4.361 ABBLOCKEN unter dem Anschein von Höflichkeit

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Es ist schön, wenn die Partner eines Dialogs aufeinander eingehen, sowohl thematisch - die interessierenden Punkte werden durchgesprochen -, wie auch was die Sprecherbeteiligung betrifft: alle sollen ausreichend zu Wort kommen. [1] und Unterpunkte (zum Thema "Dialog").

Aber manchmal bleibt nur ein Anschein eines solch ersprießlichen, offenen Gesprächs übrig. Wenn einer der Beteiligten - aus welchen Gründen auch immer - abblockt, naht der Gesprächsabbruch. Der andere Partner merkt dann selbst, dass eine Fortführung sinnlos wäre.


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1. ABBLOCKEN unter dem Anschein von Rechtgläubigkeit

1.1 Rettung der eigenen Ideologie

Im genannten Beispiel geht es um den Islam. Genau die selbe Einstellung gibt es jedoch auch vielfach in sektenhaften Gruppierungen bei Christen. Vgl. [2]

Je bestimmen die gleichen falschen Weichenstellungen im Kontext von "Text und Sprache" das Handeln:

  • Aus der Tradition der eigenen Religion wird die Gültigkeit der Erzählungen von der Weltschöpfung durch Gott ins Feld geführt. Das kann jede/r machen, aber:
  • Fehler 1: Jene Schöpfungserzählungen werden berichthaft, protokollierend als getreue Wiedergabe dessen verstanden, wie der Anfang der Welt zu denken sei. Jede sprachliche Äußerung kann sich die 'Welt' so zurechtdenken, wie es dem Autor geeignet erscheint. Das gilt für alle Texte, keineswegs nur für religiöse.
  • Fehler 2: Undenkbar bei dieser Einstellung, was generell beim Verhältnis von "Sprache" und "sog. 'objektiver' Wirklichkeit" gilt, dass es zwischen beiden Polen keine Eins-zu-Eins-Beziehung gibt. Der Fehler besteht also darin, die Sprachebene zu übersehen, zu glauben, man habe es direkt mit der Wirklichkeit zu tun.
  • Fehler 3: Man sieht nicht, dass an dieser Kluft auch religiöse Bekenntnisse nichts ändern, Bibel bzw. Koran seien 'Gottes Wort' u.ä.
  • Fehler 4: Wer vor diesem Hintergrund "religiös" sein will, aber - wie geschildert - ein naives Sprach-/Textverständnis kultiviert, muss sich zwingend von den Erkenntnisbemühungen der Wissenschaft, ihren Erkenntnissen, distanzieren, vgl. [3] mit Weiterverweis auf das Register EPISTEMOLOGIE.
  • Fehler 5: Wer derart fundamentalistisch orientiert ist, verbaut sich selbst den Zugang zur - so kann unterstellt werden - sinnvollen gemeinten Bedeutung jener Texte. Vgl. [4] samt Analyseprogramm im Detail. Angstvoll wird unterstellt: Nur wenn die Texte im Wortsinn, der dann auch als außersprachliche Realität = 'Wahrheit' zu gelten hat, genommen werden, könnten sie ihren Wert für einen selber behalten.

Dass der bewusste, reflektierte Umgang mit Texten (die mir wichtig sind, mich ansprechen) mich zu einer Vernetzung mit den übrigen Wissensgebieten führt - also gerade zum Gegenteil von ABBLOCKEN / AUSGRENZEN, vgl. [5] - wird auf der Basis der genannten Fehler unmöglich. Eine geistige Spaltung bzw. einseitige Engführung droht.