4.31 Der Mann Ijob

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Das Argumentieren vollzieht sich in Bahnen, von Positionen her. Manchmal trifft man sich, gibt es Überschneidungen mit der Argumentationsstrategie des Kontrahenten, manchmal nicht. Der alttestamentliche Ijob und seine Freunde trafen sich nicht mit ihren Logiken - obwohl sie das gleiche Denkmuster zugrundelegten.


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1. Wohlstandsgefälle

1.1 "Schere" bei den Einkommen

In der derzeitigen (Stand 2010) Diskussion um Spitzengehälter von Managern, die stark in den zweistelligen Millionenbereich tendieren, einerseits, und der zumindest gefühlt wachsenden Gruppe von Menschen, die gering qualifizierten Tätigkeiten nachgehen müssen, in Zeitarbeitsverhältnissen oder gar Langzeitarbeitslosigkeit stehen, andererseits, scheinen sich nicht nur bei unmittelbar Betroffenen des einen wie des anderen Extrems zwei gegensätzliche Denkmodelle entwickelt zu haben.

Tatsächlich ist die logische Struktur der zunächst so grundverschieden wirkenden Sichtweisen zumindest sehr ähnlich.

Aufseiten der Zugehörigen des sog. Prekariats wird häufig (gelegentlich sicher zurecht) die Bildung einer elitären Gruppe der Spitzenverdiener beklagt, die Nachwuchs bevorzugt in den eigenen Reihen sucht und Aussenstehenden den Zugang stark erschwert. Die Gruppe der sog. Leistungsträger wiederum wirft den sozial Schwachen gerne (wohl in Einzelfällen auch nicht unbegründet) mangelnden Leistungswillen vor.

Beiden Ansichten bzw. Denkmodellen liegt eine einfache logische Struktur zugrunde, die bis auf die moralische Wertung der Implikationen (in den Diagrammen durch einseitig gerichtete Pfeile dargestellt, siehe vollständigen Text zu diesem Abschnitt) identisch ist. Ist beim Modell "Prekariat" die moralisch positive Benachteiligung in der Implikation "Armut" enthalten und die entsprechend negative Begünstigung im Reichtum, so ist beim Modell "Leistungsträger" mit der Armut die verwerfliche Faulheit impliziert, mit dem Reichtum jedoch die lobenswerte Leistungsbereitschaft.

Auf dem Weg zu einem Konsens müssen sicher beide Denkmodelle aufgegeben werden, die Einfachheit, die oft schon nach wenigen Worten von Vertretern der einen wie der anderen Gruppe offensichtlich wird, kann der Komplexität des Problems keinesfalls gerecht werden.

Denkmodell.png


Im Rahmen einer Übung, in der die Modelle diskutiert wurden, stellte sich folgende Variante als mögliche Zusammenführung beider Modelle heraus:

Denkmodell2.png


Denkbare logische Pfade durch das Modell wären:
(1) aus Benachteiligung folgt Armut
(2) aus Faulheit folgt Armut (auch als Selbstkritik oder Zynismus vorstellbar)
(3) aus Begünstigung folgt Reichtum (auch als Selbstkritik oder Zynismus vorstellbar)
(4) aus Leistungsbereitschaft folgt Reichtum


1.2 Wohlstandsgefälle in der tunesischen Gesellschaft

Ich werde hier die Denkweise der Reichen und der Armen in der tunesischen Gesellschaft vorstellen -und das alles nach dem Schema, das oben zu sehen ist.

Sicht der Armen:

Die Armen in Tunesien fühlen sich sehr benachteiligt im Vergleich zu den Reichen. Die finden, dass die Reichen es einfacher haben und dass sie alles bekommen können (in Tunesien ist alles käuflich) und sie glauben, dass die Reichen alles bekommen haben ohne zu arbeiten (was nicht wahr ist) und sie finden sich nicht faul, sie finden sich einfach benachteiligt.


Sicht der Reichen:

Die Reichen finden, dass sie vieles in der Gesellschaft machen und investieren. Sie finden, dass ohne sie alles nicht laufen könnte (Leistungsbereitschaft). Die Reichen finden dass die Armen faul sind, weil sie meistens nichts tun um ihre Situation zu verbessern und um leistungsbereit zu werden.

Sie finden einfach, dass sie hart gearbeitet haben um reich zu werden und dass nichts geschenkt war.