4.1137 Existenz, Ort - indirekte Wertungen

Aus Alternativ-Grammatik
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Die Beteuerung der Existenz von jemandem/etwas schließt eine positive Wertung ein. Oder auch das Einräumen (da hört man die Raumvorstellung mit), Zur-Verfügung-stellen von lokaler Möglichkeit. Das Gegenteil gilt auch: Entzug von Existenz ist Sinnbild für negative Wertung. Ebenso der Zwang zum Ortswechsel. Beide Grundkategorien aus der Semantik - vgl.[1] und [2] - können jetzt auch verbunden sein, wenn es um indirektes Werten geht.


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0. Zur Theorie

0.1 Kabarett

Von Karl Valentin wird berichtet, dass er einem Eigennamen - vgl. 4.02421 (Numerus /) Determination - keinen sprachlichen Ort eingeräumt hatte. Anders gesagt: er hatte ihn vergessen, vgl. 4.081 Modalitäten – »Register« EPISTEMOLOGIE. Das sind die einschlägigen semantischen Module, die er mit seinem Auftritt aktiviert, zunächst eben im Bereich der Wortbedeutung.

Karl Valentin betritt ein Restaurant, hebt den
rechten Arm und ruft: "Heil ...!" Nach kurzem
Innehalten wiederholt her: "Heil ...!"
Ein drittes Mal: "Heil ...! - Zu dumm nur,
dass ich den Namen vergessen habe!"

Pragmatisch ist klar, dass darin eine verheerend negative Wertung des Nationalsozialismus zum Ausdruck kommt - unter dem schützenden Deckmantel geistiger Beschränkung.

0.2 Sartre <=> Camus

Sartre versucht einmal nicht die physische, aber die intellektuelle Existenz seines Kontrahenten Camus zu zerstören. Und zwar durch

ein hinterhältiges und gemeines, zugleich grandioses
Meisterstück an persönlicher Polemik. Sie zielt auf
Verletzung: eine Verstoßung aus den heiligen Hallen
der Politik und Philosophie. Camus soll erledigt werden.

Aus SPIEGEL 45/2013. Vgl. die metaphorischen Orts- und Vernichtungsaussagen. Es geht weiter:

Schon gleich im ersten Satz zerreißt Sartre das
Band: "Lieber Camus, unsere Freundschaft war nicht
einfach, doch ich werde sie vermissen." Ein Hohn
angesichts der folgenden Anwürfe und Gemeinheiten,
gipfelnd in der ironischen Infragestellung des
Theoretikers Camus: "Und was, wenn Ihr Buch einfach
nur von Ihrer philosophischen Inkompetenz zeugen
würde?" Dann noch eins oben drauf: "Wenn Sie nicht
besonders gut denken könnten? Wenn Ihre Gedanken
vage und banal wären?"

Der Hohn kommt auch durch die rhetorischen Fragen zum Ausdruck: Anscheinend ehrlich fragend (=Wortbedeutung), theoretische Möglichkeiten durchspielend - in der gemeinten Bedeutung jedoch den Kontrahenten als Denker vernichtend. - So versucht es Sartre zumindest. Was ja nicht heißt, dass es auch gelingt.

0.3 Kafka und Prag

... scheinen in einer offenkundigen und selbstverständlichen Verbindung zu stehen. In Kafkas literarischer Produktion muss man genauer hinschauen. - Zitate aus: "Die Stadt von K. Franz Kafka und Prag. Führer durch das Museum Franz Kafka. 2010.

(5f) "Von einigen Ausnahmen abgesehen, gibt er den
Orten, die er in seinem Romanen und Erzählungen
beschreibt, keine Namen. Die Stadt zieht sich
zurück, ist nicht mehr anhand ihrer Gebäude und
Monumente erkennbar. Und wenn ein Bewohner Prags
oder ein Kafka-Forscher sie auch erkennen könnte,
haben sie sich doch in etwas anderes verwandelt. 
   Es wird häufig versucht, die Prager Orte in
Kafkas Werk zu benennen. Nomalerweise geht man
davon aus, dass der anonyme Dom in 'Der Prozess'
kein anderer als der Veits-Dom ist, dass im
letzten letzten Kapitel der Weg von Josef K. von
der Altstadt über die Karlsbrücke zur äußeren
Grenze der Kleinseite führt. Es heißt auch, dass
in 'Das Urteil' der Quai, der Fluss, das Moldau-
ufer von Georg Bendemanns Fenster aus genau so
zu erkennen sind wie von der Niklasstraße aus,
in der die Familie Kafka im Jahr 1912 wohnte.
Man bemüht sich, den Beweis zu erbringen, dass
die Topographie Prags immer da ist, jedoch nicht
benannt wird.
   Das ist aber nicht das Wesentliche. Kafka
gelingt etwas noch Schwierigeres: er verwandelt
Prag in eine imaginäre Topographie, die über
einen trügerischen Realismus hinausgeht. Die
gespenstische kafkaeske Architektur hat eine
andere Bestimmung. Nicht mehr ein bestimmtes
Büro, eine Schule, ein Gymnasium, eine Uni-
versität, eine Kirche, ein Gefängnis oder ein
Schloss ist wichtig, sondern die Bedeutung
dieser Gebäude als topologische Metaphern und
allegorische Orte."

