4.391 Ich-Stärke/Selbstbewusstsein - Dominanz - Macht

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Die Abstraka der Überschrift sind blass - wie alle Abstrakta, vgl. [1]. Zugleich ist inhaltlich klar, dass sie für entscheidende Entwicklungsstufen/-aufgaben des Menschen stehen und ebenso das Funktionieren unserer Gesellschaft prägen/sicherstellen. Viele Fragen, angefangen vom Einzelnen, über seine Zugehörigkeit zu Gruppen bis hin zur staatlich-politischen Ebene sind damit aufgeworfen. - Im Hintergrund: viele grammatische Kategorien, so wie wir Grammatik verstehen. Grammatik geht damit fließend über in Psychologie bzw. Soziologie. Derartiges müsste eigentlich die Attraktivität dieses Typs von Grammatik sichtbar machen.


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0. Nachträge zur Theorie

0.1 Umdrehung: Ich-Schwäche und Wunsch nach Hierarchie

Anders ausgedrückt: Denkfaulheit, -unfähigkeit - vgl. [2] - braucht einen autoritären Ausgleich. - Aus dem Interview mit Hirnforscher Singer in SPIEGEL 29/2014:

SPIEGEL: Wie erklären Sie sich den Wunsch vieler
Menschen nach klaren Hierarchien?
Singer: Das ist uns eingeprägt. Viele unserer
kognitiven Schemata gründen auf unserer Herkunft aus
Stammesstrukturen. Kleine Gruppen lassen sich über-
schauen und dirigistisch lenken. Und dann überträgt
man diese Funktion dem Stammesältesten, weil man ihm
zu Recht die meiste Erfahrung zubilligt. Auch
entlastet es, Verantwortung delegieren zu können. Von
diesen kognitiven Schemata profitiert natürlich
jeder Lenker, auch Frau Merkel. 'Die wird's schon
wissen', suggeriert die archaische Stimme.

0.2 Attentat als "Nachhilfe"?

Die Reaktion der Öffentlichkeit in Frankreich, der Welt, auf das Attentat auf die Satirezeitschrift "Charlie hebdo" (Anfang 2015) war beeindruckend, gibt zugleich aber zu denken. Vgl. auch [3]. Unabgesichert einige Aspekte:

  1. Zwar hatten die Attentäter manche religiöse Formeln gebrüllt. Dass sie glaubwürdig den Islam verkörperten, überzeugte jedoch kaum jemanden.
    1. Effekt war immerhin, dass eine Reihe von islamischen Gemeinschaften/Theologen sich öffentlich und explizit gegen Gewaltausübung wandten, sich also von den Attentätern distanzierten. Solche Stellungnahmen hätte man sich gerne auch schon Monate zuvor z.B. Syrien, oder Nigeria/Boko Haram betreffend gewünscht.
    2. Nicht auszuschließen - auch das ein kommunikativer Nebeneffekt des Gesamtvorgangs, insofern Thema der PRAGMATIK [4] -, dass in solchen Proklamationen ein hohes Maß an Opportunismus mitwirkte. Alle monotheistischen Religionen weisen in ihrer Tradition Aggressivität, Vernichtungsphantasien, oft auch real durchgeführte Kriege gegen die 'Andersgläubigen = Heiden' auf.
    3. Bei der Menschenkette der Staatslenker waren - einige Meter getrennt - auch Israels Netanyahu und Palästinenserpräsident Abbas integriert - beide Völker praktizierten in den vergangenen Monaten so etwas wie 'Staatsterrorismus gegeneinander. Man wird in der Folgezeit sich daran erinnern, dass die Staatslenker an dieser Demonstration gegen Gewalt zugegen waren.
  2. Subjektiv - so ist anzunehmen - bezogen die Attentäter ihr Selbstwertgefühl nicht oder nur zum kleinsten Teil von der religiösen Seite. Es ist eher anzunehmen, dass sie von ihrer sozialen Situation her sich als bedroht und perspektivlos vorkamen.
    1. Dominanz / Macht wünscht sich aber doch jede/r. Nur so hat man im eigenen Leben Gestaltungsfreiheit, kann seines Lebens froh werden.
    2. Wenn in solcher Situation Hirnverdreher = Ideologen auftreten und z.B. suggerieren: nur mit Waffengewalt könne Dominanz / Macht ausgelebt werden, kann dies wie ein 'rettender Strohhalm' wirken.
    3. Wenn dann auch noch solche Waffen bereitgestellt werden, ein Training angeboten wird, wirkt dies als Aufforderung, im Sinn der Ideologen aktiv zu werden.
  3. Alles "Religiöse" ist dann ein aufgeklebtes Etikett, nicht sonderlich ernstzunehmen.
    1. In der Presse wurde - einerseits - dies großflächig erkannt: 'Islamismus' darf nicht mit 'Islam' gleichgesetzt werden.
    2. Andererseits ist unbestreitbar, dass der Islam vielfältig auch unter Erklärungsdruck geraten ist. Nicht immer wird jene Trennung durchgehalten.
  4. Religiöse Versatzstücke - "Allah ist groß", "Mohammed rächen" - und der Einsatz von Waffen wirken kommunikativ zusammen:
    1. Wer sich als z.B. mit "Allah" oder "Mohammed" verbündet darstellt, sagt auch etwas über sich selbst: jene religiöse Figuren dienen dazu, den jeweiligen Attentäter in seinem Selbst- und Machtbewusstsein zu überhöhen, als herausragend wichtig darzustellen.
    2. Man sollte sich nicht blenden lassen und fortan über "Islam" reden. Sondern zu reden ist über die Urheber solcher Proklamationen: bisherige Kleinkriminelle, die sich nun anschicken, den finalen Schlag ihres kurzen Lebens zu setzen. Wo und wie hätte die Chance bestanden, die Gewaltfixierung zu durchbrechen?

