NEWSLETTER 31 - 4.7.2015

Aus Alternativ-Grammatik
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Liebe InteressentInnen an der Alternativ-Grammatik

wie in NEWSLETTER 30 angedacht, möchte ich etwas genauer betrachten, welche Interessenlage sich auf Ihrer Seite, also der Benutzer der A-G, herausschält. Gestützt durch eine doppelte Berechnung kann man einige interessante Trends erkennen. Das 'doppelt' hat folgenden Hintergrund:

  • Die Rubrik "Beliebteste Seiten" (vgl. "Spezialseiten") ordnet die Module natürlich der Quantität nach - nach absoluten Abrufzahlen. Darin liegen zwar aufschlussreiche Hinweise; aber es ist natürlich nicht berücksichtigt, dass die Module über einen längeren Zeitraum eingebaut wurden. Um diese Verzerrung auszuschalten, habe ich seit Jahresfrist - unterstützt durch ein kleines Programm - zusätzlich erhoben,
  • welches Modul war am jeweiligen Tag "unter den 10 Häufigsten"? Der quantitativen Orientierung diente, wie oft das "Inhaltsverzeichnis" (= "Alle Module") aufgerufen worden war - dabei ergab sich rechnerisch etwa die Dauer eines Jahres; in Realität ist die Zeitspanne größer, da ich während Abwesenheit, Krankheit usw. natürlich diese Recherche nicht durchgeführt hatte. Allerdings: Wer sich einen ihn interessierenden link gespeichert hatte, kann ihn aktivieren, ohne zuvor das Inhaltsverzeichnis bemüht zu haben, wird hierbei also quantitativ nicht erfasst (bei "Alle Module"). Und ganz wichtig: alle pdfs - zur Theorie und zu weiteren Illustrationen / Materialien werden mit dieser Zählung ebenfalls nicht erfasst. Diese Leerstelle bleibt somit. Da die pdfs den theoretischen Kern der A-G ausmachen und quantitativ umfangreicher sind als die Module, habe ich mir angewöhnt, die nachgewiesenen Abrufzahlen zu verdoppeln - das wird dann in etwa eine realistische Größenordnung ergeben. D.h. wir dürften momentan bei 4,2 Mio. Abrufen liegen.

Aber nun zur inhaltlichen Gewichtung: Natürlich finden sich unter den "10 häufigsten Modulen" auch organisatorische, wie das erwähnte "Alle Module = Inhaltsverzeichnis", oder die "Beispielanalyse". Klammert man diese aus, dann bleiben unter den verbliebenen 10 auffallend viele aus der PRAGMATIK, sogar solche, die ergänzend zum unmittelbar gegebenen Text und dessen Beschreibung verstanden, hinzugenommen werden müssen - was anzeigt, dass die Nutzer der A-G in dieser Hinsicht sich von der Standardgrammatik alleingelassen fühlen und sie mit einem Neuheitsgefühl besonders interessiert auf diese Pragmatik-Module der A-G zugreifen. Ihr intuitives Sprachgefühl zeigt vollkommen zurecht den Weg: es fehlt noch einiges in der Standardgrammatik!