Es wird schön damit illustriert, was unsere methodische Linie respektieren will: Wenn ein Poet sich verweigert, keine lebensweltlich klaren Informationen liefert, dann bezweckt er - aktuell geht es um Ortsinformationen - eine andere Bedeutungsebene. Diese gilt es interpretierend zu erkennen. Es ist völlig unerheblich, ob dabei die erwähnten Orte genau identifiziert werden können, - oder eben nicht. Dieser zweite Fall ist aber nicht lediglich ein Defizit, sondern ein wichtiger Impuls, auf die Suche nach der zweiten, gemeinten Bedeutung zu gehen!

(19) "Der junge Künstler bewegte sich in einem
Labyrinth, das ihn fasziniert und zugleich
erstickt. Prag wird für ihn Käfig und
Zufluchtsort. Ein Raum, der ihn vor den 'zu
heldenhaften' Dimensionen der natürlichen Welt
beschützt, den der Schriftsteller jedoch in
seinen Träumen verändert und in einer
akribischen Beschreibung von Körpern für sich
selbst als sensorischen Lernprozess auslegt.
Wir sehen, wie Kafka langsam die Schlinge
knüpft, das Netz webt, die Grundlagen seiner
mysteriösen literarischen Architektur legt."
(61) "Als Jurist war Kafka wohl vertraut mit
jener Welt, die auszuhebeln er sich vorge-
nommen hatte: die Gerichte. Hier hinein
versetzte er ein weiteres seiner Lieblings-
themen: das Familienleben. Mit diesen
Elementen schuf er eine Hyperbel, die für
viele die Totalitarismen des vergangenen
Jahrhunderts vorwegnahm, die aber auch als
ein phantastisches Gleichnis einer Jahr-
tausende alten Kultur gesehen werden kann,
die auf Angst, Schuld, Schmerz und Tod
aufgebaut ist. Der Prozess ist eine Reise
durch alle Schattierungen des Informations-
defizits, durch die Möglichkeiten, Wahrheit
zu definieren, durch die endlosen Prozesse
und Vermutungen, die ihre Abwesenheit
hervorruft."


1. Einzelsprache: Deutsch

1.1 Sarrazins Buchtitel

Der Bucherfolg (2010/11) von Thilo Sarrazin ("Deutschland schafft sich ab") hat sicher unterschiedliche Gründe. Ein wesentlicher liegt in der Titelformulierung:

  • Es geht um "Deutschland", also um das gesamte Kollektiv. Damit behauptet ein Autor, eine umfassende Perspektive kompetent entwickeln zu können. Dieser Anspruch ist allzu vollmundig, ideologieverdächtig, weil es die Fähigkeiten jedes seriösen möglichen Autors übersteigt.
  • "schafft sich ab" - ist eine Metapher mit fiesem Unterton:
    • "abschaffen" steht für Existenzauslöschung. Implizit heißt das: es geht um etwas noch Schlimmeres, als es ein Weltkrieg wäre. Denn den konnte man wenigstens noch überleben - so man das nötige Glück hatte. Eine nicht mehr steigerbare Dramatisierung suggeriert der Autor. Das erinnert an die Literaturgattung der Apokalyptik.
    • das Subjekt Deutschland vollzieht die Existenzauslöschung auch noch selbst - man muss unterstellen: dumm und blöde. Die implizite negative Wertung ist eine Ohrfeige faktisch für alle, die das Buch nicht kaufen und sich der Warnung des Autors nicht anschließen.
  • Wenn mit dem Gegensatz "Existenz - Nicht-Existenz" gespielt wird, wird mit "Entweder - oder", mit "Schwarz / Weiß" operiert. Wer sich - und sei es unbewusst - auf das gedankliche Spiel einlässt, muss sich entscheiden. Zwischentöne gibt es nicht. Eine differenziertere Sicht der Dinge auch nicht.

Gleichgültig, was die Inhalte des Buches sind, inwiefern sie solide begründet sind, oder eben nicht (auch dazu gibt es inzwischen Stimmen): Der Buchtitel selber ist äußerst clever gewählt. Er arbeitet mehrfach mit Existenzangst und mit der Angst auf der falschen Seite zu stehen. - Aus beidem resultiert eine Elektrisierung der potenziellen Käufer, und - wie das Ergebnis zeigt - eine heftige Stimulierung der Kauflust.

Letzteres ists, was einen Verlag zunächst interessiert.
Ob die vielen Käufer in gleicher Intensität das Buch
überhaupt lesen, oder nicht lediglich zum Vorzeigen
benutzen um zu zeigen, man selber stehe auf der
richtigen Seite, quasi als Parteiabzeichen, bleibe
offen. Auch eine kompetente Auseinandersetzung
inhaltlicher Art wird nur in wenigen Fällen folgen
(können).

