen zum Ausdruck.
Das ist zum Mäusemelken Es ist nahezu unmöglich Mäuse zu melken Mäusemelken Das ist zum Verrückt werden/Das ist zum Verzweifeln Sprecher drückt momentane Verzweiflung aus, aber zeigt auch Zuversicht durch ironische Distanz.
Die Milch der frommen Denkungsart Das Produkt einer frommen Denkungsart ist keine Milch Die Milch der frommen Denkungsart Der aus altmodischer, traditioneller Erziehung resultierende Denkverzicht Sprecher macht sich lustig und will damit seine Überlegenheit ausdrücken
"Sie haben bewusst auch die Skandalisierung hochgezogen wie es unerträglich ist" (Innenminister Friedrich im Bundestag, an die Opposition gewendet, Fall Guttenberg) "auch" - was sonst noch?
"Skandalisierung hochgezogen" - ungewöhnliche Kombination. Man würde "betrieben" erwarten.
"Skandalisierung" = etwas wird zum Skandal gemacht, das keinen Anlass dafür gibt.
"wie" lässt Freiraum: man kann die "Skandalisierung hochziehen", nur bitte nicht so "unerträglich". Also doch Zugeständnis, es liege ein "Skandal" vor?
Beschimpfung der Zuhörer, denn irgendwie scheint der Redner ja doch deren Meinung zu teilen. "Jeder weiß, dass Guttenberg Mist gebaut hat. Aber Karl Theodor ist bei der CSU, also muss ich mich hier pro forma aufregen." (R. Husmann in KulturSPIEGEL 5/2011) Zwangslage des Redners: die Opposition muss beschimpft werden. Dazu ist sie im politischen Geschäft da. Im aktuellen Fall lässt sich die Berechtigung für deren Vorhaltungen nicht überzeugend abstreiten.
"Ich bedaure diesen Rücktritt aufs Allerhärteste" (BK Merkel zum Rücktritt von BP Köhler) "Hier kombiniert sie in geradezu einmaliger Weise das sanfte Wort 'bedauern' mit einem Kampfbegriff" (SPIEGEL 19/2011, ungezeichneter Artikel) Was gilt denn nun? Sanft oder kämpferisch? "Sie war zornig über diesen Rücktritt" Missglückter Versuch, vor der Presse die politische Form zu wahren, die eigenen (negativen) Emotionen zu verstecken
"Die Vorfreude auf die Frauen-WM, die ist groß, und sie wird jeden Tag auch größer" (BK Merkel) "Vorfreude" als Abstraktum wird erst mal als Themensetzung vorangestellt.
Dann per Relativsatz erst die Aussage. Dass das Gefühl - irgendjemandem muss es ja zugeschrieben werden können - ihr eigenes ist, wird nicht deutlich.
"wird ... auch größer" - Wieso "auch"? Was wird noch größer bzw. was passiert sonst noch mit der Vorfreude?
nicht an eine Person gebundenes Gefühl "Sound der Umständlichkeit, der Distanz" (SPIEGEL 19/2011). Die Botschaft: Mich interessiert nicht, was Ihr da macht, aber von Amts wegen unterstütze ich die Vorbereitungen, muß es auch. Typische Spaltung von Person und Amt.


"Von der Freiwurflinie aus zeigte er keine Nerven." Der Basketballer zeigt etwas, was nicht vorliegt. Ist logisch paradox.
Der Spieler ist auch nicht dazu da, an der Freiwurflinie etwas zu zeigen, sondern einen spielerischen Zug, einen erfolgreichen Wurf durchzuführen.
Suggestion, dass er etwas nicht hat, was zweifellos zu seiner körperlichen Ausstattung gehört.
Der Demonstrationscharakter. Andere Gewichtung nötig: zunächst geht es um das Spiel. Zuschauer sind nur am Rande beteiligt. Indirekt, als Eintrittzahler, via Medienkonsum repräsentieren sie den Finanzrahmen für derartige Events. Die Leser des Sportberichts werden in ihrer Beobachterrolle gehätschelt.
Der Sportler als Quasi-Zombie ("keine Nerven") aus der Menge aller anderen herausgehoben.
Superlativ-Wertung via übertragenem Sprachgebrauch.
Dem Leser wird eine Form von Heldenverehrung aufgedrängt. Personalisierung, statt Analyse von Technik und Taktik. Das ist auch für den Berichterstatter bequemer (Bewerten ist wesentlich einfacher als zu analysieren).
Das Mutterkreuz schüttelt den Kopf. (Fallada, Jeder stirbt für sich allein) Ein Kreuz, auch ein Mutterkreuz 'macht' nichts. Mutterkreuz Eine Frau zur Nazizeit, die diese Auszeichnung erhalten hatte. Indem der Autor/Erzähler derart verkürzt redet, macht er sich lustig über diesen Typ Frauen zur NS-Zeit. Gemeint sind solche, die das Stück Blech ernstnehmen und sich damit identifizieren.
Unterdes war das Füchslein auf seine Ortsgruppe gefahren. Ein Braunhemd hielt jetzt die Karte in der Hand. (Fallada, s.o. 210) Füchslein, Braunhemd - beide führen die beschriebenen Aktionen nicht aus. Füchslein, Braunhemd "Fuchs" als Tiersymbol steht für Aufmerksamkeit, gewitztes Verhalten - hier wird der überaus kluge Mensch noch verkleinert; allzu wichtig ist er denn doch nicht; "Braunhemd" bildet den dumpfen Parteigenossen ab. Innerhalb des Nazi-Systems werden zwei Anhänger entgegengesetzt: der Gegensatz entsteht aufgrund des guten oder schlechten Verstandes. - So zu reden heißt, sich über die Figuren zu mokieren.
"Selbst wenn mich alle Steine der Pyramiden verschütten sollten, würde ich nicht von meinem Ziel ablassen" (Echnaton laut N. Machfus in seinem Roman 164) Das Gedankenspiel ist überflüssig, da es nie soweit kommen wird, dass ... Wozu dann also ein solches Gedankenexperiment? Pyramiden/Steine höchste denkbare Emphase; vollkommener Ausschluss einer Verhaltensänderung Echnaton hatte 1300 v.Chr. die staatstragende Amun-Priesterschaft abgeschafft und die Verehrung des Sonnengottes Aton eingeführt. Dies hat die Gesellschaft gespalten und natürlich heftigste Widerstände provoziert. Gegen die musst sich Echnaton genauso heftig zur Wehr setzen. Die Emphase ist also angemessen nachempfunden.
Im selben Roman spricht Nofretete, die Frau Echnatons: "Irgendetwas ging mit mir vor, aber was? Ich sah kein Licht mehr, die Sonne strahlt nicht, es war alles dunkel. Ich fürchtete mich, fühlte mich einsam, glaubte zu ersticken. Tij, meine Erzieherin, wich mir nicht von der Seite, aber das half auch nichts. Keine Sängerin, keine Tänzerin konnte mich aufheitern. Schwermut hielt mich gefangen, hüllte mich ein in ihr Leichentuch." (166) Licht/Finsternis-Hinweise sind Bilder. "Schwermut" ist keine handelnde Person. Das "Leichentuch" ist nicht real. All die genannten Merkmale. Innere Vorgänge: Depression. Nofretete reagiert emotional auf die Verwerfungen im Land.
Weiter Nofretete anlässlich des Todes der Tochter: "Aber ihre Seele entzog sich unserer liebenden Hand, schlich sachte davon, schwang sich hinaus zum Sternenzelt. Schluchzend beugten wir uns über den kleinen Körper und überließen und laut klagend dem reißenden Strom der Trauer. Echnaton barmte und rief: 'Warum, mein Gott, warum? Warum stellst du meinen Glauben so hart auf die Probe? Warum zeigst du mir auf solch grausame Weise, dass ich noch weit entfernt bin, dich zu kennen? Warum behandelst du mich mit dieser Strenge, da du der Barmherzige bist? Mit solcher Kälte, da du die Liebe selber bist? Mit solchem Zorn, da ich dir doch in allem folge? Mit solcher Finsternis, da du doch das Licht bist? Warum gabst du ihr solche Schönheit und solche Klugheit? Warum hast du uns sie so lieben lassen? Warum hast du uns sie für den Dienst an dir erziehen lassen und uns sie dann genommen? Warum, mein Gott, warum?" (177f) Die Passage bietet viele Sprachbilder, die aufzulösen sind, Abstrakta - "Gott" -, die als solche erkannt werden müssen, viele Fragen nach dem "Warum", die in dieser Häufung keine schlüssige Erforschung einer unbekannten "Ursache" und "Motivation" mehr sind - zumal an eine abstrakte Person gerichtet. - Aber: Der Ausschnitt enthält auch Interpretationshilfen, so dass Interpreten schon vom Autor angezeigt bekommen, in welcher Richtung die gemeinte Bedeutung zu suchen ist. all die Bilder, Abstrakta und Warum-Fragen. - Für solche, die trösten wollten, wäre es vollkommen verfehlt, auf Wortbedeutungsebene z.B. auf die "Warum"-Fragen einzugehen und anzufangen religiös-theologisch zu argumentieren. grenzenlose Trauer eines Paares, das ein Kind verloren hat Dokumentation einer inneren Zerrissenheit: die Trauer 'passt nicht' zum Bekenntnis zu einem liebenden Gott. Es stellt sich für den Sprecher die Frage, ob er sein gesamtes emotional-geistiges Gefüge neu ordnen muss - was eine Lebenskrise bedeuten würde.
[Interview mit dem Weitsprungweltrekordler von 1968] Beamon: "Ich weiß nicht, ob das stimmt. Ich war irgendwo zwischen Raum und Zeit." Wo bitte war B.? Zwischen unseren elementaren Denkkategorien? die Ortsangabe zwischen Raum und Zeit B. hatte geistig nichts, woran er anknüpfen, an dem er sich orientieren konnte. Klar, wenn man 8,90m springt und den Weltrekord um nen halben Meter übertrifft. Die Ortsangabe drückt Nicht-Verstehen, Fassungslosigkeit aus. Erst mit deutlichem Abstand: Jubel, Freude. Fassungslosigkeit bis ins Körperliche hinein. [B. liefert selbst die Erläuterung:] "Mein Teamkollege Ralph Boston kam zu mir und sagte mir, dass ich gerade 29 Fuß und 2,5 Inch gesprungen sei. Ich habe gejubelt - und bin dann kollabiert. Ärzte sagten mir hinterher, dass ich einen kataplektischen Anfall gehabt haben muss, ein emotional bedingter Zusammenbruch."
(...) (...) (...) (...) (...)



1.2 Biblische Texte u.a.

Die im Theorie-Text empfohlene 5-spaltige Tabelle wird nachfolgend für biblische Zitate/Texte, aber auch für poetische oder alltagssprachliche (Zeitung) Texte zur Verfügung gestellt.

  1. bei 2 Texten sind die Spalten ausgefüllt - als Anregung, nicht als fertiges, unumstößliches Ergebnis
  2. bei vielen Texten ist nur der Text eingetragen. Zu Übungszwecken können die leeren Spalten selbstständig ausgefüllt werden

Es sollte dabei bewusst werden, dass übertragener Sprachgebrauch nicht nur ein Thema für poetische Äußerungen ist, sondern vielfältig die Alltagssprache imprägniert.

Texte mit exemplarisch ausgefüllter Tabelle

  1. Sintflut Gen 6-8 [4]. Zusammenfassung aus der Sommerakademie 2010. Zunächst wird geklärt, wie der Text aussieht, der bearbeitet werden soll ("Konstituierung"). Danach wird der Gegensatz von Wortbedeutung und gemeinter Bedeutung erfasst (vgl. tabellarische Gegenüberstellung am Schluss - Tabelle in Kurzform).
  2. Thema "Himmelfahrt" [5]
  3. Joh 11: Auferweckung des Lazarus [6]

Biblische Texte mit leerer Tabelle

  1. Opferung Isaaks (Gen 22,1-19) [7]
  2. Psalm 23 nach BUBER [8]
  3. Aus Psalm 88 [9]
  4. Aus Psalm 126 [10]
  5. Aus Verteidigungsrede Jeremias [11]
  6. Berufungsvision Jesajas [12]
  7. Aus der Bergpredigt [13]
  8. Verklärung [14]
  9. Gerichtswort [15]
  10. Emmaus [16]
  11. Johannes-Prolog [17]

Texte aus Poesie, Alltag, Zeitung - mit leerer Tabelle

  1. Aus "Blechtrommel" / G. Grass [18]
  2. Aus der Weihnachtsgeschichte von P Handke [19]
  3. Reden über Gefühle [20]
  4. Zeitungssprache [21]

1.3 Register "Initiative"

Zum selben politischen Vorgang bieten Internetportale am 13.12.2011 unterschiedliche Überschriften. Alle Varianten aktivieren: 4.083 Modalitäten – »Register« INITIATIVE, aber methodisch auf unterschiedliche Weise:

Wulff muss Privatgeschäft erläutern (Spiegel-Online)

Als objektiver Zwang klingt das schon semantisch zu erfassende Modalverb muss.

500.000 Euro-Darlehen setzt Wulff unter Druck (t-online)

Der objektive Zwang wird durch eine technische Metapher realisiert - folglich gehört diese Sprechweise zum aktuellen Thema des Übertragenen Sprachgebrauchs.

Wulff will sich zu Privatkredit äußern (web.de)

Im selben Modal-Register eine völlig andere - wieder per Modalverb - Nuance: Souverän wird der eigene Wille betont. Keine Andeutung, dass hier jemand unter irgendeinem Druck oder Zwang steht. Alles geschieht freiwillig - so zumindest wird versucht, einen Anschein zu erwecken.

1.3.1 "Befehl" und "Höflichkeit"

aus: H. Genzmer, Unserer Sprache. wbg 2014. S.100f

"Der Linguist John Lyons (1977) argumentiert, Befehle
seien als Fragen getarnt, er hält Fragen für eine
Unterkategorie von Befehlen. Der Grund für diese Tar-
nung von Befehlen hängt ab von den Gesetzen der Höf-
lichkeit. Die zugrundliegende Struktur der Frage:
Wissen Sie, wie spät es ist? sei also die Auffor-
derung: Wie spät ist es! Folgt man dieser Argu-
mentation finden sich in der Sprache weitaus mehr
Fälle von Befehlen und Aufforderungen, als es zu-
nächst den Anschein hat. ()
Oft werden Befehle getarnt:
(Schild mit Hunden vor einer Tür) Wir müssen leider
draußen bleiben. ()
Danke, dass Sie hier nicht rauchen.
Auch hier ist der Subtext: Rauchen verboten!()
In der Suppe fehlt Salz. Für: Hol mal Salz! 
()"
 

1.4 Weitere Beispielanalysen

1.4.1 Psalm 139

Textgestalt: Einheitsübersetzung, gegliedert in Verse und nachgetragene Äusserungseinheiten.

