5.147 Humor

Aus Alternativ-Grammatik
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0. Didaktische Gesichtspunkte

0.1 links zur Grammatik

  • Allgemein [1]
  • Beispiele [2]
  • Fortführung der Semantik, vgl. [3]. "Semantik" heißt: es gilt hier erst nichts als die - witzlose - Wortbedeutung. Öfters wird zwischen mehreren Wortbedeutungen gespielt, weil einSchrift- oder Lautbild für mehrere Bedeutungen stehen kann. Alles, was sich als "Humor" erweist, beruht auf Effekten der PRAGMATIK, vgl. [4], oft verstärkt durch Figuren auf Ausdrucksseite [5] - z.B. Wiederholungen, Anspielungen durch Wortketten, leichte Änderungen auf der Ebene der Wortbildung u.ä.
  • [6] - und noch mehr bei den Negationen
  • Voraussetzbare Erwartungen - vgl. [7] - und selbstverständliches Standardwissen - vgl. [8] - dienen als Folie für alle humorvollen Effekte: Humor liegt dann vor, wenn davon unerwartet abgewichen wird = Pointe.


0.2 Humor - interpretierbar, lehrbar?

  • Nein, ein Witz, der nicht zündet, wird zum Rohrkrepierer. Aber um solche 'Nachhilfe' geht es hier nicht.
  • Umgekehrt: Anhand von guter humorvoller Sprache (in ihren vielfältigen Formen) kann man zu verstehen versuchen, warum sie so effektvoll und sicher wirkt. Eine 'Pointe' fällt nicht vom Himmel, sondern beruht auf sprachlich-grammatischen Mechanismen, deren Wirken man im jeweils konkreten Fall sichtbar machen kann. Das kann dann den Genuss sogar nochmals erhöhen.
  • ...

1. PRIMARSTUFE

1.1 LERNZIELE

  1. Vortragstechnisch das Erzählen von Witzen vor Publikum üben. Achten auf Artikulation - vgl. [9], Abbau von Schüchternheit, Herausarbeiten der Pointe.
  2. Eigene Emotionen bewältigen: der/die Sprecher/in kennt die Pointe, sollte also nicht vor dem Aussprechen derselben vom eigenen Lachen überwältigt werden.
  3. Nachdenken: Warum erzählt man sich so einen 'Blödsinn', der doch - wie alle wissen - so nicht stimmt? Was hat die sprechende Person davon? Was die Hörer/innen?
  4. ...

1.2 ...

2. SEKUNDARSTUFE 1

Annahme, dass in diesem Alter die Entwicklung der Rationalität, mithin Skepsis, u.U. Widerspruch, Rebellion im Vordergrund stehen. Dem kann man auch beim Thema "Humor" Rechnung tragen. Daher dürfte eher ein Faible für SEMANTIK = Wortbedeutung vorliegen, weniger entwickelt: Verständnis für die mehrschichtige PRAGMATIK, für spielerischen Umgang mit Texten. - Aber eine gute Beschreibung der Wortbedeutung wird gebraucht beim Erkennen von "Humor".

2.1 LERNZIELE

  1. z.B. anhand von Karikaturen, Comics, die gezeigte Situation, Figuren, ihr Zueinander, die Pointe und 'Lösung' mündlich oder schriftlich beschreiben.
  2. Erkennen der inhaltlichen Schaltstellen, Friktionen, die erst den Weg zur Deutung "Humor" freigeben: Welche Art von Kritik, Bloßstellung, Lächerlichmachung, treffende 'Analyse' eines Missstandes wird geboten?
  3. Auch die Pädagogenvorgabe, es handle sich um einen humorvollen Text darf bezweifelt werden, muss sich dann aber der Analyse im Detail stellen (sind Überraschungsmomente, 'Unmöglichkeiten', Inhomogenitäten nicht enthalten?).
  4. ...

2.2 BEISPIELE

2.2.1 Kritisches Rütteln an einem Denkmal

Vgl. [10] - Der Text von Ortheil ist witzig, aber zugleich auch atemberaubend: Darf man so mit dem in unserer Gesellschaft 'heiliggesprochenen' Text umgehen? - Sich - animiert durch den vorgegebenen Text - derartige Infragestellungen zu erlauben, befreit von mitgebrachten ehrfürchtigen Haltungen, die weitere Erkenntnis nur blockieren.