Vorläufiges Fazit: Die Attentäter haben aus ihrer Notsituation und der geistigen Orientierungslosigkeit heraus den Preis des eigenen Lebens bezahlt - und vielen Opfern denselben Preis aufgezwungen. Sie sind also gescheitert - mag die Öffentlichkeit zwar trauernd um die unschuldig Beteiligten, aber doch auch befriedigt feststellen. Aber die Attentäter waren nicht wirkungslos - wenngleich dies in ihren Überlegungen keine Rolle gespielt hatte: Vom Attentat bis zu den Solidaritätsdemos lief eine gewaltige Neuformierung der öffentlichen Meinung ab, man besann sich darauf, was zu einer modernen Demokratie unverzichtbar gehört, zwang viele Einzelgruppierungen, auch religiöse, zur Positionsbestimmung. Die Attentäter haben einen umfassenden Kommunikationsprozess, ein Bewusstwerden angestoßen - mit dem Effekt, dass die Verfassung, gegen die sie gekämpft hatten, gestärkt aus den Wirren hervorgeht.


1. Einzelner - Frage des Narzissmus

Die Begriffe können hier unübersichtlich werden, v.a. weil die Psychoanalyse hereinspielt, vgl. [5]. Kommunikativ / Literarisch geht es darum, ob ein Sprecher / Akteur

  • im Kontakt mit anderen in der Lage ist, dialogisch über längere Strecken lebendigen Austausch zu pflegen; in diesem Fall wird man ihm Empathie zubilligen, also die Fähigkeit, ein Problem auch aus der Sicht des Partners zu betrachten;
  • oder ein Sprecher ist dazu nicht in der Lage, dann kreist er um sich selbst, benutzt andere, um die eigene Größe zu unterstreichen, ist nicht bereit, Argumentationsmuster in Frage zu stellen - und wenn andere nicht bereit sind, die Überlegenheit des einen zu bestätigen, kommt es zu Konflikten. In einem solchen Fall würden Psychologen von "Narzissmus" sprechen.

Etwa dazu können hier sprachlich/literarische Beispiele genannt werden:

1.1 Berufswunsch: "Irgendwas mit Medien" - narzisstische Befriedigung

Die formelhafte Dreier-Wortkette, vgl. Feste Wortketten / Zitate / Anspielungen / Kollokationen / Idiome, die semantisch durch ihre Unbestimmtheit auffällt, vgl. (Numerus /) Determination, lässt sich sprachlich und psychologisch durchleuchten: Aus SPIEGEL-Online (2.5.2012):