(1)
Text = Wortsinn
(2)
Störungen (Widersprüche,
Fehlende Infos, Abstraktionen,
Stilfiguren usw.)
(3)
Ist die gesamte Szenerie,
das gesamte Bild um eine weitere
Deutung zu ergänzen?
(4)
Ergänzende Deutung:
Gemeint ist etwa ... -
Einzelaspekte nennen!
(5)
Situation des Sprechers: Warum wohl
äussert er sich derart
zweischichtig?
1a Herr, 1b du hast mich erforscht 1c und du kennst mich. 1a: Wer wird angesprochen? Kein reales Gegenüber, sondern ein schlecht fassbares, abstraktes. Einschlägig: 4.13 Abstrakta + 4.1135 Personifikation, Projektion. Und von dieser fremden, unbekannten Macht wird ein genaues Kennen des Sprechers ausgesagt, vgl. 4.081 Modalitäten – »Register« EPISTEMOLOGIE? - Wie geht das: Unbekanntes übt eine präzise Geistesfunktion aus? Bzw. wie kann der Sprecher selbst davon wissen? Die Fiktion eines personalen Gegenübers ist nicht zu halten. Das genaue "Bescheidwissen" jener Macht wird dann ebenfalls fraglich. Im Wortsinn ist eine äussere, wohl institutionalisierte Dialogsituation (Gerichtsverhandlung?) unterstellt. Vgl. 4.12 Dialoge - auch diese äussere Szenerie kann nicht beibehalten werden, die präzisen Informationen dafür sind viel zu dürftig. Es bleibt nur die Möglichkeit anzunehmen, dass in bildhafter Form (mit Projektionen nach außen) innere, seelische Prozesse in poetische/religiöse Worte gefasst werden. Das redende ICH tritt "Wissen" an eine andere Macht in sich selbst ab, bekennt sein eigenes "Unwissen" bzw. "geringes Wissen" 4.081 Modalitäten – »Register« EPISTEMOLOGIE. Das ist über Implikation erschließbar, vgl.4.5 Wachgerufene Zusatzgedanken (Implikationen) Das SPRECHER-ICH aktiviert/entdeckt in sich verschiedene Wissensinstanzen: (1) klares, aber begrenztes Bewusstsein, (2) ungeheurer, mächtiger Wissensschatz. Beides könnte man heute mit (1) Vernunft/Gefühle (sofern dem Bewusstsein zugänglich) und (2) Unbewusstem benennen. - Der bekenntnishafte Text vollzieht eine Rangordnung: Wissensquelle (1) - selbst wenn sie hypothetisch ihre Grenzen sprengen würde/könnte - ist und bleibt der Wissensquelle (2) unterlegen. Insofern lässt das ICH zu, dass RATIONALITÄT zurückgestuft, stattdessen VERTRAUEN in Quelle (2) aufgebaut wird. - Fragen: Liegt ein intimes Bekenntnis vor, das nur zufällig in ein Gebetbuch gelangte, wo es - wegen privaten Charakters - nicht hingehört (Sprechakt: Selbstexpression des "Ich" = KUNDGABE)? - Oder hat der Text Modellcharakter, ist also eine Vorlage/Empfehlung = Aufforderung an andere, es gleich zu tun (Sprechakt: APPELL)? - Wohl eher Letzteres.
2a Ob ich sitze 2b oder stehe, 2d du weißt von mir. 2e Von fern erkennst du meine Gedanken. <<SITZEN>> und <<STEHEN>> meinen keine individuelle Aktion - daher auch ohne Ort/Zeit-Hinweis, sondern sind Sprachbild für jegliches Tun. - Das pauschale <<ERKENNEN>> wird einem "Du" zugeschrieben, überschreitet aber die Wissens-Fähigkeit jedes vorstellbaren Menschen. - Verweis auf "Gott"? Nun ja, Auch dieses Sprachetikett ist nun kritisch zu durchleuchten. Dass eine fremde Figur vom Ich alles weiß. Die geistige Instanz, die aktuell spricht, Sätze formuliert, also durch Logik bestimmte Aussagen macht, spricht eine andere geistige Instanz in der selben Person an, die als mächtiger, 'informierter' empfunden wird. Der Beter/Sprecher praktiziert das Wissen, dass die menschliche Innenwelt differenziert ist. Wie man diese inneren Schichten benennt, dürfte zweitrangig sein. Erstrangig ist die Erfahrung, dass Ungleichgewichte herrschen: die seelische Schicht, die spricht, der Logik folgt, ist insofern zwar nützlich. Aber sie ist der zweiten Schicht unterlegen. Diese zweite seelische Schicht ist schneller, umfassender tätig. Und man kann sie aktivieren - mit "Du" -, fast wie ein 'normaler' Partner. Eine Antwort, so spontan wie in einem 'normalen' Dialog, kann nicht ähnlich sicher, klar verstehbar und schnell erwartet werden. Im gesamten aktuellen Psalm ist von einer Antwort (noch) nicht die Rede. In bildhaft-indirekter Form indirekt der Sprechakt: DARSTELLUNG, d.h. wieder unter dem Deckmantel der KUNDGABE. Und wegen der indirekten DARSTELLUNG letztlich der APPELL, diese Sicht der inneren seelischen Struktur zu übernehmen. Das "Ich" bleibt innertextlich blass, leer. Auch sonstige individualisierenden Informationen fehlen. Das deutet auf eine didaktisch-strategische Sprechabsicht.
3a Ob ich gehe 3b oder ruhe, 3c es ist dir bekannt; 3d du bist vertraut mit all meinen Wegen. Verstärkung von V.2. Noch naiv gegengefragt: Woher weiß der Sprecher all das? Hat er ein genauso umfassendes Wissen wie "Gott"? Oder eben nicht, aber er selbst fühlt sich ständig beobachtet? Verfolgungswahn? wie zu V.2 Laut V.1 nennt der Sprecher diese zweite, mächtige innere Instanz "Herr" - ein Bild, das nicht eine äussere Figur bezeichnet, sondern als Bildwert das unterschiedliche Machtverhältnis einbringt. - "Herr" ruft als Ergänzungsfigur den "Knecht" in Erinnerung. - In heutiger Diktion kann man versuchen, die bisherigen Erkenntnisse dieser 4. Spalte auszudrücken mit den Freud'schen Begriffen: Vernunft (für Sprache und Logik zuständig) und Unbewusstes. Letzteres wäre dann die zweite, mächtigere innere seelische Instanz. Dieses "Du", das eben nicht irgendwo extern zu suchen ist, sondern im Sprecher, wesentlicher Bestandteil von ihm ist, wäre der entscheidende Wissensschatz, der letztlich das Leben des Sprechers steuert - auch wo dessen Vernunft noch keinen Zugriff hat. - Man fühlt sich an das Märchen von "Hase und Igel" erinnert ... - nur dass dort ein übler Trick des Igelpaares im Spiel ist ;-) wie zu V.2
4a Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge - 4b du, 4c Herr, 4d kennst es bereits. Weitere Verstärkung von V.2/3: Soll gesagt sein, das Reden sei sinnlos/unnötig? Aber aktuell spricht der Sprecher. Widerspricht er sich bereits selbst? = paradoxe Gedankenfigur. wie zu V.2 Wie zu V.3. Wenn explizit von "Wort" gesprochen wird, dürfte damit eben Sprachverwendung, Logik, vernünftiges Planen und Nachdenken gemeint sein. Und all diese Funktionen der ersten inneren seelischen Ebene basieren auf der zweiten seelischen Hintergrundinstanz. Die "Vernunft" ist abhängig, hat keinen Anlass, sich allzu viel einzubilden. wie zu V.2
5a Du umschließt mich von allen Seiten 5b und legst deine Hand auf mich. Anthropomorphe Rede von der "Hand" Gottes. Wie soll man sich das <<UMSCHLIESSEN>> vorstellen? Jemand anderes berührt das Ich schützend/zärtlich. Die Ebene des Unbewussten hat auch beruhigende, schützende Funktion. Nun ja, nichts Neues, wenn man an den Bereich der Meditation denkt: dort soll ja gerade die im Alltag übliche Dominanz der Vernunft ausgeschaltet werden. - Trivial erscheinendes, im konkreten Fall aber lebensrettendes Beispiel: Welcher Autofahrer hat nicht schon erlebt, dass er gebremst hat - und dann erst nahm er die Gefahr richtig wahr? D.h. abseits exakter, bewusster Wahrnehmung hatte eine andere innere Instanz bereits wahrgenommen und rettend gehandelt. Wer darauf achtet, wird viele vergleichbare praxisnahe Erfahrungen zusammentragen können. Sie sprechen je für zwei innere 'Wahrnehmungsorgane' mit je unterschiedlichen Fähigkeiten. wie zu V.2
6a Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, 6b zu hoch, 6c ich kann es nicht begreifen. In V.4 schien diese Einschränkung noch nicht zu gelten. Wieder paradox: Sprecher 'weiß' etwas und streicht es gleich wieder durch: "zu wunderbar ... nicht begreifen"? Themenfeld des Wissens. Der Sprecher ist förmlich fixiert darauf. Aber wenn er so paradox damit umgeht, zeigt er an, dass er etwas anderes meint. Nochmals eine Bestätigung der inneren Rangordnung. Sozusagen eine Kapitulation der Vernunft, der Blick auf das nicht zu umfassende Unbewusste öffnet sich. Es wird damit nichts in Definitionen gepackt - das eben ist dem Beter gerade nicht möglich. Aber eine Perspektive wird geöffnet, eine Blickrichtung, von der her das "Heil" allenfalls zu erwarten ist. wie zu V.2. Eine solch positive Wertung bekommt dann, wenn das "Ich" weiterhin blass bleibt, starken Aufforderungscharakter an andere. Die KUNDGABE im Wortsinn wird dann zum APPELL.
7a Wohin könnte ich fliehen vor deinem Geist, 7b wohin mich vor deinem Angesicht flüchten? "Geist" gibt den Hinweis, dass die Figur, die bislang "Herr" hieß, von immaterieller Konsistenz ist. "Angesicht" wieder anthropomorphe Teilangabe der nicht im Klartext zu beschreibenden gemeinten Figur. - Die Unmöglichkeit von "Flucht" passt zu V.5, hat aber nichts mit der Ebene zu tun, für die Ort/Zeit-Angaben sinnvoll wären. Es geht offenbar nicht um Ortsveränderung. Bleibt der geistige Bereich. Dort gibt es "Flucht" in der Form von Verdrängung, also als Verweigerung von Wahrnehmung, vgl. 4.081 Modalitäten – »Register« EPISTEMOLOGIE Das Gedankenspiel um eine lokale Fluchtmöglichkeit ist offenkundig rhetorisch gemeint, also Antwort: Geht nicht! Lokale Vorstellung also zu ersetzen. "Geist" - wie in voriger Spalte ausgeführt - ist ein wichtiges Signal, dass die bisherige Rekonstruktion des "Gemeinten" auf der richtigen Spur ist. "Angesicht" bringt den Aspekt des Fordernden, Verpflichtenden, des zu Verantwortenden ein und könnte hier heißen: es ist wesentlich, dass du dich deiner inneren zweiten Instanz stellst, eben nicht versuchst davonzulaufen (abgesehen davon, dass da nicht geht ...). Aber zwischen Nicht-Flüchten und Sich-Positiv-Zuwenden besteht immer noch ein Unterschied. "Flüchten oder Stand-Halten?" Fragen, auch rhetorische, aktivieren den Textleser, den Adressaten. Keine KUNDGABE im Wortsinn. Indirekt, aufgrund der Aussichtslosigkeit einer vernünftigen Antwort, wieder APPELL, sich der Sicht des Beters anzuschließend. Der Zwang dazu ist stark, da die gedankliche Konstruktion eigentlich keine andere vernünftige Lösung zulässt.
8a Steige ich hinauf in den Himmel, 8b so bist du dort; 8c bette ich mich in der Unterwelt, 8d bist du zugegen. Mit Lokalangaben werden unmögliche/illusorische Fluchtziele benannt. Kein Sprecher kann sich im Rahmen seines normalen Lebens in den "Himmel" bzw. die "Unterwelt" begeben. Diese komplexen Ortsvorstellungen müssen vollkommen dekonstruiert werden, um eine gemeinte Bedeutung sichtbar zu machen. wie zu V.7 Die spontane innere Tendenz - so scheint es der Sprecher zu kennen - besteht im Fluchtwunsch - auch wenn dieser - wie in diesem Vers - absurde Anstrengungen erfordern würde. Heutzutage redet man auch davon, dass "einer vor sich selbst davonläuft". Was wird damit ausgesagt? Offenbar verdrängt jemand Wissen und Anlagen aus seiner eigenen Biografie; damit verkennt er seine Chancen und Lebensmöglichkeiten. Und durch diese "Flucht" schädigt er sich beständig - obwohl es anders ginge. Aber warum läuft jemand ständig vor sich selbst weg? wie zu V.7
9a Nehme ich die Flügel des Morgenrots 9b und lasse mich nieder am äußersten Meer; Im gleichen Sinn wie 8a. wie zu V.7 wie zu V.7 wie zu V.7
10a auch dort wird deine Hand mich ergreifen 10b und deine Rechte mich fassen. Im gleichen Sinn wie 8a. - Doppelt wieder das anthropomorphe Bild von der "Hand", vgl. schon V.5. Das göttliche Gegenüber wird tätig wie eine beschützende Mutter. wie zu V.5 Es gibt nicht nur kein Entrinnen, es gibt auch keine Bestrafung für das Wegrennen und Fliehen. All die kurzatmigen Ausweichversuche werden mit Güte und Nachsicht beantwortet, nicht mit Beleidigtsein. - Die zuvor genannten extremen Fluchtziele haben wohl eine eigene Funktion: sie besagen im jeweiligen Bild, dass es nicht mehr weitergeht. Oder - auch noch im Bild -: der Flüchtende ist in einer Sackgasse. Das könnte heißen - nun umgesetzt in die seelische Ebene: Wer sich nur auf Vernunft/Logik verlässt, die Rückbindung an die zweite Ebene - Herr/Gott/Unbewusstes u.ä. - flieht, meidet, zurückweist, der wird scheitern, kann aber genau darin wiederum Hilfe, Beistand, Rettung erfahren. Erhöhung der Attraktivität des zuvor mehrfach genannten APPELLs
11a Würde ich sagen: 11b "Finsternis soll mich bedecken, 11c statt Licht soll Nacht mich umgeben". Hypothetisches, irreales Gedankenspiel des Sprechers. Er versucht wie ein Kind Verstecken zu spielen. Den Naturphänomenen Wünsche mitteilen. wie zu V.9 wie zu V.7
12a auch die Finsternis wäre für dich nicht finster, 12b die Nacht würde leuchten wie der Tag, 12c die Finsternis wäre wie Licht. Das göttliche Gegenüber beweist wieder überragende Wahrnehmungsfähigkeiten: Kinder, die sich verstecken, wollen letztlich ja auch gefunden werden. Eine Form von Zuwendung. Wird im Text auf Kosmos-Ebene ein Kindergartenspiel durchgeführt? - Bei einer solchen illusorisch-übernatürlichen Sichtweise kann man nicht stehenbleiben. Leugnung der fundamentalen naturhaften Abläufe. Es wird gesagt, dass diese zweite Wissensinstanz ("Unbewusstes") sich nicht abschalten lässt. Die erste dagegen ist abends rechtschaffen müde und ruht in der Nacht. Für die zweite seelische Instanz gilt dies nicht. Sie arbeitet weiter, verarbeitet Eindrücke des vergangenen Tages (ob mit Träumen oder ohne), und am folgenden Tag hat man oft den Eindruck, dass Probleme sich anders darstellen, geklärt sind. Eine konstante Wissensverarbeitung ist in jedem einzelnen aktiv. wie zu V.10
13a Denn du hast mein Inneres geschaffen, 13b mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Wieder paradoxes Wissen des Sprechers. War er bei seiner eigenen Erschaffung als Beobachter dabei? - Wohl kaum. Aber dem göttlichen Du wird ein entscheidender Beitrag für die eigene Existenz zugeschrieben. Existenz in welchem Sinn? - "mein Inneres": rückt der Beter ab vom Blick auf den Körper? Er würde einräumen, dass es ihm nicht um die biologische Existenz geht. "Inneres" meint dann wohl nicht 'innere Organe', sondern die "seelische Verfassung", das, was die geistige Struktur der Person ausmacht, ihre Individualität. - "gewoben" - das Textilbild und die Embryovorstellung ("im Schoß") passen nicht zusammen. Ein menschlicher Körper ist wesentlich kompakter als ein luftiges Textil. Intimes Tätigsein des Fremden/Anderen im Sinn biologischen Hervorbringens. Die physische Existenz ist gegeben und nicht Thema des Textes. Allenfalls liefert sie Bildmaterial. Der Sprecher sinniert nach, wie seine geistige Innenausstattung zustande kam. Schaffende Kraft ist dabei nicht eine Instanz außerhalb von ihm. Sondern er sieht sich in seiner geistigen Gesamtverfassung hervorgebracht durch die in ihm wirkende zweite Wissensinstanz (von uns mit dem "Unbewussten" gleichgesetzt). Diese zweite Instanz 'steht nicht zur Verfügung', kann nicht planend, berechnend verwendet werden. Aber sie hat helfenden Charakter, der Sprecher verdankt sich ihr, sie kann wahrgenommen, anerkannt, an sie kann auch appelliert werden (wie z.B. im aktuellen Text). Im Wortsinn: Begründung, beim Sprechakt also DARSTELLUNG. Indirekt werden damit die zuvor genannten Mehrfach-APPELLe weiter unterstrichen, als unausweichlich vorgestellt.
14a Ich danke dir, 14b daß du mich so wunderbar gestaltet hast. 14c Ich weiß: 14d Staunenswert sind deine Werke. Sprecher blickt auf sich selbst, aber auch weitere "Werke" - und findet alles "staunenswert". <<STAUNEN>> meint ja wohl "Wahrnehmen", aber nicht rational verstehen und herleiten können, also überrascht und erfreut sein über das, was man verblüfft zur Kenntnis nimmt. Die Gefühlsbekundungen können echt sein, aber bezogen auf die Naturphänomene, "Werke", - das ist unwahrscheinlich. Auch wieder das externe "Du". Es wird zwar viel gelobt und bewundert, hat aber keine weiteren identifizierbaren Umrisse angenommen. Also muss es ersetzt werden bei der "gemeinten Bedeutung". wie zu V. 13 Auf direktem Weg (Wortbedeutung): KUNDGABE. Da diese als 'Modell' geboten wird, sozusagen im 'Schaufenster', liegt indirekt ein didaktischer APPELL vor, eine nachdrückliche Einladung, diese Sicht zu übernehmen.
15a Als ich geformt wurde im Dunkeln, 15b kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde, 15c waren meine Glieder dir nicht verborgen. Wie passt das zu V.13? Beide Erschaffens-Vorstellungen passen nicht zusammen. Im "Schoß" oder in der "Erde"? Aktiver Erschaffer oder lediglich wahrnehmender Teilnehmer (Passiv beachten! Tätig ist offenbar ein anderer). Bild des Erschaffens im Sinn von physischem 'Herstellen' von irgendetwas, von jemandem. - Zumal sich zeigt, dass innertextlich die Vorstellung vom Erschaffen nicht konsistent ist. wie zu V.13.14. - "Glieder" klingt zwar nach Körpergliedern. Aber auf dieser Ebene ist der Text ja mehrfach inkonsistent. Daher liegt keine Sachbezeichnung, sondern ein Bild vor, etwa im Sinn von 'Personmerkmale', 'Charaktereigenschaften', die in der Summe das spezifische Individuum des Sprechers ergeben. wie zu V.14
16a Deine Augen sahen, 16b wie ich entstand, 16c in deinem Buch war schon alles verzeichnet, 16d meine Tage waren schon gebildet, 16e als noch keiner von ihnen da war. Ähnlich wie V.15, auch im Gegensatz zu V.13. Welche Rolle spielt das "Buch"? Wer hatte es beschrieben? Wieder "Passiv", d.h. Vermeiden der Nennung desjenigen, der "verzeichnet hat". Hat Gott selbst im eigenen Aufschrieb nachgeschaut, welchen Handlungsplan er einmal gefasst hatte? Im Wortsinn klingt die umfassende Beobachtung und Vorprogrammierung nach Stasi-Methoden, also bedrohlich. Die eigene Existenz als vorgeplante, gewollte, vorausgedachte, immer schon beobachtete. Die erste Wissensinstanz im Menschen ("Vernunft") muss und kann nicht alles leisten. Sie wäre überfordert. Sie ist vielmehr eingebettet in die zweite, die permanente Wissensverarbeitung des "Unbewussten". Dort sind Möglichkeiten, Perspektiven angelegt, von denen die erste Ebene noch nichts ahnen kann. Kein Wunder, dass seit dem Mittelalter die Frage immer wieder hochkochte, ob der Mensch in seinem Handeln determiniert sei, ob er einen freien Willen habe. Laut Psalm: ein plattes Ja/Nein ist als Antwort nicht möglich. Aber man muss die innere Dynamik, das Zusammenspiel beider Wissensinstanzen in Rechnung stellen - was dann wieder um zu Freud führt. - Aber es ist schön zu sehen, dass es im Grund um altes Menschheitswissen geht, nur ausgedrückt in unterschiedlichen Sprachformen. Im Wortsinn DARSTELLUNG. Indirekt eine Unterstreichung der APPELLe: Wenn es sich so verhält, wie geschildert, ist jeder Ausweichversuch sinnlos.
17a Wie schwierig sind für mich, 17b o Gott, 17c deine Gedanken, 17d wie gewaltig ihre Zahl! Quantitativ und qualitativ eine Kapitulationserklärung des eigenen = des Sprechers Wissens. Er weiß, dass er nichts weiß. Kann/sollte man daher all die vorigen Aussagen über das Wissen Gottes doch wieder streichen? Aber irgendeine Funktion werden sie ja gehabt haben. Welche? Der Sprecher/Beter kommt uns Interpreten zuvor und zerstört selbst, dekonstruiert, was er zum Feld des Wissens/Beobachtens alles gesagt hatte. Un-bewusstes - der Begriff arbeitet mit einer Negation. Immer wenn eine solche im Spiel ist, bekennt der Sprecher, dass ihm eine zufriedenstellende sprachliche Aussage eben nicht möglich ist. Der Psalm sagt zum religiösen Begriff "Gott" das gleiche: Man muss/kann mit der Instanz zwar rechnen, mit ihr Kontakt aufzunehmen versuchen, ihr Wirken als mächtig und wichtig für das eigene Leben anerkennen. Aber wie sie genau wirkt - dazu ist keine zufriedenstellende Beschreibung/Aussage möglich. KUNDGABE
18a Wollte ich sie zählen, 18b es wären mehr als der Sand. 18c Käme ich bis zum Ende, 18d wäre ich noch immer bei dir. Verstärkung von V.17. wie zu V.17 wie zu V.17. Die Betonung in beiden Versen der unüberblickbaren Gesamtzahl meint nicht die Menge, sondern die prinzipielle Undurchschaubarkeit mit den Mitteln der Alltagsvernunft. Unterstreichung der APPELLe
19a Wolltest du, 19b Gott, 19c doch den Frevler töten! 19c Ihr blutgierigen Menschen, 19d laßt ab von mir! Was hat diese Aggression nun mit den vorigen, breit dargelegten Gedanken zu tun? <<FREVLER>> - geht es nicht konkreter? Welche dunkle Gestalt - aus Sicht des Beters - soll damit gemeint sein? Plural "blutgierige Menschen" - wer soll das sein? Wenn der Sprecher nicht konkreter wird, muss auch diese Ausdrucksweise als "übertragener Sprachgebrauch gewertet werden. Heftige negative Gefühle: ja; aber das Mordszenario fällt zu sehr vom Himmel. Die Tötungsaufforderung bzw. Todesgefahr - beides ist im textlichen Wortsinn unplausibel, muss also für etwas anderes stehen. Textlich kein Hinweis auf eine real-physische Todesgefahr. Im Sinn der bisherigen Interpretationslinie: Als gefährlich werden Existenzverleugner/-vernichter auf der Ebene der personalen Verfassung/Individualität angesehen. Als zerstörerisch werden die empfunden, denen die Rückbindung an die zweite Wissensinstanz fehlt, religiös ausgedrückt: denen der "Glaube" fehlt. Die dann isoliert agierende "Vernunft" kippt ins Zerstörerische, ist nicht mehr beobachtet/begrenzt/geleitet durch die zweite Wissensinstanz im Menschen. Eine solche Verdrängung soll - so der Text - sich zerstörerisch bei jenen Frevlern auswirken. Inzwischen, bei der "gemeinten Bedeutung", müssen wir sagen: sie wirkt sich selbstzerstörerisch aus - denn nun ist aufgegeben, dass eine 'fremde, externe' Instanz eingreift. Nein, das missachtete, verdrängte Unbewusste, Selbst, Gott - oder was immer man hier einsetzt - kippt ins Zerstörerische. Es ist gefährlich, diese innere 'Rück-Bindung' = re-ligio - nicht in seinem Leben zur Geltung kommen zu lassen. Im Wortsinn APPELLe an die Figur "Gott". Indirekt aber abgrenzende Bekräftigung der früheren DARSTELLUNG der eigenen Position.
20a Sie reden über dich voll Tücke 20b und mißbrauchen deinen Namen. Den einen Frevler (V.19) muss man sich also als Gruppe vorstellen. In V.19 waren diese Menschen noch "blutgierig", jetzt ist der Vorwurf an sie, sie würden Gott gegenüber mißbräuchlich reden. Was gilt denn nun? Beides? Oder hängt beides zusammen? Das hätte man aber gern erläutert. Mißbrauch des "Namens"? Worin könnte sich die "Tücke" äußern? Was sollte an beidem gefährlich sein? - Auch diese unplausible Aussage muss übersetzt werden. Die Hervorhebung von "Name" sieht danach aus, dass die "Frevler" nur das Sprachetikett verwenden, es aber nicht mit innerer, eigener Überzeugung füllen. Sie verwenden den "Namen", ohne dass die Sprache von der eigenen Existenz gedeckt ist. Das wäre flatus vocis, belangloses Geplapper, insofern tatsächlich Missbrauch. "Tücke" wäre dann genau dies: anscheinend wird von der zweiten Wissensinstanz - Unbewusstes, Selbst, Gott o.ä. - gesprochen, insofern Gemeinsamkeit in der Lebenseinstellung simuliert. In Wirklichkeit trennt genau dieser Punkt den Beter von den andern. DARSTELLUNG im Wortsinn; indirekt machen die beiden Wertungen (Tücke, missbrauchen) daraus eine Warnung, also einen APPELL, an die Hörer, sie mögen nicht in gleicher Weise handeln.
21a Soll ich die nicht hassen, 21b Herr, 21c die dich hassen, 21d die nicht verabscheuen, 21e die sich gegen dich erheben? Klar ist mindestens, dass der Sprecher die Gegenposition einnimmt: ich = Sprecher hier vs. die anderen, die den "Herrn" ablehnen, dort. Wieder ist zweifellos von heftigen negativen Gefühlen die Rede. Mehr an nachvollziehbaren Umständen erfährt man nicht. Daher ist auch hier noch Interpretation gefordert. wie V.20 Wieder rhetorische Fragen. Indirekt: KUNDGABE eines eigenen negativen Gefühls. Darin eingeschlossen der APPELL, die Hörer mögen sich nicht gleich verhalten wie die geschilderten Negativfiguren. Die undifferenzierte Schwarzweiß-Malerei (hier der Beter, dort die Frevler) hat ohnehin APPELL-Charakter, sich gefälligst auf die richtige Seite zu schlagen!
22a Ich hasse sie mit glühendem Haß; 22b auch mir sind sie zu Feinden geworden. Verstärkung von V.21. Koalition Sprecher/Gott vs. Gottesfeinde. Rechtfertigung für eigenen Hass, der in V.21 noch unsicher, in Frageform eingebracht worden war, jetzt aber als sichere Aussage präsentiert wird. wie zu V.21 Die heftige Sprache soll heißen: Es geht um den existenziellen Kern jedes menschlichen Lebens. Und da trennt scharf in zwei Gruppen, ob man die innere 'Rück-Bindung' = re-ligio zulässt oder eben nicht. wie zu V.22
23a Erforsche mich, 23b Gott, 23c und erkenne mein Herz, 23d prüfe mich, 23e und erkenne mein Denken! Rückzug wieder auf die Beziehung Sprecher - Gott. Die üblen Anderen sind wie weggeblasen. Bitte und Zustimmung, dass der Sprecher von der göttlichen Instanz beobachtet, kontrolliert, erforscht wird. Das passt gedanklich zu V.1-4. Rückzug gänzlich auf eine 'modale' Ebene, die von Geistesfunktionen. Es geht um Wissenserwerb durch die andere Instanz. Die äusserliche Trennung: Ich <-> Anderer wird so nicht durchzuhalten, sondern zu ersetzen sein. Für eine separat vom Sprecher anzunehmende Existenz bleibt der "Andere / Gott / Du" zu blass. Eine große Macht wird ihm zugetraut - dann eben im Beter. Rückkehr zu der in vielen Versen positiv entwickelten Position, probehalber umschrieben als "innerer, wenngleich asymmetrischer Dialog zwischen Vernunft und Unbewusstem". Kurz, aber heftig, war zuvor die Trennlinie gegenüber denen in den Blick gekommen, die diesen Dialog leugnen. Nun besinnt sich der Sprecher wieder auf seine eigene, diesen Dialog pflegende Haltung. Im Wortsinn APPELL an "Gott". Indirekt wohl ein APPELL an die Leser, die demonstrativ an den Tag gelegte Bescheidenheit und Demut des Beters als Nachweis der Vertrauenswürdigkeit des gesamten Textes zu nehmen. Darin liegt auch die Empfehlung, also noch ein APPELL, die Äusserungen von V.23, so wie sie stehen, als Formular für eigenes Beten zu übernehmen. Dafür hat der Text zuvor sozusagen die inhaltliche Erläuterung geboten (zweistufige Struktur der menschlichen Innenwelt).
24a Sieh her, 24b ob ich auf dem Weg bin, 24c der dich kränkt, 24d und leite mich auf altbewährtem Weg! V.19-22 schienen von einem klaren eigenen Wissen auszugehen. Das gilt jetzt nicht mehr: Unsicherheit bezüglich des eigenen Weges, Sprecher braucht Aufsicht/Führung. "Weg" nur metaphorisch zu verstehen. Wertungen kommen ins Spiel, Frage der Konformität, Bitte um Korrektur. Bedürfnisbekundung. Zwar enthielten auch die bisherigen Verse schon verschiedene Ich-Aussagen, Wertungen. Man könnte sie bislang verstehen als überzeugte, jedoch auch etwas distanzierte Darlegung, wie der Sprecher die Doppelstruktur der inneren, seelischen Verfassung sieht, damit auch die existenzielle Notwendigkeit eines ständigen "inneren Dialogs". - Mit V.24 ist der Eindruck des 'Distanzierten' weg. In aktueller, wenngleich nicht auf einen individuellen Menschen verweisenden Situation soll der "innere Dialog" neu angestoßen werden, denn der Sprecher ist aktuell unsicher, ob der innere Abgleich beider Instanzen ("Vernunft" - "Unbewusstes") in lebensförderndem Maß gerade in Gang ist. Aktuelle Unsicherheit treibt also den Sprecher. wie zu V.23

1.4.2 DANTE, "Die göttliche Komödie" - ÜBUNG

... sollte natürlich auf Italienisch behandelt werden. Im Moment genüge der Anfang des Textes nach der Übersetzung von Walter Naumann. Darmstadt 2004.

[Erste Analysen von TeilnehmerInnen der 12. Sommerakademie (2013), Blaubeuren.]

Beispiele

Aus dem Abschnitt "Die Hölle", "1. Gesang" werden nur einige Sprachbilder übernommen. Das erste wird - wieder - beispielhaft besprochen. Die weiteren können in der Tabelle von Interessierten analysiert und in der Tabelle entsprechend eingetragen werden.

