4.6 Offene Grenzen zu Nachbarfächern

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Texte und alles, was Kommunikation ausmacht, ist natürlich vielfältig vernetzt mit dem, was man sonst vom Menschen wissen kann und was sich in vielen unterschiedlichen Fächern auskristallisiert hat. Es ist nach der ausführlichen Sprach- und Textanalyse der Ort gekommen, dieses weitere Wissen mit den bisherigen Einsichten zu verbinden.


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0. Zur Theorie

0.1 Fachidiotie <=> Verantwortungsbewusstsein

In jedem Fach kann man sich spezialisieren und dann mit hervorragenden, bewundernswerten Fähigkeiten und Kompetenzen aufwarten. Das ist auch im Bereich "Alternativ-Grammatik" möglich. Sie ist zunächst für den Bereich Schule ausgelegt. Aber selbst hier schon - noch vor wissenschaftlichen Vertiefungen - lässt sich eine Virtuosität in Sprachbeschreibung und Textinterpretation gewinnen. Wir haben häufig genug gezeigt, dass man mit dieser Theorieausstattung den offiziellen Grammatiken - als Referenzwerk diente Grammis - weit überlegen ist.

Aber: die "Alternativ-Grammatik" ist so angelegt, dass ein Tunnelblick, eine Blickverengung nur auf die sprachlichen Befunde abgewehrt wird. Das aktuelle Modul steht dafür. Sprach- und Textbeschreibung sind wichtig. Dann aber ist der Blick zu öffnen für weitere Lebensbereiche und die Fächer, die sich vorzugsweise damit beschäftigen. In diesen wird man als sprachorientierter Mensch nicht gleichermaßen Spezialist sein, sondern 'interessierter Dilettant'. Aber man kann ja fragen, sich kundig machen, zuhören, was andere sagen. Die Öffnung selbst ist wichtig, nicht erst das eine oder andere Ergebnis.

Sorry, wenn nun ein derb klingender Vergleich
folgt. Aber das Prinzip, das dabei deutlich wird,
gilt auch für Sprachanalyse:
Der Produzent einer Hochleistungswaffe könnte -
rein technisch betrachtet - stolz auf sein
Produkt sein. Es ist vielleicht überlegen in
Leichtigkeit, Feuerkraft usw. usw. Solcher Stolz
mag berechtigt und verständlich sein, wenn man auf
die Lösung all der physikalischen und chemischen
Probleme achtet, die besser gelungen ist als bei
Konkurrenzprodukten. Nur sollte dieser Stolz nicht
ausblenden, wozu das Gerät denn dienen soll. Es sind
schwierige politische Fragen, die sich stellen. 
Mit naiv-kurzschlüssigen Antworten kommt man nicht
weiter. Aber die Hersteller sollten in diese Meinungs-
bildungsprozesse genauso integriert sein wie in die
Fragen der technischen Produktion und der erfolg-
reichen Vermarktung. 

0.2 neue Weltsicht <=> eigene Gefühle / Interessen

aus: Nagib Machfus, Echnaton. Der in der Wahrheit lebt. Zürich 1999. S.119f:

(Es spricht Maj, Führer der Grenztruppen: "Ich kanns
Ihnen sagen - Grund war die Schwäche dieses Ketzers, und
zwar die des Körpers ebenso wie die des Verstands. Seine
Mutter hat ihn unendlich verzärtelt, das hat ihn krank-
haft empfindsam werden lassen. Wenn er sich seine Kame-
raden ansah, also Haremhab, Nachet und Bek, und sich mit
ihnen verglich, kam er sich minderwertig vor. Er ver-
steckte sein Schamgefühl hinter dem zarten Schleier wei-
bischer Sanftmut und Weichlichkeit, aber gleichzeitig
hegte er Rachegefähle gegen jeden, der stark war, ob das
nun ein Gott oder ein Priester war. Er wollte das Feld
allein behaupten, nur er sollte die Stimme Gottes sein,
deshab hat er sich eigens einen erfunden. Es ging ihm
einzig und allein um unbeschränkte Macht. Andererseits
lockte er bei manchem, der seine Schwäche erkannt hatte,
den unwiderstehlichen Drang hervor, sie für seine eige-
nen Ziele auszunutzen. Nicht aus Angst hatten sich die 
Leute eilends um ihn geschart, sondern weil sie seine
Schwäche ausnutzen wollten. Deshalb haben die Großen im
Reich sich zur Botschaft seines Glaubens bekannt, und
sie hatte recht. Als sie sich gegen ihn auflehnten, hat
er ihnen nicht etwa seine Truppen geschickt, sondern
Sendschreiben über die Liebe. Wegen seiner Schwäche
haben Männer wie Eje, Haremhab und Nachet, an deren Klug-
heit kein Zweifel besteht, und eine so schlaue Frau wie
Nofretete seine Religion angenommen. Seine Schwäche war
der fette Happen, der Heuchler, Ehrgeizlinge, Liederjane
und Diebe magisch anzog. Im Tempel sangen sie seine
Hymnen, und draußen plünderten und beuteten sie die
Menschen aus. Aber als ihnen dann Gefahr drohte, als
sie fürchteten, das Leben zu verlieren, da hatten sie
nichts Eiligeres zu tun, als ihn zu verlassen und mit
ihrer Beute zum Feind überzulaufen."