1.2 Jirgl-Roman

aus R. Jirgl, Hundsnächte, S.266f:

-!Warstu wieder ?Baden: !Womöglich im !?Tiefen. Du kannstoch
nich schwimmen & gehst trotzdem  - Und wenn dir was ?!passiert:
!ich hab dann die Schererein. Ich werd mit deiner Lehrerin mal 
ein Wörtchen -

Schon die Schreibweise lässt die vorwurfsvolle Erregung erkennen. Es geht um Existenz/Nicht-Existenz eines Kindes. Angenommen, es ertrinkt, was wäre dann das Schlimme daran? - Schlimm wäre, dass die Mutter "Scherereien" hat. Mehr nicht... - So sagt sie es zumindest.

1.3 Hinrichtung von Josef K.

Über den außerliterarischen Tod, also den real-physischen, muss hier nicht gesprochen werden. Aber es ist klar, dass er - meist - für den Betroffenen selbst und auch für die Angehörigen/Freunde ein schmerzhaftes Drama darstellt.

Hier geht es um den literarischen Tod und insofern um eine Anwendung von 4.0612 Existenzsätze – Streit ums Thema / Subjekt auf die Ebene der Literatur. Der Schluss von Kafkas "Der Prozeß" überrascht zwar vom Handlungsverlauf her nicht wirklich, dennoch wirkt er wie ein Paukenschlag, mit dem dann auch kompromisslos der ganze Roman endet (nach DTV-Ausgabe 1998):

(278) Aber an K.s Gurgel legten sich die Hände
des einen Herrn, während der andere das Messer
ihm ins Herz stieß und zweimal dort drehte.
Mit brechenden Augen sah noch K., wie die
Herren, nahe vor seinem Gesicht, Wange an
Wange aneinander gelehnt, die Entscheidung
beobachteten. 
"Wie ein Hund!" sagte er, es war, als sollte
die Scham ihn überleben.

Wenn mit "Existenz" Erwartungen, mit der "Negierung von Existenz" eben die Durchkreuzung von Erwartungen verbunden sind - vgl. einführenden pdf--Text -, so heißt die Todesmitteilung des Protagonisten:

  1. Von der Figur, deren viele Überlegungen, Gefühle, Handlungen man inzwischen kennt, muss man als Leser nun abrupt Abschied nehmen. Über fast 300 Seiten haben Leser das Innenleben jener Figur kennengelernt, könnten somit aus der Perspektive jenes Josef K. - bevor es zum Äußersten kommt - durchaus nächste Schritte vorschlagen -, was zeigt, dass Leser mit dieser anderen Figur 'mitleben'. Und genau dies - das war auch ein Prozess, ein seelischer, kein juristischer - ist nun unwiderruflich beendet.
  2. Der allwissende Erzähler weiß, dass K. gerade noch den Satz "Wie ein Hund!" wahrnahm. Demnach nahm K. in die Nicht-Mehr-Existenz nicht nur die physische Zerstörung, sondern zusätzlich auch die seelische: Es bestätigt sich, was er ohnehin in seinem Leben erfahren hatte: ein menschenwürdiges Leben / Gerichtsverfahren war ihm nicht zuteil geworden.
  3. Der Erzähler, der Einblick in alles hat, hätte den Text zum Zwecke der Tröstung und Beruhigung der Leser durchaus noch etwas weiterlaufen und ausklingen lassen können. Der Autor, Kafka, unterbindet das. Damit trifft der doppelte Schock - physischer und sozial/seelischer Tod des Protagonisten - ungefiltert, nicht abgefedert die Leser.
  4. Dass der literarische Text damit beendet ist, bildet das Schicksal von Josef K. nach: Das ist nun eine dritte Ebene der Nicht-Mehr-Existenz. Das heißt für Leser: sie sind nun über mehrere hundert Seiten in einen - dem "Ton" nach - freundlichen, verstehbaren, nicht-affektierten bzw. -komplizierten Roman eingetaucht gewesen. Aus diesem dem Stil, nicht den Inhalten nach, wohltuenden Raum werden die Leser rabiat vertrieben. Oder anders gesagt: unter diesem Aspekt wirkt das Textende wie eine Guillotine.