(1)
Text = Wortsinn
(2)
Störungen (Widersprüche,
Fehlende Infos, Abstraktionen,
Stilfiguren usw.)
(3)
Ist die gesamte Szenerie,
das gesamte Bild um eine weitere
Deutung zu ergänzen?
(4)
Ergänzende Deutung:
Gemeint ist etwa ... -
Einzelaspekte nennen!
(5)
Situation des Sprechers: Warum wohl
äussert er sich derart
zweischichtig?
In der Mitte unserer Lebensbahn kam ich zu mir in einem finsteren Wald, denn der gerade Weg war verfehlt. Im Wortsinn ist von "Ortsveränderung" die Rede. Von wo nach wohin ist das "Ich" unterwegs? Was ist eine "Lebensbahn"? In einem finsteren Wald - lässt sich das nicht genauer beschreiben? "Finsterer" Wald - klingt nach Märchenklischee. Der "gerade Weg" - das klingt schon standardmäßig nach moralisierender Sprechweise. <<VERFEHLEN>> - beschreibt keine realen Handlungen (wie: "Hinweisschild nicht gelesen"), sondern eine innere negative Bewertung von Handlungen. Von welchen? Unanschaulich. "Ich ... kam zu mir" - ist gemeint: "zu mir nach Hause"? Eher nicht, denn das "Ich" kam nicht in eine vertraute Gegend, nicht in das eigene Heim. Alles was mit "Ortsveränderung" zu tun hat, kann nicht beibehalten werden. Verschlüsselt im Blick ist offenbar die Lebensführung, das Verhalten nach geltenden Normen. Das Urteil/die Wertung ist auch schon gefällt: Normen nicht eingehalten! Das sprechende "Ich" im Text liefert eine Art Schuldbekenntnis. "ich zu mir" scheint für Innehalten, zur Selbsterkenntnis gelangen, zu stehen. Es sind soviele Sprachklischees zusammengestellt, dass keine ernstzunehmende Äusserung eines konkreten Menschen abgebildet wird. Es handelt sich eher um eine schlechte Predigt - in Persiflage. Den "Ton" muss man sich wohl heuchelnd-jammernd vorstellen. Der Sprecher in der Textfiktion äussert sich so, wie es andere gern hätten. Der Schreiber des Gesamttextes äfft Figuren nach, die er nicht wirklich ernstnimmt.
Ach, wie hart kommt es mich an zu sagen, wie er beschaffen war, dieser wilde, rauhe, beschwerliche Wald, der schon im Gedenken die Furcht erneuert. Wald wird nicht als konkrete Gegend bezeichnet. "Wald" offenbar symbolisch gemeint, muss also "übersetzt" werden. Depression, Verzweiflung Ausweglose Situation des Autors. - Könnte auch ein literarischer Trick sein, um mit dieser Dramatik die Aufmerksamkeit der Leser zu gewinnen / zu sichern.
So bitter ist er, daß der Tod es nur wenig mehr ist; doch um das Gute darzulegen, das ich dort fand, werde ich von den anderen Dingen sagen, die ich dort erblickte. (...) (...) (...) (...)
Ich kann es nicht richtig wiedergeben, wie ich dort hineingeraten bin, so sehr war ich voll Schlafes in jenem Augenblick, als ich den wahren Weg verließ. kein echter Schlaf muss interpretiert werden Verblendung, kein Durchblick, hat sich täuschen lassen (...)
Doch als ich an den Fuß eines Hügels gelangt war, dort, wo jenes Tal zu Ende kam, das mir vor Angst das Herz bedrückt hatte, (...) (...) (...) (...)
schaute ich in die Höhe und sah Bergrücken bereits bekleidet von den Strahlen des Gestirns, welches die Menschen geradenwegs auf jeder Gasse leitet. (...) (...) (...) (...)
Da wurde die Angst ein wenig stille, die mir im See des Herzens verblieben war während der Nacht, die ich mit so großem Jammer verbrachte. (...) (...) (...) (...)
Und wie einer, der, mit bedrängtem Atem aus dem Meer ans Ufer entronnen, sich umwendet zu dem gefahrenreichen Wasser und schaut, (...) (...) (...) (...)
so wandte sich mein Geist, der noch auf der Flucht war, zurück, die Enge zu betrachten, die noch nie ein Mensch lebend verließ. (...) (...) (...) (...)

Aus dem Abschnitt "Die Hölle", aus weiteren Gesängen:

(1)
Text = Wortsinn
(2)
Störungen (Widersprüche,
Fehlende Infos, Abstraktionen,
Stilfiguren usw.)
(3)
Ist die gesamte Szenerie,
das gesamte Bild um eine weitere
Deutung zu ergänzen?
(4)
Ergänzende Deutung:
Gemeint ist etwa ... -
Einzelaspekte nennen!
(5)
Situation des Sprechers: Warum wohl
äussert er sich derart
zweischichtig?
Hinter ihnen her war der Wald voll von schwarzen Hündinnen, gierig und flink wie eine Meute, die von der Kette losgelassen wäre. In den, der sich niederduckte, gruben sie ihre Zähne und zerfleischten ihn Fetzen um Fetzen, dann schleppten sie die schmerzenden Glieder hinweg. Da nahm mich mein Führer bei der Hand und führte mich zu dem Strauch, der aus den blutenden Bruchstellen vergeblich jammerte: "O Giacomo", sprach er, "da Sant'Andrea, was hat es dir genutzt, bei mir Deckung zu suchen, welche Schuld habe ich an deinem schlimmen Leben?" Als der Meister bei ihm stehenblieb, sprach er: "Wer warst du, der du aus so vielen Wunden mit Blut eine schmerzvolle Rede ausstößt?" Und er zu uns: " Ihr Seelen, die ihr dahergekommen seid und die schändliche Mißhandlung seht, die mir meine Blätter entrissen hat, sammelt sie an dem Fuß des elenden Busches. Ich stammte aus der Stadt, die sich den Täufer eintauschte anstelle ihres ersten Schirmherrn, weshalb der sie immer mit seinem Tun betrüben wird; und wäre nicht am Übergang über den Arno ein Merkmal von ihm noch auszumachen, so hätten die Bürger, die sie neu gründeten auf der Asche, die von Attila übrigblieb, umsonst ihr Werk getan. Ich machte mein eigenes Haus mir zum Galgen." (13. Gesang) Der "Ich"-Berichterstatter behauptet mehr, als er durch eigene Wahrnehmung verbürgen kann: "Wald voll". - "Hündinnen" - keine "Hunde" darunter? - Woher die kollektive Aggressivität? - Abgerissene Glieder schmerzen nicht mehr. - "Strauch" der blutet und jammert? - Erster Redebeitrag ohne Hintergrundwissen nicht verstehbar. - Angeredete "Seelen" - Abstrahierung vom Körper. - Wie verhalten sich die abgerissenen "Blätter" zu den obigen "Gliedern"? Ein und das selbe? - "Täufer"/"Schirmherr" - man bräuchte wieder Hintergrundwissen. - "Arno" - der Flußname deutet auf "Florenz". Ist es gefährlich oder verboten, den Stadtnamen auszusprechen? - "Haus/Galgen" - Anspielung auf ...? Sehr vieles passt nicht im Wortsinn, so dass die gesamte Szenerie zu ersetzen ist. Man ahnt, dass auf einen heftigen, schmerzhaften Konflikt angespielt wird. Er hinterließ Wunden/Vorwürfe. Geht es um die Zerstörung der Stadt durch die Westgoten (Attila)? Die Verurteilung eines solch barbarischen Aktes käme dadurch zum Ausdruck, dass er in der "Hölle" symbolisch nachgestellt wird. Autor bringt in bildhafter Form ein traumatisches Ereignis der italienischen Geschichte zur Sprache - nicht historisch-nüchtern, sondern hochemotionalisiert und dramatisch.
Dorthin gelangten wir, und von dort sah ich unten in dem Graben Leute eingetaucht in einen Kot, der von menschlichen Aborten geholt zu sein schien. Und während ich mit dem Auge da unten schweife, sah ich einen mit dem Kopf so verdreckt von Scheiße, daß es nicht sichtbar wurde, ob er Laie war oder Geistlicher. (18.Gesang) Warum muss der Kot "geholt" werden?
"mit dem Kopf" - der Kopf als Mittel zu verstecken? Wohl eher: "mit" = Spezifikation.
Der Unterscheidungsbedarf ist überraschend in dieser Situation, wo alle ohnehin verdreckt sind.
alles Maximal verzweifelte Situation.
Die schlimme Lage betrifft alle Stände und Berufe, sie werden nicht unterschieden. Keiner kann auf Privilegien pochen.
Autor legt Wert darauf, dass auch die Geistlichkeit die 'Chance' hat, in den Höllendreck zu tauchen.
Als mein Blick tiefer an ihnen hinabglitt, erschien mir jeder in sonderbarer Weise verrenkt zwischen dem Kinn und dem Anfang des Brustkorbs; denn nach dem Steiß hin war ihr Gesicht gedreht, und rückwärts zu gehen, zwang es sie, weil ihnen das Sehen nach vorn genommen war. Vielleicht wurde als Folge einer Lähmung, schon einmal einer so verrenkt; aber ich habe es nicht gesehen und glaube nicht, daß es das gibt. Wenn Gott dir, Leser, es gewähren möge, daß das Gelesene dir Gewinn bringt, so denke selbst dich in die Lage, ob ich das Gesicht trocken behalten konnte, als ich unser Ebenbild von nahem so verdreht sah, daß die Tränen aus den Augen das Gesäß überströmten durch die Rinne. (20. Gesang) Kopf gewaltig verdreht.
Damit sind jene Wesen gezwungen rückwärts zu gehen.
Nur Tiere (z.B. Vögel) sind zu solchen Verdrehungen fähig.
Er sieht etwas, und widerspricht sich: "glaube nicht, dass"
alles Am Alten hängenbleiben, verbohrt, verrenkt, rückwärts gewandt.
Der Blick in die Zukunft ist verstellt.
Redewendung: 'Das hat ihm das Genick gebrochen'.
Autor voller Sarkasmus, weil Politiker so uneinsichtig sind.
"Schwarzer" Humor.
Und ich zu ihm: "Wer sind die beiden Jammergestalten, die dampfen wie gebadete Hände im Winter und die dicht an deiner rechten Außenseite liegen?" "Hier fand ich sie, und seitdem haben sie sich nicht von der Stelle gerührt", erwiderte er, "als ich in diese Kluft hereinregnete, und ich glaube nicht, daß sie sich in Ewigkeit rühren werden. Die eine ist die Falsche, die den Josef beschuldigte, die andere ist der falsche Grieche Sinon aus Troja; von heftigem Fieber strömen sie solchen Qualm aus." (30.Gesang) Wer zu wem?
"Jammergestalten": Wertung ohne Beschreibung.
"Dampfen"- wodurch?
"Kluft" - welche?
"Außen"-Seite ??
Drama der Starre. Betroffen Frau des Potifar (vgl. Gen 39), die Josef ungerecht beschuldigt und damit ins Gefängnis gebracht hat. Andererseits Sinon: Er hat die Trojaner animiert, das hölzerne Pferd in die Stadt zu holen.
Gemeinsamer Fehler: Vorspiegelung falscher Tatsachen - mit verheerenden Folgen.
Was ist Ursache des Fiebers?
Qualm ausströmen??
alles Starre <-> Hitze, Dampf: Selbstwidersprüche
individuell oder kollektiv gibt es Typen, die Ekel auslösen;
All das wird als Erkenntnis aus der Tiefe ausgebreitet, aus dem - normalerweise - Verborgenen.
Keine Selbstbekämpfung, keine Schizophrenie; stimmiger Umgang mit sich und anderen sollte gepflegt werden, kein Hintergehen.
Da massive Gesellschaftskritik enthalten ist, steht der Autor in großer innerer Distanz zur Gesellschaft.
Hätte ich Reime, die schrill und harsch sind, wie es dem elenden Loch zukäme, auf welchem alle anderen Felsmassen lasten, dann würde ich aus meiner Schau den Saft reichlicher pressen; doch weil ich das nicht habe, mache ich mich nicht ohne Furcht daran zu reden; denn es ist keine Aufgabe, die man zum Scherz unternimmt, den Grund des ganzen Weltalls zu beschreiben, noch eine für die Zunge, die Mama und Papa ruft. (31.Gesang) Schreibt ein ganzes Buch und hat nicht die passende Sprache?
Das Schreiben als Notbehelf, als Verlegenheitslösung?
"Grund des ganzen Weltalls" - gehts auch eine Nummer kleiner?
Kleinkind ist der Sprecher wohl nicht mehr.
"Scherz" = Untertreibung
Alles. Es handelt sich im Wortsinn um merkwürdige Entschuldigungen und Klauseln, Schutzbehauptungen. Was in dem Werk beschrieben wird, ist drastisch. Nun wird gesagt: es ist alles noch viel heftiger. = Dramatisierung Welt und Gesellschaft sind erneuerungsbedürftig. Der Autor stellt sich völlig in Gegensatz zur geistig-gesellschaftlichen Umwelt. "Einer gegen Alle".
Wir hatten uns schon von ihm entfernt, als ich zwei sah, in einem Loch zu Eis geworden, so daß der eine Kopf dem anderen als Hut diente; und wie einer vor Hunger Brot kaut, so setzte der obere dem anderen seine Zähne dort an, wo das Gehirn sich mit dem Genick begegnet; nicht anders nagte Tydeus vor Wut dem Menalippos an den Schläfen, als dieser hier den Schädel und den Rest zurichtete.(32.Gesang) Kopf und Gestalt ??
Hut ??
Kauen ??
Tydeus ??
Menalippos ??
hier ??
alles Emotion ist erstarrt.
Vereisen als Symbol für äusserste Erstarrung - und selbst da, oder gerade da unvorstellbare Grausamkeit.
Eiskalte Wut.
Körper und Geist werden beschädigt.
Mit derart drastischen Bildern zeigt der Autor, dass er selbst äusserst erregt und mit dem Lauf der Welt, wie er ihn sieht, überhaupt nicht einverstanden ist. Aber immerhin 'kotzt er sich nicht lediglich aus', sondern veredelt seine Kritik durch Ausgriffe in die Mythologie/Antike und bündelt sie in sein Versmaß (Terzine). Das zeigt dann doch auch wieder eine gewisse Distanz zu seinen heftigen negativen Emotionen.
Das Weinen selbst läßt weinen dort nicht zu, und der Schmerz, der in den Augen ein Hindernis findet, kehrt sich nach innen und verstärkt die Bedrängnis; denn die ersten Tränen werden zu Klumpen, und wie Visiere aus Kristall füllen sie unter den Brauen die ganze Augenhöhle aus. (33.Gesang) Tränen werden zu Klumpen.
Visier aus Kristall
Paradox: Weinen, das das Weinen nicht zulässt.
alles Schmerzliche Situation
Trauern ist unmöglich, perspektivlos.
Paradoxie = Dramatisierung.
Das Auge ist überbelastet.
Posttraumatische Belastungsstörung.
Weh, ihr Genuesen, Leute fremd jeder Sitte und voll jeder Tücke, warum seid ihr nicht aus der Welt vertilgt? Bei dem schlimmsten Geist aus der Romagna fand ich von euch einen, der wegen seiner Werke mit der Seele schon im Kokytos schwimmt, und mit dem Körper erscheint er noch lebendig hier oben. (33.Gesang) (...) (...) (...) (...)
Schon war ich, und mit Schaudern schreibe ich es in meine Verse, dort, wo die Schatten ganz zugedeckt waren und hindurchschienen wie ein Halm im Glas. Einige liegen darin, andere stecken senkrecht, einer auf dem Kopf, ein anderer auf den Sohlen, noch ein anderer wie ein Bogen, das Gesicht zu den Füßen gekrümmt. (34.Gesang) Unklarer Ort
Wodurch "zugedeckt"?
sichtbar <-> unsichtbar
Was steht auf dem Kopf?
Was/wer ist total in sich gekrümmt)? Erinnert an 'homo in se incurvatus'.
Marx/Feuerbach wollten auch 'vom Kopf auf die Füße stellen'.
alles undurchsichtige Machenschaften; eingegossen in Glas: Intrigen; Perversionen; 'gelatineförmige' Gesellschaft (vgl. Künstler in Salzburg: Gelatine) Mitten in der Katastrofe: der Tiefpunkt ist erreicht.
Mit sechs Augen weinte er, und über das dreifache Kinn tropften Tränen und blutiger Geifer. In jedem Mund zerstückte er mit den Zähnen einen Sünder, so daß er drei auf diese Weise leiden machte. Für den vorne war das Beißen nichts im Vergleich zum Kratzen, manches Mal blieb das Rückgrat ganz entblößt von der Haut. (34.Gesang) (...) (...) (...) (...)

Hölle - Übungstexte

Die meisten der in der Tabelle genannten Texte sind auch separat verfügbar (z.B. für Untergruppen): Beispielanalyse + auszufüllender Textabschnitt:

#  [22] - zum 'Aufwärmen' mehrere kleine Abschnitte aus Gesang 1.
#  [23] - ab hier jeweils nur ein weiterer, noch zu analysierender Textabschnitt.
#  [24]
#  [25]
#  [26]
#  [27]
#  [28]
#  [29]

... sollte natürlich auf Italienisch behandelt werden. Im Moment genüge der Anfang des Textes nach der Übersetzung von Walter Naumann. Darmstadt 2004.


Aus dem Abschnitt "Das Fegefeuer": [Beiträge der TeilnehmerInnen an der Sommerakademie 12 (2013), Blaubeuren]