2.2.1.1 Implikationen

Die kritischen Rückfragen kommen zustande, indem das, was der Text wörtlich bietet, auf Ungesagtes, aber damit Zusammenhängendes abgeklopft wird, vgl. [11]. Der Ortheil-Text kommt dabei auf: "Heiligtum" - "Pantoffeln" - "Schnäpse-trunken" usw.

2.2.1.2 Gespür für inhaltliche Homogenität

D.h. unter Einbeziehung dieser mitgemeinten/möglichen Zusatzbedeutungen steuert die Wortbedeutung der "Ode an die Freude" ins Chaos: Keine inhaltlich-akzeptable Homogenität wird sichtbar. = insgesamt betrachtet noch ein kritischer Einwand. Zugleich lernt man, dass wir als Leser/Hörer eine solche Homogenität von einem Text erwarten. Und wenn verschiedene inhaltliche Felder angesprochen werden - vgl. [12] - möchte man vernünftig/verstehbar vom einen zum andern geleitet werden.

2.3 Überraschungseffekte

"Humor" arbeitet also mit Sprüngen. Die Frage ist zunächst, ob ein derartiger inhaltlicher Sprung geboten wird = Pointe am Schluss. Oder ob es ständig glitzert und funkelt, durch den gesamten Text hindurch. Dann liegt eine geistreiche, z.B. kabarettistische Rede vor. Letztere vielleicht ohne den ganz großen Knalleffekt, mit dem dann der Text beendet ist, sondern kontinuierliches Lachen und Glucksen auslösend.

3. SEKUNDARSTUFE 2

3.1 LERNZIELE

  1. Die subversive Kraft von Humor in Verbindung mit Politik kennenlernen.
  2. Anhand der doch meist kleinen, überschaubaren Texte erkennen, wie verschiedene Gestaltungen auf ausdrucks-syntaktischer und v.a. pragmatischer Ebene zusammenwirken und ein Gesamtbild des Textes ergeben. Es gibt den Blick frei auf die eine Interessenlage, Motivation des Autors.
  3. Humor als 'Schmiermittel' in schwierigen Verhandlungen, vgl. [13] - (dem damaligen Außenminister Genscher wird dieses Merkmal zugeschrieben)? - Wie ist das Verhältnis von zu lösenden 'Sachproblemen' zu 'Humor'?
  4. Die vielfältigen Formen von "Humor" kennenlernen, dabei die dazugehörigen Gattungsbegriffe.
  5. Nachdenken/diskutieren: Humor, Comedy, Satire - gibt es Grenzen des Geschmacks und des Erlaubten? Darf Humor alles? Ist bisweilen Selbstzensur notwendig?

3.2 BEISPIELE

3.2.1 Loriot

Vgl. [14] - mit den beiden Texten - Folien und Aufsatz - kann man Verschiedenes veranstalten:

  • nur Loriots Vortragstext nehmend notieren, welche Rubriken unseres Textbeschreibungssystems einschlägig sind.
  • Zur 'Gegenkontrolle' den Aufsatztext hinzunehmen und vergleichen, welche Beschreibungsaspekte dort angeführt sind. An den Rand die Ziffern/Überschriften der Rubriken aus der Alternativ-Grammatik notieren - es müsste einiges zusammenkommen.
  • Zusammenfassend: Wie lässt sich die diskursive Strategie des Redners gegenüber seinen Gastgebern charakterisieren?
  • Welche Rolle spielt der Humor angesichts der 'staatsfeindlichen Akzente'?

3.2.2 "Sache" <=> "Sprache"

Was bei Lernziel_3 angesprochen wurde, erinnert daran, dass es den gen. Gegensatz nicht gibt. Aber die Unterscheidung ist hilfreich, um die "Sache(n)" und ihre "Sprach"darstellungen kritisch vergleichen zu können. Alle Probleme sind sprachvermittelt. Vermeintlich sachlich gegensätzliche Positionen begegnen in Form von sprachlichen Zementierungen. Gelingt es, die Sprechweise aufzulockern, zu ändern, werden auch Sachprobleme eher lösbar. Laut Peter Handke kann man mit Sprache "jedes Ding drehen". - Klar, dass damit das fassbar Ausgesprochene gemeint ist. Nicht fließen ein "(weltanschauliche) Interessen, Prinzipien, Verengungen".

3.3 ...

4. Traditionelle Grammatik

4.1 ...

5. Diskussion zur Didaktik

5.1 ...

Abschluss

Herzlichen Dank für kritisches Gegenlesen an J. Germann.