1.4 Hermann Hesse, Wenn der Krieg noch zwei Jahre dauert

Aus H. H., Die schönsten Erzählungen. stb 3638. Frankfurt/M 2004. - Der Ich-Erzähler gerät in eine kafkaeske Bürokratie. Darin u.a. folgender Dialog (S. 375f):

Ich machte eine kleine Verbeugung.
"Erlauben Sie", sagte ich, "ich habe eine
einzige Bitte an Sie. Ich sehe vollkommen ein,
daß ich der Situation nicht gewachsen bin und
daß meine Lage nur immer schwieriger werden
muß. - Ginge es nicht an, daß Sie mich zum
Tode verurteilen? Ich wäre sehr dankbar
dafür!"
Milde sah der hohe Beamte mir in die Augen.
"Ich begreife", sagte er sanft. "Aber so
könnte schließlich jeder kommen! Auf alle
Fälle müssen Sie vorher eine Sterbekarte
lösen. Haben Sie Geld dafür? Sie kostet
viertausend Gulden."
"Nein, so viel habe ich nicht. Aber ich
würde alles geben, was ich habe. Ich habe
großes Verlangen danach, zu sterben."
Er lächelte sonderbar.
"Das glaube ich gerne, da sind Sie nicht
der einzige. Aber so einfach geht das mit
dem Sterben nicht. Sie gehören einem Staate
an, lieber Mann, und sind diesem Staat
verpflichtet, mit Leib und Leben. Das
dürfte Ihnen doch bekannt sein ..."
...
"Aber sagen Sie, können Sie mir eine
Sterbekarte verschaffen? Ich wäre Ihnen
fabelhaft dankbar."
"Es wird vielleicht gehen. Vorher müssen
Sie aber eine Existenzbewilligung haben.
Ohne sie wäre natürlich jeder Schritt
aussichtslos. Ich gebe Ihnen eine
Empfehlung an das Amt 127 mit, da werden
Sie auf meine Bürgschaft hin wenigstens
eine provisorische Existenzkarte bekommen.
Sie gilt allerdings nur zwei Tage."
"O, das ist mehr als genug!"

1.41 H. Hesse, Aus Kinderzeiten

Gleiche Quelle wie zuvor, S.12. - Positive Wertung - vgl. [3] - nun indirekt, bildhaft, eben pragmatisch, mit vielerlei naturhaften und religiösen Metaphern / Projektionen ausgedrückt. Lokalisierungen sind dabei auch wichtig:

Da stiegen die Bäume so freudig und
trotzig in die Lüfte, da sproß im Garten
Narziß und Hyazinth so glanzvoll schön,
und die Menschen, die wir noch so wenig
kannten, begegneten uns zart und gütig,
weil sie auf unserer glatten Stirn noch
den Hauch der Göttlichen fühlten, von dem
wir nichts wußten und das uns ungewollt
und ungewußt im Drang des Wachsens abhanden
kam. Was war ich für ein wilder und unge-
bändigter Bub, wieviel Sorgen hat der Vater
von klein auf um mich gehabt und wieviel
Angst und Seufzen die Mutter! - und doch
lag auch auf meiner Stirne Gottes Glanz,
und was ich ansah, war schön und lebendig,
in meinen Gedanken und Träumen, auch wenn
sie gar nicht frommer Art waren, gingen
Engel und Wunder und Märchen geschwister-
lich aus und ein. 

1.42 Hermann Hesse, Klein und Wagner

aus: Hermann Hesse, Meister-Erzählungen. Stuttgart 1973.

(393) "Im Schnellzug, nach den raschen
Handlungen und Aufregungen der Flucht und
der Grenzüberschreitung, nach einem Wirbel
von Spannung und Ereignissen, Aufregungen
und Gefahren, noch tief erstaunt darüber,
daß alles gut gegangen war, sank Friedrich
Klein ganz und gar in sich zusammen. Der
Zug fuhr mit seltsamer Geschäftigkeit -
nun wo doch keine Eile mehr war - nach
Süden und riß die wenigen Reisenden eilig
an Seen, Bergen, Wasserfällen und anderen
Naturwundern vorüber, durch betäubende
Tunnels und über sanft schwankende
Brücken, alles fremdartig, schön und etwas
sinnlos, Bilder aus Schulbüchern und aus
Ansichtskarten, Landschaften, die man sich
erinnert einmal gesehen zu haben, und die
einen doch nichts angehen. Dieses war nun
die Fremde, und hierher gehörte er nun,
nach Hause gab es keine Rückkehr. Das mit
dem Geld war in Ordnung, es war da, er
hatte es bei sich, alle die Tausender-
scheine, und trug es jetzt wieder in der
Brusttasche verwahrt." 

Man kann überlegen, was diese vorwiegend Lokal-Informationen am Beginn der Erzählung im Leser/Hörer auslösen, wie sie ihn auf den Fortgang einstimmen. Etwas später Bilder zum Thema Existenz:

(398) "Plötzlich hörte er sich sprechen,
erschrak, sah in der Fensterscheibe sein
entstelltes Gesicht gespiegelt, fremd,
fratzenhaft und traurig. Mein Gott, schrie
er in sich hinein, mein Gott! Was tun? Wozu
noch leben? Mit der Stirn in dies bleiche
Fratzenbild hinein, sich in diese trübe
blöde Scheibe stürzen, sich ins Glas
verbeißen, sich am Glase den Hals
abschneiden. Mit dem Kopf auf die Bahn-
schwelle schlagen, dumpf und dröhnend,
von den Rädern der vielen Wagen aufge-
wickelt werden, alles zusammen, Därme und
Hirn, Knochen und Herz, auch die Augen -
und auf den Schienen zerrieben, zu Nichts
gemacht, ausradiert. Dies war das einzige,
was noch zu wünschen war, was noch
Sinn hatte."

