4.38 Schlussstrich und radikaler Neuanfang

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Kampf der Modalitäten (vgl. [1]) - und das anschaulich, bildhaft realisiert, so dass man die gemeinte, zweite Bedeutungsebene erst erkennen muss (vgl. [2]). Das Thema der Existenz ist im Spiel (vgl. [3]) - also dürften massive Ängste / Hoffnungen aktiviert sein - Querverbindung zum Thema 'Apokalyptik', vgl. [4].

Was dieses Modul thematisiert, kann - wie geschehen - trocken und grammatiktechnisch angedeutet werden. Das ist nicht abschätzig gemeint. Vielmehr kann Grammatik angesichts der Emotionalität ein rationaler Rettungsanker sein, der hilft, dass man in der Bildwelt - z. B. Sintflut - nicht geistig untergeht und ganz dem Wortsinn verfällt.


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1. Politik

1.1 1956: Adenauer und Bulganin im Bolschoi

aus: G.Ruge, Unterwegs. Politische Erinnerungen. Freiburg i.B. 2015. S.101f:

"Am Abend saßen wir mit einigen Hundert sowje-
tischen Zuschauern im Bolschoi-Theater und
sahen nicht nur die große und weltberühmte
Aufführung des Balletts Romeo und Julia,
sondern auch einen bewegenden Auftritt des
sowjetischen und des deutschen Regierungschefs.
Schon als Bulganin und Adenauer die Zarenloge
betraten, erhob sich das russische Publikum und
begrüßte die beiden mit großem Beifall. In der
Pause, als es in einem Nebenraum hinter der
Zarenloge Kaviar und Wodka gab, wurde einigen
konservativeren Mitgliedern der deutschen Dele-
gation das Klima der Verbrüderung fast unheimlich.
...
   Getanzt von der großen Galina Ulanowa,
erlebte das Publikum den Kampf zwischen den
Geschlechtern Montague und Capulet und den Tod
Julias und Romeos. Als sich die Väter auf der
Bühne über den Leichen ihrer Kinder in die
Arme fielen, erhoben sich Bulganin und Adenauer
von ihren Sitzen und fassten sich an den Händen.
Den Zuschauern schien es, als würden die beiden
sich ebenfalls gleich in die Arme fallen. Im
Saal und auf den Rängen des Bolschoi-Theaters
applaudierten die Menschen begeistert und
gerührt. Ihr Beifall galt nicht nur der Ulanowa,
sondern den beiden alten Männern, die da in
einer Geste der Versöhnung in der goldenen Loge
verharrten. Auch bei den meisten Mitgliedern
der deutschen Delegation löste sich die An-
spannung. Dieser Eindruck allerdings, das merkte
ich in Gesprächen mit Delegationsmitgliedern,
wurde schon nach wenigen Stunden vom politischen
Kalkül überlagert. Manche sahen in Adenauers
Geste nur Berechnung. Der Kanzler selbst bemerk-
te später einmal, er habe ganz impulsiv gehan-
delt. So haben es damals die russischen Zu-
schauer im Bolschoi-Theater und auch ich empfun-
den. Die Erinnerung an den Krieg war immer noch
so lebendig und die Furcht vor einem neuen
Konflikt so groß, dass das Bild der beiden
Männer einen Ausbruch echten Gefühls ausgelöst
hatte. Mein Eindruck war, dass Adenauer die
Bedeutung dieses Augenblicks erkannt hatte."

1.2 1987: Ronald Reagans Satz in Berlin

Zwei Jahre später war dann der Mauerfall. - Blick hinter die Kulissen: Entstehung einer historischen Rede. [5]