(1)
Text = Wortsinn
(2)
Störungen (Widersprüche,
Fehlende Infos, Abstraktionen,
Stilfiguren usw.)
(3)
Ist die gesamte Szenerie,
das gesamte Bild um eine weitere
Deutung zu ergänzen?
(4)
Ergänzende Deutung:
Gemeint ist etwa ... -
Einzelaspekte nennen!
(5)
Situation des Sprechers: Warum wohl
äussert er sich derart
zweischichtig?
und ich will singen von dem zweiten Reich, wo die menschliche Seele sich läutert und würdig wird, zum Himmel aufzusteigen. (1.Gesang) "2.Reich" - interessante Zählung. Also wird noch ein "3.Reich" kommen. Aber für den Missbrauch im 20. Jhd. kann Dante nichts. - "Seele", ein Abstraktum, wird gereinigt? - "Himmel" ebenso ein Bild für einen höchsten Wert. Hat nichts mit dem atmosphärischen "H." zu tun. Der liefert nur das Bildmaterial. - "aufsteigen" - Ortsveränderung kann nicht von einem Abstraktum vollzogen werden. Das ganze vergeistigte Raumbild Der Autor spricht ja aus, was ihn interessiert: "Seele" = innere Einstellung - nur dass die eben keinen Berg besteigen kann. - Das "2.Reich" steht demnach für ein inneres Umdrehen/Wandeln. Dort soll die Veränderung geschehen, d.h. im realen Alltag, ohne mythischen Berg. "singen" = stark und freundlich werben. Der Autor ist radikal unzufrieden mit der geistigen Verfassung seiner Landsleute/Adressaten. Sein Text ist poetisch-revolutionär. Die Unzufriedenheit mit dem status quo kommt zum Ausdruck. Es fehlt im genannten Textausschnitt ein Vorschlag, wie die gewünschte Veränderung praktiziert werden soll, und wie genau - unpoetisch, alltagstauglich ausgedrückt - das Ziel aussieht. Daher die Gegenfrage: ist der Autor mit sich unzufrieden - redet aber, weil dies immer leichter ist - von den anderen? - Die klar getrennten 3 Reiche klingen weltfremd und als gewaltsame Gedankenkonstruktion/Hierarchie. Immerhin liegt darin ein Mittel, die Textleser in eine Bewegung zum Guten hineinzunehmen. Die Abscheulichkeiten der "Hölle" sind nun überwunden. Es kann nur besser werden. Die "Reiche" bilden ab, wie wir in Sprache werten: "schlecht - unentschieden - gut". "Reich" liefert eben noch Suggestion und Dramatik. Hitler hat den Mechanismus auch benutzt.
Mein Meister sagte noch immer kein Wort, bis das, was zuerst weiß war, sich als Flügel zeigte; als er nun deutlich den Fährmann erkannt, rief er: "Eil dich, eil dich, daß du die Kniee beugst; es ist der Engel Gottes; falte die Hände; von nun an wirst du so beschaffene Amtshelfer sehen. (2.Gesang) ein Flügel alleine kann sich nicht zeigen,
auch nicht allein als "weiß"
"eil dich..." - Sonderwissen. Woher weiß der Meister das?
Überraschend: Engel als Amtshelfer.
"Engel" zudem Figur aus welcher Fantasiewelt?
gesamtes Bild (innere) Sprachlosigkeit
Perspektive/Hilfe wird sichtbar
Aufforderung zur Kontemplation, zum passiven Verharren statt zur Aktion
häufigere Hilfe in Aussicht gestellt
beschreibt einen Heilungsfortschritt
Dann, als der göttliche Vogel näher und näher zu uns herankam, erschien er klarer; weshalb das Auge in der Nähe ihn nicht ertrug, sondern ich schlug es nieder; er kam ans Ufer mit einem geschwinden, leichten Nachen, so leicht, daß das Wasser nichts davon schluckte: Auf dem Heck stand der himmlische Ferge, er sah aus wie ein Seliger laut Inschrift, und mehr als hundert Geister saßen darin. (2.Gesang) (...) (...) (...) (...)
Wir hatten inzwischen den Fuß des Berges erreicht; dort fanden wir den Felsen so steil, daß umsonst die Beine sich bemüht hätten. Zwischen Lerice und Turbia ist der ödeste, der schroffste Felssturz eine Treppe, verglichen mit diesem, bequem und breit. "Wer weiß jetzt, auf welcher Seite der Hang sich abflacht", sagte mein Lehrer und hemmte seinen Schritt, "so daß einer hinauf kann, der ohne Flügel geht?" (3.Gesang) Welchen Berg?
Lerice? Turbia? Wo sind die Orte?
Unpassierbarer Weg - wohin?
Ziel?
Am Schluss rhetorische Frage? Oder weiß ausgerechnet der Lehrer nicht? Liegt Ironie vor?
alles Zwang zum Aufstieg ist unlösbare Aufgabe.
Entscheidung: links - rechts = Welchen Weg soll man einschlagen?
Ratlosigkeit wirkt "banal".
Ratlosigkeit in aussichtsloser Lage;
Enttäuschung über die Unwissenheit des Lebens;
Herausforderung, selbst die Lösung zu finden im Umgang mit Unwissenheit.
Wahr ist, daß, wer im Bann der Heiligen Kirche stirbt, auch wenn er am Ende bereut, hier außen auf dem Ufer bleiben muß, dreißigmal so lange, wie er in seiner Verstockung geblieben ist, wenn dieser Ratschluß nicht durch gute Gebete abgekürzt wird. (3.Gesang) (...) (...) (...) (...)
Als wir zum obersten Rand des Steilufers gekommen waren, auf den offenen Hang: "Mein Meister", sagte ich, "welchen Weg nehmen wir?" Und er zu mir: "Laß keinen deiner Schritte zaudern, immer aufwärts zu dem Berg geh weiter hinter mir, bis sich uns irgendein erfahrener Führer zeigt." (4.Gesang) "Laß keinen..." ausweichende Antwort
Warum nicht "Zaudern"?
"irgendein..." - Wer und wieviele gibts davon?
Hat der eine einen Namen? Welche Qualifikation?
alles 'stressiger Aufstieg' = nicht das Ziel, der Weg ist entscheidend.
unsichere Lage
Wie gehts weiter - es ist unklar.
Hoffnung
befreiendes Gefühl
Unsicherheit
Zwischenreich: alte Werte gelten nicht mehr, neue sind nicht in Sicht.
Hoffnung noch vage.
Aber immerhin: Erstarrung löst sich.
Und er zu mir: "Dieser Berg ist von der Art, daß er immer unten beim Beginn mühsam ist, und je weiter einer hinaufgeht, umso weniger beschwerlich ist er. Darum, wenn er dir sacht vorkommen wird, so sehr, daß der Gang hinauf dir leicht wird wie eine Fahrt mit der Strömung abwärts im Schiff, dann bist du am Ende dieses Pfades; dort erwarte, von der Mühsal auszuruhen; mehr antworte ich nicht, und dies weiß ich fürwahr." (4.Gesang) Entspricht nicht unserer Erfahrung als Bergsteiger.
In der Realität nehmen die Kräfte eher ab.
alles Aller Anfang ist schwer.
Wenn Unbereinigtes bereinigt wird, wird das Herz leicht.
(...)
Indessen kamen schräg über den Hang, ein wenig vor uns, Leute, die sangen: "Sei mir gnädig, o Gott", Vers für Vers. Als sie bemerkten, daß ich den Strahlen keine Gelegenheit gab, meinen Körper zu durchdringen, veränderten sie ihren Gesang in ein gedehntes, tonloses "Oh!"; und zwei von ihnen eilten in der Art von Boten uns entgegen und forderten uns auf: "Mach uns bekannt mit eurem Zustand." (5.Gesang) Was für ein "Hang"?
Machen die eine Prozession, eine Bittprozession?
"Vers für Vers" - wieso derart differenzierend betont? Es könnte doch heißen: "alle Strophen".
"Strahlen" = ??
"tonloses"! = erstirbt der Gesang?
Übergang von artikulierter Sprache zu bloßen Lauten.
Werden Nicht-Christen als interessante Zombies wahrgenommen?
alles Zur Veränderung bereit.
"Gnade" schließt Einsicht ein.
Religiöse Sprache wird als fremd empfunden.
Zwei Gruppen verstehen sich nicht - das wird bewusst.
Interesse für den anderen Lebensstil keimt auf.
Es gibt Mitbürger, mit denen Hoffnung besteht. Er könnte kooperieren, sieht eine Chance zur Veränderung, zur Einsicht.
Nachsicht mit anderen anstelle von Verurteilung.
Wir sind alle einmal gewaltsam gestorben und waren Sünder bis zur letzten Stunde; da hat uns ein Licht vom Himmel aufmerksam gemacht, so daß wir bereuend und verzeihend aus dem Leben schieden, mit Gott versöhnt, der uns ins Herz trifft mit dem Verlangen, ihn zu sehen." (5.Gesang) (...) (...) (...) (...)
... ich weiß nicht, ob du begreifst: Ich spreche von Beatrice; du wirst sie droben auf dem Gipfel dieses Berges lächeln sehen und selig." Und ich: "Herr, laß uns mit größerer Eile gehen, denn ich ermüde nicht mehr wie vorher, und sieh, wie der Berg schon Schatten wirft." (6.Gesang) (...) (...) (...) (...)
Weh dir, versklavtes Italien, Herberge der Leiden, Schiff ohne Steuermann in großem Sturm, nicht Herrin der Provinzen, sondern Hurenhaus! Diese edle Seele war so begierig, einzig wegen des holden Klanges ihrer Heimat, den Landsmann dort festlich zu empfangen; und indessen bleiben in dir die Lebenden nicht ohne Krieg, und von denen, die ein Wall und ein Graben einschließt, zerfleischt einer den anderen. (6.Gesang) (...) (...) (...) (...)
Zwischen steil und eben lief ein schräger Pfad, der uns an die Seite der Einbuchtung führte, dorthin, wo die Steigung sich mehr als halb verliert, Gold und lauteres Silber, Scharlach und Bleiweiß, indischer Bernstein, leuchtend und heiter, frischer Smaragd, wenn er eben losgebrochen wird, würden, in diese Bucht versetzt, von dem Gras und den Blumen alle an Farbe übertroffen werden, so wie das Geringere von dem Größeren übertroffen wird. Nicht nur hatte die Natur hier gemalt, sondern aus der Lieblichkeit von tausend Düften bereitete sie einen unbekannten und ununterscheidbaren. (7.Gesang) (...) (...) (...) (...)
Grün wie Blättchen, die soeben entsprossen sind, waren ihre Gewänder, die sie, von grünen Flügeln bewegt, flatternd hinter sich herzogen. Der eine stellte sich ein wenig oberhalb von uns auf, und der andere ließ sich auf dem entgegengesetzten Hang nieder, so daß die Menschen in der Mitte umgeben waren. Wohl unterschied ich an ihnen den blonden Kopf, doch im Gesicht verwirrte sich das Auge wie eine Kraft, die an einem Zuviel zunichte wird. "Beide kommen aus dem Schoß Marias", sagte Sordello, "zum Schutz des Tales vor der Schlange, die bald kommen wird." (8.Gesang) (...) (...) (...) (...)
Auf der Seite, wo die kleine Talsenke keine Schutzwand hat, war eine Schlange, vielleicht jene, die Eva die bittere Speise gab. Durch Gras und Blumen kam der böse Streifen und drehte seinen Kopf wieder und wieder zurück, sich den Rücken leckend wie ein Tier, das sich aufputzt. Ich sah nicht, und darum kann ich es nicht sagen, wie die beiden himmlischen Falken sich in Bewegung setzten; aber ich sah deutlich den einen wie den anderen in Bewegung. Als es die grünen Flügel die Luft durchschneiden hörte, entfloh das Reptil, und die Engel kehrten um, in gleichem Flug zurück an ihre Plätze auf der Höhe. (8.Gesang) (...) (...) (...) (...)
Zur Stunde, wenn die Schwalbe ihre traurigen Lieder anhebt, nahe zum Morgen, vielleicht zum Gedächtnis ihrer ersten Klagen, und wenn unser Geist, mehr dem Fleische fremd, und weniger von Gedanken gefangen, fast göttlich ist in seiner Schau, schien es mir im Traum, ich sah einen Adler mit Federn von Gold am Himmel schweben, mit offenen Flügeln und bereit herabzukommen; und es schien mir, ich war dort, wo von Ganymedes die Seinen verlassen wurden, als er entrückt wurde zur höchsten Ratsversammlung. Bei mir dachte ich: 'Vielleicht stößt dieser immer nur hier nach seiner Gewohnheit nieder und vielleicht verschmäht er es, von einem anderen Ort in den Fängen etwas emporzutragen.' Dann schien es mir, daß er, nachdem er eine Weile gekreist hatte, erschreckend wie ein Blitzstrahl herabfuhr und mich entrückte bis zum Feuer. Dort schien es, daß er und ich in Brand gerieten, und so sehr versengte mich die vorgestellte Feuersglut, daß der Schlaf zerschellen mußte. Nicht anders schrak Achilles zusammen, der die erwachten Augen ringsum kreisen ließ und nicht wußte, wo er wäre, damals, als die Mutter ihn hinweg von Cheiron nach Skyros, in ihren Armen schlafend, flüchtete, von wo die Griechen ihn später holten, wie ich erschrak, sobald der Schlaf von meinem Antlitz floh, und totenbleich wurde wie ein Mensch, der entsetzt zu Eis erstarrt. (9.Gesang) (...) (...) (...) (...)
Leser, du siehst gewiß, wie ich meinen Gegenstand erhebe, darum wundere dich nicht, wenn ich ihn mit mehr Kunst stütze. Wir näherten uns und waren schon so weit, daß ich, wo mir vorher ein Spalt zu sein schien nur wie ein Riß, der eine Wand trennt, eine Pforte sah und darunter drei Stufen, um zu ihr zu gelangen, an Farbe verschieden, und einen Pförtner, der bislang kein Wort sagte. Und als ich mein Auge mehr und mehr dafür öffnete, sah ich, daß er auf der obersten Stufe saß, im Antlitz so beschaffen, daß ich es nicht ertrug; und ein nacktes Schwert hielt er in der Hand, welches die Strahlen so auf uns zurückwarf, daß ich öfter vergeblich den Blick hinwendete. "Sagt von dort her: Was wollt ihr?", begann er zu sprechen, "Wo ist das Geleit! Gebt acht, daß euer Aufstieg euch nicht Schaden bringt." "Eine Frau vom Himmel, erfahren in diesen Dingen", erwiderte ihm mein Lehrer, "sagte soeben erst zu uns: 'Geht dorthin, da ist die Pforte:'" "Und sie möge eure Schritte zum Heil lenken", begann aufs neue der höfliche Pförtner, "kommt also heran zu unseren Stufen." Hin gingen wir, und die erste Stiege war aus weißem Marmor so blank und lauter, daß ich mich darin spiegelte, so wie ich erscheine. Es war die zweite dunkler noch als tiefer Purpur, aus einem rauhen, versengten Gestein, längsweis und in die Quere geborsten. Die dritte, die obenauf lastet, schien mir von Porphyr, so flammend rot wie Blut, das aus einer Ader spritzt. Auf dieser hielt der Engel Gottes beide Sohlen, er saß auf der Schwelle, die mir Gestein aus Diamant zu sein schien. Über die drei Stufen hinauf leitete mich, der willig war, mein Führer und sagte: "Bitte demütig, daß er das Schloß löse." In Andacht warf ich mich nieder zu den heiligen Füßen; Erbarmen erbat ich und daß er mir öffnete, doch vorher schlug ich mir dreimal auf die Brust. (9.Gesang) (...) (...) (...) (...)
"Richte deinen Sinn nicht nur auf einen Ort", sagte mein holder Meister, der mich auf der Seite hatte, wo der Mensch das Herz hat. Darum wandte ich mich mit dem Gesicht und sah hinter Maria, auf der Seite, wo er war, der mich führte, eine andere Geschichte in dem Gestein dargestellt; deshalb ging ich an Virgil vorüber und näherte mich, damit sie meinen Augen erreichbar wäre. es war dort in dem Marmor selbst gemeißelt der Wagen und die Rinder, die die heilige Lade zogen, weshalb ein Amt ohne Auftrag dazu zu fürchten ist. Davor war das Volk zu sehen, und alle zusammen, eingeteilt in sieben Chöre, ließen zwei meiner Sinne, den einen 'nein', den anderen 'ja, sie singen' sagen. In gleicher Weise entzweiten sich beim Dunst des Weihrauchs, der dort abgebildet war, die Augen und die Nase mit einem 'Ja' und einem 'Nein'. (10.Gesang) (...) (...) (...) (...)
Auf uns zu kam das schöne Wesen, weiß gekleidet und im Antlitz so, wie der Morgenstern funkelnd erscheint. Er öffnete die Arme, dann öffnete er die Flügel, er sprach: "Kommt! Hier nahebei sind die Stufen, und mit Leichtigkeit steigt man nunmehr hinauf. Dieser Einladung folgen nur sehr wenige; o Menschengeschlecht, geboren, um emporzufliegen, warum fällst du bei schwachem Wind so leicht hinab?" Er führte uns dorthin, wo im Fels ein Einschnitt war; dort schlug er mir die Flügel über die Stirn; dann verhieß er mir einen sicheren Gang ... Als wir unseren Gang dorthin wendeten, sagen Stimmen "Selig sind die geistlich Armen" in solcher Art, daß keine Rede es zu sagen vermöchte. Ach, wie sehr sind diese Pforten verschieden von denen in der Hölle; hier tritt man unter Gesängen ein und dort unten bei wildem Jammergeschrei. Schon stiegen wir auf den heiligen Treppen aufwärts, und es schien mir, ich war sehr viel leichter, als es mir auf der ebenen Strecke vorher geschienen hatte. (12.Gesang) Aufwändig beschriebenes Wesen, das nicht von unserer Welt ist. Die traditionelle Auskunft "Engel" hilft nicht weiter. Was damit gemeint sein soll, ist ja gerade die Schwierigkeit.
"emporfliegen" - Menschen können nicht fliegen. Die unterstellte Aerodynamik ist überraschend.
"schlug er mir" - Geste unklar
"Stimmen" - Sprecher unklar
Ort nicht nachvollziehbar genannt
alles - für ein problemloses Verstehen bleibt zuvieles offen. Depression überwunden. Es geht aufwärts.
Chancen werden nicht wahrgenommen. Jeder Mensch hat Kraft. Viele halten nicht stand.
Aufforderung, sich seiner Stärken bewusst zu sein.
Ritual von Zuwendung; Selbstheilungskräfte werden aktiviert.
Glück wird als Kontrast zur Vergangenheit wahrgenommen.
Eigene Kraft wird auch durch Singen weiter aktiviert.
Der Abschnitt hat APPELL-Funktion. Der Autor sieht in seinen Zeitgenossen viele ungenützte Ressourcen. Diese will er wecken.
Da öffnete ich die Augen weiter als vorher, ich schaute nach vorn und sah Schatten mit Umhängen, nicht unterschieden von der Farbe des Gesteins. Und als wir ein wenig weiter waren, hörte ich rufen: "Maria, bitte für uns", rufen: "Michael" und "Petrus" und "alle Heiligen!" Ich glaube nicht, dass auf der Erde ein heute ein so verhärteter Mensch wandelt, der nicht vom Mitgefühl getroffen würde bei dem, was ich dann sah; denn als ich so nah an sie herangekommen war, daß mir ihr Verhalten zur Gewißheit wurde, da wurden mir die Augen naß vor schwerem Leid. Mit gemeinem Sackleinen schienen sie mir bedeckt, und einer stützte den anderen mit der Schulter, und alle wurden von der Wand gestützt; so stehen die Blinden, denen der Unterhalt mangelt, bei den Wallfahrtsorten und bitten um das, was sie brauchen, und einer läßt den Kopf über den anderen hängen, damit sich bei anderen rasch das Mitleid regen möge, nicht nur durch den Klang der Worte, sondern durch den Anblick, der nicht weniger flehentlich wirkt. Und wie den Blinden die Sonne nichts nützt, so will sich den Schatten dort, von denen ich jetzt spreche, das Himmelslicht nicht gewähren; denn allen durchsticht ein Eisendraht die Lider und näht sie zu, wie einem wilden Sperber getan wird, der nicht ruhig bleibt. (13.Gesang) (...) (...) (...) (...)
Finsternis der Hölle und der Nacht, wenn sie, jedes Planeten beraubt, unter ödem Himmel so sehr wie möglich von Wolken verdunkelt ist, bot nie meiner Sicht einen so dichten Schleier wie dieser Rauch, der uns dort bedeckte, noch dem Gefühl ein so rauhes Gewebe, daß das Auge es nicht ertrug, offen zu bleiben; darum trat mein erfahrener und verläßlicher Begleiter zu mir und bot mir seine Schulter. Wie ein Blinder hinter seinem Führer hergeht, um sich nicht zu verirren und nicht an etwas anzustoßen, das ihn schädigt oder vielleicht umbringt, so ging ich dahin durch die bittere und trübe Luft und horchte auf meinen Führer, der weiter sprach: "Gib acht, daß du nicht von mir abgeschnitten wirst." (16.Gesang) (...) (...) (...) (...)
... und er kam herbei, die Augen fest gerichtet auf die hehre Gestalt. Die andere packte er, riß ihr vorne die Kleidung auseinander und zeigte mir den Bauch; der weckte mich auf mit dem Gestank, der von ihm ausging. (19.Gesang) (...) (...) (...) (...)
... doch zuerst sollst du wissen, daß ich ein Nachfolger Petri war. Zwischen Sestri und Chiavari kommt ein lieblicher Fluß zu Tal, von seinem Namen nimmt der Titel meines Geblüts seinen Stolz. Einen Monat lang und etwas mehr erfuhr ich, wie schwer der große Mantel wiegt für einen, der ihn vor Schmutz bewahrt, so daß alle anderen Lasten Federn scheinen. Meine Bekehrung, o weh, kam spät; doch als ich zum römischen Hirten gemacht wurde, da erkannte ich das lügenhafte Leben. Ich sah, daß selbst dort das herz nicht Ruhe fand, und höher konnte keiner steigen in jenem Leben, darum entbrannte zu diesem die Liebe in mir. Bis zu jener Stunde war meine Seele elend, von Gott getrennt, habgierig durchaus; jetzt, wie du siehst, werde ich hier dafür gestraft. Wohin die Habgier führt, das wird hier eingestanden zu Läuterung der bekehrten Seelen, und keine Strafe hat der Berg, die bitterer ist. (19.Gesang) "Mantel" ??
"Schmutz! ??
"Lasten" ??
Ruhe-Finden des Herzens: Aufgreifen eines AUGUSTINUS-Zitats - und zugleich Widerspruch.
"in jenem - zu diesem" ??
Liebe entbrannte - Standardmetapher


"Habgier" ??
Berg "hat Strafe" ??

alles Vermutlich Schilderung einer späten Bekehrung.
"dieses" = Todessehnsucht?
Dass er = ich mit seinem Karrierismus die Papstwürde verletzte, fiel ihm zu spät auf.
Mantel: Würde + Macht. Machtmissbrauch wird bestraft - muss bestraft werden - auch ohne den mythologischen Ort "Fegefeuer".
O liebster Bruder, was soll ich noch sagen? Mir ist schon eine zukünftige Zeit vor Augen, in der diese Stunde nicht sehr alt sein wird, wenn es von der Kanzel den schamlosen Florentiner Frauen untersagt sein wird, umherzugehen und den Busen ganz entblößt zu zeigen. Welche Barbarenweiber gab es je, welche Sarazeninnen, die, damit sie verhüllt ausgehen, geistliche oder andere Vorschriften nötig hatten? Doch wenn es diesen Schamvergessenen kund wäre, was der schnelle Himmel für sie bereit hält, dann hätten sie schon den Mund offen zum Heulen; denn wenn die Vorausschau hier mich nicht täuscht, werden sie trauern, bevor auf der Wange der Bart wächst dem, der sich heute noch mit 'Heia-heia' trösten läßt. (23.Gesang) Wer ist der Bruder?
Warum so umständlich ausgedrückt, wenn es bald sein wird?
Die Gebildeten sind schamlos, die sogenannten Kulturlosen wissen, was sich gehört.
Die Gebildeten sind unselbstständig, die niedere Kultur zeichnet sich durch Selbstständigkeit aus!
Zeitangabe wieder umständlich ausgedrückt, gemeint ist doch das Lebensalte von 15-17 Jahren.
Das Gemeinte müsste sich einfacher sagen lassen. Umständliche Zeitangaben: Der Autor schlägt die Angesprochenen mit ihren eigenen Waffen = äfft ihre überkandidelte Sprechweise nach.
Humor
"Lackaffen", die außengesteuert sind und Belehrung von der Kanzel her brauchen.
Der Autor geißelt, was er als ständige Gefahr betrachtet und stellt sich damit außerhalb dessen, was in seiner Gesellschaft Standard ist. Man ist rücksichtslos; jedes Mittel ist recht, um Macht über den anderen zu gewinnen.
Ungezügeltes (='freizügiges') Machtstreben.
Ich sah vor Hunger mit den Zähnen ins Leere beißen Ubaldino da la Pila und Bonifazio, der eine große Gemeinde mit seinem Turm weidete. Ich sah den Herrn Marchese, der in Forli einst, weniger ausgedörrt, Muße zum Trinken hatte; jetzt ging es ihm so, daß er den Durst nie stillen konnte. (24. Gesang) Essen zusammen mit späterem Trinken: Gegensatz jetzt vs. einst
Jemanden weiden mit seinem Turm?
Warum Vorwurf?
Ist nichts da zum Trinken? Oder hilft das Trinken nicht?
Was wirft man der genannten Person vor?
alles Gier; Fehlen der spirituellen Dimension; Differenz zwischen Geistlichkeit und Adel fehlt;
Fehlen der Gerechtigkeit.
Ärger über die Anpassung von Klerus und Adel; Kritik an der Gesellschaft: die Eliten kümmern sich nicht um ihre eigentliche Aufgabe: Spiritualität und Gerechtigkeit. Stattdessen - Essen/Trinken - verfallen sie dem Genuss.
(...) (...) (...) (...) (...)

Fegefeuer - Übungstexte

Die meisten der in der Tabelle genannten Texte sind auch separat verfügbar (z.B. für Untergruppen): Beispielanalyse + auszufüllender Textabschnitt:

#  [30]
#  [31]
#  [32]
#  [33]
#  [34]
#  [35]
#  [36]
#  [37]
#  [38]
#  [39]
#  [40]
#  [41]
#  [42]
#  [43]
#  [44]
#  [45]
#  [46]
#  [47]
#  [48]
#  [49]
#  [50]


... sollte natürlich auf Italienisch behandelt werden. Im Moment genüge der Anfang des Textes nach der Übersetzung von Walter Naumann. Darmstadt 2004.

Aus dem Abschnitt "Das Paradies": [Beiträge von TeilnehmerInnen an der Sommerakademie 12 (2013) Blaubeuren.]

(1)
Text = Wortsinn
(2)
Störungen (Widersprüche,
Fehlende Infos, Abstraktionen,
Stilfiguren usw.)
(3)
Ist die gesamte Szenerie,
das gesamte Bild um eine weitere
Deutung zu ergänzen?
(4)
Ergänzende Deutung:
Gemeint ist etwa ... -
Einzelaspekte nennen!
(5)
Situation des Sprechers: Warum wohl
äussert er sich derart
zweischichtig?
Die Herrlichkeit dessen, der alles bewegt, durchdringt das Weltall und erglänzt in einem Teil mehr und weniger anderswo. In dem Himmel, der am meisten von seinem Licht teil hat, war ich und sah Dinge, die wiederzusagen, weder weiß noch vermag, wer von dort oben herabkommt. (1.Gesang) Von einem Abstraktum - "Herrlichkeit" - werden physische Handlungen/Prozesse ausgesagt: "durchdringt, erglänzt". Das ist paradox. -

Wer "bewegt"? Da klingt der griechische Philosoph Aristoteles durch, der vom "unbewegten Beweger" sprach. Also liegt wieder höchste, unvorstellbare Abstraktion vor, nur leicht gemildert durch 'Personifikation'. - Und dieser "Beweger" bewegt "alles"? - Woher weiß dies das Ich? Plappert die Figur einen Glaubenssatz nach? Überprüfen kann sie ihn sicher nicht. Und dieses abstrakte, unvorstellbare Zusammenspiel geschieht "anderswo", aber auch nur teilweise: "mehr - und weniger anderswo". - Wo nun eigentlich? Das ist eine hochkomplexe Verweigerung einer vorstellbaren und mit normalem Geist zugänglichen Aussage. Das Unsagbare wird doch noch unterschieden und klassifiziert? Das wirkt wie das Verpacken von Nebel. - Das "Ich" war im "Himmel" - wie soll das realisiert worden sein? Dann spricht der Erzähler selbst aus, was sich bei Lesern ohnehin als Eindruck aufgebaut hat: Was beschrieben werden soll, lässt sich nicht beschreiben.