Etwas später:

(400) "Er war im Süden, er war durch die
Alpen gefahren. Und damit hatte er den
strahlendsten Wunsch seiner Jugendzeit
erfüllt, jener Jugend, deren Erinnerungs-
zeichen ihm auf der langen öden Straße
eines sinnlosen Lebens erloschen und
verlorengegangen waren. Eine unbekannte
Macht hatte es so gefügt, daß ihm die
beiden brennendsten Wünsche seines Lebens
sich erfüllten: die längst vergessene
Sehnsucht nach dem Süden, und das
heimliche, niemals klar und frei gewordene
Verlangen nach Flucht und Freiheit aus
dem Frondienst und Staub seiner Ehe:
Jener Streit mit seinem Vorgesetzten, jene
überraschende Gelegenheit zu der Unter-
schlagung des Geldes - all das, was ihm
so wichtig erschienen war, fiel jetzt
zu kleinen Zufällen zusammen. Nicht sie
hatten ihn geführt. Jene beiden großen
Wünsche in seiner Seele hatten gesiegt,
alles andre war nur Weg und Mittel
gewesen."
(405) "Vielleicht - es war möglich -
war es nicht bloß die übergroß gewordene
Abneigung gegen seine Frau und sein
Eheleben gewesen, die ihn von Hause
fortgetrieben hatte, sondern noch mehr
die Angst davor, daß er eines Tages doch
noch dies viel furchtbarere Verbrechen
begehen möchte: sie alle töten, sie
schlachten und in ihrem Blut liegen sehen.
Und weiter: auch diese Vorstellung noch
hatte eine Vorgeschichte. Sie war zuzeiten
gekommen, wie etwa ein leichter Schwindel-
anfall, wo man meint, sich fallenlassen
zu müssen."


1.5 Joseph Roth, Das Spinnennetz

Der Roman - dtv 2005 2. Aufl. - schildert die Zeit unmittelbar nach dem 1. Weltkrieg. WERTUNG und EXISTENZ werden in dem Zitat (S.6) in - aus heutiger Sicht - perverser Art verknüpft:

"Die Mutter kränkelte, die Schwestern
gilbten, sie wurden alt und konnten es
Theodor nicht verzeihen, daß er nicht
seine Pflicht als Leutnant, zweimal im
Heeresbericht genannter Held zu fallen,
erfüllt hatte. Ein toter Sohn wäre immer
der Stolz der Familie geblieben. Ein
abgerüsteter Leutnant und ein Opfer der
Revolution war den Frauen lästig. Es
lebte Theodor mit den Seinigen wie ein
alter Großvater, den man geehrt hätte,
wenn er tot gewesen wäre, den man
geringschätzt, weil er am Leben bleibt."

1.6 Feldpostbrief

Hans Fallada, Jeder stirbt für sich allein. 5. Aufl. 2012. S. 14:

Wohl liegt der Brief jetzt offen da,
aber er wagt nicht, nach ihm zu fassen.
Er müsste dabei den Kopf der Frau los-
lassen, und er weiß, dieser Kopf,
dessen Stirne schon jetzt zwei blutige
Flecke aufweist, fiele dann wieder
gegen die Maschine. Er überwindet sich,
noch einmal fragt er: "Was ist denn mit
Ottochen?"
   Es ist, als habe dieser vom Manne
fast nie benutzte Kosename die Frau
aus der Welt ihres Schmerzes in dieses
Leben zurückgerufen. Sie schluckt ein
paarmal, sie öffnet sogar die Augen,
die sonst sehr blau sind und jetzt wie
ausgeblasst aussehen. "Mit Ottochen?",
flüstert sie fast. "Was soll denn mit
ihm sein? Nichts ist mit ihm, es gibt
kein Ottochen mehr, das ist es!" 
   Der Mann sagt nur ein "Oh!", ein
tiefes "Oh!" aus dem Innersten seines
Herzens heraus. Ohne es zu wissen hat
er den Kopf seiner Frau losgelassen
und greift nach dem Brief. Seine Augen
starren auf die Zeilen, ohne sie noch
lesen zu können.
   Da reißt ihm die Frau den Brief aus
der Hand. Ihre Stimmung ist umge-
schlagen, zornig reißt sie das Brief-
blatt in Fetzen, in Fetzchen, in
Schnitzelchen, und dabei spricht sie
ihm überstürzt ins Gesicht: "Was willst
du den Dreck auch noch lesen, diese
gemeinen Lügen, die sie alle schreiben?
Dass er den Heldentod gestorben ist
für seinen Führer und für sein Volk?
Dass er ein Muster von 'nem Soldaten
und Kameraden abgab? Das willst du dir
von denen erzählen lassen, wo wir doch
beide wissen, dass Ottochen am liebsten
an seinen Radios rumgebastelt hat, und
weinen tat er, als er zu den Soldaten
musste! 