0.3 'Erfolg' der Naturwissenschaften

... basiert darauf, dass sie sich von Klischees/Religion/Weltanschauung fernhielten. Vgl. [1] - darin die Zitate von den Buchseiten 466f. Zwar gibt es genügend Beispiele, wo dies misslang, also aus Naturbeobachtungen religiös-ideologische Folgerungen abgeleitet wurden. Aber heutzutage kann man sich kulturübergreifend in vernunftbasierten Denkformen verständigen. Die Komplexität der Forschungsmöglichkeiten und der entwickelten Produkte lässt Einträge aus Ideologie/Religion kaum noch zu.

0.4 Journalismus

Die einzelnen Sprechakttypen - vgl. ab SEMANTIK [2] - zeigen sich - via PRAGMATIK - u.a. in Formen von journalistischen Beiträgen. Im Fall des Bedürfnisses nach solider INFORMATION/Sachverhaltsdarstellung wünscht man sich natürlich seriös recherchierte Texte. Analog bei den anderen Sprechakttypen.

Zur Einführung in die Sprache - auf Schulebene - gehört somit auch die Erläuterung, wie Journalismus funktioniert. Einige Hinweise liefert: [3]

1. Geistige "Instanzen" im Menschen

1.1 Bewusstsein - Unbewusstes - Kunst

Aus: Viktor E. Frankl, Der unbewußte Gott. dtv 35058. 1995 3. Auf. S.27:

"Sowohl hinsichtlich künstlerischer Produktion als
auch Reproduktion ist der Künstler auf unbewußte
Geistigkeit ... angewiesen. Der an sich irrationa-
len und daher auch nicht restlos rationalisier-
baren Intuition des Gewissens entspricht beim
Künstler die Inspiration, und auch sie ist in
einer Sphäre unbewußter Geistigkeit verwurzelt.
Aus ihr heraus schafft der Künstler, und damit
sind und bleiben die Quellen, aus denen er schöpft,
in einem bewußtseinsmäßig niemals restlos erhell-
baren Dunkel. Es zeigt sich sogar immer wieder,
daß zumindest die übermäßige Bewußtheit mit solcher
Produktion 'aus dem Unbewußten heraus' zu interfe-
rieren imstande ist; nicht selten wird die forcierte
Selbstbeobachtung, der Wille zum bewußten 'Machen'
dessen, was sich wie von selbst in unbewußter
Tiefe vollziehen müßte, zu einem Handicap des
schaffenden Künstlers. Alle unnötige Reflexion
kann da nur schaden.
Es ist uns ein Fall bekannt, in dem ein Geiger immer
versuchte, möglichst bewußt zu spielen:  vom
Zurechtrücken der Geige angefangen bis zum
geringsten Detail der Spieltechnik wollte er 
alles bewußt 'machen', alles in Selbstreflexion
vornehmen. Dies konnte nur zu einem völligen 
künstlerischen Versagen führen. Die Therapie
aber mußte fürs erste einmal diesen Hang zur 
übertriebenen Reflexion und Selbstbespiegelung
ausschalten: sie mußte  ... diesem
Patienten sein Vertrauen zum Unbewußten
wiedergeben, indem sie ihn anwies, sich immer 
wieder vor Augen zu halten, wie sehr sein
Unbewußtes "musikalischer" sei als sein
Bewußtsein. 
Tatsächlich führte eine dergestalt
ausgerichtete Therapie gewissermaßen zu einer
Ent-hemmung der künstlerisch "schöpferischen"
Kräfte des Unbewußten"