Die komplette Wortbedeutung: Himmelsschau. Der Autor lässt das Ich wortreich formulieren, er habe etwas sehr Schönes erlebt, gibt aber indirekt oder auch direkt kund, dass das, was wichtiger Inhalt ist, nicht beschrieben werden kann. Im ersten Reich, der "Hölle", waren dem Dichter noch sehr viel mehr sinnenhafte Beschreibungen eingefallen - auch Bilder zwar, aber deftiger, zugänglicher. Im Bereich "Himmel" dünnt sich das Bildrepertoire stark aus: Dominierend das Thema "Licht". Das hat Klischeecharakter und wirkt wie der Ausdruck sprachlicher Hilflosigkeit. Der Autor versucht die griechische Metaphysik einzubinden und sie mit höchster Wertung zu versehen. Es ist ihm bewusst, dass er von etwas redet, wovon man via philosophischer Sprechweise nicht reden kann.

Die Hinzunahme von "Licht/Herrlichkeit" nimmt die Sprache von biblischen Visionen hinzu. - Das alles wirkt wie die Rechtfertigung der Verbindung zweier geistiger Traditionen (die ja tatsächlich im Hochmittelalter stattfand). Aber poetisch resultiert daraus eine blasse und dünne Konstruktion. Macht sich der Poet hier zum Büttel der zeitgenössischen kirchlichen Lehre (Hochscholastik)? Oder ironisiert/kritisiert er sie geradezu, weil er weitausholend nachweist, dass das, was üblicherweise mit "Himmel" gemeint ist, zwar positiv ist, es darüber aber nichts zu beschreiben gibt? Der Autor dokumentiert demnach wortreich sein Nicht-Wissen, seine Unfähigkeit, dem aufgeworfenen Thema gerecht zu werden, und legt den Schluss nahe: geschwätzigen Theologen wird es beim selben Thema auch nicht anders gehen. Nur sind sich viele dessen nicht bewusst... Immerhin ist seine Gesamtüberschrift: "Göttliche Komödie". Wortreich, unter Einbeziehung philosophischer und biblischer Traditionen wird zum Thema "Himmel" ausgesagt, dass man nichts aussagen kann.

Und wenn sogar der Stern sich verwandelte und lachte, was geschah in mir, der ich schon von Natur veränderlich bin auf jede Weise! Wie in einem Fischteich, der still und klar ist, die Fische hinstreben auf etwas, das von außen kommt, weil sie es für ihr Futter halten, so sah ich wohl mehr als tausend Lichter uns entgegenstreben, und in jedem war zu hören: "Hier ist einer, der wird unsere Liebe vermehren." (5. Gesang) Stern als Person.
Ist Kindersprache.
Die "Lichter" erinnern an Cyberspace.
Tönende Lichter = Bruch.
Es ist unklar, Wer die Liebe vermehren wird.
Wie geht dies: "Liebe vermehren"? Ein Abstraktum lässt sich nicht quantifizieren.
ganze Szenerie ersetzen Irgendetwas verändert sich für den Sprecher zum Positiven.
__
Es ist von einem tollen Erlebnis die Rede (fast so wie die ntl. 'Brotvermehrung').
Klingt nach 'Angekommen-Sein'.
Gesellschaftliche Veränderung in Richtung Heiterkeit und Liebe.
Du willst wissen, wer in diesem Licht ist, das hier neben mir so hell funkelt wie ein Sonnenstrahl in klarem Wasser. Wissen denn, daß darin Rahab [vgl. Jos 2] ihre Ruhe findet, und von ihr, unserem Chor zugesellt, empfängt dieser im höchsten Maß seine Prägung. In diesem Himmel, in dem der Schatten endet, den eure Erde wirft, wurde sie früher als jede andere Seele aus dem Triumphzug Christi emporgehoben. Recht war es, daß sie im Himmel blieb als Palme des hohen Sieges, der mit der einen und der anderen offenen Hand errungen wurde; denn sie förderte die erste Ruhmestat Josuas im Heiligen Land, woran zu erinnern, den Papst wenig kümmert. (9. Gesang) "Du" zumindest in diesem Textausschnitt unbekannt.
Eine Person in einem Licht ist in dieser Weise schwer vorstellbar.
Zusammenspiel Chor/Rahab unklar.
Ortsangabe "In diesem Himmel" schwer nachzuvollziehen.
"erhoben" - Hebevorgang unklar.
Wer urteilt?
Rahab als Pflanze.<br< Erfolgsweg des Sieges ist widersprüchlich - Sieg wessen über wen?
Der Zusammenhang von AT-Erzählung mit Papsthinweis - überraschend.
alles um eine weitere Deutung zu ergänzen Spannungsaufbau, hin zu einer wichtigen, positiv bewerteten Figur.
Die Wir-Gemeinschaft lässt sich von einer cleveren Figur aus der hebräischen Bibel prägen (vgl. Buch Josua 2.)
"Emporgehoben" = erste Steigerung.
"Palme" = nochmalige Steigerung.
Am Schluss Seitenhieb auf den Papst.
Der AT-Bezug und der Ausgriff auf das Kosmische scheinen ein literarischer Vorwand zu sein - um nur am Schluss dem Papst eins auswischen zu können.
Und Beatrice begann: "Danke, danke der Sonne der Engel, die dich durch ihre Gnade zu dieser sichtbaren Sonne emporgehoben hat." Keines Sterblichen Herz war je so gestimmt zur Frömmigkeit, und so willig, sich Gott hinzugeben mit aller seiner Dankbarkeit, wie ich es bei diesen Worten wurde, und so warf sich meine Liebe ganz auf ihn, so daß Beatrice in der Vergessenheit verdunkelt wurde. Es missfiel ihr nicht, vielmehr lächelte sie so dazu, daß der Glanz ihrer lachenden Augen meinen Geist, der nur auf eins gerichtet war, nun auf verschiedene Dinge verteilte. Ich sah noch mehr Lichter, die lebendig und überstrahlend uns zur Mitte und sich selbst zu einem Kranz bildeten; noch lieblicher waren ihre Stimmen als leuchtend ihr Anblick. (10. Gesang) Wer soll danken?
Wie verhalten sich "Sonne der Engel - Gnade - sichtbare Sonne" zueinander?
"Frömmigkeit" = "sich Gott hingeben"? - Was heißt das genau?
"in der Vergessenheit verdunkelt" - Sprachbild, Metapher
"missfiel" - woher weiß sie es?
"eins" - was ist gemeint?
"verschiedene Dinge" - warum so unkonkret?
"uns" - wer gemeint?
"Stimmen", "Anblick" - ?
alles Dante ist erfreut, beschreibt mit Superlativen seine Freude und Dankbarkeit.
Mystisches Erlebnis der Liebe.
Er erlebt Zuwendung.


Mystisches Paradox?
'Heilige Hochzeit'?

(...)
Als mit solchem Gesang diese brennenden Sonnen dreimals rings um uns gekreist waren wie Sterne, die den festen Polen nahe sind, schienen sie mir Frauen, die nicht aus dem Tanz ausschieden, sondern die stillestehen, schweigend und horchend, bis sie die neuen Töne vernommmen haben. Und aus einer hervor hörte ich die Worte: "Da der Strahl der Gnade, an dem die wahre Liebe sich entzündet und liebend immer zunimmt, vervielfacht in dir so hell erglänzt, daß er dich auf dieser Leiter emporführt, wo keiner herabkommt, ohne wieder emporzusteigen, wäre einer, der dir für deinen Durst den Wein aus seinem Krug verweigerte, so wenig frei wie Wasser, das nicht zum Meer herabfließt. (10. Gesang) (...) (...) (...) (...)
Doch damit ich nicht zu sehr verschlossen fortfahre, erkenne jetzt Franziskus und die Armut als die beiden Liebenden in meiner ausgedehnten Rede. Beider Eintracht und ihr freudige Erscheinung ließen Liebe und Wunder und holde Blicke zum Anlaß werden für weitere heilige Gedanken; so kam es, daß zuerst der ehrwürdige Bernhard barfuß ging und einem solchen Frieden nacheilte, und eilend meinte er zu säumen. O unbekannter Reichtum! O fruchtbringendes Gut! Barfuß geht Aegidius, barfuß Silvester, dem Bräutigam folgend, so wohlgefällig ist die Braut. Dahin geht jener Vater und Meister mit seiner Herrin und mit dem Gesinde, das der demutsvolle Strick schon band. Nicht ließ ihn Feigheit des Herzens die Augen niederschlagen, weil er der Sohn von Pietro Bernardone war, noch weil er zum Verwundern verächtlich aussah; sondern königlich eröffnete er Innozenz seinen festen Vorsatz und von ihm erhielt er für seinen Orden das erste Siegel. Als dann die Bettlerschar wuchs, ihm folgend, dessen wundervolles Leben besser in der Glorie des Himmels selbst besungen würde, wurde mit einer zweiten Krönung durch Honorius vom Ewigen Geist bestätigt das heilige Begehren dieses Erzhirten. (11. Gesang) Ein Mensch - Franziskus - und ein Abstraktum - "Armut" als Liebespartner?


Wer redet?
"unbekannter Reichtum / fruchtbringendes Gut" - Störung
nochmals das Paar: Franziskus + Armut
"demutsvoller Strick" ?
"Glorie des Himmels"
"ewiger Geist bestätigt"

ganze Rede Die Verdienste des Hl. Franz werden derart in den Himmel gelobt, dass es wie Spott auf das Bettelmönchtum erscheint. Analog dem Spruch: "Meine Demut ist mein ganzer Stolz." Umgesetzt: "Meine Armut ist mein ganzer Reichtum". Dante lässt die Kritik am Reformkloster einen Redner vortragen (Cicero-Modus).
Es möge sich, wer recht zu erfassen wünscht, was ich jetzt sah, vorstellen - und die Vorstellung möge er festhalten, während ich spreche, wie einen sicheren Felsen -, er sähe fünfzehn Sterne, die an verschiedenen Stellen den Himmel mit so viel Helligkeit beleben, daß von ihr jede Dichte der Luft überwunden wird; er möge sich den Wagen vorstellen, dem der Schoß unseres Himmels Tag und Nacht genügend Raum gibt, so daß er bei der Drehung der Deichsel nicht verschwindet; er möge sich die Mündung des Horns vorstellen, das auf der Höhe der Achse beginnt, um die die allererste Bewegung kreist, und alle diese hätten aus sich zwei Sternbilder am Himmel gebildet ähnlich dem, das die Tochter des Minos bildete, als sie den Frost des Todes spürte, und das eine hätte seine Strahlen innerhalb des anderen, und beide drehten sich in der Weise, daß das eine voranging und das andere folgte; dann wird er fast den Schatten der wahren Sternenordnung und des doppelten Reigens vor sich haben, der die Stelle umkreiste, wo ich war; ... Dort erscholl Gesang nicht für Bacchus, nicht für Apoll, sondern für drei Personen von göttlicher Natur und für diese und die menschliche gemeinsam in einer der Personen. Gesang und Reigen beendeten ihren Takt, und wieder zu uns wendeten sich diese heiligen Lichter und beseligten sich mit Dienst nach Dienst ... Was nicht stirbt und was sterben kann, ist nichts anderes als ein Abglanz der Idee, die unser Herrscher aus Liebe hervorbringt; denn das lebendige Licht, das von seiner Leuchtkraft ausgeht, das sich vom Eins-Sein mit ihm nicht trennt, noch von der Liebe, die sich mit beiden zur Dreiheit fügt, vereint aus wahrer Güte alle seine Strahlen als wäre es im Spiegel, in neun Wesenheiten und bleibt doch in Ewigkeit eins. Von dort steigt es herab, von Wirkung zu Wirkung, bis zum letzten Möglichen und wird schließlich so, daß es nicht mehr als kurze Zufälligkeiten schafft, und diese Zufälligkeiten will ich verstanden wissen als die erzeugten Dinge, die der Himmel durch seine Veränderungen mit Samen und ohne Samen hervorbringt. (13. Gesang) "Vorstellung festhalten" - unmöglich!
"Felsen" - Sicherheit aus der Vorstellung gewinnen?
"Schoß des Himmels" - Metapher.
"Horn" ?
"allererste Bewegung"?
Wünsch dir ein Sternbild?
"Strahlen" - was geht wie vor?
"wahre Sternenordnung"?
Und davon der "Schatten"?
Wer singt und was wird gesungen?
"sich mit Dienst beseligen"? (glückliche Überstunden?)
Wer ist der "Herrscher"?
"Liebe, die sich mit beiden ..." - was soll das?
Welcher Spiegel?
Der "Himmel" bringt Dinge hervor mit und ohne Samen? Very strange.
alles Wunsch nach einer total neuen Weltordnung; Sicherheit; fixe Ordnung;
Freude, Glück
Unsterbliches und Sterbliches soll gleich sein; Einheit gewünscht mit Beatrice und anderen.
Vereint sein wollen in Liebe.
Versetzt in den Sternenhimmel = Mitte der Welt; Zentrum; als Kontrast zur Realität. Seine Lage: Welt in Unordnung; Unsicherheit; Chaos; "Finsternis"; Ausweglosigkeit; ohne Bewegungsmöglichkeit.


Unglück, Leid; Gespaltenheit, Trennung.

So sehr erschienen mir der eine wie der andere Chor sogleich bereit, 'Amen' zu sagen, daß sie gewiß damit die Sehnsucht nach ihren toten Leibern zeigten, vielleicht nicht nur nach ihren eigenen, sondern nach den Müttern, nach den Vätern, nach den anderen, die ihnen teuer waren, bevor sie ewige Flammen wurden. Und siehe, ringsum, gleich an Helligkeit, entstand ein Leuchten über das hinaus, das schon da war, in der Art, wie der Horizont sich aufhellt. Und wie beim Aufsteigen des frühen Abends am Himmel neue Erscheinungen auftauchen, so daß ihr Anblick wahr zu sein scheint und wieder nicht, so schien es mir dort, ich begänne neue Wesen zu sehen, die jenseits der beiden anderen Umkreisungen einen Ring bildeten. O wahres Funkeln des heiligen Atems, wie kam es plötzlich und glühend vor meine Augen, die, überwältigt, es nicht ertrugen! Doch Beatrice zeigte sich mir so schön und freudig, daß ich sie unter den Erscheinungen lassen muß, die dem Gedächtnis nicht folgten. Von ihr gewannen meine Augen wieder Kraft, sich zu erheben; ich sah mich hinübergetragen, allein mit meiner Herrin, in ein höheres Heil. Ich gewahrte deutlich, daß ich höher hinaufgehoben war, an dem feuergleichen Lachen des Gestirns, das mir röter zu sein schien als gewöhnlich. (14. Gesang) Welche Chöre?
Singen die?
Wozu wollen die "Amen" singen?
Trennung vom Leib?
"ewige Flammen wurden"?
Neues "Leuchten" - was leuchtet da?
Welche "Erscheinungen"?
'Wahrer' Anblick?
Was sind das für "Wesen"?
Welche "Umkreisungen"?
Wessen "Atem"?
"Funkelt"?
"Heiliger" Atem?
Beatrice wird gesehen, aber es kann nicht erinnert werden?
Dante nicht Subjekt (Metonymie)
"hinübertragen": wohin?
"Herrin" = Beatrice?
"Heil" - welches? (abstrakt)
"hinaufgehoben" = wohin
"Lachen" = anthropomorph
Venus? Mars?
alles zu ergänzen; im Wortsinn total unverständlich hymnische Beschreibung der ersten Begegnung mit seiner Gelieben, einem wichtigen Menschen usw. Sehnsucht nach einem romantischen Abend;
Sehnsucht nach Gemeinschaft, die völlig anders und neu ist;
Sehnsucht nach Beatrice
Sehnsucht nach Veränderung, Wechsel

... sollte natürlich auf Italienisch behandelt werden. Im Moment genüge der Anfang des Textes nach der Übersetzung von Walter Naumann. Darmstadt 2004.

Aus dem Abschnitt "Das Paradies": [erste Beiträge: TeilnehmerInnen der Sommerakademie 12 (2013) Blaubeuren.]


(1)
Text = Wortsinn
(2)
Störungen (Widersprüche,
Fehlende Infos, Abstraktionen,
Stilfiguren usw.)
(3)
Ist die gesamte Szenerie,
das gesamte Bild um eine weitere
Deutung zu ergänzen?
(4)
Ergänzende Deutung:
Gemeint ist etwa ... -
Einzelaspekte nennen!
(5)
Situation des Sprechers: Warum wohl
äussert er sich derart
zweischichtig?
Und wie der Mensch, weil er mehr Lust empfindet, wenn er recht handelt, von Tag zu Tag bemerkt, daß seine Fähigkeit dafür zunimmt, so bemerkte ich, daß mein Kreisen in Gemeinschaft mit dem Himmel auf einem erweiterten Bogen vor sich ging, daran, daß ich jenes Wunderwesen in reicherem Schmuck sah. Und wie in einem kurzen Zeitraum eine Frau mit hellem Teint sich verändert, wenn ihr Gesicht sich von der Last der Scham entlastet, so geschah es vor meinen Augen, als ich mich umsah, dank dem bleichen Licht des gemäßigten sechsten Sterns, der mich in sich aufgenommen hatte; ich sah in der Fackel Jupiters das Funkeln der Liebe, die dort weilte, für meine Augen unsere Sprache abbilden. Und wie Vögel, die vom Fluß auffliegen, gleichsam zu ihrem Mahl sich Glück wünschend, nun in der Runde, nun in anderem Schwarm sich ordnen, so sagen in den Lichtern selige Wesen, umherfliegend, und bildeten mit ihren Figuren nun ein D, nun ein L. Zuerst bewegten sie sich im Takt ihres Gesanges; dann, wenn sie eins dieser Zeichen wurden, hielten sie eine Weile still und schwiegen. O göttliche Gefährtin des Pegasos, die du die Geister ruhmreich machst und ihnen lange Dauer verleihst - und sie mit deiner Hilfe tun es für Städte und Reiche -, erleuchte mich mit dir, so daß ich diese Figuren wieder erstehen lasse, wie ich sie mir eingeprägt habe; möge deine Macht in diesen kurzen Versen erscheinen! Sie offenbarten sich also in fünf mal sieben Vokalen und Konsonanten, und ich nahm die einzelnen Buchstaben so auf, wie sie mir gesprochen erschienen. Diligite Iustitiam waren zuerst Verb und Nomen der ganzen Schrift; Qui Judicatis Terram war der Schluß. (18. Gesang) (...) (...) (...) (...)
Ich war noch kaum beim letzten Wort angelangt, als das Licht seine eigene Mitte zum Wendepunkt nahm und um sich kreiste wie ein flinker Mühlstein; darauf erwiderte die Liebe, die darin weilte: "Göttliches Licht zielt auf mich und durchdringt das meinige, in dessen Schoß ich mich befinde; seine Kraft, mit meiner eigenen Schau vereint, hebt mich so weit über mich hinaus, daß ich die höchste Wesenheit schaue, aus der es quillt. Daher kommt die Freudigkeit, mit der ich entflammt bin; denn meiner Sicht, in dem Maße, wie hell sie ist, gleiche ich die Helligkeit meiner Flamme an. Doch jene Seele im Himmel, die am meisten erhellt ist, jener Seraph, der seine Augen am festesten auf Gott gerichtet hält, sie könnten deiner Frage nicht Genüge tun, weil sich, was du fragst, so tief einläßt in den Abgrund der ewigen Satzung, daß es von jeder geschaffenen Sicht abgetrennt ist. Berichte das in der sterblichen Welt, wenn du zurückkehrst, damit sie sich nicht unterfängt, auf ein solches Ziel hin weiter die Füße zu regen. Der Geist, der hier im Licht ist, ist auf Erden im Rauch, darum bedenke, ob er drunten das vermag, was er hier nicht vermöchte, wie sehr auch der Himmel ihm gnädig ist." So setzten mir seine Worte eine Grenze, daß ich die Frage unterließ und mich darauf beschränkte, mich demütig zu erkundigen, wer er war. (21. Gesang) (...) (...) (...) (...)
O Beatrice, holde, teure Führerin! Sie sprach zu mir: "Was dich überwältigt, ist eine Kraft, vor der nichts sich schützen kann. Hier ist die Weisheit und die Stärke, die zwischen Himmel und Erde den Weg erschloß, nach dem schon so lange Sehnsucht bestand." Wie Feuer sich aus der Wolke löst, weil es sich ausdehnt, bis es dort keinen Platz mehr hat, und gegen seine Natur hinab zur Erde fährt, so trat mein Geist, bei diesem Festmahl größer geworden, aus sich heraus; doch was er wurde, kann er sich nicht erinnern. "Öffne die Augen und sieh an, wie ich bin; du hast Dinge gesehen, so daß du fähig geworden bist, mein Lächeln auszuhalten." Ich war wie einer, der aufschrickt aus einem vergessenen Traumgesicht und der sich vergeblich bemüht, es sich ins Gedächtnis zurückzubringen, als ich diese Aufforderung hörte, so großen Dankes wert, daß sie nie mehr aus dem Buch gelöscht wird, welches das Vergangene aufzeichnet. (23. Gesang) Am Anfang gleich mal 6 Abstrakta.
"Wie Feuer ..." was wird eigentlich beschrieben?
Personifizierung des "Geistes"
"nicht erinnern" - kein Wunder!
"Lächeln" - ein solches auszuhalten erfordert normalerweise keine überirdischen Kräfte.
"Buch" - welches?
Trotz "Buch" klappt es mit dem "Gedächtnis" nicht?
ganze Szenerie zu ergänzen.
Schon in der Wortbedeutung klingt gegen Schluss die Überforderung des Redners an. Also auch er braucht eine Hilfe bei der Deutung.
Beschreibung eines überwältigenden Glücksgefühls. Seine Liebe zu Beatrice wird in einen kosmischen Zusammenhang gestellt. Da bei der gemeinten Bedeutung Elemente der Wortbedeutung nicht wieder auftauchen sollten, sollte man wohl allgemeiner formulieren: Dante ist von einer positiven Energie getrieben. Sie lässt ihn unbeirrbar poetisch formulieren, lässt ihn Verurteilung in Florenz, Exil in Ravenna ertragen - und ohnehin die Widerstände all der Instanzen, die Dante massiv angreift (z.B. Kirche). Diese Energie ist Kraftspenderin und sorgt für poetische Inspiration.
"Sprich, guter Christ, gib dich zu erkennen: was ist der Glaube?" Worauf ich die Stirn hob zu dem Licht, aus dem dies hertönte; dann wandte ich mich zu Beatrice, und sie bedeutete mir unverzüglich, ich sollte das Wasser aus meiner inneren Quelle strömen lassen. "Die Gnade, die mir dies gewährt", begann ich, "daß ich vor dem hohen Heerführer meine Beichte ablege, möge meiner Rede den richtigen Ausdruck verleihen." Und ich fuhr fort: "Wie der wahrhaftige Griffel, o Vater, deines teuren Bruders es für uns schrieb, der mit dir zusammen Rom auf den rechten Pfad wies: es ist der Glaube eine gewisse Zuversicht auf das, was man hofft, eine Überzeugung von Dingen, die man nicht sieht, und dies scheint mir seine Beschaffenheit zu sein. Darauf hörte ich: "Du denkst richtig, wenn du verstehst, warum er ihn unter die Gewißheiten zählt und dann unter die Begründungen." (24. Gesang/1) (...) (...) (...) (...)
Drauf kam aus dem tiefen Licht, das dort erstrahlte: "Dies teure Juwel, auf dem jede Tugend gegründet ist, woher ist es dir gekommen?" Und ich: "Der reichliche Regen des Heiligen Geistes, der in den alten und in den neuen Pergamenten ergossen ist, war die Beweisführung, die mich darauf hat schließen lassen so zwingend, daß jede andere Folgerung mir stumpf erscheint." Ich hörte darauf: "Das alte und das neue Zeugnis, die dich zu solchem Schluß bringen, weshalb hältst du sie für göttliche Rede?" Und ich: "Der Beweis, der mir die Wahrheit aufschließt, sind die Werke, die folgten, zu denen die Natur nicht das Eisen erhitzt und nicht den Amboß schlägt." Zur Antwort wurde mir: "Sag, wer bürgt dir dafür, daß diese Werke geschahen? Die Sache selbst, die bewiesen werden soll, nichts anderes, schwört es dir." (24. Gesang/2) (...) (...) (...) (...)
ich glaube auch an die drei Personen, und diese, glaube ich, sind ein Wesen, so eins und so dreifach, daß es zugleich mit 'sind' und 'ist' sich bezeichnen lässt. Diesen tiefen göttlichen Zustand, den ich jetzt erwähnte, prägt meinem Geist an mehreren Stellen die Lehre des Evangeliums ein. Hier ist der Ursprung, hier ist der Funke, der sich dann in lebhaften Flammen ausbreitet und wie ein Stern am Himmel in mir erstrahlt. (24. Gesang/3) Heimtückisch: Am Anfang "Glauben" in zweierlei Bedeutung: (a) "Überzeugtsein", (b) "Unsicheres Wissen".
= heiße Luft, tut so, als sei er ergriffen.
Nochmals heimtückisch: das Dogma von der Dreifaltigkeit wird grammatisch angegangen und damit das - vermeintlich - tiefste Geheimnis des Christentums bagatellisiert.
"göttlicher Zustand" = Grammatik?
"mehrere Stellen" - welche? Zugleich: auffallend umständlicher Satz. Singular (Geheimnis) <=> mehrere Stellen.


