NEWSLETTER 29 - 27.1.2015

Aus Alternativ-Grammatik
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Liebe InteressentInnen an der Alternativ-Grammatik,

ich würde gern einen Blick auf die Abrufzahlen werfen. Wann wir mit der A-G gestartet sind, musste ich erst nachschlagen - Newsletter 1 wurde 2008 geschrieben, ergo ... Und da dieses Projekt "nebenher" ins Leben gerufen und betrieben wurde, entstanden auch die Inhaltsmodule erst sukzessive. Daher sind absolute Abrufzahlen, wie sie unten an jeder Seite stehen, nicht allzu aussagekräftig. Einzelne Module sind recht jung. Außerdem ist zu beachten: Was die Abrufe der 'zweiten Ebene' betrifft, also der PDF-Texte und weiterer Materialien - darin steckt ja die eigentliche Theorie -, dafür gibt es überhaupt keine Zahlen. Wer sich den PDF-link einmal gespeichert hat, kann ihn betätigen, ohne dass er durch Aufruf der Alternativ-Grammatik statistisch überhaupt registriert wird.

Wer sich für solche Zahlenspielereien interessiert, findet ja auch unter "Werkzeuge" einige weitere Rubriken, z.B. "Beliebteste Seiten" und weitere Statistik. Demnach liegen wir derzeit bei über 2,3 Mio. Abrufen - wohlgemerkt nur für die erste Ebene geltend. Wegen der PDFs und sonstigen Materialien wird man die Zahl ohne weiteres verdoppeln dürfen.

Mich interessiert etwas anderes: Seit gut einem Jahr führe ich eine Berechnung durch - meist täglich, basierend auf den "Beliebtesten Seiten" -, die nicht nur zusammenzählt, sondern auch gewichtet: Welches Modul war jeweils unter den 10 am häufigsten verlangten? Diese Befunde kann man nach 1 Jahr nochmals aufgreifen und fragen: Welches Modul landete wie oft in dieser Top-Rubrik? Die Fragestellung interessiert also nicht die absolute Häufigkeit - die kann man einfacher bekommen. Sondern es werden die Interessen der NutzerInnen besser sichtbar.

Die Alternativ-Grammatik beschreibt ja - absichtlich - einen großen Bogen: von bedeutungsfreien Ausdrücken über Satz-Logik bis zur u.U. raffinierten Sprachverwendung in spezifischen Kontexten, Dialogsituationen. Mit der neudefinierten Gliederung und zugleich Ausweitung des Zuständigkeitsbereichs einer Grammatik sollten ja die Defizite der Standardgrammatik überwunden werden - vgl. mein Buch von 2008.

Ergebnisse dieser Gewichtung über ein Jahr hinweg:

"Renner" ist Ziff. 4.4 Vorausgesetztes Weltwissen (Präsuppositionen), also eine Fragestellung,
die sich gerade nicht auf den gegebenen Text bezieht, sondern weiterfragt, nach seinen Voraussetzungen
und Rahmenbedingungen. Damit sind wir hoch in der Pragmatik. Und die Nutzer heben damit einen Punkt
als sie interessierend hervor, der in Standardgrammatiken überhaupt nicht vorkommt. Die Ziff. 4.4 liegt
sogar noch vor dem Inhaltsverzeichnis "Alle Module" ... !
Verblüfft hat mich, dass ein junges Modul, das eigentlich nur erläutern will, dass es die Fragestellung 
nicht thematisiert, die 3. Position einnimmt: 0.11 Textgeschichte. Ich gebe aber zu, dass die
jetzt schon in den praktischen Beispielen genannten Fälle der Textweitergabe bisweilen einem Krimi
nahekommen. Und ich selbst habe jahrelang an der biblischen Josefsgeschichte mit einem solchen Krimi der 
Textfindung zu tun gehabt. Ich verstehe also das Interesse. Schätzungsweise kann dem im Schulbereich nur
am Rande nachgegangen werden. Da sind dann v.a. die Unis gefragt.
Noch eine Verblüffung: an 4. Position, ebenfalls erst spät aufgenommen: 4.1134 Gott, Götter, religiöse 
Sprache. Da Religionen zu einem großen Teil sprachbasiert sind und sie zugleich 'Wahrheitsansprüche' 
erheben, ist vor diesem Hintergrund auch dieses besondere Interesse verstehbar. Jede Form von Argumentation, 
auch Kritik in Richtung Religion, muss sie qualifiziert beim Wort nehmen. Anders kommt man nicht weiter. 
Wichtig: Verständigung läuft nur über Sprache - es gibt keine 'Objektivität', keine uns
zugängliche 'absolute Wahrheit'. = eine hermeneutische Binsenweisheit.
Nach der 0.05 Beispielanalyse folgt an 6. Stelle: 4.128 Selbstwiderspruch, geistig-körperliche 
Stimmigkeit, somit wieder eine Fragestellung der "Kommunikation", also der Pragmatik.
Gerafft einige weitere Positionen: 
4.1131 Übertragener Sprachgebrauch - operationalisiert - das freut mich besonders. Da steckt einiges 
Herzblut drin ...
4.13 Abstrakta  dito
4.9 Literarische Werke grammatisch analysiert
4.1118 Modalaussagen per Äusserungseinheit (ÄE)
Bald folgt sogar noch 4.8 Alttestamentliche Josefsgeschichte - an der hängen einige Lebensjahre von mir ...

Ich breche die Auflistung hier ab. Der Anfang der Statistik zeigt eines sehr klar: Das Interesse der Nutzer zielt vorrangig auf Fragestellungen der Pragmatik, also auf den Grammatikteil, der in der Schulgrammatik gar nicht vorgesehen ist. Selbstverständlich kann man mit PRAGMATIK allein keinen Blumentopf gewinnen - sie benötigt die satzlogische Unterfütterung (SEMANTIK), dabei auch ausführliche begriffliche Klärungen, und die sorgfältige Beachtung der Ausdrucksseite (unsere SYNTAX - nicht verwechseln mit dem üblichen Verständnis!). Aber dass man in der Schulgrammatik allenfalls bis zum Satz vordringt und dann abbricht, das ist - auch mit der hier dokumentierten Interessenlage - nicht zu rechtfertigen, kommt einem Schildbürgerstreich nahe. N.B. aber diese Gewichtung kann man auch ohne Statistik, mit ein bisschen Nachdenken über Kommunikationen, Sprache in Texten, schon finden ;-)

Das möge genügen für heute. Ich grüße Sie herzlich

H. Schweizer