4.81 Zusammenfassende Interpretation: "Akteure" und "Handlungsstrukturen"

Aus Alternativ-Grammatik
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Aus dem Inhalt

Dieser Punkt macht einen Vorschlag, wie eine Zusammenfassende Interpretation aussehen könnte. Der Verweis auf die Josefsgeschichte (vgl. auch voriges Modul) hat nur illustrierenden Charakter.

Auf dieser hohen Ebene der Textinterpretation, kurz vor ihrem Ende, liegen nun viele Detailerkenntnisse zum Text vor - gleichgültig, ob richtig ausgearbeitet oder streckenweise nur erahnt - Hauptsache, man hat die Ebenengliederung und die Erkenntnismöglichkeiten der Alternativ-Grammatik einigermaßen im Kopf und beachtet.

Damit könnte auch die Einstellung gewachsen sein, dass man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht. Das ist zwar ein erwartbarer Effekt genauer Textbeschreibung. Aber man sollte/will dabei nicht stehenbleiben. Also braucht man abschließend ein Verfahren, das wieder für Durchblick sorgt, strukturiert und insofern zufriedenstellt.

Was hier vorgeschlagen und illustriert wird, kann zur Kenntnis genommen werden, zugleich wird aber ermuntert, eigene Experimente und Erfahrungen zu sammeln!


Zu finden sind die Illustrationen entweder am Ende von Ziff.1 des großen Manuskripts:

Josefsgeschichte:____

Oder - gleicher Text - nach dem Essay zur wissenschaftl. Arbeitsübersetzung und vor den Punkten 6.3/6.4 in KURZVERSION 2:

Josefsgeschichte/ KURZVERSION 2:____


Was hier kurz angerissen wird, wird dort auch erläutert:

  1. Akteure - in Texten treten solche auf, die einen häufiger, die anderen selten. Immer haben diese Figuren einerseits Beschreibungen, andererseits werden Aktionen von ihnen berichtet. Was dabei pro Einzel-Akteur anfällt, kann man zusammentragen und dann versuchen, sich ein Gesamtbild dieser Figur zu machen. Aber aufpassen: möglicherweise präsentiert sich dieser Akteur am Textanfang anders als am Textschluss, weil die Figur nämlich eine Entwicklung durchlaufen hat.
  2. Soziogramm - diese Illustration fehlt noch im angegebenen JG-Text. Man hat also die Akteure des Textes beisammen, samt ihrer Charakterisierung. Aber nicht jeder Akteur hat mit jedem anderen zu tun. Es bilden sich Gruppen, Cliquen, auch Gegnerschaften. Das lässt sich aufzeichnen, so dass leicht ersichtlich wird, Wer mit wem / gegen wen?
  3. In einem Text 'passiert' ja auch einiges. Diese Abfolge von Handlungen - Geschehnissen - Interaktionen kann man beschreiben und zugleich eindampfen: Anschauliche Details interessieren nicht, auch nicht, welche namentlich bekannte Einzelfigur etwas macht. Stattdessen werden die Einzelfiguren in 'Rollen' gepackt, s.u. Und wenn ein Akteur aus der Hand eines fürchterlichen Drachen herausgerissen, dabei der Drache getötet wird, dann interessiert nicht dieses märchenhafte Motiv, sondern nur die Funktion: X rettet Y.
  4. Rollen: Die u.U. große Zahl von Einzelakteuren wird in Funktionen gepackt. Es gibt eine Hauptfigur Protagonist, der u.U. verschiedene Helfer hat; es gibt Opponenten - möglicherweise ebenfalls als intern strukturierte Gruppe. Auf diese Weise wird die Vielzahl von Akteuren sehr übersichtlich. Bei der Suche nach weiteren Rollen und ihren Bezeichnungen kann man sich an den Kategorien der SEMANTIK orientieren. Philosoph - Ratgeber - Oberbefehlshaber - ... - das wären schon 'Berufe', die mit den ersten drei Modalregistern erfasst werden könnten (WISSEN - IMAGINATION - WILLE ...). Verschiedene Einzelakteure können alle die gleiche Rolle des "Ratgebers" wahrnehmen.

Verschiedene Texte haben jeweils verschiedenes 'Personal'. Mit der beschriebenen Prozedur kann man Muster erkennen, anhand derer man verschiedene Texte trotz ihren unterschiedlichen 'Personals' vergleichen kann.