NEWSLETTER 13 - 29.11.2010

Aus Alternativ-Grammatik
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Liebe InteressentInnen an der Alternativ-Grammatik,

das Intervall seit dem letzten Rundbrief ist etwas größer als gewohnt. Das hat aber bei mir nichts mit geringerer Aktivität für die "A-G" zu tun, sondern eher mit dem Wechsel in den Ruhestand. Den erlebe ich aber keineswegs als solchen. Sondern die letzten Wochen gab es von mir viele Beiträge z.B. zur lateinischen Grammatik.

Ich hatte den Eindruck, ich müsse mir eine auf neuerem Stand befindliche gedruckte Grammatik zulegen - seit der Schulzeit dürfte ja doch einiges an Erkenntnissen hinzugekommen sein. Ich kaufte die "Systemgrammatik Latein"; schon der Titel klingt ambitioniert. Und gemessen an dem, was ich sonst so in die Finger bekam, kann ich das Werk als gute Herausforderung akzeptieren. Da merkt man schon, dass Grammatiktheorie seit alters speziell mit dem Latein verbunden ist.

Die prinzipiell zu kritisierenden Fehler bleiben auch hier allerdings die gleichen. Es ist die verschwurbelte Vermischung von Ausdrucks- und Bedeutungsseite, die sich zigfach als Problem meldet. "Ablativus pretii" - ein solcher soll eine Wertung transportieren. Dabei schaut man gebannt auf die Endung, die vielleicht nicht mal eindeutig ein Ablativ ist (könnte oft auch ein Dativ sein - diese Wahrheit darf man aber nicht aussprechen, weil "man" doch wisse, dass es hier nur ein Ablativ sein könne). Man ist also auf Endungen fixiert und beachtet zu wenig den Beitrag der Wortbedeutungen, an denen die Endungen hängen. Es wird also dem armen "Ablativ" etwas gutgeschrieben, was überhaupt nicht sein Beitrag ist. Anders gesagt: der Blick sollte von Kasusfunktionen erweitert werden auf die gesamte Phrase. Dann kommt man auf die richtige semantische Funktion. Und der Kasus bleibt ein bloßer Kasus (wenn er überhaupt sicher erkannt werden kann) - ohne hinzugefügtes Attribut. Dann hat man ! die Ebenen getrennt und keine überfordert. Und auch die Schüler nicht, die die Grammatik lernen sollen. Sie müssen nichts in eine Endung reingeheimnissen, sondern können vernünftig erwägen / argumentieren.

Dies nur als kleinen Einblick. Wenn Sie es interessiert, können Sie es ja an inzwischen vielen Stellen nachlesen. Was anderes meldet sich auch immer stärker: die PDF-Texte sind meist zu "grundsätzlich" angelegt. Ich hatte bislang eher die Scheu, eine = meine konkrete Beschreibungsprozedur zu empfehlen. Könnte ja sein, dass jemand eigene und andere Vorschläge bringt. Wäre gut so. - Aber vielleicht ist das eine Überforderung von InteressentInnen. Die Möglichkeit, abweichende Vorschläge zu nennen, bleibt ja. Aber am Ende von Modul 4.032 habe ich schon mal angefangen, beschreibungstechnisch etwas konkreter zu werden. Im Lauf der Zeit - so denke ich - werde ich das auch auf eine Reihe anderer Module ausweiten. Könnte eine Hilfe sein (im Sinn eines konkretisierten Vorschlags).

Soweit mal für heute. Je mehr ich einzelne Grammatikentwürfe anschaue, desto mehr fühle ich mich bestärkt eine theoretische (und dann praktische) Revision zu fordern. SchülerInnen können nur profitieren davon. Und diese Art der Textbeschreibung bewährt sich z.B. auch in unserem monatlichen Tübinger Lektürekreis, den es seit bald einem Jahrzehnt gibt. Die in Modul 4.74 - vgl. 4.74 Text als "Vektor" - aufgenommenen beiden Gedichte gehen auf ne Behandlung in diesem Rahmen zurück. Sie sind nicht nur amüsant, sondern - wie ich finde - in mehrfacher Hinsicht lehrreich.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Jahresausklang

Ihr

Harald Schweizer