(25)

Er macht eine kleine Pause, und dann
fragt er mit einer ganz ungewohnten
halblauten, teilnehmenden Stimme:
"Verwundet oder vermissst oder ...?"
   Er schweigt. Quangel aber - nach einer
längeren Pause - antwortet nur indirekt
auf die Frage des anderen: "Also
Frankreich hat kapituliert? Na, das
hätten die gut auch einen Tag früher
machen können, dann lebte mein Otto
noch ...!
   Barkhausen antwortet ungewöhnlich
lebhaft.
"Aber weil soundso viel Tausende den
Heldentod gestorben sind, darum hat
Frankreich sich doch so rasch ergeben.
Darum bleiben so viele Millionen am
Leben. Auf so'n Opfer muss man stolz
sein als Vater!"
   Quangel fragt: "Ihre sind alle noch
zu klein, um ins Feld zu gehen, Nachbar?"
   Fast gekränkt mein Barkhausen: "Das
wissen Sie doch, Quangel! Aber wenn sie
alle auf einmal stürben, durch 'ne Bombe
oder so was, da wäre ich nur stolz drauf.
Glauben Sie mir das nicht Quangel?"

1.7 Säuberungen

"Dreck" muss "entfernt werden". Was im Haushalt kein Problem ist, wird zu einem solchen, wenn "Dreck" für Menschen steht, die man für "lebensunwert" hält. Oder: "Da sollte mal richtig aufgeräumt werden!" - Eine solche Sicht steht monströs für den Nationalsozialismus, kann aber auch losgelöst davon (oder in Fernwirkung) verwendet werden, wenn man unter "Dreck" Kriminelle, sog. Asoziale usw. versteht. - Mancher Volksstamm steht im Ruf, stets manisch für Sauberkeit sorgen zu wollen.

Das ist dann ein Fall für Psychologen:
Warum sind manche Menschen derart auf
Schwarz-weiß-Denken gepolt? Ja oder nein
- und beides radikal, Zwischenstufen gibt
es nicht, werden nicht toleriert. Toleranz,
und Schlappheit missbilligt.

Immer ist das Entfernen vom gegenwärtigen Ort als Mordabsicht gemeint, insofern als extremste negative Wertung = physisches Auslöschen. Aber beachten: zunächst ist dies verbal ein derbes Sprachbild. Brutale, derbe Sprachbilder gibt es viele. - Erst wenn weitere Rahmenbedingungen hinzukommen - z.B. Ideologie, Staatsgewalt, oder individuell eine ausweglose psychische oder soziale Notlage - kann es sein, dass das derbe Sprachbild nicht mehr als solches genommen wird, sondern wörtlich verstanden. Das ist dann Fall für die Justiz - bis hin zum Völkerrecht.

1.8 Luther und die Juden

SPIEGEL 44/2016 18: "'Kein blutdürstigeres und

rachgierigeres Volk hat die Sonne je beschienen',
schreibt Luther 1543 in 'Von den Juden und ihren
Lügen', 'sie seien darum Gottes, dass sie sollen
und müssen die Heiden morden und würgen.' Die Juden
seien 'Zungendrescher vor Gericht', von 'Silbersucht'
befallen, 'Herren der Welt', die die Christen ausbeuten
und verachten, 'den Gojim fluchen, speien und male-
deien'. Also zweifle nicht, so folgert er, 'dass du
nächst dem Teufel keinen bittereren, giftigeren Feind
hast als einen rechten Juden, der mit Ernst ein Jude
sein will'.
  Sein Ratschlag: Verbrennt die Synagogen, zerstört
ihre Wohnhäuser, nehmt den Juden alles Hab und Gut
und Gold, zwingt sie zu harter körperlicher Arbeit
verbietet ihre Geldgeschäfte, 'siebenmal höher als
andere Diebe' müssten diese Wucherer hängen. Die
christliche Obrigkeit solle es wie die 'treuen Ärzte
tun: Wenn das heilige Feuer in die Knochen gekommen
ist, fahren sie mit Unbarmherzigkeit zu und schneiden,
sägen, brennen Fleisch, Adern, Knochen und Mark ab'.
  Das war auch die Sprache und das Denken der Pogrome
und der Vernichtung im 20. Jahrhundert."