"hier" (2x) = wo? = Kopf/Geist? Immerhin spielt sich "in mir" Wichtiges ab.

alles zu ergänzen; Wortsinn ist komplett inkonsistent durch sprachliches, grammatisches Abklopfen wird das Dogma kaputtgemacht.
Kritik geäussert: Ein von außen auferlegtes Dogma braucht es nicht. Wichtig ist, was im Menschen abläuft.
Kritik an einem von außen dem Menschen übergestülpten Lehrgebäude.
Das eigentlich Wichtige ist der einzelne Mensch - damit ist Dante bereits klar auf der Linie der Renaissance, im Grund ein 'Vorreiter'.
Sobald ich schwieg, ertönte ein allerlieblichster Gesang durch den Himmel hin, und meine Herrin sprach mit den anderen: "Heilig, heilig, heilig." Und wie im scharfen Licht einer sich aus dem Schlaf löst, weil der Gesichtssinn dem Glanz entgegenstrebt, der von Hülle zu Hülle eindringt, und der Erwachte zurückschreckt vor dem, was er sieht, so unbewußt ist das plötzliche Wach-Sein, bis die Urteilskraft ihm zu hilfe kommt, so vertrieb Beatrice von meinen Augen jegliche Schuppen mit dem Strahl der ihren, der mehr als tausend Meilen weit erglänzte; darum sah ich nun besser als zuvor und fast von Staunen überwältigt fragte ich nach einem vierten Licht, das ich unter uns sah. Und meine Herrin: "In diesen Strahlen verehrt ihren Schöpfer die erste Seele, die je die erste Kraft erschuf." (26. Gesang) (...) (...) (...) (...)


Einer behauptet, daß beim Leiden Christi der Mond rückwärts lief und sich dazwischenstellt, weshalb das Licht der Sonne drunten sich nicht darbot; er lügt, denn das Licht verbarg sich von selbst; darum war den Spaniern und den anderen ebenso wie den Juden diese Finsternis sichtbar. Es gibt in Florenz nicht so viele Lapi und Bindi, wie Fabeln dieser Art jährlich von hier und dort auf der Kanzel feilgeboten werden, so daß die Schafe, die nicht Bescheid wissen, von der Weide kehren mit Wind geweidet, und es entschuldigt sie nicht, daß sie den Schaden nicht sehen. Christus sprach nicht zu seinem ersten Ordenskapitel: 'Gehet hin und predigt der Welt Possen', sondern er gab ihnen einen wahrhaftigen Grund, und nur dieser ertönte aus ihrem Mund, so daß sie zum Kampfe, um den Glauben anzufachen, aus dem Evangelium sich Schild und Lanze machten. Heute geht man mit Witzen und mit Späßen ans Predigen, und wenn nur gut gelacht wird, bläht sich die Kapuze, und mehr wird nicht verlangt. Doch im Zipfel nistet ein Vogel; wenn die Leute den sähen, so sähen sie, auf was für einen Ablaß sie vertrauen; um diesen ist eine solche Torheit auf der Erde groß geworden, daß man, ohne Beweis irgendeines Zeugnisses, zu jeglichem Versprechen rennen würde. Damit mästet der Heilige Antonius sein Schwein, und viele andere tun es, die selbst noch mehr Schweine sind, und zahlen mit Münzen ohne Prägung. Doch da wir weit abgeschweift sind, wende die Augen nun zurück auf die gerade Straße, so daß wir den Wegen entsprechend unserer Zeit verkürzen. Dieser Teil der Schöpfung stuft sich immer höher in seiner Zahl, so daß keine Sprache und kein sterblicher Begriff je so weit zu gehen vermag. (29. Gesang) (...) (...) (...) (...)
Etwa sechstausend Meilen entfernt glüht die sechste Stunde, und hier neigt die Erde ihren Schatten schon fast zur Horizontale, wenn der Himmelsraum in seiner Tiefe über uns beginnt, sich zu verändern, so daß hier und dort ein Stern bis zu uns auf den Grund zu scheinen aufhört, und wenn dann die lichteste Magd der Sonne herankommt, verschließt sich der Himmel von Ausblick zu Ausblick bis hin zu dem hellsten. Nicht anders war der Siegeszug, welcher immerwährend rings den Punkt umspielt, der mich überwältigt hatte und der eingeschlossen scheint von dem, was er selbst einschließt, allmählich vor meiner Sicht erloschen; darum zwang mich das Nichts-Sehen und auch die Liebe, mit den Augen mich zu Beatrice zu kehren. Wenn alles, was bis hierher über sie gesagt wurde, insgesamt in einem Lobspruch zusammengefaßt würde, wäre es zu wenig, um dieses Mal zu dienen. Die Schönheit, die ich sah, übertrifft das Maß nicht nur über uns hinaus, sondern ich glaube gewiß, daß allein ihr Schöpfer sich ihrer ganz erfreuen kann. An dieser Stelle bekenne ich mich unterlegen, mehr als je ein Dichter der Komödie oder der Tragödie von seiner Wendung des Stoffes überwältigt wurde; denn wie die Sonne dem Blick, der am meisten flimmert, so raubt die Erinnerung des holden Lächelns mir selbst meine Fähigkeiten. (30. Gesang) (...) (...) (...) (...)
"Jungfrau und Mutter, Tochter deines Sohnes, demütig und erhaben wie kein anderes geschaffenes Wesen, fester Richtpunkt des ewigen Ratschlusses, du bist es, die die menschliche Natur so adelte, daß ihr Schöpfer es nicht verschmähte, ihr Geschöpf zu werden. In deinem Schoß entbrannte neu die Liebe, aus deren Glut im ewigen Frieden diese Blume keimte. Hier bist du für uns die mittägliche Fackel der Gottesliebe und drunten, bei den Sterblichen, bist du der Hoffnung lebendiger Brunnquell. Herrin, du bist so groß und vermagst so viel: wen Gnade will und dich nicht anruft, dessen Verlangen will ohne Flügel fliegen. Deine Güte kommt nicht nur dem zu Hilfe, der darum bittet, sondern oft eilt sie freiwillig der Bitte voraus. In dir ist Barmherzigkeit, in dir Mitleid, in dir Großmut, in dir vereint sich alles, was im Geschöpf sich an edlem Wesen findet. Dieser nun, der von der untersten Lache des Weltalls bis hierher die Geschicke der Seelen gesehen hat, eins um das andere, erfleht von dir, aus Gnade, so viel Kraft, daß er sich mit den Augen höher empor heben kann zu dem letzten Heil. ... Wie der Feldmesser, der ganz sich darauf sammelt, den Kreis zu messen, und, wie sehr er nachdenkt, den Grundsatz nicht findet, an dem es ihm gebricht, so war ich vor diesem neuen Anblick; ich wollte sehen, wie das Bild sich zu dem Kreis fügt und wie es darin seinen Platz findet; doch dazu genügten meine eigenen Flügel nicht; indessen schlug in meinem Geist ein Blitzstrahl ein, mit welchem sich sein Wunsch erfüllte. Der hohen Phantasie versagte hier die Kraft; doch schon trug mein Sehnen und mein Wollen dahin, so wie ein Rad gleichmäßig kreist, die Liebe, die die Sonne kreisen läßt und die anderen Sterne. --- (33. Gesang) (...) (...) (...) (...)

Paradies - Übungstexte

Die meisten der in der Tabelle genannten Texte sind auch separat verfügbar (z.B. für Untergruppen): Beispielanalyse + auszufüllender Textabschnitt:

#  [51]
#  [52]
#  [53]
#  [54]
#  [55]
#  [56]
#  [57]
#  [58]
#  [59]
#  [60]
#  [61]
#  [62]
#  [63]
#  [64]

1.4.3 "Hölle - Himmel" im Gleichnis Lk 16,19-31

"Der reiche Mann und der arme Lazarus" - unter dieser Überschrift ist das Gleichnis bekannt. Nach dem 'Training' durch all die DANTE-Auszüge, müsste es ein Leichtes sein, den Text in gleicher Weise zu analysieren ...

(1)
Text = Wortsinn
(2)
Störungen (Widersprüche,
Fehlende Infos, Abstraktionen,
Stilfiguren usw.)
(3)
Ist die gesamte Szenerie,
das gesamte Bild um eine weitere
Deutung zu ergänzen?
(4)
Ergänzende Deutung:
Gemeint ist etwa ... -
Einzelaspekte nennen!
(5)
Situation des Sprechers: Warum wohl
äussert er sich derart
zweischichtig?
(19) Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freude lebte. (...) (...) (...) (...)
(20) Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war. (...) (...) (...) (...)
(21) Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Statt dessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. (...) (...) (...) (...)
(22) Als nun der Arme starb, wurde er von Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben. (...) (...) (...) (...)
(23) In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß. (...) (...) (...) (...)
(24) Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer. (...) (...) (...) (...)
(25) Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, daß du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber mußt leiden. (...) (...) (...) (...)
(26) Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so daß niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte. (...) (...) (...) (...)
(27) Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! (...) (...) (...) (...)
(28) Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen. (...) (...) (...) (...)
(29) Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören. (...) (...) (...) (...)
(30) Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren. (...) (...) (...) (...)
(31) Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht. (...) (...) (...) (...)


1.4.4 Johannes BRAHMS, Ein deutsches Requiem, op.45

Daraus die Sätze 3 und 4. Man kann auch dabei den Eindruck haben, es werde - stimmungsmäßig - von der "Hölle" in das "Paradies" gewechselt. Der Komponist stellte selbst die Schrifttexte zusammen. Sie kann man natürlich in gleicher Weise auf "Übertragenen Sprachgebrauch" hin beschreiben. Dafür werden die Texte der beiden Sätze in die Tabelle eingetragen - zur weiteren Beschreibung.

(Zum Hören der Musik nur soviel: Nach der Textbeschreibung
kann man - wo die Rahmenbedingungen passen - stehend, mit
freiem Raum um sich herum - die Musik anhören und körper-
sprachlich die darin enthaltenen Bewegungen aufnehmen. Damit
wird die in der Musik durchlebte Gefühlsdynamik leibhaftig
meditiert. Das "Paradies" als eine Art "Langsamer Walzer", -
das nimmt man gerne auf nach den zermürbenden Fragen von Satz 3.)


(1)
Text = Wortsinn
(2)
Störungen (Widersprüche,
Fehlende Infos, Abstraktionen,
Stilfiguren usw.)
(3)
Ist die gesamte Szenerie,
das gesamte Bild um eine weitere
Deutung zu ergänzen?
(4)
Ergänzende Deutung:
Gemeint ist etwa ... -
Einzelaspekte nennen!
(5)
Situation des Sprechers: Warum wohl
äussert er sich derart
zweischichtig?
III. Herr, lehre doch mich, (...) (...) (...) (...)
dass ein Ende mit mir haben muss, (...) (...) (...) (...)
und mein Leben ein Ziel hat, (...) (...) (...) (...)
und ich davon muss. (...) (...) (...) (...)
Siehe, meine Tage sind (...) (...) (...) (...)
einer Hand breit vor dir, (...) (...) (...) (...)
und mein Leben ist wie nichts vor dir. (...) (...) (...) (...)
Ach, wie gar nichts (...) (...) (...) (...)
sind alle Menschen, (...) (...) (...) (...)
die doch so sicher leben. (...) (...) (...) (...)
Sie gehen daher wie ein Schemen (...) (...) (...) (...)
und machen ihnen (...) (...) (...) (...)
viel vergebliche Unruhe; (...) (...) (...) (...)
sie sammeln, und wissen nicht, (...) (...) (...) (...)
wer es kriegen wird. (...) (...) (...) (...)
Nun, Herr, wes soll ich mich trösten? (Weisheit Salomos 3,1)) (...) (...) (...) (...)
Ich hoffe auf dich. (Psalm 39,5-8) (...) (...) (...) (...)
Der Gerechten Seelen (...) (...) (...) (...)
sind in Gottes Hand, (...) (...) (...) (...)
und keine Qual rühret sie an. (Weisheit Salomos 3,1) (...) (...) (...) (...)
die doch so sicher leben. (...) (...) (...) (...)
Sie gehen daher wie ein Schemen (...) (...) (...) (...)
und machen ihnen (...) (...) (...) (...)
viel vergebliche Unruhe; (...) (...) (...) (...)
sie sammeln, und wissen nicht, (...) (...) (...) (...)
wer es kriegen wird. (...) (...) (...) (...)
Nun, Herr, wes soll ich mich trösten? (Weisheit Salomos 3,1)) (...) (...) (...) (...)
Der Gerechten Seelen (...) (...) (...) (...)
sind in Gottes Hand, (...) (...) (...) (...)
und keine Qual rühret sie an. (Weisheit Salomos 3,1) (...) (...) (...) (...)
IV. Wie lieblich sind deine Wohnungen, (...) (...) (...) (...)
Herr Zebaoth! (...) (...) (...) (...)
Meine Seele verlanget (...) (...) (...) (...)
und sehnet sich (...) (...) (...) (...)
nach den Vorhöfen des Herrn; (...) (...) (...) (...)
mein Leib und Seele freuen sich (...) (...) (...) (...)
in dem lebendigen Gott. (...) (...) (...) (...)
Wohl denen, (...) (...) (...) (...)
die in deinem Hause wohnen, (...) (...) (...) (...)
die loben dich immerdar. (Psalm 84,1.2.4) (...) (...) (...) (...)


1.4.5 Motto des Deutschen Evangelischen Kirchentags 2015 in Stuttgart

Es lautete - einer Psalmübersetzung Luthers entnommen: Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Vgl. ergänzend: [65]

Wir dröseln hier nur auf, welche Rubriken der Alternativ-Grammatik mit dem Motto angesprochen werden. Den Gesamtreim, was das Motto einigermaßen im Klartext besagen will, mögen die LeserInnen versuchen:

Lehre  - eine Aufforderung ergeht [66]
               und [67]
             - Wer ist der Adressat? [68]
             - Wohl gemeint: Gott, religiöse Sphäre [69] und [70]
             - Das Thema 'Wissenserwerb' ist aufgeworfen: [71] 
uns bedenken
             - die Bittenden wollen Wissen verarbeiten [72]
drohende Nicht-Existenz
             - [73] - wobei dieses Wissen [74] allgemein bekannt ist: [75]
             - eine Ermöglichung wird anvisiert [76], es kann dann folgen eine
             - neue Form von WISSEN - offenbar etwas, das der
               standardmäßigen Verdrängung entrissen worden war: [77]

Was immer die Entschlüsselung erbringt:

  • Wir nehmen an, dass in Leser/Hörern des Mottos unbewusst eine gedankliche Irrfahrt durch die grundlegenden geistigen Hauptetappen ausgelöst wird, wie sie soeben explizit angedeutet war. Wer eine Äußerung nicht grammatisch bewusst aufdröseln - also Begriffe wie die unseren aktivieren kann, reagiert trotzdem auf die enthaltenen Anforderungen, dann eben intuitiv. Übrigens hätten - genau genommen - noch deutlich mehr links genannt werden können!
  • Das Ergebnis könnte einerseits eine Blockierung sein, weil man geistig im Gestrüpp gelandet war, nichts mehr versteht, dabei aber immerhin eine positive Hervorhebung der Weisheit (mehrfach EPISTEMOLOGIE) vernimmt und sich diese zugute hält. Was mit der genannten Weisheit erkannt wird, bleibt dunkel, und jegliches Tun = anpackendes, lebensveränderndes Handeln ist außer Sichtweite. - Das nennt man Intellektualisierung.
  • Man möchte fragen, ob so ein Motto nicht auch einfacher = verstehbarer = praxisnäher gehalten werden kann?
  • In [78] kam der gleiche Satz, aber in anderer Übersetzung, vor. Wer dazu die musikalische Ausdeutung von Brahms im Ohr hat, stellt keine komplizierten Gedanken an, wie sie sich beim Motto aufgedrängt hatten: sie ist existenziell berührend. Und die Rede vom "Ende" ist dort nicht lediglich Durchgangsstadium zum "Klugwerden", sondern wird ernstgenommen.
  • Zitat von BP Gauck auf dem Kirchentag: "Wir haben die große Neigung, alles als sehr schwierig anzusehen. Und diese Farbe gibt es besonders auf protestantischen Kirchentagen. Ich preise manchmal den Schöpfer, dass er die Katholiken geschaffen hat, die können sich auch mal freuen." - Dies zur Kenntnis; wir werben aber für keine Seite ...

1.5 Franz Kafka, "Der Prozeß"

Zunächst sei daran erinnert, dass der Romantext in einer "Arbeitsfassung" zur Verfügung steht unter: 0.12 Bereitstellung langer Texte Auf die darin enthaltene Bezifferung wird in der nachfolgenden Tabelle Bezug genommen.

Es folgen für alle 10 Kapitel Beispiele für Textpassagen, die dekonstruiert werden müssen. Am Schluss werden noch Hinweise zur Auswertung der gemeinten Bedeutung gegeben.

Analysebeispiele für jedes Kapitel:[79]; am Schluss methodische Hinweise, wie mit den Erkenntnissen umzugehen ist.

Wer die gegebenen Analysen kommentieren/korrigieren möchte, kann dies hier nachfolgend tun. Pro Kapitel können hier auch noch weitere Passagen beschrieben werden.

1.5.1 "Höflichkeit" im Deutschen

Rafik Schami, Eine deutsche Leidenschaft namens Nudelsalat, München 2013 S.33f:

"Auch wenn den Deutschen das Essen gar nicht schmeckt,
bleiben sie höflich. Sie lächeln und sagen knapp:
'Interessant.' Ich habe mich jahrelang gefragt, warum
die Deutschen, Enkel der Dichter und Philosophen, ein
Essen interessant finden. Ein Essen kann nicht
interessant sein. Es ist weder eine mathematische
Gleichung noch eine Naturerscheinung. Es schmeckt
oder es schmeckt nicht. Ich hielt den Ausdruck für
unpräzise, unbeholfen. Erst vor kurzem konnte ich
diese höchst verschlüsselte Aussage dechiffrieren.
Meine Güte! Die heutigen Deutschen machen ihren
Vorfahren alle Ehre. Interessant - das ist eine
geballte, auf ein Wort verdichtete Kritik, die die
Verrisse des unbarmherzigsten Literaturkritikers
wie süße Limonade wirken lässt. Sie meinen:
Interessant, wie man aus wunderbaren Produkten und
Ingredienzien so ein scheußliches Gericht kochen
kann. Das alles steckt in diesem einen Wort."

1.5.2 "iterativ" im Roman "Deutschstunde"

... von Siegfried Lenz, (25. Aufl. 2014), 12. - [80] - das Modalregister wird explizit, aber auch durch Tätigkeiten, Wetterhinweise, religiös gefärbten Sarkasmus realisiert.

"Nie vergaß er seinen Auftrag. Wenn der Herbstwind
Korvetten über den Himmel von Schleswig-Holstein
trieb: mein Vater war unterwegs. Im scheckigen
Frühjahr, bei Regen, an trüben Sonntagen, morgens
und abends, in Krieg und Frieden schwang er sich
auf sein Fahrrad und strampelte in die Sackgasse
seiner Mission, die ihn immer nur nach Bleckenwarf
führte von Ewigkeit zu Ewigkeit, Amen."

1.5.3 Prädikation: Sprachbewusstsein schon auf Kinderebene

In folgendem Witz ist spontan ein Wissen impliziert, das man grammatisch ans Licht der Vernunft hieven sollte - vgl. im aktuellen Fall: [81] - was die traditionelle Grammatik aber nur selten leistet.

Rita erzählt ihrer Freundin Monika begeistert: Auf
unserem Hof haben wir ein Fohlen bekommen.
Monika: Und, werdet ihr es großziehen?
Rita: Nein, wir hoffen, dass es von alleine wächst.

1.6 Härtetest: Röm 8

Vgl. [82] - wer an der Aufgabe verzweifelt, möge sie den Theologen überlassen (sie scheitern ebenso ...). Jedenfalls muss zuvor der Text nach den Abstrakta analysiert sein (vgl. 4.13 Abstrakta). Aber auch andere Stilfiguren müssen zunächst erkannt werden.

1.6.1 Nochmals: Abendmahl - Einsetzungsworte

Vgl. schon [83]. Im Sinn der aktuellen Ziff. 4.1131 sind als "Störungen, Irritationen" festzuhalten:

  • ein Sprecher kann in aktueller Gegenwart nicht mit seinem Körper sprechen und zugleich sagen, etwas anderes, ein Objekt = Brot, sei sein Körper. D.h. 'sagen' kann er das schon. Aber offenkundig ist eine Paradoxie eingebaut, folglich meint er offenkundig etwas anderes.
  • ein Sprecher kann in aktueller Gegenwart nicht so tun, als könne er außerhalb seines Körpers auf sein eigenes Blut verweisen. Sprachkritisch spielt also die Analyse von <<BLUT>> mit: es ist eine Spezifikation, eine Teil-Angabe des größeren Ganzen = Körper. Vgl. [84] - die kritische Überprüfung von Substantiven auf Abstraktionsgrade hin ist eine Blickrichtung; die andere wäre (und wird noch als Modul nachgeliefert), dass man das Wissen einbringt: <<BLUT>> z.B. gehört zu einem organischen Ganzen - <<KÖRPER>> -, allenfalls mit gewaltsamem Eingriff kann es getrennt von diesem betrachtet und behandelt werden. Wer somit von "Blut" spricht, pickt sprachlich - noch nicht medizinisch mit Spritze - dieses Teil heraus und erzeugt eine gedankliche Künstlichkeit, einen Widerspruch zum allgemeinen Wissen, dass "Blut" untrennbar zum dazugehörenden "Körper" gehört.

Fazit: Die erste sprachkritische Analyse erbrachte, dass die beiden Sätzchen ausreichend deutliche Signale enthalten, dass man bei ihrer Wortbedeutung nicht stehenbleiben kann. Es liegt ein Paradox vor: ein Sprecher kann sich nicht im Wortsinn in zwei Objekten präsentieren. - Die Suche nach der gemeinten Bedeutung ist fortzusetzen.