2. Lernen und Erzählen

Wer behauptet, "Lernen" mache ihm grundsätzlich Spass, weckt Zweifel und Skepsis. Denn "Lernen" heißt, dass man sich kognitiv und emotional in neue Bereiche / Felder einarbeitet. Gewohntes = Bekanntes muss überwunden, ausgebaut, ergänzt werden. Eher selten wird also sofort Spass mit dem Lernen verbunden sein. Primär spürt man Mühe und Anstrengung. Zudem gilt die Erfahrung - man kann sie systemtheoretisch formulieren -, wonach jede/r von Hause aus "träge" ist, d.h. beim Altbekannten, Bewährten bleiben möchte. Lernen wird als etwas Aufgezwungenes, nicht sofort Einsichtiges verstanden, gegen das man sich vorsichtshalber zunächst sträubt.

Pädagogik und Didaktik, Lerntheorie sind also herausgefordert, das negativ beladene Lernen mit Positivem, mit Lust zu verknüpfen. Gelingt dies, so dürfte sich auch Lernerfolg einstellen, u.z. auch deswegen, weil der Lernende die Aufgabe nun gern als seine eigene ansieht, er/sie also aus Eigeninteresse sich engagiert, nicht nur getrieben von der Lehrperson oder durch den Lehr- und Prüfungsplan.

Derartiges - so erinnere ich mich - lief wohl während
meines Klavierunterrichts: als die Lehrerin mir ein
neues Stück vorschlug, sah ich zunächst nur das wieder
mal komplizierter gewordene Notenbild, die wachsende
Zahl der Vorzeichen usw. Das schreckte ab. Dagegen biss
ich meist an, wenn die Lehrerin - so hielt sie es
generell - mir zunächst das Stück vorspielte. Oft
waren attraktive, auch bekannte Melodien und ihre
Verarbeitung enthalten. Diese wollte ich dann auch
spielen können - die Abwehr war durchbrochen.--Hs 14:17, 24. Sep. 2011 (UTC)

2.1 Vom Wert von Märchen

Interview mit Eugen Drewermann: [4]

2.2 Vom Wert von Erzählungen

In Studium und Wissenschaft sind Begriffe, Berechnungen, Methoden, hierarchische gedankliche Gebäude wichtig. Und solche abstrahierten Inhalte wollen gelernt = gepaukt werden. Der Spassfaktor ist dabei selten groß. - Gelingt es aber, inhaltliche Problemstellungen und deren Behandlung durch eine Erzählung zu vermitteln, ist das Eis schnell gebrochen. Die Motivation der Lernenden ist aktiviert. Die Ursache ist mindestens eine doppelte:

- im Gegensatz zu abstrakten Bedeutungszusammen-
  hängen arbeiten Erzählungen mit konkreten, vor-
  stellbaren Problemstellungen, mit unterschiedlich
  gezeichneten Akteuren. Es ist somit die Vorstellungs-
  kraft des Lesenden = Lernenden, seine Lebenserfahrung
  gefragt. Es muss von all dem nicht erst - gedanklich
  gewaltsam - abstrahiert werden.
  Das Reich der Sinne wird nicht implizit als negativ
  bewertet.
- Erzählungen gehen aber auch nie - wohl berechnet -
  auf. Sondern sie bieten via Implikationen, Präsuppositionen
  immer auch Fenster, durch die man die Sicht des
  Problems erweitern kann. Insofern sind Leser nie
  komplett festgenagelt auf das, was der Autor
  formuliert hatte. Sondern es sind Räume eingeschlos-
  sen, die nach eigenständigem Weiterdenken durch den
  Leser verlangen. Darin besteht sogar die Chance,
  dass der Leser Lösungsvarianten und Deutungen
  findet, die dem Autor noch gar nicht in den
  Sinn gekommen waren. Das heißt zugleich: die
  Problemlösung mag zunächst zufrieden stellen,
  aber eine Erzählung bleibt offen, animiert,
  weiterzudenken.

Beide Aspekte für Lernende = Leser attraktiv. Sie dürfen sich ernstgenommen fühlen, sind nicht nur sklavische Roboter, die genau die Schritte abspulen, die der Aufgabensteller sich ausgedacht hatte. Erzählungen erwarten Lese-Subjekte, wogegen durchrechenbare Aufgaben, abgefragte Lösungsmuster von (Rechen-)Knechten zu bewältigen sind.