2. Literatur verschiedener Sprachen

2.1 L. Tolstoj, "Anna Karenina"

aus: Lew Tolstoj, Anna Karenina. Hg.v. G. Drohla.insel 2010.S. 419f:
Ein Duell hatte für Alexej Alexandrowitsch in
seiner Jugend etwas sehr Anziehendes gehabt,
gerade weil er ein ängstlicher Mensch war und
das sehr wohl wußte. Alexej Alexandrowitsch
konnte nur mit Entsetzen an eine auf ihn
gerichtete Pistole denken und hatte nie im
Leben von irgendeiner Waffe Gebrauch gemacht.
Diese Angst hatte ihn in jungen Jahren oft
veranlaßt, an ein Duell zu denken und sich
in eine Lage hineinzuversetzen, in der er
sein Leben einer solchen Gefahr preisgeben
müsse. Nachdem er so viele Erfolge in seiner
Laufbahn gehabt und sich eine feste Stellung
im Leben geschaffen hatte, hatte er dieses
Gefühl längst vergessen. Aber er war so sehr
an dieses Gefühl gewöhnt, und seine Furcht
vor der eigenen Feigheit war so groß, daß
Alexej Alexandrowitsch noch lange mit dem
Gedanken an ein Duell spielte, diese Frage
von allen Seiten erörterte, obwohl er im
voraus wußte, daß er sich nie duellieren
würde. >Zweifellos ist unsere vornehme
Gesellschaft noch so unzivilisiert (anders
als in England), daß sehr viele< - unter
diesen vielen waren auch Männer, auf deren
Meinung Alexej Alexandrowitsch großen Wert
legte - >das Duell nur von der guten Seite
ansehen. Aber was wird durch ein Duell
erreicht? Angenommen, ich fordere ihn<,
dachte Alexej Alexandrowitsch weiter und
stellte sich sehr lebhaft die Nacht vor,
die er nach der Forderung durchleben würde,
und dann die auf ihn gerichtete Pistole. Er
zuckte zusammen und sah ein, daß er das nie
tun würde. >Angenommen, ich fordere ihn. Man
instruiert mich, stellt mich auf meinen
Platz, ich drücke ab<, dachte er und schloß
die Augen, >und es stellt sich heraus, daß
ich getötet habe.< Alexej Alexandrowitsch
schüttelte den Kopf, um diese dummen
Gedanken loszuwerden. >Was für einen Sinn hat
es, einen Menschen zu töten, um mein
Verhältnis zu meiner verbrecherischen Frau
und zu meinem Sohn klarzustellen? Ich muß
ja trotzdem entscheiden, was ich mit ihr
machen soll. Oder ich werde getötet oder
verwundet. Ja, das ist noch wahrschein-
licher, und so wird es bestimmt kommen. Ich,
der Unschuldige, das Opfer, werde getötet
oder verwundet. Das ist noch sinnloser.

2.2 "Paradies"

Ein - vermutlich - sehr schöner Ort. Immer schon Projektion höchster wertender Gefühle und Sehnsüchte. Gegenpart: "Hölle". Dieses Klischee kann man dann aber auch ironisieren: [4]

2.3 Psalm 126

Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird,
so werden wir sein wie die Träumenden; 
dann wird unser Mund voll Lachens und unsere
Zunge voll Rühmens sein.
Dann wird man sagen unter den Heiden: Der Herr
hat Großes an ihnen getan.
Der Herr hat Großes an uns getan, des sind
wir fröhlich.
Herr, bringe wieder unsere Gefangenen, wie du
die Bäche wieder bringest im Mittagslande.
Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.
Sie gehen hin und weinen und tragen edlen Samen
und kommen mit Freuden und bringen ihre Gaben.

2.4 Echnaton

... beschrieben im gleichnamigen Roman des ägyptischen Nobelpreisträgers Nagib Machfus (Zürich 2011): Aus Sicht der Palastbediensteten Mutnadjet hatte Echnaton keine Existenzberechtigung. - S.104:

"Da ich täglich mit dem Harem zu tun hatte,
war man über seine Impotenz und Abartigkeit
bestens unterrichtet. Im Harem kennt man
Dinge, die selbst den höchsten Würdenträgern
entgehen. Die Frauen machten sich über
den Schwächling lustig. Mehr noch, sie waren
es, die seine schändliche Beziehung zu
seiner Mutter aufgedeckt hatten. Sie war
die einzige Frau, in deren Armen er es
schaffte, seine Impotenz zu überwinden, die
einzige Frau, die ihm eine Tochter gebar.
Eine solche Schande, etwas so Widernatür-
liches hatte es in der langen Geschichte
unseres Landes noch nie gegeben. Für mich
stand fest, dass Ägypten einer schwarzen
Zukunft entgegengeht."

3. Werten durch symbolische Handlungen

3.1 Orden

... zu verleihen heißt: hohe Wertungen aussprechen. Schön ;-) ist, dass es bei den hohen Wertungen auch noch verschiedene Klassen gibt: gut - besser - am besten - ganz toll - exzellent usw. (Wahrscheinlich kann man das 'professioneller' ausdrücken.) Entsprechend kann man diese objektivierten Wertungen auch entziehen, wenn der Ordensträger sich danebenbenommen hat. Der Entzug ist also eine scharfe Mißbilligung. Degradierung.