Ob Film, Journalismus, PR oder Marketing - nie war
die Medienbranche als Berufswunsch so populär wie
heute. Für viele junge Leute scheint sie wie eine
verheißungsvolle Südseeinsel, an der sie anlegen
wollen: Dort wird man berühmt, verdient viel Geld
und rauscht von einer  Party zur nächsten.
Der Chef sitzt oben
"Früher hat man eine Burg gebaut, heute arbeitet
man in den Medien", sagt Frank Schwab, Organisations-
und Medienpsychologe aus Würzburg. Das "Irgendwas mit
Medien"-Phänomen lasse sich soziologisch leicht er-
klären:
Medien befriedigten das narzisstische Bedürfnis,
das jedem Menschen inne wohne: "In unserer Gesell-
schaft suchen alle so ein bisschen die Bühne."
Denn wir sind, was wir sind. Bessere Affen, ein
Resultat der Evolution. "Auch in den Medien geht es
darum: Wer ist der Chef der Gruppe?", so Schwab.
Bei Pavianen sei das leicht zu erkennen: Der Chef
ist der, der auf dem Steinhaufen sitzt und den
alle anschauen. Ein uralter Wirkkreis zur Funktion
einer sozialen Gruppe - und noch heute gültig.
"Bei den Menschen und den Medien ist das ähnlich.
Die Medien potenzieren quasi den Steinhaufen und 
damit das Ansehen derer, die darauf sitzen", sagt
Schwab. 

Der SPIEGEL-Artikel beschreibt Lebensläufe verschiedener Menschen mit dem genannten Berufswunsch - und ihr Scheitern, burn out: anfangs kreativ und sehr erfolgreich, dann überfordert und ausgelaugt. Man kann grammatisch vermuten: wer derart unspezifisch den Beruf anstrebt, ohne spezielle Fähigkeiten zu lernen, zu entwickeln, und mit dieser Qualifikation dann seinen Lebensunterhalt solide zu verdienen, der läuft Gefahr, bald ausgepowert zu werden. Kreativität allein, ohne Unterfütterung durch weitere Fähigkeiten, ist ein dünnes Eis, sieht eher danach aus, dass jemand ungute, krankmachende psychische Tendenzen ausleben will, anstatt seriös den Lebensunterhalt zu gestalten.

1.2 Donald Trump

..., ein Multimilliardär, meinte, 2016 auch Präsident der USA werden zu sollen/zu können. Über ein Machtimperium verfügte er zweifellos. Über Standardfähigkeiten in Sachen Dialog [6], samt Unterpunkten, darunter: das Face des Partners wahren, nicht beschädigen, somit über die Achtung vor Anderen verfügte er nicht. Vgl. [7]

Dennoch - meanwhile - wurde er genau mit solchen Eigenschaften
ins Amt gewählt.

2. Gruppe

Überschneidung mit Ziff. 1. Man kann die Dynamik in Gruppen nachzeichnen: Wer spricht mit wem, redet wen nicht an? Wer liefert die Gesprächsmpulse? Wer hält sich zurück? Enthalten die inhaltlichen Botschaften Auf-/Abwertungen des Partners bzw. seiner Gesprächsbeiträge? usw. - Beispiele:

2.1 Film "Die Reifeprüfung" (1967)

'Familie' ist ja auch eine 'Gruppe'. In dem Film (mit Dustin Hoffmann, Anne Bancroft) geht es um zwei Familien, bei denen die Eltern den Sohn bzw. die Tochter streng kontrollieren bzw. ihre Zukunft bestimmen wollen. Die Kinder sind also fremdbestimmt. Filmisch wird dies am Anfang so dargestellt, dass der Sohn statisch, in sich gekehrt, wortkarg, linkisch, antriebslos dargestellt wird. Klar, dass er zwar die Hochschulreife hat, aber nicht die menschliche Reife, eine Beziehung einzugehen. Die Frau der anderen Familie provoziert jenen Sohn zu dessen ersten sexuellen Erfahrungen. Trotz der merkwürdigen Konstellation: damit wird - wenn auch auf brachiale Art - eine Entwicklung im jungen Mann angestoßen. Zugleich sorgt die Frau eifersüchtig dafür, dass die eigene Tochter nie etwas mit ihm zu tun haben wird.