  (Natürlich wird hier gesehen, dass zur Ausbildung
  die Beherrschung von Fertigkeiten gehört. Es
  sollte nur klar werden, wie mit unterschied-
  lichen Arten von Aufgabenstellungen auch das
  Bild des Adressaten sich ändert.)

2.3 "Lernen" = Erleben => Wissen

Aus S. Bode, Die vergessene Generation. Kriegskinder brechen ihr Schweigen. Stuttgart 2004.

"Dank moderner bildgebender Verfahren wie der
Positronenemissionstomografie - abgekürzt PET - können
Neurobiologen in das Gehirn hineinschauen, ohne
dafür die Schädeldecke öffnen zu müssen. Es ist
also möglich geworden zuzusehen, wie Gedanken
durch den Kopf huschen. Heute weiß man:
Keineswegs ist das Gehirn bei Abschluss der
Entwicklungsphase fertiggestellt - wie ein
Auto, das vom Produktionsband kommt und
danach nur noch älter und unzuverlässiger
wird. Nein, das Gehirn bleibt plastisch, also
auch lernfähig.
   Was der Mensch erlebt, seine Beziehungen,
seine Erfahrungen mit Umwelt und Gesellschaft
und wie er sie bewertet, für all dies finden
sich im Gehirn Spuren. Der amerikanische
Neurologe Antonio R. Damasio nennt es die Fähigkeit
des Gehirns, etwas abzubilden oder zu repräsentieren.
Die Nervenzellen repräsentieren Zustände oder
Ereignisse, die anderswo im Körper stattfinden, oder
die der Mensch außerhalb seiner selbst wahrgenommen
und in sich aufgenommen hat. Fazit: Erleben formt
das Gehirn." (207)


3. Textautor

3.1 Inneres, geistiges Profil <=> äussere Existenz

An William Shakespeare kann man den Unterschied zwischen beiden Erscheinungsweisen eines Autors (im Grund jedes Menschen) gut ablesen. Das innere, geistige Profil des Schreibers, seine Sprachkraft, sein Witz, seine Fähigkeit zur dramatischen Komposition usw. - all das lässt sich in jedem seiner Dramen, erst recht in der Zusammenschau mehrerer bestens erkennen und bewundern.

Wie es allerdings um die äussere Existenz des Autors bestellt war, ist bis heute noch nicht geklärt. Es gibt extrem wenige zuverlässige historische Quellen dazu, so dass immer wieder Thesen aufkommen, der Name sei ein Pseudonym, dahinter verberge sich ein ganz anderer (z.B. Marlowe).

Um sich auch heute noch von Shakespeare geistig anregen zu lassen, sind die Daten zur Historie vollkommen zweitrangig. Hauptsache, die Texte stehen zur Verfügung, können gelesen und gespielt werden.

4. Künstlerischer Ausdruck

4.1 "Du holde Kunst"

Die Sprechweise klingt antiquiert, eben 'romantisch'. Dennoch kann man die 1. Strophe des Gedichts von Franz von Schober aufgreifen - möglichst mit der Vertonung von Franz Schubert im Ohr - und feststellen, dass vollkommen zutreffend ausgedrückt ist, was die Funktion von Kunst ist:

Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden,
Wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt,
Hast du mein Herz zu warmer Lieb entzunden,
Hast mich |: in eine beßre Welt entrückt! :|   

Mit grauen Stunden wird eine Jetztzeit, Alltagserfahrung angesprochen, in der der Sprecher sich umstrickt, gefangen, eingebunden fühlte. Rolle der Kunst demnach, eine Alternative in den Blick zu bringen, eine beßre Welt. Dadurch ändern sich die aktuellen Lebensbedingungen (noch) nicht. Aber eine Perspektive wird aufgezeigt, dass es eine andere, bessere Lebensform gibt. Insofern wird der aktuelle Alltag in seiner Dominanz beschnitten, Hoffnung keimt auf. Angesprochen ist also, was den prospektiven Anteil des Registers IMAGINATION ausmacht: [5] - Eine der grundlegenden Geistesfunktionen nun eben in der Pragmatik in bildhafter Form angesprochen. Angesprochen ganz wörtlich mit "Du" - eine sprachliche Künstlichkeit, die natürlich zu dekonstruieren ist, wie wir es ohnehin zu Beginn der Pragmatik machen: [6]

Bei den Modulen, auf die per link verwiesen wird,
je besonders auch auf die PDF-Text achten: 
Falls Sie sich für das Thema interessieren ...
- Aber das ist generell zu empfehlen.