aus: Lew Tolstoj, Anna Karenina. Hg.v. G. Drohla.insel 2010.S. 776:
"Nein, Wasilij Lukitsch, sagen Sie mir bitte",
fragte Serjosha plötzlich, als er schon am
Tisch saß und das Buch in der Hand hielt,
"was ist höher als der Alexander-Newskij?
Sie wissen doch, daß Papa den Alexander-Newskij
bekommen hat?"
   Wasilij Lukitsch antwortete, der
   Wladimir-Orden sei höher als der Alexander-Newskij.
   "Und noch höher?"
   "Der höchste Orden ist der Andreasorden."
   "Und noch höher als der Andreasorden?"
   "Da weiß ich keinen mehr."
   "Was, Sie wissen auch keinen?" und Serjosha
   stützte den Kopf auf die Hände und vertiefte
   sich in seine Gedanken.
Diese Gedanken waren sehr wirr und kompliziert.
Er stellte sich vor, wie es sein würde,
wenn sein Vater jetzt auch gleich den
Wladimir und den Andreas bekäme;
dann würde er heute in der Unterrichts-
stunde viel freundlicher sein. Und wenn
er selbst groß sein werde, dann werde er
alle Orden bekommen, auch den, der noch
höher als der Andreasorden war und erst
noch erfunden werden mußte. Sobald dieser
Orden erfunden würde, würde er ihn auch
bekommen. Dann würde ein noch höherer
Orden erfunden, und den würde er auch
erhalten.

4. Bildhaftes Spiel mit Existenz/Nicht-Existenz

Prunkvolle, pralle Existenz(en) in Filmen, Opern usw. zu zeigen, ist nicht schwierig, wird häufig vom Publikum verlangt - als Projektionsflächen für eigene Sehnsüchte. Das Gegenteil, das akribische Darlegen der Nicht-Existenz (Tod, Mord, Verbrechen), v.a. wenn es in Details penibel vor Augen gestellt wird, ist schwer verdaulich. - Es hilft, sich sagen zu können, dass es zunächst nur eine sprachlich-mediale Umsetzung ist. - Auf dieser Schiene gilt: Es ist sogar wichtig, auch abstoßende, erschreckende Inhalte zur Sprache zu bringen. Dadurch merkt man, dass "Sprache" und "leibhaftige Wirklichkeit" zweierlei sind. Die Versuchung, beides zusammenzusehen, ist ständig da - das Trennen muss immer neu praktiziert werden. Das Errichten von sprachlichen Tabus wird damit verhindert - sie hätten bald psychisch schlechte Folgen.

4.1 Tod, Mord

  • Schon Märchen enthalten heftige Grausamkeiten - Vgl. Brüder Grimm "Van den Machandelboom", "Wie Kinder Schlachtens mit einander gespielt haben" u.a.
  • Vgl. auch den Film "Dänische Delikatessen": die bildhafte Darstellung von Ermordung und 'Verwurstung' mehrerer Menschen hat eine literarische Funktion. Symbolisiert werden durch die Nicht-Existenz von Menschen die Beziehungsdefizite, -armut des Hauptakteurs. (Am Schluss werden durch eine Nebenbemerkung all die angedeuteten Grausamkeiten als Geflunker entlarvt - schwarzer Humor eben.)
  • Im Alten Testament nehme man die Szene mit den beiden Frauen in der belagerten Stadt, vgl. 2 Kön 6,24ff - in aller Grausamkeit ein Witz mit klarer Pointe.
  • Auch Gen 22 (Isaaks Opferung) 'spielt' mit der Existenz des Sohnes, symbolisierend: der Vater hat zunächst keine Beziehung zu ihm, gegen Schluss, durch Vermittlung - im Wortsinn - der himmlischen Sphäre dann doch.

Solche Thematisierungen von Nicht-(mehr)-Existenz von Akteuren sind eben keine Berichte über das bedauerliche Schicksal realer Menschen, sondern deftige sprachliche Bilder, um anderes auszusagen. Auch wenn es zunächst schwerfällt, und man hinterher einen Schnaps braucht: Methodisch gilt nach wie vor [5] zur Analyse.

4.2 Allzu derbe politische Sprache

Sollte witzig, salopp, locker sein, was in der Partei DIE LINKE zu Papier gebracht wurde? Oder ist es derb und dumpf? Vgl. [6]

4.3 "Star Wars"

Aus der Sicht eines Nicht-Fachmannes für die Filme (der lediglich einiges über sie gelesen hat): Durch all das soghaft anscheinend faszinierende Bildmaterial hindurch geht es darin letztlich eben um den alten Kampf zwischen Gut und Böse, vgl. [7]

  • So gesehen gäbe es vieles an filmischem Bildmaterial, das den beiden inneren Einstellungen zuzuordnen ist.
  • Die Frage der "Existenz" bzw. deren Auslöschung spielt herein.
  • Welche Rolle spielt die Projektion des inneren Vorgangs des Wertens ins Kosmische? Warum dramaturgisch dieser 'Umweg'?
  • Wie lässt sich der immense Publikumserfolg erklären? Übersehen viele diese im Menschen verankerte Grundfunktion? Oder werden sie erst über den kosmischen Rahmen darauf - mal wieder - aufmerksam? Vernachlässigen sie im Alltag das bewusste Werten zu oft - so dass sie es im Kino wieder einholen müssen? ...