5.1 Grammatisches Gerüst

Aus Alternativ-Grammatik
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"Grammatisches Gerüst" - das klingt zunächst allzu technisch. Aber der Orientierung nach ist das sprachliche Bild durchaus passend. Den SchülerInnen soll ein gedankliches Raster vermittelt werden, das ihnen bei allen möglichen Sprachbefunden später spontan zur Verfügung steht (weil es ausreichend geübt worden war), und mit dem sie die Auffälligkeiten von Sprachproduktionen zuverlässig analysieren können.

"Gerüst" auch insofern, als man sich in diesem Gedankengebäude bewegen können soll. 'Sprache' erlaubt unendlich viele Aussagevarianten, so dass man offenbleiben muss für neue, kreative Schöpfungen. Das "Grammatische Gerüst" sollte dann aber nicht die Waffen strecken, sondern flexibel genug sein, auch solche Neuschöpfungen zu analysieren.

Für die Altersstufen der Schulebene sollen also - ähnlich wie beim Zahlensystem, bei dem es zunächst ja auch unwichtig ist, was gezählt werden soll - elementare Grundbegriffe und komplexere Bedeutungsverbindungen vermittelt werden. So abstrakt und - gemessen an der traditionellen Grammatik - vielleicht unattraktiv eine solche Aussage zunächst klingt, ist Verschiedenes zu beachten:

  • SchülerInnen sollen mit Denkformen vertraut gemacht werden, die - unbewusst - von Kindesbeinen an gelernt worden waren. Der schulische Unterricht soll diese schon mitgebrachte Prägung nur vollends ins Bewusstsein heben. Dazu benötigt man eben einige weitere Begriffe, die zu lernen sind.
  • So betrachtet ist nicht das erste Ziel, die 'Grammatik einer Einzelsprache' zu lernen, z.B. des Deutschen, Französischen usw. Sondern es wird unterstellt, dass allen Einzelsprachen die gleichen Denkformen zugrundeliegen.
  • Was Einzelsprachen unterscheidet, das sind die Ausdrucksseite und - pragmatisch - bestimmte Konventionen im Umgang der Menschen miteinander. Aber die mehrfach, auf verschiedenen Ebenen einsetzbaren semantischen Denkformen wirken überall. Einmal gelernt, sind sie bei jeder Einzelsprache verwendbar.

Insofern ist das System der "Alternativ-Grammatik" lerntechnisch rationell: der zunächst groß erscheinende Lernaufwand - v.a. wenn man immer auch den Seitenblick zur traditionellen Grammatik mitbedenken muss - macht sich bezahlt.

Nochmals: die Analogie zum Zahlensystem, der Mathematik, ist nicht als frivol einzustufen. Es wird hier auch nicht behauptet, in natürlicher Sprache herrsche Präzision und insofern mathematische Klarheit. Aber: Einzelsprachen sind methodisch einhellig nach dem "Grammatischen Gerüst" beschreibbar. Man darf sich nur nicht durch fremdartige Termini beirren lassen (im Deutschen gibt es keinen "Subjonctif"). Und was in Einzelsprachen - und sei es umständlich - aussagbar ist, kann einheitlich und transparent beschrieben werden. Ein und die selbe grammatisch-methodische Logik kann zur Anwendung kommen.

Davon profitiert jede Didaktik: Sprachunterricht - gegründet auf das "Grammatische Gerüst" -

  • schafft für SchülerInnen Transparenz - v.a. wenn sie Befunde in mehreren Sprachen vergleichen;
  • hält vor Augen - weil klar ist, welche Ebenen das Gerüst insgesamt enthält -, was analysiert/verstanden ist, was andererseits noch behandelt werden muss;
  • ermutigt zur Eigenständigkeit: das Gerüst ist begehbar; sinnvolle Auseinandersetzungen auf dieser Basis werden möglich.

0. Theorie - Praxis

0.1 Erfahrungen aus der Alphabetisierung

In [1] wird angedeutet, dass didaktisch die Grundunterscheidungen der Sprachtheorie gut in den Bereich des Sprachlernens umgesetzt werden können.

0.2 Roman von Ortheil

Vgl. eingangs von "Alle Module" = Inhaltsverzeichnis den Hinweis auf den Roman: ein lange stummes Kind wird ab dem Alter von 7 Jahren behutsam an das Lesen und Schreiben herangeführt - letztlich mit dem Effekt, dass der Junge später 'Sprache' sogar zum Beruf wählt. Viele Aspekte von 'Sprache/Kommunikation' werden bei der Schilderung der lebensgeschichtlichen Etappen anschaulich und einfühlsam angerissen.