Wie es so ist: diese Strategien scheitern nach vielen Komplikationen. Am Schluss ist der anfangs so erstarrt wirkende Sohn sehr lebendig. Er legt einen langgezogenen Spurt hin, brüllt durch die Glaswand einer Kirche, um die Tochter der anderen Familie gerade noch rechtzeitig vom Traualtar abzuholen. Dies gelingt. Ein Kreuz dient sowohl als Waffe, um die aufgebrachten Familien im Tumult in Schach zu halten, wie auch um die Außentüre zu verbarrikadieren: die beiden haben sich befreit von der Dominanz, haben zu sich selbst gefunden. Filmisch ein starkes Schlussbild, wenn man die Kirche zugleich als Bild für überkommende Traditionen und hierarchische Strukturen nimmt. Das verlassen die beiden. Aber im Bus, den sie entern, werden sie dann auch angestarrt, als kämen sie von einer anderen Welt. Gruppe/Masse auf der einen, selbstbestimmtes kreatives Leben auf der anderen Seite sind nun mal Antipoden.

3. Gesellschaft

"Macht" und "Gewalt" sollte man begrifflich trennen. - Der Staat verfügt über die legitimierte Macht, zugleich über das Gewaltmonopol. Beides wird über Symbole nach außen repräsentiert. Welche? - Physische "Gewalt", ausgeübt von einem Einzelnen, stößt nicht nur an juristische Grenzen, sondern auch an den Grundsatz der "Würde des Menschen". Man kann aber auch verbal Gewalt ausüben. Wie steht es damit? Welche Funktion haben Gewaltdarstellungen in Filmen, Krimis? - Beispiele:

3.1 SUV = Sports Utility Vehicle

SUVs beleben derzeit die Autokonjunktur - sind allerdings schlecht für die CO2-Bilanz. Was ist die Motivation, mit derartigen Kisten, deren Power und Platzangebot man meist gar nicht braucht, herumzufahren? Aus SPIEGEL-online (8.12.2003):

"Einerseits gibt es im SUV das Gefühl, von oben nach
unten zu blicken. Ein solches Auto hebt die Insassen
ja buchstäblich etwas ab vom normalen Straßenverkehr",
sagt Kirschmeier. "Dazu kommt ein umfassendes Sicher-
heitsgefühl." Das beziehe sich einmal auf die stets
etwas stämmiger und bulliger wirkenden Fahrzeuge
selbst, mindestens ebenso wichtig aber sei "die psy-
chologische Sicherheit, die der SUV als Rückzugsraum
vom Alltag bietet. Ob private Turbulenzen oder dif-
fuse Ängste vor Terror oder Euro-Krise - im SUV
fühlen sich viele von diesen Zumutungen scheinbar
geschützt."

Sprachliches Mittel, um Botschaften an andere zu senden, um das eigene Lebensgefühl zum Ausdruck zu bringen, das muss nicht aus Einzelbuchstaben bestehen. Es kann auch aus 2 Tonnen Blech, Plastik, Kabel usw. bestehen. Das wäre somit die Ausdrucksseite. Dass die Wahl des Autotyps - über rationale Nützlichkeitserwägungen hinaus - häufig Signalwirkung hat für das eigene Lebensgefühl, weiß man schon lange. Das Beispiel "SUV" verweist häufig auf: 4.085 Modalitäten – »Register« AXIOLOGIE: tiefsitzende Ängste, die bewältigt sein wollen.

3.2 Kapitalismus - Demokratie

Aus dem Kommentar von Jakob Augstein Spiegel-online (8.7.2016). Was in der SEMANTIK noch abstrakt als "Beziehungstyp Zuordnung" geführt worden war - vgl. [8] - wird nun in der PRAGMATIK in die Gesellschaftsordnung hinein konkretisiert. Und dabei werden konkrete gesellschaftspolitische Probleme aufgedeckt:

"Der britische "Economist" schreibt: "Kompli-
zierte Finanzinstrumente haben sich an allen
Kontrollinstranzen vorbeigeschummelt und die
Weltwirtschaft vor die Wand gefahren. Am Ende
standen steuerfinanzierte Rettungsmaßnahmen für
die Banken und staatliche Kürzungen. (...)
Viele Fabrikarbeiter, die ihre Arbeit verloren
haben, waren nicht in der Lage, einen anständig
bezahlten Ersatz zu finden."
Der neoliberale Kapitalismus ist das Problem?
Echt? Jede Gesellschaft ist geronnene Ungerech-
tigkeit. Die Beschäftigten fürchten die Entschei-
dungen ihrer Vorgesetzten - aber die Vorgesetzten
fürchten nicht die Entscheidungen der Beschäftig-
ten. Das ist die Definition von Abhängigkeit.
Dieses Missverhältnis muss im sozialen, demokra-
tischen Rechtsstaat der Ausgangspunkt aller Poli-
tik sein. Der Neoliberalismus zerstört diesen
Zusammenhang."

