4.331 Die Schere - oder: das Matthäusprinzip

Aus Alternativ-Grammatik
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Die Franzosen beschwören seit der Revolution die "Gleichheit". Wie es damit in der Lebensrealität bestellt ist, ist eine andere Frage. Jedenfalls stellt man in vielen Bereichen fest, dass die Ungleichheit zunimmt. Soll man sich entgegenstemmen oder die Ungleichheit rechtfertigen? "Wer hat, dem wird gegeben, wer nicht hat, dem wird (auch noch das, was er hat) genommen" - formulierte schon der Evangelist Matthäus. - Wenigstens sollte man diese Denkfigur kennen.


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0. Nachträge zur Theorie

0.1 Anreize wider die Trägheit

Die richtige Diagnose des "Matthäusprinzips" kann nicht mit dem "Gießkannenprinzip" beantwortet werden. Also tendenziell gleichförmige Verteilung der Mittel. Im Sinn eines vermutlich überholten sozialistischen Traums wäre das schön. Aber so zu verfahren lähmt. Es ist schon richtig, dass Wettbewerb und Anreize wichtig sind, da der Mensch von Hause aus faul ist. Die Lust auf lebenslanges Lernen, die Aussicht auf bessere Lebensbedingungen - all das muss angestachelt und geweckt werden. Provokation ist nötig. Allerdings nicht Überforderung. Und Menschen mit Handicaps - welcher Art auch immer - brauchen angepasste, kompetente Unterstützung. Sache der politischen Ebene ist es, zu erkennen, bis wohin Leistungsanreize gut, erwünscht und tolerierbar sind, ab wann jedoch sinnlose Quantitäten angehäuft werden, die im Interesse der Gesellschaft unterbunden bzw. abgeschöpft werden müssen.


0.2 Noch unbeantwortet:

Die in vielen Bereichen richtige Diagnose des Evangelisten - so ist anzunehmen - sollte im Rahmen der Predigt Jesu keine Debatte um ein ökonomisches Modell eröffnen, womöglich eines, das auch in heutigen sozialwissenschaftlichen Debatten bestehen und sich bewähren kann. Dazu fehlte dem Wanderprediger und seinen Jüngern die ökonomische Kompetenz - letztlich auch das Interesse. Aber wozu wird die Diagnose dann eingesetzt? Muss auf der Ebene übertragenen Sprachgebrauchs weitergesucht werden? Die Antwort darauf steht noch aus!