  • Mit deutlichem Vorsprung führt "4.4 Vorausgesetztes Weltwissen (Präsuppositionen)" die Reihe an, somit der Gegenpol zu dem, was ein Text explizit formuliert; mit Buchstabenentziffern, Worte und Sätze deuten allein kommt man nicht schon weiter. Der Lebensbereich, in den der Text eingebettet ist, interessiert, er hat die Gestaltung des expliziten Textes wesentlich beeinflusst.
  • "0.11 Textgeschichte" steht an zweiter Stelle. Das ist kurios, weil von uns ausdrücklich gesagt wird, dass dieser Aspekt nicht methodisch behandelt, sondern nur dessen Existenz angezeigt wird - aber zweifellos wurden dazu auch so schon einige interessante Befunde zusammengetragen. Es dürfte somit eine Ahnung entstehen, wie wichtig und interessant auch diese Fragestellung ist.
  • "4.1134 Gott, Götter, religiöse Sprache" - diese dritte Position war nicht vorherzusagen. Sie erfreut insofern, als ich im Bereich Religion/Theologie reichlich die Erfahrung gemacht hatte, dass dort sprach-un-bewusst operiert wird. Viel zu häufig wird dort mit (Schein-)Sicherheit, vermeintlicher Objektivität operiert. Die Häufigkeit der Nachfrage zeigt die Ahnung, dass da einiges nachzuholen und zu korrigieren ist - u.z. mit Sprach-Bewusstsein. Ich sehe in diesem dritten Platz eine gehörige Portion Unmut und Kritik gegenüber dem, was die Religionsinstitutionen standardmäßig verlautbaren. Gewiss zielt "Glauben" auf eine Form von Sicherheit - fragt sich nur, wo sie zu gewinnen ist - im Außen (kann dann bevormundend auf autoritärem Weg aufoktroyiert werden) oder im Innen, dazu ist das Subjekt zu stärken, zu stützen, dass es selbst zu dieser Sicherheit - im Denken, Sprechen und Fühlen - findet.
  • Dazu passt - darf/braucht aber nicht auf "Religion" eingeschränkt werden - die 4. Position: "4.13 Abstrakta". Von "Substantiv" kann jeder reden. Das kritische Sortieren jedoch - 'Konkreta - Abstrakta' -, verbunden damit die 'kommunikativen Effekte' der einen bzw. der anderen Vorliebe, das muss explizit Thema von Grammatiken sein, führt letztlich zu Poesie oder abstrakten Gedankensystemen. - Anscheinend wird von Nutzern anerkannt, dass wir zum Abbau dieses Defizits bzw. zum Erkennen der Weichenstellung einiges tun.
  • "4.128 Selbstwiderspruch, geistig-körperliche Stimmigkeit" - es leuchtet sofort ein, dass diese Fragestellung kein Thema in schulischen Standardgrammatiken ist. Aber das Gelingen/Misslingen von Dialogen hängt oft genau von diesem Aspekt ab. Warum nicht schon in der Schule damit operieren - und dann ein Leben lang wach sein für dieses Verhältnis? Schließlich bleibt es wichtig, Verlogenheit, innere Spaltung bzw. überzeugendes Auftreten und Sprechen unterscheiden zu können.
  • "4.1131 Übertragener Sprachgebrauch operationalisiert" - diese Top-Position (6. Platz) freut mich besonders, weil darin viel Herzblut steckt: man sollte hellwach sein für Äußerungen, deren 'Wortbedeutung' je kritisch befragt werden muss. Das Bewusstsein dafür lässt sich trainieren, deswegen auch die Beifügung "operationalisiert", - offenkundig sehen die Nutzer das auch so, fanden den Aspekt aber nicht in Standardgrammatiken. Nebenbei: dieses Modul hat natürlich auch reichlich Querverbindungen zu "religiöser Sprache" und "Abstrakta", s.o.
  • "4.0722 Vergangenheit / Perfekt" - wohlgemerkt: damit sind noch nicht spezielle Konjugationsformen u.ä. gemeint - darauf pflegen sich Standardgrammatiken zu stürzen. Sondern zunächst geht es um eine gedankliche Klärung, wie man Zeitaussagen (mit welchen Sprechakten) tätigen kann.
  • "4.01 Ausdrucksseite: Schrift Aussprache" - hört man manche Antwortgeber in Interviews oder bei öffentlichen Reden, bedauert man, dass denen das Thema "Aussprache" - und sei es im Erwachsenenalter - nicht präziser nahegelegt wurde. Die (weitgehende) Missachtung der sprachlichen Ausdrucksseite ist nahezu 'Markenzeichen' der Standardgrammatik. Fixierung auf hehre Inhalte, Übersehen, welchen Beitrag die Ausdrucksseite liefert - das passt zum obigen Stichwort "geistig-körperliche Stimmigkeit". Auch hierbei scheint vielen Nutzern der A-G ein Licht aufgegangen zu sein.
  • "4.1135 Personifikation, Projektion" - gehört ins Umfeld des "übertragenen Sprachgebrauchs" (s.o.), verspricht zudem einen Übergang zu speziell psychologischen Betrachtungsformen. Zunächst ist das Thema aber - in unserem Sinne - ein sprachlich-grammatisches, auch eine Form des Spielens mit Sprache - ob gewollt oder ob unfreiwillig.
  • "4.9 Literarische Werke grammatisch analysiert" - dass dieses Modul so weit vorne liegt, ist vielleicht primär einem Wunsch geschuldet: es möge so sein, dass ... Die real angebotenen Analysen - Josefsgeschichte ausgenommen - bleiben erste Ansätze, Versuche. Aber verstanden worden ist anscheinend, dass Sprachanalyse transparent letztlich auch das Gesamtwerk grammatisch zu charakterisieren hat - so groß die sich stellende Aufgabe dann auch sein mag. Dafür ist zweifellos noch viel an Erfahrung und praktischer Arbeit notwendig.

Soweit diese Befunde. Ich lasse Sie damit und mit den Charakterisierungen - die Sie vielleicht mit eigenen Sichtweisen ausstatten könn(t)en - allein - und stelle mich auf die Mittagshitze der 'versprochenen' 40 Grad ein ... Ihr Harald Schweizer