Einzige Anmerkung, auf die zu achten ist: das "Entrücken" bleibt primär wichtig. Die alternative Welt soll sich in der Seele festsetzen, Wurzeln schlagen. - Es ist zu hoffen, dass die Wirkung der 'Kunst' sich nicht im Vertrösten erschöpft, somit sich bei den realen Lebensbedingungen nichts verändert. Sondern dass Kräfte entstehen, manches zu ändern, was geändert = verbessert werden kann.

4.2 "Öffnung" = "Ewigkeit" ?

Zwei Abstrakta - vgl. [7] -, die als solche den Nachteil haben, statisch zu wirken. Insofern sind sie vielleicht wichtig, aber im Kern unattraktiv.

Zweiter Problembereich:

  • "Öffnung" kann man mit 'seelischer Veränderung' verbinden, die etwa in Auseinandersetzung mit Kunst in Gang kommt. Auch Nähe zu Psychologie. Insofern könnte diese Erfahrung im Alltag möglich sein.
  • "Ewigkeit" dagegen gehört der Sprechweise der Theologen an - ist entsprechend schwer zu verstehen, wirkt zementiert und unüberschaubar. Eine lebenspraktische Erfahrung damit kann man sich nur schwer vorstellen.

Vielleicht so kann man den Hintergrund für das folgende Handke-Zitat skizzieren (aus: Versuch über den Pilznarren. Berlin 2013. 2. Auflage. S. 146)

"Die Zeit des Aufbrechens, Suchens, Findens und Wei-
tersuchens: 'Eine Weise von Ewigkeit'. Und auf ihn
selber bezogen: Ins Buch des Lebens sah er nicht etwa
alle seine beim Tribunal erwirkten Freisprüche ein-
getragen, sondern einzig seine Expeditionen kreuz und
quer durch dir(!) Wälder."

Was zählt, ist, sich auf Neues einzulassen:

(148f) "Alles andere, auch das sogenannt mürbste
Fleisch, der frischeste der Fische, selbst Kaviar,
gerade der, schmecke, verglichen mit so einem Wild-
wüchsling, vulgär-ordinär. Einzig seltene Wild-
pflanzen kämen an so einen Geschmack heran, in dem
aber noch etwas Zusätzliches wirke, eine Zusatzkraft
über alles bloß Pflanzliche hinaus - man müsse sich
nur darauf einlassen (und dürfe, solle, sich nicht
vorher den Gaumen mit was anderem verderben).
'Sich-einlassen - und das Munden verlangsamt das
Essen zum Speisen, das Speisen zum Kosten, und das
Munden, Speisen, Kosten gehen über ins Beherzen und
Beseelen wie, ach, gar zu selten, das Essen, das
Mahlzeiten, und kraft all dessen zusammen zu guter
Letzt das Herabsinken und zugleich, herrje!, selte-
ner als selten, Pulsen der Ruhe, gepaart mit dem, weh,
nur zu den heiligen Zeiten, Aufsteigen des Gott-
nächsten in dir und mir, lieber Leser: des
bestirnten Himmels der Phantasie!"


5. Psychogramm

5.1 Adolf Hitler

Die Personanalyse des Diktators, die die Amerikaner 2 Jahre vor Kriegsende gewinnen wollten, stützte sich wesentlich auf das psychoanalytische Denken von Sigmund Freud. Aber die Übergänge sind fließend: Es ist zugleich vieles einschlägig, was bei uns in der PRAGMATIK unter "Übertragenem Sprachgebrauch", unter "Handlungs-, Denkmuster" behandelt wird. Keine Frage, dass der Diktator aufgrund stark negativer Kindheitserfahrungen - dafür speziell interessiert sich die Psychoanalyse - später seine verheerende Lebensphilosophie entwickelte. Schwarz-Weiß-Denken - die Zerstörung der Anderen dient der eigenen Verherrlichung; und als das letztlich nicht gelingt, blieb nur der Selbstmord - das war logisch vorhersehbar. [8]

6. Sprachenmix

Wir zitieren in der Alternativ-Grammatik häufig Sprachbeispiele aus Einzelsprachen. Das wird - so denken wir - sinnvoll sein. Ein gegenläufiger Trend ist aber, dass v.a. im business-Bereich die Sprachsysteme vermischt werden. V.a. wird Englisch einbezogen. Vgl. [9] - Die Motivation dafür? Sich ein internationales Flair verpassen? Also Wichtigtuerei? - Ob native speaker des Englischen mit solchem Sprachenmix glücklich werden?