Laut obiger Tabelle stehen folgende zwei weiteren Fragepunkte an:

Gemeint ist etwa: Allein die - wie gesehen - künstliche Trennung - wenn es denn um Körper und Blut gehen soll - "spricht": Das Zueinander der Objekte soll besagen, dass etwas, was zusammen gehört, künstlich = gewaltsam auseinandergerissen wurde.

Situation des Sprechers: Die beiden Elemente versinnbildlichen den bevorstehenden Tod des Sprechers, der folglich darum weiß, wie prekär seine Situation ist.

Mit dieser sprachlichen Analyse ist gerade bei solch geschichtsbeladenen Sätzen noch nicht das Nötige gesagt. Vgl. auch [85]


1.7 Weitere ÜBUNGEN an biblischen Texten (mit Analysetabelle)

Text von "Isaaks Opferung" (Gen 22,1-19) in gereinigter Form (redaktionelle Überarbeitungen entfernt): Vgl. [86]

Sehr viele Textbeispiele in die Analysetabelle eingetragen, biblische, politische, alltägliche, poetische oder journalistische. Teils mit exemplarisch ausgefüllter Tabelle zur Erläuterung, meist ohne - als Anreiz zum eigenen ÜBEN: [87] - Man kann sich ja rauskopieren, -drucken, was einen interessiert.

1.8 ÜBUNGEN an Roman-Text

Ein Prosatext, kein Gedicht. Wer sich darauf einlässt, kann dennoch viel an Sprachbildern und übertragenem Sprachgebrauch herausgreifen und sukzessive beschreiben:

Hans Fallada, Jeder stirbt für sich allein. 5. Aufl. 2012. S.115:

   "Warum fragen Sie dann die Tutti nicht selbst darum?"
   "Na, wenn Sie so reden", sagt der ältliche Herr
   gekränkt, "dann kennen Sie die Tutti nicht. Das ist
   doch ein Weib, das müssten Sie doch wissen! Die hat
   Haare auf den Zähnen, i wo, keine Haare, Igelborsten
   hat sie drauf! Die beißt und und spuckt wie ein
   Pavian - und darum wird sie ja auch so genannt!"
   Und während der ältliche Herr diese liebenswürdige
   Schilderung von Tutti entwirft, fällt dem Enno Kluge
   mit Schrecken ein, dass die Tutti wirklich so ist
   und dass er das letzte Mal mit seinem Portemonnaie
   und mit ihren Lebensmittelkarten verschwunden ist.
   Die beißt und spuckt wirklich wie ein Pavian, wenn
   sie in Wut ist, und wahrscheinlich wird sie diese
   Wut sofort an Enno auslassen, wenn er jetzt ankommt.
   Alles, was er sich von einem Nachtquartier bei ihr
   eingebildet hat, ist eben nur Einbildung ... 

1.9 Alltagsrassismus

Ein Artikel über "Schwarze Tübinger/innen" (STB 12.6.13) war auch mit einem Bild von Schülerinnen versehen. Angeregt durch beides einige Impressionen im Sinn unserer Behandlung von "Übertragenem Sprachgebrauch":

- die drei Schülerinnen waren von der Hautfarbe her alles
  andere als "schwarz". Unterschiedliche Brauntöne - das
  wäre richtiger gewesen - wenn es hätte um die korrekte
  Beschreibung der Haut hätte gehen sollen.
- damit stellt sich schon das Sprachproblem: Häufig wird
  im Wortsinn eine falsche Bezeichnung gewählt. Folglich muss
  etwas anderes gemeint sein. Das gleiche gilt für die
  Bezeichnung "Farbige/r".
- Wer die Charakterisierung "Schwarze/r" verwendet, legt
  auf die größtmögliche Polarisierung wert:
  Kontrast zu "Weiße/r". Auch letztere Bezeichnung stimmt
  oft nicht. Häufig müsste man differenzieren - wenn der
  Wortsinn gelten sollte.
- Das Interesse bei solchen Rückgriffen auf Farbtermi-
  nologie ist es,
  einen scharfen Kontrast zum Ausdruck zu bringen,
  eine soziale Unterscheidung. Das geht mit dem
  Sprachbild: schwarz <-> weiß sehr gut.
- Initiator solchen Sprechens ist die "weiße, mächtigere
  Mehrheit". Der Slogan "Black is beautiful" war
  lediglich eine trotzige Umkehrung.
- Gewollte Polarisierung und Verdächtigungen
  bilden den Hintergrund solchen Sprechens. Das wird
  bestätigt durch praktische Erfahrungen, wonach
  dunkelhäutige Menschen oft nicht in Nachtklubs
  gehen können, und häufiger von Polizeikontrollen
  belästigt werden aufgrund von "Racial Profiling".
- 'Dunkelhäutig' = 'angsterregend' bei der hellhäutigen
  Mehrheitsbevölkerung - das sitzt tief und äußert
  sich z.B. in Dialogen wie diesen: "Woher kommst du?"
  Antwort: "Aus Tübingen".
  Replik: "Nein, ich meine: Woher kommst du wirklich?"
  Die mögliche Antwort eines Tübinger Kindes: "Meine
  Mutter ist afrikanisch-amerikanisch, mit native-
  amerikanischen Vorfahren, schwäbischen Wurzeln,
  weißer Mutter und vermutlich polnischem Urgroßvater.
  Mein Vater kommt aus Gambia, seine Mutter ist 
  jedoch senegalesisch und aus Guinea-Bissau. Der
  Name meines Vaters kommt aus Portugal, deswegen
  kann es sein, dass portugiesische Anteile in mir
  sind. Ja und wie gesagt, ich komme aus Tübingen."

Mit solch einer Antwort ist - im Wortsinn - präzis die hartnäckige Frage beantwortet - und zugleich das Motiv der Angst der übertragenen Bedeutung aufgedeckt und ad absurdum geführt. - Sobald derartige Zusammenhänge bewusster sind, könnten die Farbbezeichnungen bei Menschen aufgegeben werden. Anstelle des Äußeren ist es besser, das praktische und kommunikative Verhalten wahrzunehmen, darauf zu reagieren, damit umzugehen.

1.9.1 Erstarrte / modische Metaphern - Empfehlung

Mit Humor, aber auch Sensibilität und vernünftiger Analyse werden viele Metaphern der aktuellen deutschen Umgangssprache aufgedröselt:

Eike Christian Hirsch, Gnadenlos gut. Ausflüge in das neue Deutsch. München 2005 2. Aufl. C. H. 
Beck.

Das Büchlein sei wärmstens zur genauen Lektüre empfohlen - es ist, etappenweise, ganz sicher auch im Unterricht gut zu gebrauchen und entspricht genau dem Anliegen unserer aktuellen Ziff. 4.11311.

1.9.2 Schlechter Stil - aber demagogisch wirksam: Hitlers "Mein Kampf"

aus SPIEGEL 2/2016 109, anlässlich der Neuausgabe des Werkes Anfang 2016, S.109:

Hitlers Schreibstil wirkt heute wie aus der Zeit
gefallen. Stilblüten ("Ich traf dort Anwesende aus
hauptsächlich den unteren Schichten des Lebens")
und skurrile Metaphern ("Es liegen die 'Eier des
Kolumbus' zu Hunderttausenden herum, nur die
Kolumbusse sind eben seltener zu treffen) finden
sich zuhauf in dem Text.
   Hitler liebte Fremdwörter, Wiederholungen,
Superlative. Parlamente waren bei ihm nicht nur
verlogen, sondern "allerverlogenst", seiner Partei
stand nicht ein Kampf, sondern ein "Riesenkampf"
bevor. Und dann die fortwährende Beschimpfung
seiner Feinde als "Schieber", "Volksvergifter",
"hinterlistige Meuchelmörder", "blasierte Herrchen" 
und "Gelichter".
   Auffallend auch der inflationäre Gebrauch
eigentlich negativer Begriffe wie "rücksichtslos"
und "brutal" in positivem Kontext: "Ich war vom
schwächlichen Weltbürger zum fanatischen Antisemiten
geworden", berichtete Hitler in "Mein Kampf" - und
war erkennbar stolz darauf.
   Erstaunlicherweise hielt der Autor, obwohl ihm
Selbstkritik sonst fremd war, sein Buch für
sprachlich nicht besonders gelungen. "Ich bin kein
Mann der Feder und schreibe nur schlecht", notierte
er 1924. Eine Einschätzung, die selbst der ihm treu
ergebene Goebbels teilte: "Das Buch wirkt ehrlich
und tapfer. Nur der Stil ist manchmal unausstehlich." ...
   (112) Nach ungefähr einem Drittel des Buchs hat
der Leser das Jahr 1919 erreicht. Die Lektüre wird
nun immer mühsamer. Volksverhetzende Passagen häufen
sich, der Landsberger Häftling reiht Themen
willkürlich aneinander, etwa in Kapitel 10 über die
"Ursachen des Zusammenbruchs", also die Niederlage
1918: Er kritisiert die angebliche Übermacht der 
Industrie im Kaiserreich, beschimpft die Presse,
empört sich über den Verfall des Kulturlebens,
beklagt das Fehlen zeitgenössischer Denkmäler in
den Städten, hält dem Reichstag Versagen vor,
moniert die Flottenpolitik Kaiser Wilhelms II.
und diskutiert Vor- und Nachteile der Monarchie.
   Hinter diesem chaotischen Panorama verbirgt sich
ein konkretes, wenn auch über mehrere Kapitel
verstreutes, menschenverachtendes Ideengebäude.
Am Anfang steht die These, "alles weltgeschichtliche
Geschehen" sei eine "Äußerung des Selbsterhaltungs-
triebes der Rassen". Historischer Fortschritt beruhe
auf dem Kampf zwischen den Rassen, die stärkeren
setzten sich durch - das sei ein Naturgesetz. Für
Hitler ist Krieg daher kein Übel, sondern eine
legitime Form des "großen ewigen Lebenskampfes um
das Dasein".
   "Pazifistisch-humane Ideen" führten hingegen zu
"Barbarei und Chaos". Frieden und Rechtsstaatlichkeit
sind für Hitler keine zivilisatorischen Errungen-
schaften, sondern Zeichen des Niedergangs. Das
Münchner Forscherteam sieht die Ursachen für dieses
"antizivilisatorische Programm" in den nicht auf-
gearbeiteten Erfahrungen Hitlers an der Westfront:
"Hier schreibt einer, für den der Krieg im Grunde
nie zu Ende gegangen ist."

1.9.3 Sarkasmus

... klingt zunächst nach hemmungsloser Übertreibung, gewiss, aber damit ist das Thema nicht abgehakt. Pragmatisch fruchtbar wird die Beobachtung erst, wenn man merkt, welche Aspekte in jener Übertreibung mittransportiert werden. Im folgenden Beispiel etwa:

  • Wut des Sprechers
  • Klage über die bisherige gedankliche Verstocktheit seiner Adressaten
  • sein massives Bestreben, ein ihm wichtiges Thema endlich in den Köpfen der Angesprochenen zu verankern.
Kontext: die Nachkriegspsychologie. Vgl.
S. Bode, Die vergessene Generation. Stuttgart 2004.
(47f) "Ein Patient mit tief greifenden psychischen
Veränderungen, dessen Körper jedoch keine Spuren
von Gewalt oder doch wenigstens lang anhaltenden
Strapazen aufwies, war also nicht etwa kriegstrau-
matisiert, wie es uns heute so selbstverständlich
von den Lippen geht, sondern es wurde eine 'anla-
gebedingte' Ursache für seine Störungen verant-
wortlich gemacht. Dies galt als eine gesicherte
wissenschaftlich Erkenntnis.
   Vor allem für die Holocaust-Überlebenden hatten
derartige medizinische Glaubenssätze schlimme
Folgen, denn damit argumentierten deutsche Gut-
achter vor Gericht, wenn es darum ging Rentenan-
sprüche und Wiedergutmachungsleistungen abzuwehren;
eine gängige, erbarmungslose Praxis gegenüber Nazi-
opfern, die 1963 den amerikanischen Psychoanalytiker
deutscher Herkunft Kurt Eissler zu der seither viel
zitierten Frage veranlasste: "Die Ermordung von wie
vielen seiner Kinder muss ein Mensch symptomfrei
ertragen können, um eine normale Konstitution zu haben?" 

1.9.3.1 Gedicht - Heinrich Heine

Aus Reclam 8988, S.111, "Lamentationen"

Vermächtnis
Nun mein Leben geht zu End,
Mach ich auch mein Testament;
Christlich will ich drin bedenken
Meine Feinde mit Geschenken,
Diese würdgen, tugendfesten
Widersacher sollen erben
All mein Siechtum und Verderben,
Meine sämtlichen Gebresten.

Ich vermach euch die Koliken
Die den Bauch wie Zangen zwicken,
Harnbeschwerden, die perfiden
Preußischen Hämmorrhoiden.
Meine Krämpfe sollt ihr haben,
Speichelfluß und Gliederzucken,
Knochendarre in dem Rucken,
Lauter schöne Gottesgaben.
Kodizill zu dem Vermächtnis: 
In Vergessenheit versenken 
Soll der Herr eu'r Angedenken,
Er vertilge eu'r Gedächtnis.

1.9.3.2 Heinrich Heine - gezielt falsche Übersetzung

aus: Tilch, Kruse, Heine für Boshafte, insel-tb 2008:

(60) "De mortuis nil nisi bene - man soll von den Lebenden
nur Böses reden."

1.9.4 Ironie in der Politik?

aus Interview mit Peer Steinbrück: Spiegel 40/2016 S.53.

SPIEGEL: Sie haben oft Ironie als Waffe benutzt.
Sie kündigten bei Veranstaltungen an, '120 Minuten'
reden zu wollen. Sie hielten Journalisten Schokolade
hin, zum 'Dranriechen', aßen sie dann selbst und
sagten, so gehe Sozialdemokratie. War das richtig?
Steinbrück: Das habe ich so nicht gesagt, aber
dessen unbenommen, ist Ironie hochgefährlich in der
Politik. Reines Dynamit. Aber sie ist ein reizvolles
Spiel.
SPIEGEL: Wenn Ironie gefährlich ist - warum konnten
Sie es nicht lassen?
Steinbrück: Ironie ist auch Selbstschutz. Sie stellt
Distanz her. Die brauchen Sie manchmal. In Zeiten,
in denen Politiker medial allgegenwärtig sein wollen
und verfügbar sein sollen.
SPIEGEL: Fühlt man sich in so einem Wahlkampf
manchmal einsam?
Steinbrück: Ja. Ich war auf Veranstaltungen, wo
mir alles signalisierte: Du gehörst hier gar nicht hin.

Einzelsprache: 2.1 Englisch

Beispiele

(1)
Text = Wortsinn
(2)
Störungen (Widersprüche,
Fehlende Infos, Abstraktionen,
Stilfiguren usw.)
(3)
Ist die gesamte Szenerie,
das gesamte Bild um eine weitere
Deutung zu ergänzen?
(4)
Ergänzende Deutung:
Gemeint ist etwa ... -
Einzelaspekte nennen!
(5)
Situation des Sprechers: Warum wohl
äussert er sich derart
zweischichtig?
Hunger is the best sauce Hunger ist die beste Soße Hunger ist keine Soße ist die beste Soße Hunger macht weniger wählerisch
Rechtfertigung für eigenes Essverhalten oder Appell an Gegenüber, nicht wählerisch zu sein
My heart is in my boots Mein Herz ist in meinen Stiefeln Das Herz ist ein inneres Organ ist in meinen Stiefeln = Erschrecken, Hilflosigkeit < Sprecher ist in einer extremen Stresssituation
It's raining cats and dogs Es regnet Katzen und Hunde Tiere fallen nicht aus Wolken Katzen und Hunde = sehr starker Regen Sprecher drückt seine heftige Abneigung gegen das momentane Wetter aus
The right hand doesn't know what the left hand is doing Die rechte Hand weiß nicht, was die linke tut Die rechte Hand kann nichts wissen Die rechte Hand weiß nichts Es herrscht mangelnde Kommunikation zwischen einem Paar ( = z.B. ein 2 -Personen Team)
Aufgaben werden doppelt bearbeitet und führen zu verschiedenen Ergebnissen (Bsp. Bürokratie)
Mike is going to attend evening classes in French. Mike ist dabei zu gehen um an Abendkursen für Französisch teilzunehmen. Ginge Mike tatsächlich, dann sicher nicht zu mehreren Kursen gleichzeitig. Der Plural erweist sich als Störfaktor. Eher Entschluss als reales Gehen angezeigt. Mike ist bereit, wild entschlossen, plant langfristig. BE GOING TO + INFINITIV = erstarrte Metapher nicht nur zum Ausdruck des Futurs, sondern um den schon vorhandenen Willen zu Handeln auszudrücken: Register INITIATIVE. D.h. das angezeigte Handeln steht unmittelbar bevor.
(...) (...) (...) (...) (...)
(...) (...) (...) (...) (...)
(...) (...) (...) (...) (...)
(...) (...) (...) (...) (...)


Einzelsprache: 3.1 Spanisch

Beispiele

(1)
Text = Wortsinn
(2)
Störungen (Widersprüche,
Fehlende Infos, Abstraktionen,
Stilfiguren usw.)
(3)
Ist die gesamte Szenerie,
das gesamte Bild um eine weitere
Deutung zu ergänzen?
(4)
Ergänzende Deutung:
Gemeint ist etwa ... -
Einzelaspekte nennen!
(5)
Situation des Sprechers: Warum wohl
äussert er sich derart
zweischichtig?
Qué casualidad vernos tan lejos de nuestra patria! El mundo es un pañuelo. Was für ein Zufall, dass wir uns so weit entfernt von unserer Heimat treffen! Die Welt ist ein Taschentuch. Die Welt ist kein Gebrauchsgegenstand. Die Welt ist ein Taschentuch. Zufall: Sprecher trifft jemanden an einem Ort, an dem er denjenigen nicht erwartet hätte.
Esto es muy difícil, no lo puedo hacer sólo. Echame una mano. Das ist sehr schwierig, ich kann es nicht alleine. Wirf mir eine Hand zu. Eine Hand kann man nicht werfen. Wirf mir eine Hand zu. eine Hand reichen, helfen: Sprecher braucht Hilfe mit etwas.
Estoy roto. Ich bin kaputt. "kaputt" wird für Gegenstände verwendet, nicht für Menschen. Ich bin kaputt. Ich bin ermüdet, erschöpft: Sprecher ist (körperlich oder geistig) erschöpft.
Tirar la toalla. Das Handtuch werfen. Warum wird das Handtuch (auf den Boden) geworfen? Das Handtuch werfen. Aufgeben: Sprecher befindet sich in einer aussichtslosen Situation.
Eres mi príncipe azul. Du bist mein blauer Prinz. Ein Mensch ist nicht unbedingt ein blauer Prinz. Du bist mein blauer Prinz. Du bist mein Traumprinz: Sprecher will Zuneigung zu jemandem ausdrücken.
Aunque la mona se vista de seda, mona que seda. Auch wenn sich die Äffin in Seide kleidet, bleibt sie Äffin. Affen tragen keine Seide. Äffin kleidet sich in Seide (versuchen) sich (zu) verstellen: Auch in Verkleidung bleibt man sich selbst.
Hay que consultar la almohada. Man muss sich mit dem Kopfkissen beraten. Kopfkissen kann nicht reden, keinen Rat geben. sich mit dem Kopfkissen beraten noch mal über etwas nachdenken, eine Nacht darüber schlafen: Sprecher braucht Zeit, um sich über etwas klar zu werden.
(...) (...) (...) (...) (...)
(...) (...) (...) (...) (...)
(...) (...) (...) (...) (...)

Einzelsprache: 4.1 Französisch

Beispiele

(1)
Text = Wortsinn
(2)
Störungen (Widersprüche,
Fehlende Infos, Abstraktionen,
Stilfiguren usw.)
(3)
Ist die gesamte Szenerie,
das gesamte Bild um eine weitere
Deutung zu ergänzen?
(4)
Ergänzende Deutung:
Gemeint ist etwa ... -
Einzelaspekte nennen!
(5)
Situation des Sprechers: Warum wohl
äussert er sich derart
zweischichtig?
Je suis mort Ich bin tot Ein toter Mensch redet nicht Ich bin tot Ich bin erschöpft/restlos erschöpft: Erwartungen anderer kann/will Sprecher nicht erfüllen
Il l' a enrhumé Er hat ihn erkältet Ein Mensch kann keinen anderen Mensch erkälten Er hat ihn erkältet Er hat ihn rasant überholt/Er hat den anderen deklassiert: Wahrscheinlich spricht der Sprecher seine Bewunderung und seine Fassungslosigkeit über den Unterschied aus.
Reaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo Anfang 2015 auf die Tötung mehrerer seiner Karikaturisten. Gezeichnet: 3 furchtbar erregte, frustrierte Islamisten. Sagt der eine: Schon die Darstellung der frustrierten Männer ist extrem überzeichnet. Alle drei scheinen einheitlich derselben verbohrten Geisteshaltung zugehören. Körperhaltung deutet auf Unbelehrbarkeit, Frustration und ungebändigte Aggression. (...)
(1) Il ne faut pas toucher aux gens de "Charlie Hebdo". Man darf die Leute von "Charlie Hebdo" nicht berühren. <<BERÜHREN>> extreme Verharmlosung; in Wirklichkeit ging es darum, dass 5 Redaktionsmitglieder niedergeschossen und getötet worden waren. Sprachlich wird das Kapitalverbrechen bagatellisiert. Gedanken über der Terrorakt hinaus gibt es nicht. "nicht-berühren" zeigt eine sprachliche Verdrängung der Tat an. Der Redaktion hat man sich mit Gewehren zwar gestellt; sprachlich-geistig kann man sich dem, was getan wurde, nicht stellen.
(2) Sinon, ils vont passer pour des MARTYRS Falls doch, gelten sie als (unschuldige) Märtyrer / Blutzeugen Radikalisierte religiöse Denkform kommt ins Spiel: Märtyrer waren auch im Christentum solche, die lieber den Tod auf sich nahmen, als dem Glauben abzuschwören. Eine solche Einstellung gilt in Religionen als besonders edel und verehrungswürdig. Den gezeichneten Islamisten wäre ein solcher Effekt ein Graus: die getöteten Feinde nun sogar in besonders hellem Licht?! Gedanklich kreist man nicht um das angerichtete reale Verbrechen, sondern - abgehoben - wird die göttliche Wertung/Folge der Tat bedacht. Der Satz ist Eingangstor: um das, was real in Paris getan worden war, kümmert man sich nicht; es interessiert nur die Bewertung aus göttlicher Perspektive. Das klingt zwar fromm, ist gleichzeitig jedoch eine Form von Blindheit.
(3) et, une fois au paradis, und, einmal im Paradies, "Märtyrer" lässt - in religiöser Denkform - erwarten, dass die 'bösen' Getöteten ins Paradies gelangen, also den Ort der Seligen. Das wäre nun vollends die Umkehrung dessen, was die Attentäter beabsichtigten. Dem irdischen Tod sollte nicht auch noch die himmlische Belohnung folgen! Die Islamisten haben sprachlich keinen Blick für das real-irdisch angerichtete Verbrechen, können nur in mythologisch-religiösen Bildern denken.
(4) ces enfoirés vont nous piquer toutes nos vierges! diese Angeschissenen / Blödmänner machen sich daran alle unsere Jungfrauen wegzuschnappen. Fortführung der religiösen Klischees: Wenige Männer, viele zur Verfügung stehende Jungfrauen. Äußerst derbe Abwertung der Opfer. Machodenken im Extrem. Denken in Hahnenkämpfen. (Sexual-)Neid, Habgier, Frustration. Die irdische Tat verkehrte sich in himmlischer Perspektive ins genaue Gegenteil - das die Islamisten nun wirklich nicht wollten. - Der Karikaturist nimmt die Sprach- und Denkformen der Täter auf und schlägt sie mit den eigenen Waffen. Häme kommt zum Vorschein - trotz der zurückliegenden furchtbaren Tat.
(...) (...) (...) (...) (...)
(...) (...) (...) (...) (...)