4. Zwischenstaatlich

4.1. Unfähigkeit zum Dialog

Vgl. ergänzend Ziff. 4 in [4.12 Dialoge]

4.2 Israel - Palästinenser

'Auf ewig' - so scheint es seit langem - wird die Nicht-Kommunikation, Nicht-Kooperation, praktiziert. Ergebnis können nur ständige Schikanen, auch Brutalität sein. Punktuelles Einzelbeispiel: [9]. Für eine genauere Betrachtung müsste man der Geschichte und Ideologie des Zionismus einerseits, vgl. [10], der Siedlungsgeschichte in Palästina, vgl. [11], andererseits nachgehen.


5. Zwischen Weltanschauungen/Religionen

Lessings "Ringparabel" ist zwar ein schöner, wirkungsvoller Aufruf zur Toleranz. Man sollte aber fragen, ob ein substanzieller Dialog zwischen Weltanschauungs-/Religions-Institutionen überhaupt denkbar ist. Zwar wird auf dieser Ebene heutzutage viel von "Dialog" geredet. Klar ist aber auch, keine der Institutionen ist bereit, den gewonnenen Einfluss in Frage zu stellen. Es sind dann - anders als früher, zu Zeiten von Religionskriegen - Kontakte in zivilisierter Form. Es kann daraus aber nie ein Dialog entstehen, weil zu einem solchen gehört, dass man sich selber zu Veränderung bereit erklärt, bereit hinzuzulernen. Nichtangriffspakte sind noch keine Dialoge.

5.1. Unfähigkeit zum Dialog

Vgl. ergänzend Ziff. 4 in 4.12 Dialoge


6. Zwischen Geschlechtern

6.1 Vergewaltigungen

Der SPIEGEL 14/2013 berichtet über erschreckend viele Vergewaltigungen in Südafrika ("alle neun Minuten"). Die Einzelschicksale - häufig von Kindern - sind fürchterlich. Uns hier interessieren Denk- und Verhaltensmuster im Hintergrund. Diese müssten - sicher in einem längeren Prozess nur - geändert werden.

"In den vergangenen Jahren ist die Zahl der
Gruppenvergewaltigungen in Südafrika stetig
angestiegen. Kriminologen sprechen von 'gemein-
samen Männlichkeits-ritualen', mit denen vor
allem jüngere Männer versuchen, Minderwertig-
keitsgefühle zu überwinden. In den Slums werden
Schulmädchen auf offener Straße missbraucht und
auch Lesben, um sie wieder zu 'richtigen' Frauen
zu machen, sogar Kleinkinder und Säuglinge
werden vergewaltigt - in dem absurden Aberglau-
ben, sich durch Sex mit Jungfrauen vor Aids
schützen zu können ...
   Die Regierung hatte (den Männern) nach der
Wende ein besseres Leben versprochen, doch
darauf warten sie noch immer vergebens. Statt-
dessen hängen sie ohne Aufgabe in den Townships
herum, verlieren ihr Selbstwertgefühl, weil
sie die Rolle als Ernährer nicht übernehmen
können.
   Psychologen haben noch andere Erklärungen,
warum die Vergewaltigungsraten in südafrika-
nischen Townships höher sind als in vergleich-
baren Elendszonen der Welt: Junge Männer
könnten ihre Aggressionen nicht mehr wie früher
gegen das weiße Unrechtsregime richten. Ihre
Wut wende sich deshalb nun nach innen, gegen
die eigene Gemeinde, die Familie.
   Außerdem seien sie noch immer von tradi-
tionellen Werten geprägt, besonders in den
Volksgruppen der Zulu und Xhosa: Männer müssen
hart, stark und allmächtig sein, das wird ihnen
schon im Knabenalter eingebläut. Andernfalls
kommen sie sich 'entmännlicht' vor. Viele von
ihnen fangen an zu trinken, prügeln ihre
Frauen und Kinder."

Vgl. auch: [12]