Einzelsprache: 4.2 Französisch (Dialog aus dem Film "Der Pate")

Beispiele

(1)
Text = Wortsinn
(2)
Störungen (Widersprüche,
Fehlende Infos, Abstraktionen,
Stilfiguren usw.)
(3)
Ist die gesamte Szenerie,
das gesamte Bild um eine weitere
Deutung zu ergänzen?
(4)
Ergänzende Deutung:
Gemeint ist etwa ... -
Einzelaspekte nennen!
(5)
Situation des Sprechers: Warum wohl
äussert er sich derart
zweischichtig?
En Sicile les femmes sont plus dangereuses que les coups de fusils. In Sizilien sind Frauen gefährlicher als die Waffenschüsse. man kann Frauen nicht mit Waffen vergleichen Frauen gefährlicher als die Waffenschüsse. Macht der Familienstruktur im Gegensatz zu freizügiger, selbstbestimmter Lebensführung: Hier redet jemand der aus der Region kommt, und der gibt seinen Rat weil er genau weiss was passieren könnte.
Mon père lui a fait une offre qu’il ne pouvait pas refuser. Mein Vater machte ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte. Ein Angebot kann man immer ablehnen. ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte. Ausübung von unmittelbarer Gewalt: Hier kennt der Sprecher die Macht seines Vaters und er weiss, wozu der Vater fähig ist.
Je suis un homme d’affaire, et le sang ça coute trop cher... Ich bin Geschäftsmann, und das Blut kostet zu viel ... Das Blut kostet nicht viel. das Blut kostet zu viel ... Ich will keinen Krieg anfangen, weil es mich viel Zeit kostet und das kann sich auf meine Geschäfte negativ auswirken: Der Geschäftsmann will seine Zeit nicht in einem Krieg investieren, weil es zu finanziellen und menschlichen Verlusten führen könnte.
L'homme le plus riche est celui qui a les amis les plus puissants. Der reichste Mann ist derjenige, der die mächtigsten Freunde hat. Man kann reich sein ohne mächtige Freunde zu haben Der reichste Mann ist derjenige, der die mächtigsten Freunde hat. Wenn man mächtige Freunde hat, wird dann das Leben eines Geschäftsmannes leichter: Der weiss, dass man in diesem Milieu mächtige Freunde (Politiker) braucht um es leichter zu haben.
Les grands hommes ne naissent pas dans la grandeur, ils grandissent. Große Männer sind nicht gross geboren, die wachsen. Das ist logisch, dass man nicht gross geboren ist. Große Männer sind nicht gross geboren, die wachsen. Reiche Männer sind meistens nicht reich geboren, die haben hart gearbeitet um reich zu werden.(harte Arbeit = Reichtum): Das ist ein Mensch, der es hart im Leben hatte und der viel gekämpft und gearbeitet hat, um alles zu erreichen.
Sois proche de tes amis, et encore plus proche de tes ennemis. Sei nah an deinen Freunden, und noch näher an deinen Feinden. Man muss nicht in der Nähe von seinen Feinden sein. Nah an deinen Freunden, und noch näher an deinen Feinden. Man muss umsichtig und vorsichtig sein. Der Sprecher hat viele Erfahrungen mit den Menschen und der weiss dass man überall Feinde hat.
La finance est une arme. La politique, c'est de savoir quand il faut tirer. Geld ist eine Waffe. Politik ist, wenn man weiss, wann man schiessen soll. Geld ist keine Waffe Geld ist eine Waffe Geld ist sehr wichtig im Leben , sowie auch Politik. Der Sprecher weiss genau, dass man im dem Milieu viel Geld haben muss und dass man mit Geld alles kaufen kann.


Ich habe der Dialog aus dem Film gewählt, weil er sehr hilfreich im Leben ist. Was der Sprecher sagen will in dem Film, ist meistens gemein oder drohend, aber die Art, die der Sprecher benutzt, ist immer fein und höflich gewesen, und man musste immer nachdenken, was damit gemeint ist.


Einzelsprache: 5.1 Arabisch

Beispiele

(1)
Text = Wortsinn
(2)
Störungen (Widersprüche,
Fehlende Infos, Abstraktionen,
Stilfiguren usw.)
(3)
Ist die gesamte Szenerie,
das gesamte Bild um eine weitere
Deutung zu ergänzen?
(4)
Ergänzende Deutung:
Gemeint ist etwa ... -
Einzelaspekte nennen!
(5)
Situation des Sprechers: Warum wohl
äussert er sich derart
zweischichtig?
الفتاة قمر Das Mädchen ist ein Mond Ein Mensch kann kein Mond sein Das Mädchen ist ein Mond Das Mädchen ist super hübsch: Begeisterung von dem Aussehen einer Person
الوقت كالسيف إن لم تقطعه قطعك Die Zeit ist wie ein Schwert, wenn du sie nicht schneidest wird sie dich schneiden Die Zeit kann die Menschen nicht schneiden Wenn du die Zeit nicht schneidest wird sie dich schneiden Ein Vater warnt seinen Sohn, der sich von seinem Studium ablenkt vor Versäumung seiner Verpflichtungen: Er droht vor Vernachlässigung seiner Pflichten.
العلم نور و الجهل عار Die Wissenschaft ist eine Erleuchtung und der Analphabetismus ist eine Scham Die Wissenschaft ist keine Erleuchtung und Scham ist ein menschliches Gefühl der Verlegenheit Die Wissenschaft ist eine Erleuchtung und der Analphabetismus ist eine Scham Ein Lehrer bezeichnet das Streben nach Wissenschaft als e

Erleuchtung, um die unklare Zukunft zu beleuchten. Er bezeichnet auch den Analphabetismus als Schamgefühl und als Verlegenheit für die Analphabeten: Er warnt vor dem Analphabetismus und fordert das Streben nach der Wissenschaft.

(...) (...) (...) (...) (...)
(...) (...) (...) (...) (...)
(...) (...) (...) (...) (...)
[Anmerkung: v.a. in Spalte 4 genügt es nicht, die Wortbedeutung
mehr oder weniger zu wiederholen. Es ist dann keine Dekonstruktion
gelaufen. Das heißt für Spalte 5: Es müsste eine Deutung mit anderen
Worten und anderen Lebensbereichen ins Spiel kommen.]

6. Bildende Kunst

Nur als Ausblick, als 'Zugabe', ist die These gedacht, dass auch Werke der bildenden Kunst in gleicher Weise beschrieben, damit analysiert und interpretiert werden können, genauer: müssen! Denn bei ihnen wäre es genauso fatal, würde der Betrachter ganz oder teilweise bei der Wortbedeutung = dem unmittelbar Sichtbaren verharren. Man müsste dann sagen: er hat das Kunstwerk nicht oder missverstanden. Also: Wortbedeutung = sichtbare Merkmale des Objekts genau wahrnehmen! Wenn klar ist, dass nicht lediglich ein bekanntes Motiv unter wohlbekannten Umständen abgebildet werden soll, also keine Wahrnehmungsprobleme entstehen, dann ist die komplette Dekonstruktion fällig.

6.1 Holocaust-Mahnmal in Berlin

Das Stelenfeld von Peter Eisenman - vgl. [88] - sei aus der Perspektive eines Besuchers, nicht aus der eines Fachwissenschaftlers beschrieben:

(1)
Text = Wortsinn
(2)
Störungen (Widersprüche,
Fehlende Infos, Abstraktionen,
Stilfiguren usw.)
(3)
Ist die gesamte Szenerie,
das gesamte Bild um eine weitere
Deutung zu ergänzen?
(4)
Ergänzende Deutung:
Gemeint ist etwa ... -
Einzelaspekte nennen!
(5)
Situation des Sprechers: Warum wohl
äussert er sich derart
zweischichtig?
Riesiges Stelenfeld, 2711 Einzelstelen Zweck - alltagspraktisch betrachtet - nicht vorhanden. Laut FAZ: "Am teuersten Bauplatz der Stadt setzt die Semantik aus: Hier kann man nicht einkaufen, hier steht kein Regierungsgebäude, kein Park, kein klassisches Denkmal ... Es ist diese Stummheit der Form, die eine beklemmende Atmosphäre erzeugt und der Erinnerung, den Fragen, der Spurensuche einen Weg bahnen soll." Der riesige Aufwand an Betonstelen und ihre Anordnung. Im Kontrast zum umgebenden, pulsierenden Großstadtleben und zur Stadt Berlin mit ihrer spezifischen Historie (NS-Zeit primär, aber auch DDR), erzwingt das Stelenfeld Erstarrung, Nicht-Mitmachen, Innehalten. Sprecher = Künstler. Eine verbal formulierbare Botschaft ist noch nicht erkennbar. Aber sozusagen ein gewaltiges Ausrufezeichen, ein Zwang, sich auf eine Kontrasterfahrung einzulassen.
Einzelstele aus Beton, Quader, glatt - also dominiert vom rechten Winkel, hart, grau, scharfe Kanten. In Form und Farbe demnach Kontrast zur Umgebung (Häuser, Bäume). Geometrische Figur, kein sicherer Anklang an ein vertrautes Objekt des Alltagslebens (etwa Sarg). Als Form einfallslos, konstruiert und naturfern. Quader = Kopfgeburt. Besonders provokativ durch ihre schiere Masse. Gesamtzahl der Quader. Durch einzelnen Quader könnte rein technisches Denken gemeint sein. Das Gegenteil der Beschreibung natürlicher, menschlicher Prozesse - im Feld Biologie, erst recht, wenn es um Gefühle, geistige Innovationen und Kreativität geht. Der Künstler hatte den expliziten Auftrag, ein "Mahnmal für die ermordeten Juden Europas" zu errichten. Das aktuelle Merkmal lenkt den Blick auf gefühllose Vorgehensweise, auf letztlich perfekt organisierte, industriell vollzogene Massenvernichtung.
In der Grundfläche gleich (2,38m x 0,98m), in der Höhe verschieden. Dominierend der Eindruck der Gleichheit, nicht plausibel gemacht die unterschiedliche Höhe. Die beschriebenen Blöcke müssen etwas anderes bezeichnen; aus sich heraus sind sie sinnlos. Im Rahmen grundsätzlicher Gleichmacherei könnten Rangordnungsstufen, Hierarchien anvisiert sein, niedrige, mittlere, hohe Dienstgrade. Wenn die höheren Stelen nicht gut verankert sind, können sie heute noch Besucher erschlagen. Gefährlichkeit geht von ihnen aus. Der Künstler musste im Rahmen seines Auftrags die Struktur der ausführenden Organe im Blick gehabt haben - Militär, Wachmannschaften, jeweils hierarchisch strukturiert. Der Einzelne war streng eingebunden.
Anordnung in Reihen und Linien, Abstände gleichbleibend. Wegen unterschiedlicher Höhe bisweilen Eindruck des Wogenden, Wellenförmigen. Wogen - das pflegt man von einem Kornfeld zu sagen. Hier wogt nichts - es sind ja Betonstelen. Der Eindruck beruht auf Schein. die wogenden, wellenförmigen Stelen Wer sich an Militärparaden erinnert, kommt auf ähnliche Impressionen: Äusserlich durch Uniform und Gleichschritt verwechselbar gewordene Menschen paradieren - was dann im Gesamten auch eine wogende Bewegung ergibt. Wie Stahlspäne unter einem Magneten: alle gleich ausgerichtet, eng beisammen. Gleichrichtung auch mental, ideologisch? Die Assoziation zu Militärparaden kann dem Künstler unterstellt werden. Aus alten Wochenschauen oder aus der Zeit des Kalten Krieges waren solche Bilder zur Genüge verfügbar.
Manche Stelen niedriger als menschliches Normalmaß, andere überragen den Menschen. Eine Sinnhaftigkeit des Größenunterschieds erschließt sich bei direkter Betrachtung nicht. Unterschiedlich hohe Stelen. Immerhin lassen die verschieden hohen Stelen unterschiedlichen Umgang mit ihnen zu. Kinder können bei den niedrigeren von ihnen spielen, auch auf sie klettern. Die hohen werden sie meiden, weil sie angsteinflößend sind. Angsteinflößend und fremd sind alle Stelen; aber es gibt graduelle Unterschiede. Liegt der Versuch vor, selbst innerhalb des insgesamt abstoßenden Gesamtsystems doch noch zu differenzieren?
Zwischenräume eng, Durchgang möglich, gepflastert - jegliches pflanzliche Leben ist verbannt. Wer sich auf die Gänge einlässt, scheint immer tiefer in den Stelenwald zu geraten. Das Feld hat keine spezifischen Eingänge/Ausgänge. Die Gesamtstruktur erscheint offen, ziellos, nicht auf einen anderen Zweck ausgerichtet. Nur als Gesamtstruktur selbst ist die Installation abschreckend. Das ist klar. Aber als Gesamtstruktur mit dem restlichen Leben außerhalb nicht verbunden. Gesamtstruktur der Stelen Man 'lernt' aus dem Stelenfeld nichts für das eigene Leben. Stattdessen wird eher der Kontrast zum menschlichen Leben vorgeführt, nämlich die Nicht-Lebbarkeit, die Nekrophilie. Der Künstler konnte das Wissen einbeziehen, wohin all diese Verhaltensweisen führten: in die Kapitulation, in die Vernichtung von 6 Mio. Menschen, in den Selbstmord bzw. die Verurteilung zum Tode der Hauptverantwortlichen, in das Leid der Überlebenden - die mit Verlusten unterschiedlichster Art leben mussten.
Unter der Erde: Informationszentrum: Namen von Konzentrationslagern, Schilderung der Praktiken dort. Warum im Souterrain? Platzierung im Kellergeschoss. Sozusagen im zweiten Zugang bekommt die Sprache ihr Recht. Das Stelenfeld auf der Oberfläche war sprachlos gewesen und hatte sprachlos gemacht. Aber nun wird durch Sprache/Projektionen die Deutung des ganzen Aufwandes ins Spiel gebracht. Auch insofern sinnvoll: Sprache ist immer etwas "Zweites". Der erste Augenschein ist ein Primäreindruck, vielleicht schön, vielleicht hässlich - und was es dazwischen noch geben mag. Aber der erste Augenschein hat noch keine Bedeutung, ist nicht diskursfähig. Das wird nun im Kellergeschoß anders: Die Sinngebung des gesamten Aufwandes wird nachgeholt bzw. unmissverständlich klargestellt. Es sieht nicht so aus, als sei das Untergeschoß noch lediglich so etwas wie eine Konzession, sondern Ausdruck einer sinnvollen Zweiergliederung: oben - dumpfe, lebensfeindliche Gewalt; unten - mit Sprache und Nachdenken ein Aufdecken dessen, was beim ersten Zugang missachtet worden war (welche Folgen hat mein gesamtes Verhalten?).
Auch unter der Erde, beklemmender Raum: Holocaust-Turm. Darin keine Information. Widerspruch zu dem, was man in der Ebene tiefer glaubte erwarten zu können. Holocaust-Turm Damit wird zumindest eine Verbindung hergestellt zwischen Unten und Oben. Beide Ebenen nicht nur durch Sinngebung, sondern architektonisch fassbar gekoppelt. Eisenman widerspricht damit jeder Deutung, die das Informationszentrum als nachklappernde Installation ansieht. Nein, es ist genauso ein wichtiger Bestandteil des Gesamtwerks. Laut Erbauer handle es sich um einen "Place of no meaning". Das stellen wir infrage. Die Verbindung der beiden Ebenen zeigt an, dass die obere Ebene einen massiven Hinweis auf die untere darstellt, darin ihre Sinngebung findet.
Risse in manchen Stelen. Bekommen die Quader damit Individualität? Ob diese Verwitterungseffekte beabsichtigt waren oder nicht: Sie 'sprechen', sind also mehr als nur Risse im Beton [die man mit Kunstharz oder Eisenschienen zu reparieren pflegt]. Quader mit Rissen erinnern an die - viel zu seltenen - Beispiele, wo Menschen im Gesamtgetriebe dann doch nicht mitgespielt haben. Sie verhielten sich nicht uniform - auch wenn sie vielleicht weiterhin ihre Uniform angezogen hatten. Sie konnten einzelnen Opfern helfen; den Eindruck des Gesamtsystems konnten sie nicht ändern. Das vermochten auch einzelne Attentatsversuche nicht. Die Masse der Mitmacher überwog. - Die Verwitterungseffekte könnten auch als Mahnung willkommen sein: Bleibt man nicht hellwach, verpufft irgendwann auch die monströse Erinnerungsfunktion dieses Stelenfeldes - und die selben Fehler wie in der Vergangenheit sind wieder möglich. Es wäre interessant zu wissen, ob Eisenman selbst eine ähnlich positive Sicht der Verwitterungseffekte hat.
Stelenfeld z.T. dort, wo einmal der Todesstreifen war. Fremdkörper im Bereich Bundestag, Brandenburger Tor, Potsdamer Platz. Was geschichtlich und in der Gegenwart an jenen Orten stattgefunden hat bzw. stattfindet, kann mit den Stelen unmittelbar nichts anfangen. Stelenfeld als städtebauliches Element an zentralem Ort. Gerade weil - äußerlich betrachtet - ein schmerzhaft großes und zentrales Gebiet städtebaulich 'verplempert' wird, bleibt das Stelenfeld eine blutende Wunde, ein Zwang, sich damit auseinanderzusetzen. Durch die Umgebung wird die Anwendung der Gedankenimpulse nicht nur auf die Nazi-Zeit erzwungen - wenngleich darauf als erstes. Aber auch Preußen, DDR, BRD und das wiedervereinigte Deutschland sind angesprochen. Was im 3.Reich eskalierte, fiel nicht vom Himmel, sondern bahnte sich an durch allerlei Verblendungen im Vorfeld, unaufgeklärte, autoritätsfixierte Gesellschaft. Und nach dem Krieg gibt es keine Garantie, die beruhigen würde, dass "so etwas" nicht wiederkehren werde. Das Stelenfeld mit dem implizierten Zwang, der Ermahnung, erinnert daran, wachsam zu bleiben. In Analogie zu Einzeltexten ist anzunehmen: Der Künstler konnte gar nicht anders als wahrzunehmen, in welcher Umgebung sein Werk einmal platziert sein werde. Also werden die symbolisch aufgeladenen Orte auch in seine Konzeption für das Mahnmal eingeflossen sein. Auch Einzeltexte - bei denen man zunächst deren interne Struktur genau wahrnimmt und beschreibt - sind nicht im luftleeren Raum entstanden, sondern in der Umgebung anderer Texte und zeitgeschichtlichen Probleme. Methodisch werden solche Bezüge am Ende der Pragmatik erfasst und beschrieben.

Fazit: Viele Einzelaspekte des Gesamtwerks sind beschreibbar und müssen - wie sich gezeigt hat - dekonstruiert werden. Nimmt man die gefundenen "Gemeinten Bedeutungen" zusammen, um wieder die Ebene des Gesamtwerkes zu erreichen, so ergeben sie auf dieser zweiten Bedeutungsebene ein Ganzes, Stimmiges, blass umschrieben geht es um "Erinnerungskultur". Von "Stelen" ist nun nicht mehr die Rede. Ihre Funktion bestand darin, jeden Hang zur Verdrängung durch einen massiven Impuls zu blockieren. Durch seinen Umfang, aber auch durch viele Einzelaspekte erscheint dieses Mahnmal dem anlassgebenden Bezugspunkt sehr angemessen. Verblüffend, wie trotz des Ersteindrucks großer Monotonie doch sehr differenzierte Einzelaspekte eingearbeitet sind.

Einzelsprache: 7. Schwäbisch

7.1 Unbestimmtes Fürwort

Weiterführung von [89]. - Auch mit dem unbestimmten Pronomen lassen sich Subtexte = gemeinte Bedeutungen in die Rede einschleusen. Vgl. H. Petershagen in SWP 14.5.2016:

So, isch ma vom Gaul g'falla? Auch Frauen müssen
sich damit abfinden, dass die Schwaben in ihrem
Bestreben, das Du oder Sie bei der Anrede
zu umgehen, stets ma sagen und nicht, wo es
angebracht wäre, frau. "So, isch frau
vom Gaul g'falla", klänge in der Tat seltsam.
   Man - schwäbisch: ma - gilt als unper-
sönliches, unbestimmtes Fürwort. Das gilt aber
für die Mundart nur bedingt. Sagt eine Schwäbin
zu ihrem Nachbarn: 'So, kehrt ma endlich amal
d'Trepp!', ist das weder unpersönlich noch unbe-
stimmt. Und sehr persönlich: Die Feststellung
bezieht sich zweifelsfrei auf den Angesprochenen
und rügt dessen Verzug beim Erfüllen der Kehr-
wochenpflicht. Das einzige, was für Außenstehende
unbestimmt bleibt, ist, ob Rügerin oder Gerügter
miteinander per Du oder per Sie sind. Gerade diese
Unschärfe gehört zu den wichtigen Funktionen des
'Indefinitpronomens' ma: Wo das Sie zu
distanziert erscheint, das Du aber noch nicht
vereinbart ist, löst ma das Problem der ange-
messenen Anrede.   ...
   (ma kann auch auf die eigene Person deuten)
Das zeigt der Witz von dem Tübinger Weingärtner und
dem Professor, der verbotenerweise durch den
Weinberg des Gogen spaziert. Der Gog droht dem
Akademiker schwere körperliche Misshandlungen an.
Als der sich zerknirscht entschuldigt, sagt der
Wengerter versöhnlich: Drom sait ma's ja em Guada.

Zum 'Kehrwochen'-Beispiel muss angemerkt werden: der Blick nur auf das Pronomen reicht nicht. Ergänzend sind wichtig: endlich amal lässt Ungeduld erkennen; das "!" deutet einen forschen Tonfall an; das einleitende So zeigt ebenfalls forsch = emphatisch den Wunsch zur Redeeröffnung an, wirkt so, als müsse sich die kritikwillige Schwäbin selbst ermuntern - Angst der Sprecherin wird spürbar, implizit also Sprechakt der Gefühlsexpression. In normaler Unterhaltung braucht man derartige Zäsuren eher nicht. - Alle genannten Aspekte können mit Einzelmodulen der Alternativ-Grammatik erfasst werden.

7.2 Menschen, die gern Magenkrämpfe haben

Vgl. H. Petershagen in SWP 27.8.2016. - Im Wortsinn ist eine positive Wertung durch das Modaladverb artikuliert - also [90] -; man muss jedoch nicht angestrengt nachdenken um zu ahnen, dass dies ja wohl nicht auch schon die gemeinte Bedeutung sein kann: es wird durch die scheinbare Wertung pragmatisch eine auffallende Häufigkeit betont, also Registerwechsel bei den Modalitäten: [91]

"Wer also berichtet, dass seine Schwiegermutter gern
hinfällt, schildert die Folgen periodischer Schwindel-
anfälle, ohne dies so lustig zu finden wie es klingt."